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Der Kohlewiderstand flackert auf

In fast 40 Orten ließen Aktive von Greenpeace und Campact heute ein gelbes X erstrahlen – und machten so die Forderung nach einem Einstieg in den Kohleausstieg bundesweit sichtbar. Ein guter Tag für die Anti-Kohle-Bewegung! Irgendwie passte diese Bild nicht ganz zur Saison. Zwar wunderten die Passanten sich nicht, dass da mehr als 100 Menschen […]

In fast 40 Orten ließen Aktive von Greenpeace und Campact heute ein gelbes X erstrahlen – und machten so die Forderung nach einem Einstieg in den Kohleausstieg bundesweit sichtbar. Ein guter Tag für die Anti-Kohle-Bewegung!

Irgendwie passte diese Bild nicht ganz zur Saison. Zwar wunderten die Passanten sich nicht, dass da mehr als 100 Menschen mit Laternen durch die Gegend liefen. Doch warum hier, an einer vielbefahrenen Straßenkreuzung in Berlin? Warum so viele Erwachsene? Und warum diese Schilder, die mit Laternenlaufen ungefähr so viel zu tun haben wie Kohlekraft mit Klimaschutz?

Ein leuchtendes X gegen die Kohlekraft

Die Sache ließ sich schnell aufklären. Der Ort: Die Parteizentrale der SPD. Die Schilder: Eine deutliche Botschaft an den SPD-Chef, den Vizekanzler Sigmar Gabriel. „Herr Gabriel, Kohlekraft stoppen!“ prangte dort. Und die Erwachsenen: Motiviert von der Sorge um die Welt, in der kommende Generationen einmal leben werden, wenn Sigmar Gabriel nicht endlich den Kohleausstieg einleitet und so den Klimawandel bremst.

Szenenwechsel, Hofheim bei Frankfurt: Genau jenen Vizekanzler empfingen hier aufgebrachte Bürger/innen. Eigentlich wollte Gabriel dem SPD-Landesverband Hessen auf seinem Parteitag Mut zusprechen – musste sich aber erstmal für seine Kohlepolitik rechtfertigen. Denn verschiedene Medien berichteten vor einiger Zeit, dass Gabriel über 20 Kohlekraftwerke auf einen Streich abschalten könnte. Doch nun berichtet der Spiegel, er drohe vor der Kohlelobby einzuknicken.

Mehr Bilder findest Du auf dem flickr-Account von Campact.

Beide Aktionen waren Teil des gemeinsamen Anti-Kohle-Aktionstags von Campact und Greenpeace, an dem in fast 40 Städten Protestaktionen gegen den Klimakiller stattfanden. Ob Bremen, Hamburg und Hannover im Norden; Berlin, Leipzig, Dresden im Osten; München, Ulm und Freiburg im Süden; Köln, Düsseldorf und Dortmund im Westen – überall gingen die Menschen mit Lichtern und Laternen auf die Straße und ließen ein großes gelbes X als Symbol für den Kohleprotest erstrahlen. Ein toller Erfolg für die immer weiter wachsende Anti-Kohle-Bewegung!

Man muss sich klar machen: Zwar konnten in den vergangen Jahren viele Bürgerinitiativen vor Ort neue Kohlekraftwerke verhindern, und damit einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Klimaschutzes beitragen. Doch von einer bundesweiten Anti-Kohle-Bewegung konnte keine Rede sein – bis jetzt. Es regt sich was. Immer mehr Initiativen, Gruppen und Verbände schließen sich zusammen. Im Sommer organisierten Greenpeace, BUND, Campact und andere bereits eine Anti-Kohle-Kette in der Lausitz, um gegen neue Tagebaue zu protestieren. Mit dem Anti-Kohle-Aktionstag ist der nächste Schritt geschafft. Eine bundesweite Anti-Kohle-Bewegung formiert sich.

Und das ist wichtig. Denn es wird immer deutlicher: Wenn wir die Kohlelobby nicht in die Schranken weisen, können wir die deutschen Klimaziele abschreiben – ein fatales Signal für den weltweiten Kampf gegen die globale Erwärmung. Wenn auch Sie den Kohleausstieg unterstützen wollen, fangen Sie am besten gleich jetzt an.

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Autor*innen

Chris Methmann

Chris Methmann

Dr. Chris Methmann ist Geschäftsführer von foodwatch Deutschland. Vorher hat er bei Campact Kampagnen geleitet. Als langjähriger Aktivist und Campaigner in der Klimabewegung streitet er für ein Ernährungssystem, das die Grenzen unseres Planeten endlich respektiert – und setzt sich dafür ein, dass nur ehrliches, gesundes und zukunftsfähiges Essen auf unseren Tellern landet.

