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Japan evakuiert Umland von Atomkraftwerk

Nach dem verheerenden Erdbeben wurde in Japan zum ersten Mal in der Geschichte der atomare Notstand ausgerufen. In zwei Atomkraftwerken kam es zu Störfällen. Im Atomkraftwerk Fukushima fiel das Kühlsystem aus, die Umgebung um die Anlage wurde im Umkreis von drei Kilometern evakuiert. Im Umkreis von 10 Kilometern um die Anlage wurde die Bevölkerung dazu aufgerufen, ihre Häuser nicht zu verlassen. Zwar sei bisher keine Radioaktivität freigesetzt worden, heißt es. Doch die Meldungen klingen besorgniserregend, auch wenn die Lage noch sehr schwer einzuschätzen ist. Denn ein Ausfall der Kühlsysteme kann auch noch nach der Abschaltung eines Reaktors zur Kernschmelze führen. Offenbar reicht die elektrische Versorgung nicht mehr aus, den Reaktor zu kühlen, auch das Notstromaggregat soll laut der Nachrichtenagentur AP ausgefallen sein. Der Reaktor soll derzeit nur noch unzulänglich mit Batteriestrom gekühlt werden. Ob die Kernschmelze noch vermieden werden kann, hängt davon ab, ob es den Technikern gelingt, die Kühlung noch rechtzeitig wieder in Gang zu bringen. Laut der Tagesschau soll der Kühlwasserstand soweit abgesunken sein, dass sogar die Brennstäbe sichtbar wurden. Der Reaktor wurde zwar abgeschaltet, aber damit ist man noch lange nicht im sicheren Bereich.

Ein abgeschalteter Reaktor dieser Größe entwickele eine Nachwärme von 200 Megawatt, die nicht zu beeinflussen sei. Falle die Kühlung aus, so komme es unweigerlich zur Kernschmelze, sagt der Physiker Heinz Smital von Greenpeace. „Die Restzerfallswärme ist ungeheuer groß, nämlich sieben Prozent der Kraftwerksleistung“, sagte auch der alternative Nobelpreisträger Mycle Schneider zu Spiegel online. „Ich würde zurzeit alle Informationen aus Japan mit der Pinzette anfassen.“ Der Atomexperte Schneider war mehrere Dutzend Male Atomgutachter in Japan.

Sollte es zu Kernschmelze kommen, wäre ein Austritt großer Mengen radioaktiver Stoffe zu befürchten. Alles hinge dann nur noch davon ab, ob der Sicherheitsbehälter den ungeheuren Kräften standhält. Fukushima ist die größte Nuklearanlage der Welt, der betroffene Reaktorblock ist einer der ältesten in Japan. Wir können nur für die Menschen in Japan beten (selbst ich als Agnostiker versuche das jetzt mal) und hoffen, dass es noch rechtzeitig gelingt, den Reaktor soweit herunter zu kühlen, dass ein Super-GAU noch verhindert werden kann. Denn das verheerende Erdbeben und die Tsunami-Flutwelle allein sind schon schrecklich genug. Es ist unvorstellbar, was die Menschen dort jetzt durchmachen müssen.

Im Atomkraftwerk Onagawa war zugleich an einem Turbinengebäude ein Feuer ausgebrochen. Die betroffenen Bereiche seien aber vom Reaktordruckbehälter räumlich getrennt, erklärte der Betreiber der Anlage. Inzwischen soll der Brand gelöscht sein. Radioaktive Stoffe sollen nicht ausgetreten sein. Das Erdbeben der Stärke 8,9 auf der Richterskala war das bisher stärkste in der Geschichte Japans. Eine bis zu zehn Meter hohe Flutwelle verwüstete die nordostjapanische Küste. Im Katastrophengebiet liegen mehrere große Nuklearanlagen.Die japanische Regierung hat immer behauptet, die japanischen Atomanlagen seien erdbebensicher.

