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Botschaften in Sprechblasen, 100 000 Unterschriften und ein scheuer Minister

Lange haben wir nach Terminen von Gesundheitsminister Rösler im NRW-Landtagswahlkampf gesucht- und ziemlich wenige gefunden. Kein Wunder – die FDP steht im NRW-Wahlkampf mit dem Rücken an der Wand und will das unpopuläre Thema Kopfpauschale lieber deckeln. Da lässt man den prominenten, aber umstrittenen Minister lieber in Berlin. Dann erfuhren wir von einem Auftritt von Bundesgesundheitsminister Philpp Rösler beim Metallforum der Industrie und Handelskammer in Köln.

Roesler in NRW

Foto: Kai Löffelbein

Sein Vortrag lautete: “Damit Gesundheit bezahlbar bleibt” – Das war unser Stichwort: Denn wir wollen, dass Gesundheit bezahlbar bleibt – Und zwar für alle. Mit der Kopfpauschale wird das nicht funktionieren. Uns war klar: Diesen Vortrag von Rösler in der IHK würden wir begleiten und einen ersten Versuch starten dem Gesundheitsminister die Unterschriften zu übergeben.
Schon seit einiger Zeit haben wir an einer tollen Mitmachation gebastelt – Eine große Plexiglasscheibe, die an ein Aquarium erinnert, mit auflackiertem Wasserspiegel, das ganze in einem türkisen Rahmen. Nicht zufällig erinnert das Aquarium an das Aquarium, das wir schon in Berlin beim Treffen der Gesundheitskommission mit hatten – nur diesmal gabs kein echtes Wasser und auch keine StatistInnen – alle konnten mitmachen.

Roesler in NRW

Foto: Kai Löffelbein

Der Aufbau einer riesigen Plexiglascheibe ist allerdings erstmal Schwerstarbeit – 80 Kilo wiegt so eine Scheibe. Aber sie sah toll aus – und wurde von den 30 Aktiven, die an der Aktion teilnahmen, auch eifrig benutzt. Sie konnten Botschaften an Philipp Rösler formulieren und diese auf riesige Sprechblasen schreiben – ihr Bild und ihre Botschaften im Aquarium haben wir fotografisch fest gehalten – auch sie werden wir dem Minister zukommen lassen.

Roesler in NRW

Foto: Kai Löffelbein

Zur Verfügung standen verschieden hohe Einkommenssockel – und die Frage, wie hoch muss das Einkommen sein, damit durch die Kopfpauschale das Wasser nicht bis zum Hals steht? 10 vorher beschriftete Sprechblasen hatten wir mit im Gepäck – ausgewählt unter den hunderten von Sloganvorschlägen, die uns Aktive Ende Januar machten – hier kamen sie richtig gut zur Geltung. “Und in welcher Klasse sind Sie versichert?” stand da oder “Herr Rösler: Lieber beherzt sozial als kopfpauschal!”

Roesler in NRW

Foto: Kai Löffelbein

Aber auch die Botschaften der vielen Aktiven vor Ort waren toll, sie beschrifteten emsig die leeren Sprechblasen mit den mitgebrachten Stiften und sandten ihre Botschaften an den Minister. Diese Botschaften waren umso wichtiger, als dass der Minister selbst ein Treffen mit uns scheute. Er hatte aus “organisatorischen Gründen ” abgesagt. Obwohl wir genau vor dem Eingang des IHK standen, hatte er keine 3 Minuten Zeit für uns.

Roesler in NRW

Foto: Kai Löffelbein

Wegen der ausgeschlagenen Übergabe waren wir aber nicht enttäuscht – wir hatten uns schon gedacht, dass der Minister im Landtagswahlkampf versucht sich aus der Schusslinie zu stellen. Das Angebot, dass eine Mitarbeiterin die Unterschriften in Berlin entgegennehmen könnte, schlugen wir gerne aus – so leicht kommt uns der Minister nicht davon. Inzwischen 102 000 Menschen haben ein Recht darauf, vom Minister und der Öffentlichkeit wirklich wahrgenommen zu werden – und dafür werden wir weiter versuchen eine öffentliche und öffentlichkeitswirksame Übergabe durchzusetzen.

Veröffentlicht von

Christine Borchers, Jahrgang 1977, hat Geschichtswissenschaften und Germanistik an der Universität Bremen studiert. Sie engagiert sich seit Jahren in verschiedenen politischen Bewegungen. Einen Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit legt sie auf antirassistische und antifaschistische Themen.

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: CampAct Blog | Rösler lässt nicht locker – Wir auch nicht!

  2. So kennen wir unsere Lobbyisten-, äh, sorry Volksvertreter:
    auf der Flucht vorm Volk!
    Aber am Sonntag werden wir es bei der NRW Wahl schon richten :-)
    Hoffentlich wird die FDP dann auch aus dem Landtag zwangsgeflüchtet,
    so oder so aber die Sprechblasen-Kofpauschale (via Bundesrat) zu Grabe getragen, auch Dank Campact!
    Also weiter so, es gibt noch viel zu tun!

  3. originelle Ideen, effektive präsentation. Bleibt am Ball und lasst
    den liberalen Hoffnungsträger nicht aus dem Auge. aber vielleicht erlahmt der Elan des Pauschalierers nach der NRW Wahl ohnehin?
    Manfred Huber, Königswinter

  4. Pingback: Gesundheitsminister Rösler will 100.000 Unterschriften nicht entgegennehmen | Gesundheitliche Aufklärung