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Castor-Tour: Finale in Berlin

Der Abschluss unserer zweiwöchigen Castor-Tour von Süden nach Norden entlang der möglichen Castor-Strecke endete heute mit einer Demonstration in Berlin. Vom Brandenburger Tor zogen wir mit rund 200 Menschen über die Friedrichstraße bis vor das Umweltministerium. Trotz eisiger Kälte und dem Termin am Mittwoch Vormittag kamen entschlossene Berliner/innen, die sich dem Castor auf seinem Weg nach Gorleben in den Weg setzten.

Finale der Castor-Tour in Berlin

Zwei Mal brachten sie den Castor zum Abbiegen. Samba-Rhythmen, Ausharren auf der Kreuzung auf Strohsäcken, alte Wendland-Lieder wurden angestimmt. „Hopp, hopp, hopp, Castor Stopp!“ tönte es die Friedrichstraße entlang. Der LKW mit den Castoren musste vor den Demonstrant/innen halten. Mit all seiner Überredungskunst versuchte ein Atomlobbyist, die „Wutbürger“ und „Querulanten“ von der Straße zu bewegen. Mit Pfiffen und Buh-Rufen wurde er überstimmt. So wurden am Ende alle Atomfässer vor dem Umweltministerium abgeladen. Denn nach Gorleben können sie nicht gebracht werden – zu unsicher, das war die einhellige Meinung der Demonstrant/innen.

Blockade an der Friedrichstraße

Zur Präsentation der vielen hunderten Unterschriften auf dem 10 Meter hohen, aufblasbaren X und zur Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern über die Frage der Lagerung des Atommülls hatten wir Umweltminister Röttgen eingeladen. Doch gestern sagte sein Referent ab. Auch keiner von Röttgens Beamten hielt es für notwendig, sich den drängenden Fragen der anwesenden Berliner/innen zu stellen. Dabei droht das von ihm angekündigte Endlagersuchgesetz zur Farce zu werden. Die völlig neue Suche „auf einer weißen Landkarte“, die Röttgen beim Treffen mit seinen Länderkollegen ankündigte, läuft immer noch auf Gorleben hinaus, so lange dort Tag für Tag im Dreischichtbetrieb der Salzstock zum Endlager ausgebaut wird.

1,6 Milliarden Euro sind in den Ausbau des Salzstocks in Gorleben geflossen. Kein Wunder, dass die Regierung diesen Standort nicht so leicht aufgibt, auch wenn er geologisch völlig ungeeignet ist. Die geplanten Haushaltsausgaben für die Endlagersuche im kommenden Jahr sprechen Bände: dort sind 73 Millionen Euro für die weitere „Erkundung“ des Salzstocks Gorleben eingeplant und nur 3 Millionen für die Suche nach anderen Standorten. Strahlenmüll im maroden Salzstock Gorleben zu lagern ist verantwortungslos und gefährlich. Mit unserer Tour durch zehn Städte entlang der Castor-Route konnten wir zeigen, dass sich die Menschen bundesweit gegen ein Endlager in Gorleben einsetzen: „Gorleben soll leben!“ klang es laut und entschlossen von Karlsruhe bis nach Berlin.

Vorsicht Strahlung: Der Castor rollt durch Berlin!

Heute Vormittag hatten wir mit den symbolischen Blockaden und den unglaubwürdigen Reden des Atomlobbyisten viel Spaß. Jetzt wird es ernst. Vor einer halben Stunde hätte sich der echte Castor vom französischen Valognes aus in Bewegung setzen sollen. Doch gerade gibt es an der Castor-Strecke einen Stromausfall und erst einmal bewegt sich an der Strecke gar nichts mehr. Schon heute früh gab es Festnahmen und Tränengaseinsatz von Seiten der Polizei, als die Atomkraftgegner bei Valognes auf die Schiene gehen wollten.

Wir sind gespannt, wann der Castor losfährt und ob er diesmal erfolgreich aufgehalten werden kann. Alle aktuellen Infos aus dem Wendland und darüber hinaus gibt es auf der Seite des Castor-Tickers. Alle, die es zeitlich und gesundheitlich einrichten können: Kommt ab morgen ins Wendland oder zu den Aktionen im Süden Deutschlands. Kommt spätestens zur großen Demo in Dannenberg am 26. November. Die Anti-AKW-Bewegung wird an Größe und Erfolg des diesjährigen Widerstands gegen den Castor gemessen werden. Hier finden Sie alle Informationen zur Demo.

Unsere Castor-Tour geht heute zu Ende, der richtige Castor kommt. Vielen Dank an alle, die an der Castor-Tour 2011 mitgewirkt haben: ob als Helfer/in, mit einer Spende oder als Teilnehmer/in. Mir haben die zehn Aktionen in zwei Wochen viel Spaß gemacht! Ermutigt fahre ich morgen ins Wendland und hoffe, euch alle dort wiederzusehen.

Um 17 Uhr waren wir mit dem beleuchten, zehn Meter hohen X als Zeichen für unseren Widerstand vor dem Kanzleramt. Kurz zuvor war der Castor im französischen Valognes losgefahren. Im Dunkeln mit zum x geformten Knicklichtern entstanden schöne Bilder.

++ Update 16:01 Uhr: Der Castor-Zug ist in Frankreich losgefahren. Aktuelle Infos gibt es im Castorticker ++

 

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Astrid Goltz, Jahrgang 1983, hat Kulturwissenschaften in Lüneburg und Santiago de Chile studiert. Seit vielen Jahren ist sie ehrenamtlich in Umweltprojekten aktiv, zuletzt bei den Klimapiraten. Hauptamtlich hat sie für die BUNDjugend zum ökologischen Fußabdruck gearbeitet und für den BUND das Klimaforum Bonn 2010 mit organisiert. Ihre Schwerpunktthemen als Campaignerin bei Campact sind Gentechnik und Agrarpolitik sowie Flüchtlingspolitik.