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RWE fürchtet sich vor Ballons und verbietet Protestaktion am AKW Biblis


Letzte Woche waren wir noch vor Ort in Biblis, um mit einem Vertreter des Kraftwerks über mögliche Standorte unserer spektakulären Ballonaktion am 28. Mai zu sprechen. Doch gestern kam die Absage: als Angst vor einem Imageschaden darf die Aktion nicht im Umfeld des Kraftwerks stattfinden. Denn leider ist RWE auch rund ums Kraftwerk Großgrundbesitzer: in einem Radius von mindestens einem Kilometer rings um die Anlage ist alles Land im Privatbesitz von RWE.

Bei der Aktion wollen wir 20.000 mit Helium gefüllte Luftballons beim AKW Biblis aufsteigen lassen. Hinter jedem der schwarz-gelben Ballon steht ein Bürger, der die Menschen im Land an ihre „tödlichen Nachbarn“ erinnert: Die gelb-schwarzen Ballons sollen zeigen, wohin eine radioaktive Wolke wehen würde, wenn es in Biblis zu einem Super-GAU oder einem Terroranschlag käme – im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet wären bei ziemlich jeder Windrichtung Millionen von Menschen betroffen.

Tödliche Nachbarn

RWE stört sich am Motto der Aktion: „Tödliche Nachbarn“. Dabei sind gerade die Uralt-Reaktoren in Biblis besonders anfällig für Pannen und weisen gravierende Sicherheitsmängel auf. So fehlt in Biblis z.B. eine verbunkerte Notstandswarte, von der aus die Reaktoren bei einem Unfall oder Terroranschlag noch gesteuert werden könnten.

Das Verbot ist ein völliges Novum. Bisher ließ RWE den Protest und damit die Ausübung eines demokratischen Grundrechts auf ihrem Privatbesitz immer zu. Zuletzt am Samstag vor zwei Wochen, als 20.000 Menschen die Anlage umzingelten. Doch angesichts des starken – und ständig wachsenden – Widerstandes in der Bevölkerung gegen längere AKW-Laufzeiten scheinen die Nerven bei RWE derzeit blank zu liegen. Denn schafft es Schwarz-Gelb nicht, die Laufzeitverlängerung durchzusetzen, stünde Biblis A als erster Reaktor direkt vor der Abschaltung.

Die Medien haben die Sache schon aufgegriffen. Wir suchen jetzt nach Möglichkeiten, die Ballon-Aktion doch noch stattfinden zu lassen – zur Not auch an einem anderen Standort. Schrottreaktoren gibt es in Deutschland – leider – ja genug.

Veröffentlicht von

Susanne Jacoby, Jahrgang 1981, hat bei Campact die Petitionsplattform WeAct aufgebaut und ist seit Frühjahr 2016 Teamleiterin für die Bereiche WeAct und Themenfindung. Susanne hat Umweltwissenschaften mit den Schwerpunkten Politik und Kommunikation studiert und war am Schreibtisch, auf der Straße und in der Luft mit verschiedenen Organisationen und Bewegungen ehrenamtlich aktiv.

16 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt für die Ballon-Aktion. Den Ballons ist es relativ egal, von wo der Wind weht. Und der Wind, der weht – auch über schlappe 1 km.

    lg, Sattva

  2. @Erik

    Also ich habe für diese Aktionen mehrfach gespendet und war bei der Umzingelung von Biblis und dem Steigenlassen der Ballons dabei.

    Ich fand das nicht sonderlich, sondern schön, Mut machend und eine gute Methode, deutlich seine Meinung zu sagen.

    Was Du mit „wirklich etwas erreichen“ meinst, weiss ich nicht – die sofortige freiwillige Abschaltung aller AKW’s durch die Energiekonzerne beim Anblick der ersten Ballons? Das wäre sicher naiv, aber das hat von den Teilnehmern auch bestimmt keiner erwartet.

