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Nach Paris-Attentat: Aufstehen gegen Hass

In vielen Städten finden am Montag breit getragene Demonstrationen gegen Pegida und Menschenfeindlichkeit statt. Mit tausenden Demonstrant/innen wollen Menschen gemeinsam klar machen: Deutschland ist nicht Pegida.

Schon über 233.0000 Menschen haben unseren Appell “Wir sind Charlie – wir sind nicht Pegida!“ unterschrieben. Auch der Verein Pro Asyl unterstützt den Appell für ein friedliches Miteinander.

Unsere Grafik als Plakat zum Herunterladen:
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Die Instrumentalisierung der schrecklichen Morde von Paris läuft unterdessen auf Hochtouren. Der stellvertretende Vorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD) Alexander Gauland vereinnahmte die Morde und sagte: „Vor diesem Hintergrund erhalten die Forderungen von Pegida besondere Aktualität und Gewicht.“ Die Pegida-Organisatoren sehen sich auf Ihrer Facebook-Seite ebenfalls bestätigt. Die konservative CDU-Abgeordnete Erika Steinbach verhöhnte gar auf Twitter die Opfer, indem sie schrieb „Nur kath. Kirche kritisieren,sonst lebensgefährlich;-)“. Was Pegida und andere gerne unterschlagen: „Charlie Hebdo“ hat neben Religionen mit Vorliebe vor allem fremdenfeindliche Parolen aufs Korn genommen. In einer Petition forderte die Zeitung sogar das Verbot der rechtsextremen Partei Front National, weil diese gegen Migrant/innen hetzt. Umso schlimmer ist es, wenn nun die Trauer und Angst in Folge der Morde von Paris genutzt wird, um Vorurteile und Ängste gegen Menschen in unserer Mitte zu schüren. Wer die Morde dieser Fanatiker nutzt, um gegen Menschen islamischen Glaubens und Flüchtlinge zu hetzen, spielt den Tätern in die Hände.

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Die Sorge ist berechtigt: In Frankreich wurden nach den Morden in Paris mehrere Anschläge auf Moscheen, Gebetsräume und Imbisse verübt. Auch in Deutschland gab es in den letzten Monaten Anschläge auf Asylbewerberheime bei Nürnberg. Eine Spirale aus Angst, Hass und Gewalt droht. Doch gemeinsam können wir den Teufelskreis durchbrechen.

Demonstrieren Sie mit!

Schon am Montag ist Ihr Engagement gefragt, direkt in Ihrer Nachbarschaft: In vielen Städten findet eine breit getragene Demonstration gegen Pegida und Menschenfeindlichkeit statt. Mit tausenden Demonstrant/innen wollen Menschen gemeinsam klar machen: Deutschland ist nicht Pegida. Die Veranstalter wollen mit den Demonstrationen für ein friedliches Zusammenleben und eine weltoffene Stadt werben. Lassen Sie uns am Montag ein kraftvolles Signal setzen – für ein vielfältiges und tolerantes Land ohne Angst, Hass und Gewalt.

Bringen Sie gerne ein Schild mit unserer Aktionsgrafik “Wir sind Charlie – wir sind nicht Pegida!“ zur Demo mit. Sie können es ganz einfach herunterladen und mit Ihrem Drucker oder beim nächsten Copy-Shop ausdrucken. Drucken Sie doch gleich ein paar weitere Exemplare aus und verteilen Sie diese auf der Demo.

Hier wird demonstriert!

Dresden
Zeit: Montag, den 12. Januar 2015, 20 Uhr
Ort: Postplatz

Das Bündnis „Dresden für alle“ ruft zum Frühjahrsputz, Warnwesten und große Besen sind gerne gesehen!

Weitere Infos

 

Düsseldorf:
Zeit: Montag, den 12. Januar 2015, 18 Uhr
Ort: Friedrich-Ebert-Straße 34 – 38

Weitere Infos

 

Leipzig:
Zeit: Montag, den 12. Januar 2015, 18.30 Uhr
Ort: Waldplatz
Davor findet um 17.00 Uhr ein Friedensgebet in der Nikolaikirche statt. Danach gehen alle gemeinsam zur Kundgebung.