13 Kommentare

Kommentare sind geschlossen
  1. Campact soll die jeweilige politische Forderung und die zuständigen Adressaten benennen.
    Nicht aber schreiben, wie z.B. beim „Kohleausstieg-Aufruf“ geschehen:
    „Gabriel braucht jetzt unsere Unterstützung“.
    Nur ein paar Tage später, kehrt sich eine solche Äußerung
    – aufgrund einer weiteren Stellungnahme dieses Politikers – in ihr Gegenteil.
    Politiker sind selten Teil der Lösung, in der Regel Teil des Problems.
    Weil das so ist, gibt ja z.B. Campact.

  2. Die Weiterentwicklung erneuerbarer Energie ist wirklich erforderlich!!! Wind und Sonne sind vorhanden. Warum werden Solaranlagen nicht vermehrt aufgestellt? Windanlagen ( und Solaranlagen) werden vielerorts einzeln aufgestellt. Dieses Vorhaben zerstört doch an vielen Stellen das ansonsten sehr schöne Landschaftsbild. M.E. sollten Windkraftanlagen und Solaranlagen konzentriert an Orten aufgestellt werden, an denen sie nicht so massiv in das Landschaftsbild eingreifen.

  3. Pingback: jesse
  4. Hallo herr gabriel!!!
    Bitte haben sie ein ♡ tragen sie ein wenig dazu bei unsereschonschöne erde zu retten!!! freund kommt im übrigen auch aus sandersleben!!! 😉

    Liebe grüße

  5. Peinlich, in Dortmund hat es kaum jemanden interessiert – es waren nur ca. 15-20 Leute da, incl. 5 Greenpeace Leuten…da würde ich mich als Lobbyist auch ziemlich kaputt lachen…

    Zudem haben die meisten Leute uns als St. Martins Umzug wahr genommen, als wir um die Reinoldikirche gezogen sind.

    Sehr schade…

  6. Sehr geehrter Herr Methmann

    Würde ich im Zusammenhang mit Klimaschutz (CO2) Ihre Aktion zum sofortigen Ausstieg aus der Kohlekraft unterstützen, müsste ich gleichzeitig auch gegen Gaskraftwerke protestieren und mich von meinen (zugegeben leichten) Bedenken gegen die Atomkraft verabschieden. Die einzigen ansonsten CO2-freien Energieträger Wind und Sonne sind nach derzeitigen Stand der Technik noch nicht in der Lage, uns zuverlässig mit Strom und Wärme zu versorgen. Trotz einer bisher installierten Nennleistung der sogenannten „erneuerbaren Energie“ von etwa 75.000 MW schwankt die tatsächliche Einspeisung deutschlandweit zwischen 200 MWh und 50.000 MWh. Und selbst hier weichen die voraus errechneten/geschätzten Tagesverläufe noch um bis zu 20% nach unten oder oben ab. Ohne eine Glättung dieser Schwankungen von 0-100% können wir auf den Betrieb der vorhandenen kommerziellen Kraftwerke noch nicht verzichten.
    Alternativ steht es uns allerdings auch frei, unseren Arbeitsalltag nach dem Wetter auszurichten. Haben wir genug Wind und Sonne, starten wir die Maschinen. Bei nur Wind oder Sonne machen wir den ganzen Verwaltungskram. Und wenn nichts von beidem ausreicht, bleiben wir einfach im Bett liegen.

    Übrigens, das mit dem Klima ist so eine Sache. Welches hätten WIR denn gerne, und welches hätten die Menschen weiter im Norden oder Süden gerne? Die Menschen in der Sahel-Zone (südostliche Sahara) sind mit der Entwicklung der letzten 30 Jahre eher zufrieden. Dort wurde es nähmlich grüner. Und die Münchner Rückversicherung meldete eine Rekordgewinnsteigerung von 17% im Bereich Unwetterschäden. Das widerspricht doch etwas den Ankündigungen aus dem Potsdam Institut.

    Apropo Umweltschutz.
    Es stört mich, dass unsere schöne Landschaft incl. Naherholungs- und Naturschutzgebiete bedenkenlos und in REALITÄT für Windräder geopfert werden, für eine MÖGLICHE Gefahr die uns durch den Klimawandel bevorsteht.