Auch wenn die Erdbebengefahr nicht mit Japan vergleichbar ist, steht auch das Atomkraftwerk Neckarwestheim 1 auf erdbebengefährdetem Gebiet. In Süddeutschland kommt es regelmäßig zu Erdbeben. Das AKW Neckarwestheim steht zudem auf brüchigem Kalkgestein, das Grundwasser wäscht dort jedes Jahr 1000 Kubikmeter neue Hohlräume auswäscht. Bei der Genehmigung der beiden Atomkraftwerke in Neckarwestheim ging man aber davon aus, der Untergrund sei aus Fels.

Professor Dr. Gerhard Jentzsch, ehemaliger Präsident der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft, kommt in einem Gutachten aus dem Jahr 2005 dagegen zu dem Ergebnis, dass in der Umgebung des AKW Neckarwestheim lediglich „mittelsteifer, poröser Untergrund“ vorliege (Bodenklasse M). Bei einem Erdbeben bedeute dies, dass mit um 30 Prozent stärkeren Erschütterungen zu rechnen sei. Um folgenschwere Schäden zu vermeiden, müssten Bauten auf solch instabilem Grund entsprechend stabiler errichtet werden. Doch die baden-württembergische CDU/FDP-Regierung weigert sich auch nur zu überprüfen, ob die Auslegung der Reaktoren in Neckarwestheim dafür ausreichend ist. Die japanischen Reaktoren sind mit Sicherheit viel besser gegen Erdbeben ausgelegt, als Neckarwestheim 1 und 2. Darüber hinaus weist der alte Schrottreaktor zahlreiche weitere Sicherheitsmängel auf, wie die Physikerin Oda Becker gerade erst wieder in einer Studie im Auftrag des BUND gezeigt hat. Auch im deutschen AKW Biblis drohte am 8. Februar 2004 in der Folge eines Ausfalls der externen Stromversorgung eine Kernschmelze.

Jochen Stay, der Sprecher unserer Partnerorganisation .ausgestrahlt sieht Parallelen zwischen der Informationspolitik der Bundesregierung und der japanischen Regierung. „Das Bundesumweltministerium betreibt eine unerträgliche Desinformationspolitik. Auch die japanische Regierung hatte behauptet, ihre AKW seien erdbebensicher. Was wir in diesen dramatischen Stunden erleben, ist ja gerade, dass selbst eine automatische Abschaltung nicht vor einer Kernschmelze schützt. Selbst nach einer Schnellabschaltung produzieren die Brennstäbe so viel Energie, dass sie ohne ständige Kühlung schmelzen. Das Erdbeben in Japan hat in Fukushima zum Ausfall der Stromversorgung und des kraftwerkseigenen Notkühlsystems geführt. Gleiches kann in deutschen Atomkraftwerken passieren“, so Stay heute in einer Presseerklärung. „Im AKW Neckarwestheim ist die Notstromversorgung besonders labil. Es ist der einzige Reaktor mit nur drei Hauptkühlkreisen. Und es gab bereits wiederholt Ausfälle der Hauptkühlmittelpumpen.“

Ein Grund mehr, morgen an der 45 Kilometer langen Menschenkette zwischen Stuttgart und Neckarwestheim 1 teilzunehmen. Gemeinsam können wir zwei Wochen vor der baden-württembergischen Landtagswahl ein deutliches Signal gegen die verantwortungslose Atompolitik von Ministerpräsident Mappus setzen. Nach Mappus eigenen Worten ist mit ihm die Stilllegung des gefährlichen Schrottreaktors Neckarwestheim 1 „nicht zu machen“. Dann halt ohne ihn. Kommt alle!