 

Hannover:
Zeit: Montag, den 12. Januar 2015, 17.30 Uhr multireligiöses Friedensgebet, 18:15Uhr start Demo
Ort: Start Marktkirche, Abschlusskundgebung am Georgsplatz

Route: Marktkirche -> Schmiedestraße -> Osterstraße -> Windmühlenstraße -> Georgstraße -> Georgsplatz, Abschlusskundgebung bis 19 Uhr am Georgsplatz

Mehr Infos

 

München
Zeit: Montag, den 12. Januar 2015, 17.30 Uhr
Ort: Sendlinger-Tor-Platz
Töpfe, Trillerpfeifen und Hupen: Die Veranstalter rufen dazu auf alles mitzubringen, was Krach macht

 

Saarbrücken
Zeit: Montag, den 12. Januar 2015, 17.30Uhr
Ort: Ludwigsplatz

 

Update:

 

Hamburg‬
Zeit: Monat, den 12. Januar um 18:00
Ort: Gerhart-Hauptmann-Platz
Gastgeber: Unternehmer ohne Grenzen e.V.
Mehr Infos

 

Lingen‬
Zeit: Montag, den 12. Januar um 18:00
Ort: Bahnhof Lingen
Gastgeber: Lingen ist bunt
Mehr Informationen

 

‎Schwerin‬
Zeit: Montag, den 12. Januar um 18:00
Ort: Am „Alten Garten“, direkt gegenüber der Siegessäule
Gastgeber: Schweriner gegen die Idiotisierung des Abendlandes
Mehr Informationen
‪Rostock‬
Zeit: Montag, 12. Januar um 16:00
Ort: Am Brink
Gastgeber: Rostock nazifrei

Mehr Informationen

 

Landau‬
Zeit: Monat, 12. Januar um 18:00
Ort: Rathausplatz
Gastgeber: Wir sind Landau
Mehr Informationen

 

Mainz‬
Zeit: Montag 12. Januar 18:30
Ort: Mainz Hauptbahnhof
Mehr Informationen

 

Heidelberg‬
Zeit: Montag 12. Januar 19:00
Ort: Heidelberg Bismarckplatz
Heidelberger Bündnis gegen Armut und Ausgrenzung
Mehr Informationen

 

Verbreiten Sie diesen Beitrag, damit möglichst viele Menschen von den Demonstrationen erfahren…

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Autor*innen

Katharina Nocun ist studierte Ökonomin und beschäftigt sich mit den Auswirkungen der technologischen Revolution auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie engagiert sich in der digitalen Bürgerrechtsbewegung für eine lebenswerte vernetzte Welt. Sie war 2013 Politische Geschäftsführerin und Themenbeauftragte für Datenschutz der Piratenpartei Deutschland und arbeitete als Referentin und Campaignerin u.a. für den Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), Campact e.V. und Wikimedia Deutschland e.V.. Katharina Nocun ist Botschafterin für die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen und Mitglied im Beirat des Whistleblower-Netzwerks und bloggt regelmäßig unter www.kattascha.de. Folge Katharina auf Twitter: @kattascha Alle Beiträge

22 Kommentare

Kommentare sind geschlossen
  1. Das ist die erste Campact-Aktion, die ich garantiert nicht unterstütze!
    Immerhin, mich hat Pegida mal zum Nachdenken und Informieren gebracht. Bisher habe auch ich geglaubt, Toleranz und Akzeptanz gehört zum aufgeklärten Mitteleuropäer. Auch wenn ich mir schon mal früher Gedanken gemacht habe, ob Toleranz grenzenlos sein muss.
    Pegida ist unausgegoren … Aber alle diese Menschen in die rechte Ecke zu stellen und FERTIG, ist genauso unausgegoren.
    Es geht nicht um Abschaffung von Flüchtlingshilfe, im Gegenteil. Aus Syrien kommen übrigens Muslime, die von anderen Muslimen verfolgt werden und fliehen müssen. Hat da schon mal jemand von den Anti-Pegidas drüber nachgedacht? Und: Wo sind denn eigentlich die noch mehr verfolgten syrischen Christen?
    Es geht um die (weitgehend misslungene) Integration von Menschen mit einem völlig anderen Glauben, der in einem total anderen – dem arabischen – Kulturkreis entstanden ist und sich nicht weiterentwickelt hat. Von den ca. 4 Millionen Muslims hierzulande haben 80 % Wurzeln in der Türkei.
    Es sollte Konsens sein: Wenn Nicht-Europäer einwandern möchten oder müssen, dann müssen sie auch die geltenden Werte akzeptieren und ihre Kinder nach diesen erziehen. Und genau das tun – je nach Studie – 40 bis 70 Prozent der hier ansässigen Muslime NICHT, im Gegenteil, der türkische Staat ermutigt sie, ihre eigenen Werte zu behalten und finanziert den Bau von Moscheen in Deutschland (von denen viele übrigens nach osmanischen Eroberern benannt sind, so ein Zufall aber auch…). Die SHURAs fordern, fordern, fordern.
    Die Bereitwilligkeit der Anti-Pegidas, die eigene europäische Identität und europäische Werte (Phase der Aufklärung, Gleichberechtigung der Frau) aufzugeben, erschreckt mich zutiefst. Na klar, in Studien wird schon als zum „geschlossenen rechtsextremen Weltbild“ zugehörig klassifiziert, wenn einer meint, ein bisschen mehr Nationalstolz könnte den Deutschen nicht schaden. Und wer will schon rechtsextrem sein?
    Multikulti über alles? So politisch korrekt das auch sein mag, nein danke.
    So, und jetzt bin ich gespannt, ob dieser Kommentar veröffentlicht wird und warte in dem Fall auf das obligatorische Bashing.