    Die Aktionen von RWE im Vorfeld haben aber gezeigt, dass die Konzerne sehr wohl Angst vor den Auswirkungen haben: Dass die Menschen sich über die Lügen und Gefahren ihre Gedanken machen, aktiviert werden und selber aussteigen – und das kann jeder völlig problemlos tun:

    Atomausstieg selbermachen, zu einem echten Ökostromanbieter wechseln und deutlich sagen, WARUM man wechselt!

    Was glaubst Du, wie schnell die Atomkonzerne einlenken, wenn sie auf diese Weise jährlich nur 1-2% Marktanteil verlieren!

    Und das kann schneller passieren, als man denkt,denn die Mehrheit der Bevölkerung ist gegen eine Verlängerung der Laufzeiten der AKW’s (die Mehrheit im Bundesrat auch ;-)!), es fehlt „nur noch“ der letzte, konsequente Schritt.

    Und der kann mit jeder solchen Aktion angestoßen werden.

  3. Ich finde die Aktionen hier sehr sonderlich. Wer meint wirklich etwas durch diese Aktion erreichen zu können, lebt ein wenig naiv.

    Führen wir uns doch vor Augen wer die AKW´s in Deutschland akzeptiert.

    Fast 58 Millionen Bundesbürger. Und das das seit 1949. Die Mehrheit ist anscheinend dafür!!!

    Ich glaube auch nicht das sich mit Reden viel ändern wird. Bei den Summen die die Großkonzerne in Gemeinschaftsarbeit mit der Politik erwirtschaften.

    Hier hätte zum Beginn des Ansinnes der Atomstromeinführung ein komplettes gesetzliches Verbot zur Einführung derartiger Anlagen erwirkt werden müssen, allerdings ohne das Lobbyisten in ihrgendwelchen Gremien mitreden hätten dürfen.

    Die Forschung hätte gut daran getan nicht aus Forschungsgeldergründen ein Handeschütteln mit den Atomstromern einzugehen. Aber bei Geld hörts ja gerne mal auf…. stimmt´s ?

    Die Naturstromforschung wäre wesentlich weiter vorrangekommen.

  4. Ich fände es auch ganz wichtig, dass die Aktion stattfindet, wenn nicht vor dem AKW, dann eben in der nächst möglichen Umgebung.

    Wichtig ist doch, dass wir denen zeigen, dass wir keine Ruhe geben, bis der Atomausstieg endlich vollzogen ist.
    Es ist von enormer Bedeutung, dass die Anti AKW Bewegung jetzt am Ball bleibt, und sich nicht durch die Ergebnisse der NRW Wahl und evtl. zukünftiger Verhältnisse im Bundesrat einschläfern lässt.

    Wie wir sehen, arbeitet Schwarz-Gelb ja schon an einer Umgehung des Bundesrates um eines ihrer letzten Wahlversprechen zu retten.

    Deshalb kann es für alle AKW Gegner nur heißen: Weitermachen mit dem Widerstand!

    Wie hieß es bei 10. Juni von BAP:

    „Plant uns bloß nicht bei euch ein, seit wir euch durchschaut haben, wissen wir dass wir nicht auf dem allerfalschsten Dampfer sind …

    Das ist heute noch so aktuell wie damals.

  5. Wir lassen uns nicht einschüchtern. Ich bin froh, dass ich an der Demonstration in Berlin und jüngst an der Menschenkette in Biblis teilgenommen habe. Hier der Film von Biblis:
    http://www.youtube.com/watch?v=_nOBC33XzcQ

    Ich freue mich darüber, dass „mein“ Ballon demnächst in der Nähe des Atomkraftwerks Biblis aufsteigen wird. Ich wünsche mir, dass noch mehr Bürger diese Aktion unterstützen. Der Atomausstieg muss umgesetzt werden. Verträge sind einzuhalten ansonsten: Sofortiger Ausstieg!