Update 19:55 Uhr: Spiegel online meldet, im Reaktordruckbehälter steige der Druck. Es werde überlegt, „Luft“ ( im Klartext: radioaktiven Dampf) abzulassen. Dabei würden zwangsläufig auch radioaktive Stoffe an die Umwelt gelangen. Aber wenn es zu einer Explosion im Reaktorgebäude käme, wären die Folgen noch schlimmer. Auch die Radioaktivität im Reaktorgebäude soll steigen. Unterdessen hat die US-Luftwaffe Kühlmittel aus den USA nach Fukoshima geflogen. Doch bislang scheint es noch nicht gelungen zu sein, den Reaktor herunter zu kühlen. Laut der ARD-Tagesschau sinkt der Kühlwasserspiegel weiterhin. Es droht weiterhin eine Katastrophe.

Welt online meldet: Im Erdbebengebiet im Nordosten von Japan wird auch die Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho mit Notstrom gekühlt. Nach Aussage des international tätigen Atomexperten Mycle Schneider lägen dort rund 3000 Tonnen hochradioaktiver abgebrannter Brennstoff. Das entspreche etwa der Menge an Brennstoff, die in 25 bis 30 Atomreaktoren gelagert wird.

Wir bangen und hoffen mit den Menschen in Japan.

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Recherche & Themenmonitoring - Yves Venedey absolvierte nach Tätigkeiten als Marktforscher, Briefträger, Geschäftsführer, Redakteur und freier Journalist den Studiengang Public Relations an der Deutschen Presseakademie in Berlin. Politisch engagierte er sich bei Mehr Demokratie e.V. und bei Bündnis 90/Die Grünen. Von August 2009 bis März 2014 war er Pressesprecher von Campact, zuvor Pressesprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin. Yves ist auch Autor des Campact-Buchs "Abschalten! Warum mit Atomkraft Schluss sein muss und was wir alle dafür tun können", das 2011 im Fischer Verlag erschienen ist.

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  1. Hört mal, muss tatsächlich immer erst ein Unglück geschehen, damit die Bundesregierung merkt, was sie für einen Bullshit da macht? Erst waren alle für eine Verlängerung der Laufzeit der Kernkraftwerke, nun wird die Laufzeitverlängerung auf einmal aufgrund des Desasters in Japan ausgesetzt. Wir sollten deshalb den Appell an die Kanzlerin Angela Merkel unterschrieben, Atomkraftwerke in Deutschland endlich auszzuschalten. Sowie 100.000 Leute den Aufruf unterzeichnet haben, soll er als Anzeige in bundesweiten Tagesblättern publiziert werden. Unterzeichne hier

  2. @burli
    Auch wenn ich durchaus den ironischen Unterton in Ihrem Beitrag erkennen kann, so halte ich ihn in Anbetracht der dramatischen Lage in Japan für äußerst deplatziert Nur soviel am Rande

    Allerdings finde ich die Panikmache der Oppositionsparteien, die
    offensichtlich nur dem Zweck der politischen Meinungsmache dienen soll, für mindestens ebenso deplatziert …

    Ich hätte es verstanden, wenn vor dem Hintergrund der Ereignisse in Japan die sofortige Abschaltung der ältesten Reaktoren in der BRD, wie sie ja jetzt auch von der Bundesregierung durchgesetzt wird, gefordert würde. Aber nein, man fordert natürlich sofort reflexartig die Abschaltung ALLER REAKTOREN, wohl wissend, daß dies sowohl technisch wie auch wirtschaftlich nicht möglich ist, zumindest nicht, ohne sich in die wirtschaftliche Steinzeit zurückzukapitulieren. Seien wir doch mal ehrlich: was wäre denn die Folge ? Daß der unumstrittene Energiebedarf mit Kohle- bzw Gaskraftwerken, welche ja offensichtlich nicht gerade zur Minderung des CO2 Ausstoßes beitragen gedeckt würde ? Dann kämen sofort die Wehklagen der Grünen, daß man doch nicht zur Erderwärmung beitragen dürfe. Oder die Deckung des Energiebedarfs aus dem Ausland ? Hier kommt ja bekannterweise die Energie einfach so aus der Steckdose, ohne irgendwelche Beeinträchtigung aus der Umwelt. Oder sind tschechische, französchisch, englische oder das geplante neue AKW in Finnland etwa weniger gefährlich ? Die atomare Wolke würde ja sicher an der Grenze zur BRD Halt machen, da wir uns ja so vehement gegen die Atomkraft wehren. Entschuldigt bitte den ironischen Unterton, aber mir fehlen bei der grünen Argumentation einfach die wissenschaftlichen Grundlagen.
    Mit nachdenklichen Grüßen
    derhans