    • Lieber Karl Martell,
      ich denke wir sind uns einig in der Verteidigung der europäischen Werte der Aufklärung, der Gleichberechtigung der Frau. Wir sind uns sicherlich auch einig darin, dass Integration von Zuwanderern eine Herausforderung ist, die es entschlossen anzugehen gilt. Dass und wie dies gelingen kann, zeigen z.B. Städte wie meine Heimatstadt Stuttgart: Mit einer entschlossenen Politik, die Flüchtlinge willkommen heisst und die ganze Gesellschaft dabei einbezieht. Lesen Sie dazu http://www.zeit.de/2012/47/Stuttgart-Auslaender-Integration .
      Was hingegen nicht hilft, ist das Schüren von Angst und Vorurteilen, die Ausgrenzung von Menschen mit anderem kulturellen oder religiösen Hintergrund. Denn wer sich abgelehnt und ausgegrenzt fühlt, ist eine leichte Beute für Salafisten, die solchen Menschen scheinbar eine Heimat anbieten.

      Wo wir uns wohl am meisten unterscheiden ist in der Einschätzung von Pegida. Wir sehen die von Pegida veröffentlichten Positionen eher als ein Ablenkungsmanöver. Überdeutlich tritt aus vielen Wortmeldungen ein gemeinsamer Nenner hervor: Der Wunsch nach Ausgrenzung, Abwertung und Ablehnung von Menschen, die aus einem anderen Kulturkreis stammen. Dass es dabei nicht wirklich um die Bekämpfung des militanten Dschihadismus geht, wird deutlich wenn man unter den Positionen von Pegida auch die Ablehnung von Waffenlieferungen an die Kurden findet, die momentan die einzige effektive Gegenkraft gegen den IS in Syrien bilden.

      Ein weitere Beleg für die Motive von Pegida sind die nun veröffentlichten Aktivitäten auf Facebook.

      Unter dem Strich spielen sich Dschihadisten und Pegida gegenseitig die Bälle zu, in einer Spirale von Ausgrenzung, Hass und Gewalt. Dschihadisten liefern den Terror der Angst macht, und von dem Rechtspopulisten profitieren. Pegida und Co liefern die Ausgrenzung, die wiederum mehr junge Leute in die Arme der Dschihadisten treibt. Jürgen Todenhöfer: „Ich war im Islamischen Staat viel mit deutschen Dschihadisten zusammen. Die freuen sich über Pegida und hoffen, dass es dadurch zu Gegenreaktionen von radikalen Muslimen kommt. Eine Eskalation treibt ihnen neue Kämpfer zu. Pegida spielt letztlich das Spiel des IS.“

      Wer also Sorge hat vor Dschihadisten, muss sich für eine aktive Integrationspolitik einsetzen, und gegen Pegida.

