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Interview mit Blumio – 5 Fragen zu TTIP

Der Musiker Blumio ist mit seinen kritischen Raps zum Online-Star geworden. In seinen "Rap Da News" spricht er sich jede Woche zu politischen Themen und Weltgeschehen aus. Warum er so vehement gegen das Abkommen TTIP rappt, verrät er im Interview.

Der Musiker Blumio ist mit seinen kritischen Raps zum Online-Star geworden. In seinen „Rap Da News“ spricht er sich jede Woche zu politischen Themen und Weltgeschehen aus. Warum er so vehement gegen das Abkommen TTIP rappt, verrät er im Interview.

Foto: Japsensoul

Warum rappst du gegen TTIP, Blumio?

Blumio: Ich mache meine Rap Da News ja zu vielen verschiedenen Themen. Aber speziell das TTIP-Freihandelsabkommen ist ein wichtiges Thema. Da muss viel mehr Information her. Das Problem mit TTIP ist ja, dass es so wahnsinnig komplex ist. Das ist nicht wie „Rettet die Wale“. Bei so was hat man Fotos von toten Walen und ein klares Feindbild. TTIP dagegen ist nicht so plakativ. Viele Leute wissen überhaupt nicht, wie gefährlich TTIP für unsere Demokratie ist. Mit meinen Rap Da News versuche ich, den Leuten die Informationen zu geben, die sie aus den herkömmlichen Medien nicht bekommen.

Worüber müssen die Leute denn informiert werden?

Blumio: Darüber, dass das Freihandelsabkommen unsere Demokratie aushebeln könnte. Aktuell geht man alle vier Jahre einmal wählen, um in der Politik mitzuentscheiden. Das ist zu wenig für Menschen wie mich, die sich als Demokraten begreifen und Einfluss auf die Politik nehmen wollen. Und die ganzen Lobbyisten, die da in der Politik rumhüpfen, die haben jetzt schon einen viel größeren Einfluss, als sie haben sollten. Aber wenn das Abkommen tatsächlich kommt, dann liegt endgültig die Macht bei den Großkonzernen.

Wie meinst du das?

Blumio: Nach dem Abkommen dürfen Unternehmen dann Länder verklagen. Stell dir vor, wir demonstrieren gegen Fracking. Und dann kommt ein Unternehmen und sagt: „Hey, wenn ich kein Fracking mehr betreiben darf, dann verliere ich drei Milliarden Dollar.“ Dann kann dieses Unternehmen darauf klagen, dass ihm 3 Milliarden erstattet werden – oder Fracking doch erlaubt wird. Da können wir doch gleich einen Konzernchef an die Spitze der Demokratie stellen statt gewählten Vertretern.

In deinen Rap Da News nennst du TTIP einen „heimlichen großen Plan“. Was meinst du damit?

Blumio: Damit meine ich, dass eines der größten Probleme von TTIP ist, dass alles so geheim gehalten und nur hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. Mir macht das Angst. Wer weiß, was in diesen Verträgen noch so alles drinsteht, wovon die Öffentlichkeit nichts mitbekommt.

Am Samstag findet ein europaweiter Aktionstag gegen TTIP statt. Glaubst du, dass es möglich ist, das Abkommen zu verhindern?

Blumio: Ich glaube, das Wichtigste ist erst einmal Information. Ich kann mir gut vorstellen, dass Ilse von nebenan gar nicht weiß, was TTIP ist. Die denkt vielleicht, sie würde durch „islamistischen Terror“ bedroht oder durch die Roma in ihrer Nachbarschaft oder so. Dabei ist die Gefahr in Wirklichkeit eine ganz andere. Deswegen muss man die Menschen informieren. Das mache ich mit meinen Rap Da News, das machen die Leute mit ihren Unterschriftenlisten auf dem Akionstag, das kann jeder machen, der seinem Kumpel erklärt, was TTIP ist und warum man es ablehnen sollte.

Den Leuten muss klar werden, dass es nicht reicht, einmal alle vier Jahre wählen zu gehen, sondern dass sie sich jetzt wehren müssen. Und wenn es dann, bevor die Verhandlungen endgültig vorbei sind, doch große Protesten gibt, dann kann ich mir schon vorstellen, dass wir eine Chance haben, das Freihandelsabkommen zu verhindern.

Interview: Laura Meschede

PS: Am Samstag ist der Aktionstag des Bündnisses gegen TTIP an dem Aktive bundesweit Unterschriften für die selbstorganisierte Europäische Bürgerinitiative auf den Straßen sammeln. Jeder kann Unterschriftenlisten ausdrucken und mitmachen. Mehr Infos dazu hier: Aktionstag gegen TTIP

Zur Person

Blumio, Rapper aPorträt: Blumio, Rapper, Rad da News, Foto: Japsensoulus dem Rheinland, hatte seinen Durchbruch im Jahr 2005 mit dem Lied „Meine Lieblingsrapper“. 2008 veröffentlichte Blumio das Album „Rush Hour“ – das erste Release auf seinem Label „Japsensoul“. Mittlerweile hat der Rapper bereits drei Alben veröffentlicht. Seit Ende 2012 präsentiert Blumio seine „Rap da News!“ auf Yahoo. Hier nimmt er in seinen Raps wöchentlich Bezug auf aktuelle Themen aus Politik und Weltgeschehen –  und auch zu TTIP. 2013 wurde er von der Stadt Düsseldorf mit dem Kulturförderpreis in der Sparte Musik ausgezeichnet.

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Autor*innen

Laura Meschede

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