  3. So eine große Katastrophe konnte ich mir garnicht vorstellen. Dort ist Erdbeben, Überschwemmung und Radioaktive Strahlung. Alles auf einmal. Ich hoffe es ist bald alles zuende, die armen Menschen, die wissen nicht vor was sie sich schützen sollen. Ich finde wir sollen alle Helfen, damit es wenigstens etwas besser wird.

  4. Immer diese Panikmache! Die Wolke über dem Kernkraft Fukushima ist selbstverständlich nur ein Test der Vernebelungsanlage, um terroristische Anschläge zu erschweren. So etwas soll in Deutschland auch eingesetzt werden. Also bitte Ruhe bewahren und weiter auf verdächtige Personen achten!

  5. @Karl: Natürlich haben auch die Anlagen in Japan Diesel-Notstromgeneratoren. Aber das Erdbeben hatte die normale externe Stromversorgung zerstört und anschließend der Tsunami die Dieseltanks regelrecht weggespült. Da blieben als letzte Möglichkeit die Akkus, die eigentlich nur dazu gedacht waren, ein paar Minuten zu überbrücken – etwa beim Übergang von der externen Versorgung auf Eigenversorgung.

    In Deutschland verfügen die AKW ebenfalls über Diesel-Notstromgeneratoren, die das AKW bei einem Stromausfall mit externem Strom versorgen. Aber wenn die, wie in Japan, auch zerstört werden sollten – durch eine Naturkatastrophe, eine Explosion, einen Brand oder einen Terroranschlag – dann lässt sich die Kernschmelze praktisch nicht mehr aufhalten. Terroristen müssten also gar nicht das Reaktorgebäude selbst zerstören, es würde genügen wenn sie mit modernen Sprengwaffen (Gewehrgranaten zum Beispiel) die Stromversorgung zerstören – dazu müssten sie nicht einmal das AKW-Gelände betreten. Danach könnten abhauen und sich ein bis zwei Stunden später die Kernschmelze im Fernsehen ansehen…

  6. In meinen Augen ist es aber neben der Katastrophe um das AKW auch furchbar, dass zum einen die deutsche Politik nur ganze drei Tage gewartet hat, bis sie das ganze zu einem Wahlkampf und innenpolitischen Thema gemacht hat und dass dieses eine Ereignisse die schrecklichen Tragödien, die in ganz Japan stattfinden überdeckten. Alles redet nur über das eine, dabei das das Erdbeben auch so schon furchtbar gewütet.

  7. Seitdem ich gelernt habe, dass AKWs (jedenfalls jene in Japan) für den „station black out“ offenbar eine Notstromversorgung per Akkus haben, drängt sich mir eine Frage auf:
    Wäre es dann nicht logisch und zwingend erforderlich, eine solche Vorsorge für länger als die Zeit zu haben, die das AKW NACH dem Abschalten (ob automatisch oder manuell) noch gekühlt werden muss???
    Wie ist die Situation in dieser Hinsicht in Deutschland, Europa, weltweit? Es handelt sich ja nicht um ein lokales Problem, die „Globalisierung“ ist, was atomare Wolken angeht, von der Natur unabwendbar vorgesehen…

  8. Als älterer Bürger ist für mich die Regierung nur noch peinlich.
    “ Sicherheitsüberprüfung aller AKW´s “
    Auf welcher Grundlage wurden dann die Laufzeiten verlängert ?