    • Lieber Jörg Haas,
      danke für die ausgewogene Antwort. Das war kein Bashing, noch mal danke.
      Ein super Beispiel von gelungener Integration beschreibt der ZEIT-Artikel. Damit ist es dann wohl auch gelungen, den Einfluss türkischer Nationalisten (Islamischer Rat, SHURAs) von vornherein zu minimieren, die alles Mögliche EINFORDERN, nur NICHT die Selbstintegration in ein europäisches (oder schwäbisches) Wertegefüge. Zweifel sind aber selbst für Stuttgart angebracht: Gilt das auch für Stadtteile wie Hallschlag oder Neugereut (in einem Kommentar zu dem von Ihnen verlinkten wurden die genannt, „…sich [dort als Deutscher] fürchtet auszusteigen, glaubt kaum, was in diesem Artikel steht“)?
      Pegida ist nicht die Lösung, einverstanden, Bachmann war auch mir suspekt und ist entlarvt.
      Sind damit aber alle, die ihrem Unbehagen Ausdruck gegeben haben, rechtsextremistisch, rassistisch, ausländerfeindlich und völlig unbegründet islamophob? DAS war meine Fragestellung!
      Anti-Pegida ist quasi Bürgerpflicht? So einfach ist das. Wirklich?
      Bildungs- und integrationswillige Muslime sind willkommen. Einverstanden. Gerne, da helfe ich ja mit. Uns selbst müssen wir aber fragen:
      Besteht überhaupt noch gesellschaftlicher Konsens über Folgendes: Wenn Nicht-Europäer einwandern möchten oder müssen, müssen sie dann auch die geltenden Werte akzeptieren und ihre Kinder nach diesen erziehen? Darauf sind Sie nicht eingegangen.
      Oder: Sind wir verpflichtet, einzig und allein den Aspekt der kulturellen Bereicherung zu sehen? Müssen wir gleich den ganzen Islam in seiner derzeitigen Erscheinungsform akzeptieren, ständig überlegen, ob wir auch wirklich nicht die religiösen Gefühle von Muslimen verletzen?
      Necla KELEK, „Himmelsreise – Mein Streit mit den Wächtern des Islam“: „Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass der Islam, so wie er sich in seinem politischen Kern heute darstellt und repräsentiert, nicht in eine demokratische Gesellschaft zu integrieren ist. Der politische Islam stellt sich in seinem ganzen Wesen als ein Gegenentwurf zur aufgeklärten Zivilgesellschaft dar.“
      Also mit anderen Worten: Koexistenz mit dem jetzigen Islam gibt es nicht
      Pflichtlektüre für jede(n), der meint, Samthandschuhe und multikulturelle Toleranz (oder Ignoranz) werden es schon bringen: Islamkritik – ignorieren? Warnende Stimmen, sich von der Politreligion nicht „verschaukeln“ zu lassen – ignorieren? Schlechte Erfahrungen in Gegenden Deutschlands mit überwiegend islamischer Bevölkerung, dort Ausgrenzung Deutscher durch Muslime = Vorurteile? So einfach ist das? Da sollten wir lieber auf Necla Kelek hören, die auch uns Deutschen sagt, wie es gehen könnte, zusammen mit der schweigenden Mehrheit der Muslime im Land.
      Im Zuge meiner Beschäftigung mit Pegida und möglichen Beweggründen bin ich auch auf britischen, französischen, belgischen, holländischen, dänischen. norwegischen und vor allem schwedischen Seiten gelandet, und da kann einem angst und bange werden. Die sind da schon ein Stückchen weiter mit den Problemen durch die Kollision archaischer islamischer (arabischer) und europäischer Wertevorstellungen, und erleben teilweise schon extrem, was passieren kann, wenn der muslimische Bevölkerungsanteil steigt. Was, wenn Leute wie Raymond Ibrahim mit dem ‚Rule of Numbers‘ recht haben sollten (s. z.B. http://www.raymondibrahim.com/islam/islams-rule-of-numbers-and-the-london-beheading/, grausam, ich hatte auch ein Problem, mir das anzutun), dass der Islam erst Ruhe gibt, wenn ein 100%iger muslimischer Bevölkerungsanteil erreicht ist, vorher aber noch verschiedene Stadien durchlaufen werden? Islamische Staaten und Religionsfreiheit – wo bitte gibt es diese Kombination in unserer real existierenden Welt?
      Alles rechtsextreme Spinnerei und Panikmache? Islam, Religion des Friedens? Kann ich nicht mehr glauben. „Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.“ Die europäischen Völker also auch.
      Ich bleibe dabei: Campact und TTIP, Braunkohlekraftwerke, … – dafür sollte Campact eine Plattform bieten. Aber nicht für Volksverdummung, aus keiner Richtung. Weder Pegida noch Anti-Pegida.