    Ich setze auf den menschlichen Erfindungsgeist, der uns in naher oder ferner Zukunft einen neuen Weg zur stetigen Energieversorgung bieten wird. Was wir heute mit der Energiewende betreiben ist nicht nur Naturzerstörend, sondern auch hahnebüchener Unsinn.

    mfg

    • Lieber Herr Estermeier,
      Da scheinen sie unsere Forderungen und Hintergrundtexte nicht sehr aufmerksam gelesen zu haben. Wir fordern keinesfalls den „sofortigen Kohleausstieg“, sondern einen Zeithorizont bis 2040. Und warum wir gegen Gaskraftwerke protestieren sollten, erschließt sich mir nicht, die brauchen wir ja für die Energiewende – sie sind aber deutlich klimafreundlicher und flexibler als Kohlekraftwerke. Was die Landschaftzerstörung angeht, können Sie ja mal die Menschen in der Lausitz oder im Rheinland befragen – die können ihnen da bestimmt Beeindruckendes erzählen.
      Mit freundlichen Grüßen,
      Chris Methmann

    • Hallo Herr Methmann

      Bei einem Zeithorizont bis 2040 brauchen wir aber den Neubau von Kohlekraftwerken HEUTE noch nicht unterbinden. Immerhin muss ja ein Lastausgleich in den nächsten 6-8 Jahren für die abzuschaltenden Kernkraftwerke geschaffen werden. Für die Grundlastversorgung ist es egal ob wir Gas oder die in diesem Bereich wesentlich effizientere Steinkohle importieren. Die verlohrenen Arbeitsplätze der heimischen Braunkohle lassen wir mal aussen vor, obwohl es den betroffenen Arbeitern sicherlich nicht schmecken wird.
      Wie Sie selbst indirekt anmerken, werden die derzeit vorhandenen Kohlekraftwerke noch für einige Zeit gebraucht. Die Dinger sind aber teilweise schon sehr alt und technisch so weit verschlissen, dass sich Reparaturen und Umgestaltung nach den aktuellen Umweltstandarts kaum mehr bewerkstelligen lassen. Da ist es oftmals günstiger ein nach heutigen Kriterien neues, effizienteres Kraftwerk zu bauen. Selbst wenn es voraussichtlich nur 25 Jahre laufen soll, nach etwa 20 Jahren beginnen üblicherweise sowieso die ersten grösseren Reparaturmassnahmen.
      Die von Ihnen genannten schnellregelbaren Gaskraftwerke brauchen wir sowieso schon jetzt und auch in absehbarer Zukunft. Setzen wir diese im Bereich Mittel- und Spitzenlast ein, brauchen wir nur eine Nennleistung von ca. 40 GWh (abzüglich vorhandener und evtl. noch zu bauender Pumpspeicher). In diese Konstellation würde auch unsere Biogasproduktion sehr gut reinpassen. Einem Gaskraftwerk ist es schliesslich ziemlich egal, ob es mit Biomethan oder Erdgas gefüttert wird.
      Es gibt ja die seltenen Ausnahmen, wo Wind und Sonne zusammen mehr als 50% des Gesamtbedarfes liefern. Diesen Überschuss müssten wir dann auch nicht mehr „verschenken“, sondern könnten ihn ebenfalls über P2G (Wasserstoff) direkt ins Erdgasnetz einspeisen. Dazu wäre auch der sonst erforderliche letzte Schritt -Methanisierung- nicht mehr erforderlich, da das Erdgas eine Beimengung von bis zu 5% Wasserstoff problemlos verkraften soll (sagen Experten).

      Wie wir anhand dieser Beispiele sehen, dürfte es auch mit der heutigen Technik schon ganz passable Möglichkeiten geben. Was die Kostenseite betrifft, habe ich das Ganze mangels belastbarer Zahlen noch nicht durchrechnen können.

      mfg

    • Ohne Ihre Ansicht werten zu wollen, möchte ich Ihnen sagen, dass selbst ich noch vor einigen Jahren
      der Meinung war, Atomkraft ist etwas modernes und das müßte gut sein.
      Heute frage ich mich, wer denn in seiner Nähe nur einen Brennstab lagern möchte und weiß, dass es auf dieser Welt
      keine geeignete Lagerstätte für benutzte Brennstäbe geben kann. Wenn es nicht zu schwer und zu viele wären, sollte
      man sie in ausgedienten Raketen Richtung Sonne schießen. (gefährlich bei den Startpannen)
      2. Lieber ein Windrad im Garten oder Solarpanele überall als Kohlegruben oder Öhlbohrtürme die unsere Ressourcen in kurzer Zeit (Erdzeit) ausgebeutet haben. Ist das erstrebenswerter?

    • „Atomkraft Nein Danke“ gab es meines Wissen nach bereits in den 60ziger Jahren. Sicher bin ich mir über eine Abstimmung in der Münchener FDP in der Zeit über Atomstrom mit ca. 80 Teilnehmern. Die Gegner waren mit einer Stimme unterlegen. In der FAZ erschien eine Artikel, der in Abrede stellte, dass Atomstrom billig sei. Es gab von Anfang an Gegner, die das Risoko zu groß fanden, aber auch eine starke Lobby dafür.

  7. I fully support the efforts of the German people to work towards a sustainable future with renewable energy sources

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