    Über unsere Köpfe hinweg wurde im letztem Jahr entschieden. Wir bezahlen nicht nur Geld an Lobbyisten sondern bezahlen auch mit „unserer Gesundheit“ und für unsere Kinder und Enkel.
    Die Ereignisse in Japan sollten auch den letzten Befürworter von Atomkraft wach rütteln.
    Wieviel Geld ist unser Leben wert.!?

    Gruß aus Hamburg

  9. Ich sitze hier ca. 8 km vor Neckarwestheim, in der sog. „roten Zone“. Des Nachts sehe ich immer eine rot glühende Wolke am Himmel Ri. Neckarwestheim – man kommt kaum dazu zu vergessen das es da, und eine ständige Gefahr ist.
    Gestern sind wir an dem Ding direkt vorbei gefahren und heute gehen wir zur Atomkette. Ich bin seit ca. 5 Jahren Kunde von Greenpeace Energy, aber wenn Neckarwestheim hoch geht wird auch das mir nichts nützen. Mappus hat seinen Heli in Stuttgart hinter’m Haus geparkt, damit er schnell abhauen kann wenn’s, im wahrsten Sinne des Wortes, „brenzlig“ wird. Nichts desto trotz hängen hier überall Wahlplakate in der Gegend rum mit seinem dickbackigen Gesicht drauf und den Worten „Vertrauen Verantwortung“ drauf. Ha ha … wer’s glaubt.

  10. @derhans … ich habe als Mutter, die den Supergau von Tschernobyl mit einem Säugling im zarten Alter von 6 Monaten erleben musste, kein Verständnis für Deine Wortwahl *angeblich* ! – deutsche AKW´s sind nicht *angeblich* unsicher, sie sind tödlich (Beweise dafür gibt es mehr als genug – auch die Atomlobbyisten können sich darüber nicht hinwegsetzen) Das, was in Tschernobyl passiert ist, kann jeden Tag überall auf der Welt auch passieren und wir wollen alle den Menschen in Japan nicht wünschen, dass sie ein zweites Tschernobyl erleben müssen. Die Laufzeit unserer AKW´s ist längstens überschritten und es ist kaum zu glauben, dass es immer noch Menschen gibt, die an die Sicherheit deutscher AKW´s glauben in unserem doch so aufgeklärten Zeitalter. Wäre die Weltbevölkerung damals schon so aufgeklärt gewesen beim Bau des ersten AKW´s, was für Opfer die Menschen bringen müssen für den *angeblich sauberen Strom* und hätten solche Studien schon vorgelegen, wie die, auf die ich hier hinweisen möchte, die nämlich die Sicherheit deutscher AKW`s auf allerschrecklichste Weise ad absurdum führt, bin ich davon überzeugt, hätte es nie ein AKW gegeben – zumindest nicht in Deutschland. Das hätte die deutsche Bevölkerung zu verhindern gewusst !!! Japan zeigt uns mal wieder, wie wichtig der Ausstieg aus der Atomenergie ist. Es gibt kein sicheres Atomkraftwerk – nirgendwo auf der Welt – auch wenn es sich manche Menschen gerne einreden möchten.
    Auf keinen Fall möchte ich Dich hier menschlich angreifen, verstehe das bitte nicht falsch, aber vertiefe doch bitte Dein Wissen über die deutschen AKW´s … ich bin sicher, dann wirst Du auch anders denken. Denn es ist egal, wer sie wo baut, sie sind und bleiben tickende Zeitbomben, die nicht kontrollierbar sind.
    Zur Studie:
    Damals machte auch das deutsche AKW Krümmel Schlagzeilen. WissenschaftlerInnen hatten festgestellt, dass um das AKW auffällig viele Kinder an Leukämie erkrankten. Doch die zuständigen Behörden zweifelten die Ergebnisse an.