    • Lieber „Karl Martell“,
      ich kann jetzt nicht im Detail auf ihren langen Beitrag eingehen (Zeitmangel), daher rasch auf die Schnelle:
      Sie missverstehen m.E. unseren „Anti-Pegida“-Appell als eine Aussage über die Problematik der Integration von Muslimen in europäische Gesellschaften. Das ist er nicht. Lesen Sie ihn bitte genau durch. Wir lehnen Pegida aus den von mir im vorigen Beitrag genannten Gründen ab – und da scheinen Sie mir ja zuzustimmen.
      Zu den von Ihnen genannten Fragen nimmt der Appell nicht Stellung. Es ist auch nicht notwendig. Man kann über die Problematik der Integration von Muslimen in europäische Gesellschaften sehr unterschiedlicher Meinung sein und trefflich streiten. Aber die von Pegida verbreitete Ausgrenzung ist unseres Erachtens sicherlich der falsche Weg.

      Sie haben sich nun über unterschiedliche Websites informiert und vieles gefunden, was Ihnen Angst macht. Sie haben recht, da gibt es manches Beunruhigende. Aber die von Ihnen genannten Stimmen sind nur einige in einem Chor.
      Ich denke es ist doch hilfreich, nicht nur auf potentielle Szenarien zu schauen, die uns Angst machen, nicht nur das „Kopfkino“ zum Laufen zu bringen, sondern auch auf ein paar empirische Fakten zu schauen:
      * Bisher sind nur zwei Menschen in Deutschland dschihadistischen Anschlägen zum Opfer gefallen (zwei US-Soldaten auf dem Weg nach Afghanistan 2011). Hingegen gibt es zahlreiche Opfer von Anschlägen mit einem fremdenfeindlichen oder islamfeindlichen Hintergrund (u.a. die Opfer der NSU Morde). Empirisch gesehen haben Muslime in Deutschland einen größeren Grund zur Angst vor Anschlägen mit fremdenfeindlichen Hintergrund, als die deutschstämmige Mehrheitsgesellschaft Grund zur Angst vor dschihadistischen Anschlägen hat.
      * Europol hat eine Statistik aller terroristischer Anschläge in Europa. Welcher Prozentsatz, meinen Sie, hat einen dschihadistischen oder islamistischen Hintergrund? 2013 waren es unter 2% die einen religiösen Hintergrund haben: http://thinkprogress.org/world/2015/01/08/3609796/islamist-terrorism-europe/
      * Wir haben aktuell etwa 6% Muslime in Europa, bis 2030 ist ein Anwachsen auf 8% prognostiziert: http://www.pewresearch.org/fact-tank/2015/01/15/5-facts-about-the-muslim-population-in-europe/
      * Die aktuellen Trends der Zuwanderung nach Deutschland bringt der Migrationsbericht der Bundesregierung: http://www.sueddeutsche.de/politik/migrationsbericht-der-bundesregierung-einwanderung-ist-katholisch-1.2314099

    • Sehr geehrter Verteidiger des Abendlandes, der sich mit Karl Martell identifizieren möchte,

      Sie äußern ja einen hier sicher viel geteilten Wunsch, nämlich das Fortbestehen der „geltenden Werte“. Allerdings meine ich, dass „geltende Werte“ ein bisschen schwammig ist. Darunter könnten auch Werte fallen, die zu ändern angebracht wäre. Es wäre daher für mich wichtig, statt der vielen fraglichen Äußerungen, ich meine die vielen Sätze mit Fragezeichen in Ihrem Beitrag, positive Äußerungen über die geltenden Werte zu finden, also diese Werte zu nennen:
      – Humanismus – oder vereinfacht: Ausrichtung am Menschen.
      – Grundsätzliche Gleichbehandlung aller Menschen vor dem Gesetz.
      – Religionsfreiheit – jeder darf glauben, was er will; er darf dies auch zeigen; dies muss jeder dem anderen auch zugestehen.
      – Demokratische Staatsorganisation.
      – Rechtsstaatlichkeit.
      – Gewaltenteilung.

