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Castor-Tour erreicht Hamburg

Rekord beim 7. Stopp der Castor-Tour in Hamburg: Heute stellten sich 300 Menschen dem Castor in den Weg! Drei Mal blockierten sie ihn erfolgreich. Mit lautem Trommeln auf Atomfässern und einer Menge Demoslogans marschierten wir mitten durch die Mönckebergstraße, die Haupteinkaufstraße in Hamburg. „Gorleben stoppen! Gorleben soll leben!“ schallte es den vielen Passanten beim Wochenendbummel entgegen und „Hopp, hopp, hopp, Gorleben ist ein Flopp!“ Auch seit heute in unserem Slogan-Repertoire: „Hamburger, stellt euch quer, wir wollen kein Atommüll mehr!“

Die Hamburger/innen hatten einen Mordsspaß bei unserem Blockaden. Zu diesen haben wir uns bei jedem Tourstopp mehr Details ausgedacht, sodass wir heute beim siebten Tourstopp in Hamburg schon fast ein kleines Theaterstück aufführten: Christoph von Campact stand im Strahlenschutzanzug am Castor und spielte den Atomlobbyisten, der die Menschen auffordert, die Blockade zu räumen und dabei von den Vorzügen der Atomenergie schwelgt. Ich hockte bei den Demonstrant/innen auf der Straße und hielt die Gegenrede oder stimmte mit den anderen Slogans an. Am Ende siegten die entschlossenen Blockierer/innen und der Castor musste rückwärts fahren. Fasziniert von dieser kleinen Performance war der Hamburger Zauberer Nico, der uns sogleich anbot, bei der morgigen Aktion in Lüneburg den Part des Atomlobbyisten zu unterstützen – das verspricht Spaß für die morgige Demo.

Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg erzählte bei der Abschluss-Kundgebung eindrücklich vom Widerstand im Wendland gegen den Atommüll-Standort Gorleben. Florian von Robin Wood in Hamburg wies auf die Atomanlage im nicht weit entfernten Grohnde hin. Und Chistoph Bautz von Campact machte deutlich, dass von einer völlig neuen Endlagersuche auf einer „weißen Landkarte“, wie sie Umweltminister Röttgen vor Kurzem beim Treffen mit den Bundesländern zum Thema Endlagersuche angekündigt hat, nicht die Rede sein kann. Nicht, so lange der Schwarzbau im Salzstock Gorleben fortgeführt wird. 1,6 Milliarden Euro wurden dort bisher vergraben, obwohl schon in den 1970er Jahren klar wurde, dass sich dieser Salzstock geologisch nicht für die Lagerung von hoch radioaktivem Atommüll eignet. Und seit letztem Jahr wird dort im 3-Schichtbetrieb weiter gearbeitet. Im Bundeshaushalt für nächstes Jahr sind weitere 73 Millionen Euro für die so genannte „Erkundung“ des Salzstocks Gorleben vorgesehen und nur 3 Millionen für das Prüfen anderer Standorte. Auf der „weißen Landkarte“ von Herrn Röttgen ist ein ganz dickes, rotes Kreuz zu sehen: Gorleben.

Während ich dies schreibe, sitze ich im Führerhaus unseres Castor-Transporters auf dem Weg nach Lüneburg. Besonders in den Städten, aber auch auf der Autobahn erntet man erstaunte Gesichter durch die Fensterscheibe des Castors: Was macht hier ein Castor mitten auf der Straße? Der feine Unterschied unseres Castor-Imitats zu den echten Strahlentransportern per LKW: anstatt „www.kernenergie.de“ steht auf unserem Castor „www.castortour.de“.

Mit der Castor-Tour sind wir bisher 1.850 km gefahren: Von Karlsruhe über Heidelberg, Frankfurt, Kassel, Hannover und Bremen nach Hamburg. Morgen Mittag werden wir in Lüneburg sein. Am Dienstag sind wir dann in Braunschweig und am Mittwoch beenden wir die Castor-Tour in Berlin, wo wir das 10 Meter hohe, aufblasbare X Herrn Röttgen direkt vor das Umweltministerium stellen werden. Ab Donnerstag werden dann die Proteste und Aktionen im Wendland starten. Machen Sie mit bei den Aktionen rund um den Castor-Transport! Wahrscheinlich fährt auch aus Ihrer Stadt ein Bus zur Demo am Samstag, den 26. November in Dannenberg. Hier finden Sie alle Infos zur Demo.

Danke an die vielen, engagierten Hanseaten, die heute bei der Aktion dabei waren. Wir sehen uns im Wendland!