    2001 belegte die internationale atomkritische ÄrztInnenorganisation IPPNW, dass im Umkreis zweier bayrischer Atomkraftwerke sehr viele Kinder an Krebs erkrankten – überdurchschnittlich viele -. Nach den Untersuchungsergebnissen reagierten die Behörden nicht, die Ergebnisse stiessen auf taube Ohren. Erst als dann die ÄrztInnen die Bevölkerung durch Protestaktionen darauf aufmerksam machten und Tausende von Unterschriften von Bürgern sammelten, wurden die Ämter mobil. Unter diesem enormen öffentlichen Druck gab das Bundesamt für Strahlenschutz dann endlich 2003 beim Mainzer Kinderkrebsregister die Studie «Kinderkrebs um Kernkraftwerke» (KiKK) in Auftrag. Wer diese liest, glaubt, sich in einem Horrorfilm wiederzufinden.

    Die eindeutigen Resultate liegen vor – und man kann über deren Ergebnis nur geschockt sein:
    Kinder unter fünf Jahren, die in der Nähe eines der sechzehn deutschen Atomkraftwerke leben, erkranken signifikant häufiger an Krebs – das allgemeine Krebsrisiko ist um 60 % !!! erhöht, desweiteren das Risiko, an Leukämie zu erkranken, sogar um ganze 120 Prozent !!! Die Studie ist breit abgestützt und umfasst einen Zeitraum von 24 Jahren – ein unwiderlegbarer Beweis also.
    Nachdenkliches Wochenende wünsche ich.

  11. Umweltminister Röttgen behauptet, dass auf Grund der aktuellen Wetterlage keine Gefahr für Deutschland bestehe.
    Wenn ein GAU passiert interessiert die aktuelle Wetterlage nicht.
    Zur Zeit kann die Bundesregierung nur versuchen, möglichst viele Leute aus dem Risikokreis von 150 km zu evakuieren.
    Das Risko eines GAU liegt bei über 1%! Wahrscheinlich sogar über 10%.

  12. Für den Stopp und die sofortige Abschaltung aller Atomenergieanlagen auf Kosten ihrer Betreiber!
    In einer ersten Stellungnahme gab der Greenpeace-Reaktorexperte Heinz Smital bereits zu bedenken: „Selbst ein abgeschaltetes Atomkraftwerk kann noch zum GAU führen.“ Nämlich dann, wenn die Kühlung ausgefallen ist und die Nachwärme aus dem stillgelegten Betrieb zu einer Kernschmelze führen kann. Einige Stunden später, gegen 17 Uhr, unterstrich das der Sprecher der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS), Sven Dokter, in Köln unter Verweis auf japanische Angaben. Da die Notbatterien nur noch wenige Stunden reichen, droht „im allerschlimmsten Fall dann eine Kernschmelze“.
    Rettet die Umwelt vor der Profitgier!
    Sofortige Stilllegung aller Atomanlagen auf Kosten der Betreiber!
    Förderung umweltschonender Energien!

  13. „Nicht nur Atomkraftwerke bereiten Japan unterdessen Sorge. Auch die Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho wird derzeit mit Notstrom gekühlt. „Hier liegen rund 3.000 Tonnen hochradioaktiver abgebrannter Brennstoff“, sagte der international tätige Atomexperte Mycle Schneider der Nachrichtenagentur dapd. Das entspreche etwa der Menge an Brennstoff, die in 25 bis 30 Atomreaktoren gelagert wird. „Wenn die Brennstäbe nicht gekühlt werden, entzünden sie sich selbst“, erklärte Schneider.“ Quelle: http://www.derwesten.de

  14. Atomkraft ist nicht sicher – und sauber schon garnicht! Allein bei der Uranerzgewinnung wird unermesslich viel Schaden angerichtet. Um ein paarhundert Gramm Uran für die Produktion von Brennstäben zu gewinnen wird tonnenweise Gestein zermahlen… Übrig bleiben gigantische Mengen strahlender Müll!
    Wer sich davon ein Bild machen will, sollte sich den film „Yellow Cake“ ansehen (Trailer und Spiel-orte sind auf http://www.yellowcake-derfilm.de zu finden)