      Sie erschrecken zutiefst über die „Anti-Pegidas“ – nicht nötig, wenn wir uns über die Werte positiv austauschen. Die „Anti-Pegidas“ gibt es so nicht. (Ich glaube, dass es die „Pegidas“ auch nicht gibt, aber das ist ein eigenes Thema). Und was wollen Sie mit „Nationalstolz“ ? Überhaupt „Stolz“ ? Können wir uns auf Selbstbewusstsein einigen, persönliches, verbunden mit der Gemeinsamkeit, eine freiheitliche staatliche Verfassung zu behaupten ? Das ist mein Vorschlag.

      Erwarten Sie folglich nicht ein „obligatorisches Bashing“, sondern freundliche Kritik. Auch so eine Errungenschaft, die nur durch ständige Übung gelingt. Ich übe auch noch.

      Viele Grüße
      Thomas Teichmann

      PS: und wer sind Sie ?

  2. Hallo Frau Nocun,

    nach langem Zögern und Bedenken möchte ich nun meine Ansicht zu der Kampagne gegen „Pegida“ mitteilen. Ich finde es nicht richtig, dass eine Kampagne gegen eine Gruppe gestartet wird; dies ist allgemein meine Ansicht, hier aber speziell im Rahmen von Campact. Campact ist strukturell und in guten Kampagnen ein gutes Mittel gegen Populismus. Eine Kampagne gegen eine Gruppe ist es aber nicht, und wirkt m.E. im Sinne der furchtbaren Vereinfacher.

    Es gibt zwar eine kleine, oder auch nicht ganz so kleine, Gruppe von Leuten, die akut bösartig sprechen und versuchen, aus dem unartikulierten Frust und der Hoffnungslosigkeit eine rechtsautoritäre Machtbasis zu schaffen. Die sind aber nicht gleichzusetzen mit dem unfassbaren, dem Pegida, das Sie und ich nicht wollen. Das deutlichste Merkmal der Leute, die sich vor Fremden und vor der ständigen Veränderung ihres Lebens fürchten, ist aber diese Unklarheit, das Unvermögen, eigene Interessen zu artikulieren, einzubringen, Alternativen zu entwickeln.

    Dieses Dubiose, nicht fassbare, wird aber durch Gegendruck für seine Mitläufer greifbarer und dadurch stärker. Es muss sich nicht mehr durch Inhalte definieren, sondern gewinnt und entwickelt Identität durch einen Gegner. Die unklaren Ängste werden gebündelt. Die Sucht nach Sicherheit, nach festen Strukturen und dauerhaften Wahrheiten bekommt ihren Stoff durch einen Gegner.
    Wohnte ich in Dresden, würde ich auch zur Gegendemonstration gehen, aber auch in diesem Kontext, um andere Inhalte zu vertreten, wie Offenheit und Gastfreundschaft gegenüber Flüchtlingen.
    Ich will aber nicht gegen die „Anderen“ sein. Diese Leute, die sich „patriotische Europäer“ glauben nennen zu dürfen, sind teilweise gar keine Gegner. Die Wochenzeitung Die ZEIT hat heute einen Bericht über Versuche von statistischen Erhebungen veröffentlicht, der zeigt, dass die Mitläufer dieser Demos soziographisch nicht zu fassen sind und eine Analyse ihres Verhaltens scheuen. Das kann ich wiederum nachvollziehen. Ich nehme auch an politischen Umfragen prinzipiell nicht teil, weil sie zu einem antidemokratischen Konzept des policy making, speziell der Herbeiführung von Akzeptanz durch die Inhaber der Institutionen, gehören. Wenn ich mich äußern will, und das will ich, gehe ich in den Ortsbeirat oder schreibe Politiker an, oder schließe mich einer Campact-Kampagne an.

    Nicht aber an einer Kampagne gegen Leute oder gegen eine Gruppe. Darin sehe ich den Versuch der Ausgrenzung. Denn eine Kampagne gegen diese Gruppe verwendet dasselbe Verhaltensmuster des Ausgrenzens. Das ergibt leider keinen Beitrag zur Auseinandersetzung.

