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4 Drahtesel – 2 Hänger – 120 Kilometer Glücksgefühl

Fotos: Therese Koppe

Fünf Tage lang ist Campact ab diesem Montag mit einem Team von vier AktivistInnen auf dem Endspurt zur Anti-Atom-Kette – der großen Aktions- und Menschenkette für den Atomausstieg am nächsten Samstag. Mit bunt geschmückten Drahteseln radeln wir die 120 Kilometer lange Strecke zwischen den Atomkraftwerken Brunsbüttel, quer durch Hamburg und zum AKW Krümmel ab – überall mobilisieren wir die Anwohner/innen zur Großaktion zu kommen.

Heute startete das Team zum Tourauftakt in Brunsbüttel – der Stadt an der Elbe, in dem das seit über zwei Jahren stillstehende Atomkraftwerk Brunsbüttel – eines der störanfälligsten AKWs der Republik- steht. Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich eine zweite Zeitbombe – das Atomkraftwerk Brokdorf. Genug Zündstoff für Anti-Atom-Proteste könnte man meinen.

Um 08:00 morgens am Hamburger Hauptbahnhof müssen wir zunächst feststellen, dass es gar nicht mal so leicht ist, vier Räder und zwei Hänger mit einem einzigen zur Verfügung stehenden Fahrstuhl auf das unter uns liegende Gleis zu befördern. Dafür bieten sich beim Warten auf den Aufzug genügend Gelegenheiten zum Gespräch mit Passant/innen: „Sach ma, is‘ heute schon Menschenkette odder was?“ begrüßt uns einer. Beim Anblick unserer vielen Fahnen, Wimpel und Aufkleber zur Aktion könnte man ja fast meinen, es sei schon so weit.
Als unser gelb-roter Fahrrad-Korso nach 2 Stunden Regional-Bahn Odysee und einer ca. 1,5stündiger Fahrt übers platte Land, vorbei an Kuh- und Schafheiden und Reet-Dach-Häusern in Brunsbüttel einrollt, kriegen wir erst mal „Thumbs Up“ und Autohupen – einige Autofahrer/innen scheinen sich zu freuen, dass wir durch die Stadt radeln.
Andere sind nicht so erfreut – das kriegen wir zu merken, als wir unseren Info-Stand aufgebaut haben und alle Passant/innen ansprechen zur Großaktion vor der eigenen Tür am Samstag zu kommen. „Für den Atomausstieg? Aber ich arbeite doch im AKW, da würde ich mich ja selbst arbeitslos machen“.

Tatsächlich ist es nicht einfach, die Brunsbüttelner/innen dafür zu begeistern am Samstag rüber zum AKW zu kommen und sich bei der Menschenkette einzureihen. Die Abhängigkeit vom AKW im Ort Brunsbüttel ist bei vielen groß. Dabei gibt es bundesweit gesehen mehr als sechs mal so viele Jobs im Bereich der Erneuerbaren Energien als in der Atomkraft. Und das Potenzial für Erneuerbare Energien in der windreichen Region, die stark landwirtschaftlich geprägt ist ist riesig. Immer und immer wieder sprechen wir Passant/innen die auf dem Weg zum Supermarkt, zur Pizzeria und zur Eisdiele sind an – und bei weitem nicht alle winken sofort ab. Viele, die vorher skeptisch unsere gelb-rot behangenen Räder beäugt haben, die wir von unserem Infostand aufgebaut haben bleiben sogar stehen, fragen nach: „Ist das denn jetzt schon entschieden, dass die AKWs länger laufen?“ – „Nein, wir haben jetzt die Chance zu zeigen, dass wir keine Atomkraft wollen. Deshalb ist es wichtig, sich diesen Samstag in die Menschenkette einzureihen.“

Nach dem vielen Reden und Radeln werden wir hungrig – die Pizzeria gegenüber bringt Abhilfe: Die Pizza Factory Brunsbüttel findet auch, dass der Atomausstieg schnell kommen soll und sponsort uns vier Pizzen – inklusive eines Lunchpakets für unsere Radtour am Abend – dann geht es auf nach Glückstadt, zur nächsten Aktion.

Herzlichen Dank auch an die Brunsbüttelner Streckenkonferenz– die uns bei der heutigen Aktion unterstützt hat! Treffpunkte zur Menschenkette in Brunsbüttel: Samstag, 24. April, direkt am AKW um 13:30 Uhr.
Ab 14:30 steht die Kette – dann startet in Brunsbüttel das „Abpfeifen auf die Atomkraft“ – eine akkustische Welle mit Trillerpfeifen und allem was Krach macht bewegt sich entlang der 120 Kilometer langen Strecke über Hamburg und bis zum AKW Krümmel.

Ab 16 Uhr beginnt die große Abschlussveranstaltung auf der Bühne neben dem AKW – mit Jan Delay und Rantanplan.

Mehr Informationen gibt es unter http://www.anti-atom-kette.de/ablauf/abschlussveranstaltungen.html#c355

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. „… Dabei gibt es bundesweit gesehen mehr als sechs mal so viele Jobs im Bereich der Erneuerbaren Energien als in der Atomkraft.“

    Nach der Erhebung des Bundesumweltministeriums waren 2009 insgesamt 300.500 Menschen in Deutschland in der Branche der Erneuerbaren Energien beschäftigt.

    Die Beschäftigtenzahl in der Atomwirtschaft liegt nach Angaben der Betreiberorganisation Atomforum bei ca. 30.000, d.h. es gibt bundesweit mindestens zehnmal und nicht sechsmal so viele Jobs im Bereich der Erneuerbaren., siehe

    http://www.unendlich-viel-energie.de/de/wirtschaft/detailansicht/article/446/arbeitsplaetze-nach-sparten.html

    und

    http://www.unendlich-viel-energie.de/de/wirtschaft/detailansicht/browse/1/article/446/beschaeftigungsentwicklung-branchenvergleich.html

    Die Beschäftigtenzahl im Bereich der Erneuerbaren soll nach unterschiedlichen Schätzungen bis 2020 auf rund 500.000 ansteigen.

    Weiterhin gute Fahrt!

  2. herzlichen Dank für die vielen Infos und die Supervorbereitung…
    Heiner Menzel