  15. Îch gehe völlig konform mit der Ansicht, daß auf lange Sicht alternative Energien die bessere Wahl sind ( schon allein vor der Perspektive, daß spaltbares Material auch nicht unbegrenzt vorhanden ist auf diesem Planeten ). Und ich sehe durchaus das Wirtschaftspotential, das in der Entwicklung alternativer Energien steckt und bin auch sehr dafür, dies weiter mit aller Kraft zu fördern, meinetwegen auch über höhere Strompreise, die dann aber auch genau dafür verwendet werden und nicht in irgendwelchen dunklen Kassen verschwinden.
    Allerdings ist auch unbestritten, daß dieser Prozess noch Zeit braucht und die derzeitigen Alternativ-Energie-Optionen bei weitem nicht zur Deckung des Energiebedarfs ausreichen und in näherer Zukunft auch nicht ausreichen werden. Also stellt sich die Frage, wie man die Zeit bis dahin adäquat überbrücken kann. Einfach AKWs abschalten und darauf zu hoffen daß sich dann schon alles von alleine regelt, ist mir da ein wenig zu kurz gesprungen.

  16. Ich habe schon vor dreißig Jahren die Meinung gehabt:
    Atomkraft? Nein Danke!
    Ich bin auch fest davon überzeugt, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung das genauso sieht – aber der kleinste Teil der Bevölkerung entscheidet darüber, wie lange sie noch laufen dürfen. Das nennen wir dann Demokratie

  17. @ z.Bsp. der Hans:

    Warum vergesst Ihr immer, daß erneuerbare Energien die einzige Zukunftspersperktive sind und, dass sie zusätzlich noch ein enormer Wirtschafts- und Wachstumsmotor sein könnte, wenn die Politiker nicht im Atomlobbykäfig gefangen wären und innovative Systeme aktiv fördern würden.
    Sollen wir wirklich warten bis wir unsere Solar- und Windanlagen „Made in PRC“ kaufen müssen? Kann doch nicht sein, wo doch unsere Politiker immer den Mund so voll nehmen mit der Beschäftigungslage in Deutschland, dem Standortfaktor, Technologie und Know-How Land….

  18. Pingback: till we *) . Blog » Kurz: AKWs und Erdbeben

  19. Die Leute die hier so vehement gegen die angeblich unsicheren deutschen AKWs wehren, sollten sich vor Augen halten, daß wir mit jedem abgeschalteten Kraftwerk in der BRD unter Umständen ein neues noch unsichereres in den Nachbarländern fördern ( z.B. Tschechien, Frankreich usw.).

    • @derhans : Ihre Argumentation entbehrt jeglicher Logik. Warum soll der Atomausstieg in Deutschland Atomkraft in anderen Ländern fördern? Das Gegenteil ist der Fall: Wenn wir mit gutem Beispiel voran gehen und unsere Atomkraftwerke nach und nach abschalten, zeigen wir dass der Atomausstieg möglich ist. Andere Länder werden uns dann folgen, denn populär ist Atomkraft fast nirgends. Selbst in Frankreich sehen viele in ihr nur eine Art notwendiges Übel. Zahlreiche Studien beweisen, dass wir aus der Atomkraft aussteigen können, ohne das wir deshalb Atomstrom aus dem Ausland importieren müssen.

      Außerdem ist es ein Märchen, dass die deutschen Atomkraftwerke die sichersten der Welt seien. Die deutschen Atomkraftwerke sind die drittältesten der Welt. Nur in den USA und Großbritannien ist der Kraftwerkspark noch ein wenig älter. Die ältesten deutschen AKW gingen ans Netz, als noch der VW-Käfer vom Band lief. Und ausgerechnet die drittältesten Atomkraftwerke der Welt sollen die sichersten sein? Fakt ist, die deutschen Reaktoren werden Tag für Tag maroder.