    Die Ausgrenzung ist weiter schwierig: Es gibt in einigen Einzelpunkten und speziell in der Bewertung der Presse und Medien Gemeinsamkeiten der humanistisch und sozial begründeten, aber extrem überzogenen, Kritik der Medien mit Äußerungen auf diesen rechtspopulistischen Versammlungen. In Foren von Tageszeitungen wie Freitag.de oder Blogs wie netzpolitik.org finden sich in Kommentaren von Lesern pauschale Diffamierungen von Rechtsstaat, Demokratie und freier Presse. Ich habe in den letzten Tagen mehrere historische Aufarbeitungen zum Begriff „Lügenpresse“ gehört und gelesen, die diesen Begriff ausschließlich im rechten Lager ansiedeln. Dies dürfte nicht zu halten sein. Schon als Ende der siebziger Jahre überall in der BRD die alternativen Stadtzeitungen gegründet wurden, und dann die taz, wurde dies mit der gleichgeschalteten Presse und dem staatlich gelenkten Rundfunk und Fernsehen begründet. In der Tat gibt es starke äußere Merkmale einer Verengung der Berichterstattung, und dies wurde durch das Zeitungssterben in Zeiten des Internet noch deutlicher. Dies lässt sich ohne Verschwörungstheorie durch Marktgesetze erklären, durch Rücksicht auf die schwindenden Werbeauftraggeber und der Kampf um Aufmerksamkeit gegenüber einer Erwartungshaltung, aktuell, ja direkt live, über „große Ereignisse“ informiert zu sein.

    Verschwörungstheorien, und dazu gehört das Gerede von den gelenkten Medien, sind aber viel besser geeignet, die eigene Wahrheit zu immunisieren gegen jede Kritik. Dafür wird man noch belohnt, weil eine kritische Betrachtung und ein nachhaltiges Recherchieren und Teilnehmen an Angeboten wie dem von Campact, attac und vielen anderen nicht mehr nötig ist. Wörter wie „Lügenpresse“ machen so das Leben einfacher, und dieses Bedürfnis ist nicht nur rechts angesiedelt. Daraus ziehe ich umgekehrt den Schluss, dass es sich die Kritik daran ihrerseits nicht so einfach machen darf wie mit „wir sind nicht P“. Die Wahrheit ist komplizierter. Sachsen war mal eine Hochburg der KPD und dann der NSDAP. Im früheren „Roten Ring um Kassel“ konnte man schon vor dreißig Jahren fremdenfeindliche Parolen in jedem Wirtshaus hören. Es sei dahingestellt, dass das jedes Mal so gemeint war, aber das Mittel dagegen ist m.E. die nachhaltige, zähe, inhaltliche Arbeit.

    Ich habe noch einen letzten Einwand gegen diese „wir sind nicht P“-Kampagne: Sie wurde gestartet aus Anlass der furchtbaren Morde in Paris und verwendet im Kampagne-Siegel „Je suis Charlie“. Ich kann zwar den Versuch verstehen, daraus zum Gegenschlag auszuholen. Aber es hätte nicht sein dürfen. In dieser Form ist dies leider eine Instrumentalisierung. Das hätte man im Campact-Team erkennen müssen. Bitte lasst Euch was einfallen, um das zu korrigieren.
    Campact ist durch gute Kampagnen mit Sachaussagen und konkreten Forderungen an Institutionen eine sehr gute Maßnahme gegen dumpfe Äußerungen von Frust und sprachlosem Unmut, gegen Ismen und Anti-Ismen aller Art. Campact bietet eine Plattform zur aktiven Beteiligung am politischen Willenbildungsprozess. Das ist die Stärke von Campact und die soll weiter entfaltet werden.
    Der junge Wolf Biermann sang in der Ermutigung: „Du lass Dich nicht erhärten, in dieser harten Zeit.“
    Und der damals noch jüngere Bert Brecht schrieb am Ende des Gedichts Fallada: „So helft Ihnen doch! / Und tut das in Bälde! / Sonst geschieht noch etwas das Ihr nicht für möglich haltet!“
    Ich wünsche Ihnen und uns, dass das gemeinsame Bemühen um eine offene Welt Erfolgt hat.
    Viele Grüße
    Thomas Teichmann

    Bericht in der Zeit: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-01/pegida-studien-proteste-umfrage-ergebnisse-rucht
    Biermanns Ermutigung (oh würde er sie heute verstehen): https://de.wikipedia.org/wiki/Ermutigung_%28Biermann%29
    Brechts Fallada gefunden bei: http://www.erinnerungsort.de/o-falladah-2c-die-du-hangest-21–28ein-pferd-klagt-an-29-_134.html

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