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Aktionstag zeigt: Hier bremst Stuttgart 21 den Nahverkehr aus

Wie sehr unser Aktionstag die baden-württembergische Landesregierung verärgert hat, zeigte die Reaktion von Landesumweltministerin Tanja Gönner. Sie bezeichnete unsere Aussage, dass Stuttgart 21 den Nahverkehr ausbremse für falsch, ohne sie dabei zu entkräften.

Dabei haben die Menschen an ihren vielen Standorten in Baden-Württemberg deutlich gemacht: Die falsch verwendeten Milliarden für Stuttgart 21 sind ein Problem für den landesweiten Schienenverkehr. Wir sind überzeugt: Der Aktionstag der an 40 Standorten von Heidelberg bis zum Bodensee stattfand, hat gezeigt, dass die Menschen in der Fläche eine andere Weichenstellung in der Verkehrspolitik wünschen. Keine milliardenschweren Prestigeprojekte auf Kosten von Erhalt und Ausbau des Schienenverkehrs. Dass das Geld für etliche andere Projekte besser investiert wäre, machten Aktive an vielen Orten deutlich.

Aktionstag Freiburg

In Freiburg kamen über 300 Menschen zur Großkundgebung – und zeigten, dass Stuttgart 21 für Südbaden und den dringend nötigen Ausbau der Rheintalbahn nur Nachteile bringt. Schon heute können auch in Südbaden weder Mängel im Nahverkehr beseitigt noch innovative Nahverkehrskonzepte zeitnah umgesetzt werden. Die dringend nötige Umsetzung des Konzeptes „Breisgau S-Bahn 2005“ ist schon längst überfällig. Die Verkehrsexperten Klaus-Peter Gussfeld vom BUND-Landesverband und Hannes Linck vom VCD erklärten in einer Kundgebung, welche verkehrspolitischen Auswirkungen das Prestigeprojekt in Stuttgart hat.

Aktionstag Freiburg

Es gab also viel zu bestaunen, an den unterschiedlichen Aktionen. Besonders schön sahen die Bahnen auf den Bahnsteigen aus, während auf echte Nahverkehrszüge gewartet wurde. In Crailsheim und Schwäbisch-Hall wurde mit der Pappbahn der Nahverkehrszug bestiegen, den die Aktiven „als für diese Region üblich klapprig“ bezeichneten. In Crailsheim demonstrierten über 200 TeilnehmerInnen ihren Missfallen an der schlechten Bahn-Infrastruktur im ländlichen Raum Menschen, lauschten einem kabarettistischen Auftritt von „Frau Gönner“, tranken „DEMO-kratie-Punsch“ und konnten eine engagierte Rede des Verkehrsexperten Winfried Hermann erleben.

Aktionstag Crailsheim

Besonders angetan waren wir von einer Aktion im Bodenseeraum. Dort fuhr eine Aktionstheatergruppe in einem realen Nahverkehrszug und machte Halt an gleich drei Standorten: In Salem, Markdorf und Friedrichshafen. An diesen drei Bahnhöfen der Bodensee-Gürtelbahn waren BUND-Ortsgruppen und die Bodensee-S-Bahn-Initiative präsent, um auf die fatalen Auswirkungen von Stuttgart 21 für den Ausbau des Nahverkehrs in der Region hinzuweisen. Sie forderten einen umsteigefreien S-Bahn-Ringverkehr rings um den Bodensee. Doch für solche sinnvollen Investitionen ist auf absehbare Zeit angeblich kein Geld da. Ihren Pappzug hatten sie in eine Bodensee-S-Bahn ungestaltet und liessen ihn von den Tanja-Gönner und Stefan-Mappus DarstellerInnen ausbremsen. Sie bauten noch etliche bekannte Gesichter aus der Augsburger Puppenkiste mit ein. Die Aktion wurde ausführlich in der örtlichen Presse beschrieben.

Aktionstag in Markdorf

Der Aktionstag von Campact und dem BUND war also nicht nur sehr erfolgreich. Insgesamt nahmen 4000 Menschen an 40 Orten an dem Aktionstag teil und zeigten geradezu flächendeckend, dass sie sich eine andere Weichenstellung in der Verkehrspolitik wünschen. Der Aktionstag zeigte auch auf, wo die konkreten Probleme im öffentlichen Nahverkehr in der Region liegen. Wir sind begeistert von der Vielfalt der Aktionen und sind uns sicher: Der Widerstand gegen Stuttgart 21 wird sich für ganz Baden-Württemberg auszahlen. Und der Aktionstag ist noch nicht mal richtig vorbei: Es gibt noch vier Aktionen, die aus organisatorischen Gründen in den nächsten Tagen stattfinden: am 11.02. in Freudenstadt, am 12.02. in Leinfelden-Echterdingen, am 14.02. in Gammertingen und am 19.02. in Leonberg.