  6. Die Gentechnik (AMFLORA und Co.) sind Bestandteil des Koalitionsvertrags – gruseliger geht´s kaum noch – AKW Laufzeitverlängerungen vermutlich auch Teil dieses „Ehevertrags“?
    Alle Kräfte mobilisieren, um die Lieblingskinder unserer Wirtschaft/Politik ins Wanken zu bringen – Politiker und Wirtschaft, vergesst es nie: wir sind Wähler und Verbraucher – und wir sind mächtig sauer auf Euch!

  7. Wenn ein Ballon auf die Stahlbeton-Kuppel „aufkracht“ ist die Gefahr eines Supergau vorprogrammiert.

  8. Info an campact:
    Dann machen wir eben eine weitere runde Menschenkette um das AKW Biblis zur Aktion.

  9. Pingback: EveryDay Science » Blog Archive » Biblis A nuclear reactor can … | Nuclear Science Applied

  10. Es gibt bestimmt geeignete Plätze im weiteren Umkreis, um die Ballons von dort starten zu lassen – von der Symbolwirkung her macht es direkt am Kraftwerk jedoch am meisten Sinn. Daher haben wir uns bislang gegen eine solche Möglichkeit entschieden. Die andere Rheinseite haben wir uns auch schon angeschaut, dort sind leider große Bäume im Weg…

    Wir haben ein paar tolle Alternativideen, an denen wir zur Zeit noch feilen. Für den 28. Mai wird es zeitlich jetzt wohl zu knapp, wir haben die Aktion erst einmal in den Juni verschoben. Genauere Infos folgen – wir halten Sie auf dem Laufenden!

  11. Und was machen wir nun am 28.Mai? Darf man die Ballons nicht auch von 2km entfernung starten lassen? Gehen trotzdem welche hin? Oder findet dort nun nix statt?

  12. Ihr findet schon noch einen anderen Startort, mit gutem Wind in die richtige Richtung. Und derweil ist ja noch Zeit weitere Ballons zu buchen.
    Ich habe schon mal weiter Werbung dafür gemacht.

    Dass so ein großer Konzern so viel Angst vor so einer Aktion hat? Oder sind die Ballons am Ende eine Sicherheitsgefahr für das AKW?

    Viele Erfolg und weitere super Ideen von Euch.

    Ingeborg Vollmar

  13. Gerade weil RWE es verbieten will und unter dem Eindruck der geplanten Strommengenübertragung vom abgeschalteten AKW Stade muss die Aktion unbedingt in Biblis stattfinden. Der nächste Ort, der nicht RWE gehört ist Ibersheim auf der anderen Rheinseite. Von dort könnte man am Rheindamm ganz nahe am Kraftwerk die Ballons starten, die dann bei Nordwest-Wind direkt über das AKW ziehen würden. Ausweichstandorte (je nach Wetterlage) wären Wattenheim oder Groß-Rohrheim.
    Wir wünschen viel Erfolg und wollen mit mehreren Leuten zum helfen kommen.

  14. Meiner Meinung nach sollte die Aktion wie geplant in Biblis stattfinden, so nahe an den beiden Meilern wie möglich. Das würde deutlich machen, dass man sich nicht von RWE herumschubsen lässt.

    Für die Ausbreitung ist es doch unerheblich, ob der Start in 0, 1, 2, oder 3 km Entfernung von den AKW’s stattfindet, und eindrucksvolle Bilder bekommt man sicher so oder so.

    Im übrigen sieht man an der ganzen aktuellen Diskussion, dass es den großen Energiekonzernen wirklich NUR ums Geld geht – also muss man sie da packen:

    Atomausstieg selbermachen, zu einem echten Ökostromanbieter wechseln und deutlich sagen, WARUM man wechselt!

  15. Die Jungs von RWE haben ja ganz schön die Hosen voll! Nichtsdestrotz muss diese Blockadehaltung massiv in die Presse! Ich hätte RWE gerne direkt angeschrieben, doch ich habe keine eMail-Adresse auf der Homepage gefunden, die wissen schon warum.