Die Welt ist voller guter Ideen – nicht düster

Presse- und Meinungsfreiheit sind in der Demokratie ein hohes Gut, aber über den Beitrag “Die Welt ist düster” vom 27. Mai 2017 in der Neuen Osnabrücker Zeitung und der Schweriner Volkszeitung haben wir hier uns sehr geärgert. Dem Beitrag "Die Welt ist düster" hätte eine differenzierte und weniger polemische Betrachtung gut getan.

von  31 Kommentare
Schade. Denn die Serie “Populismus. Positionen. Perspektiven” in den beiden Regionalzeitungen haben wir mit großem Interesse verfolgt. Es ist gerade vor der Bundestagswahl bitter nötig, eine Orientierung zu geben, wie man in Zeiten von Informationsflut und Desinformation als mündiger Bürger und mündige Bürgerin zu fundierten Entscheidungen kommen kann.

Sind wir alle Populisten?

Wir finden, auch Journalisten müssen sachliche Kritik aushalten und haben sie der Redaktion auch mitgeteilt. Wenn man die von Jan-Philipp Hein herangezogene Definition zugrunde legt, dann gibt es keine Organisation, keine Partei, keine Politikerin und keinen Politiker, die nicht populistisch sind. Denn so unterschiedlich diese sein mögen, alle vereinfachen komplizierte Zusammenhänge und spitzen ihre Aussagen zuweilen zu. Aus gutem Grund – denn nur so werden Anliegen allgemein verständlich. Für den Vorwurf der Verdrehung bleibt der Artikel jeden Beleg schuldig. Und das beleidigt uns und alle, die uns unterstützen.

Nur die, die andere ungefragt vereinnahmen

Die Eigenheit von Populismus dagegen macht etwas anderes aus. Ein ungebrochener Anspruch, als einziger die Welt richtig zu interpretieren und die Behauptung, einen wie auch immer gearteten Volkswillen zu verkörpern – und in Frontstellung zu den gesellschaftlichen Eliten zu vertreten. Wir maßen uns nicht an, für die gesamte Bevölkerung zu sprechen, sondern maximal für den Kreis unserer Unterstützerinnen und Unterstützer. Das sind alles in allem knapp zwei Millionen Menschen. In der Regel sprechen wir lediglich für die Menschen, die einen unserer Appelle unterschrieben haben und damit ihre politische Meinung zu einem bestimmten Thema eindeutig geäußert haben.

Faktentreue – ja bitte

Wenn der Autor Faktentreue einfordert, muss er sie auch selbst bieten. Bei der Debatte um das Verbot des Pestizids Glyphosat geht es weder um “hemmungslosen Populismus” noch um das schlichte “Schüren von Ressentiments”. Es geht um die Frage, ob ein sehr weit verbreitetes Pflanzengift Krebs auslöst. Anders als beim Klimawandel gibt es beim Thema Glyphosat keinen breiten wissenschaftlichen Konsens, sondern Studien mit völlig konträren Ergebnissen. Gerade sind neue Belege für die Krebsgefahr aufgetaucht. Zum Wissenschafts-Streit findet sich aber kein Wort im Artikel. Dadurch wird die Debatte völlig verzerrt wiedergegeben.

Campact – das Gegenteil der AfD

Etwas anderes als das Wort unseriös fällt uns zu der Gleichsetzung mit der rechts-nationalen AfD nicht ein. Während die AfD gegen Minderheiten hetzt und nicht davor zurückschreckt, auch Forderungen zu stellen, die mit dem Grundgesetz nicht in Einklang zu bringen sind, verteidigt Campact mit seinen Kampagnen unsere im Grundgesetz definierte offene Gesellschaft. Jeder kann sich auf unserer Webseite ein Bild davon machen, wie vielfältig dieses Engagement ist.

Aufbruch 2017 – gelebte Demokratie

Wir haben ganz aktuell auch ein Projekt zum Thema Positionierung und Perspektiven – den “Aufbruch 2017”. In ganz Deutschland organisieren Bürgerinnen und Bürger rund 1.200 öffentliche und private Debatten zur Frage, wie wir zusammenleben wollen. Für uns der Weg gegen plumpen Populismus hin zu gelebter demokratischer Teilhabe.

Dr. Felix Kolb

31 Kommentare

  • von Elisabeth Buchholz

    Wer sind denn Populisten, es sind gerade die, welche Andere damit
    diffamieren möchten.Was Besseres fällt denen nicht ein.
    Sollen sie doch lieber gegen die Zerstörung-Mechanerie unserer Erde
    kämpfen.Aber ich glaube, sie werden bezahlt für ihr Geschrei, die Welt
    und der Klimawandel sind für die nur bömische Dörfer aus denen
    sie zu stammen scheinen.

  • von Volker Merker

    Ich komme gerade von einer öffentlichen Aufbruch 2017 Veranstaltung. Das war einfach genial, sich mit mir vollständig unbekannten Leuten zu treffen, offen zu diskutieren und die Ergebnisse zu dokumentieren. Herzlichen Dank für die gute einfach gehaltene Vorarbeit. Ich mache selber oft Moderationsveranstaltungen oder nehme gerne an Solchen teil. Leider ist das in politischen Systemen (zumindest in meiner Wahrnehmung) noch absolutes Neuland. Lass die Zeitungen schreiben, heute fühlen wir uns auf jeden Fall stark, danke. Ich bin gespannt auf die weiteren Schritte, mehr davon!!

  • von Kay Frank

    Sozialismus ? Ich hab mir nicht alle Beiträge durchgelesen, aber mindestens 2x die Forderung nach Sozialismus aufgeschnappt.
    Sozialismus, das ist definitionsgemäß eine Zwischenstufe zur Diktatur des Proletariats. Die systematische Ideologisierung der Bevölkerung durch massive Einflußnahme auf die Medien ist eine Grundbedingung. Nix Pressefreiheit, nix Meinungsfreiheit, nix Mitbestimmung.
    Wer glaubt, nur weil der Kapitalismus schlecht ist, sei der Sozialismus die bessere Lösung, ist brutal auf dem Holzweg.
    Soviel muß man aus Geschichte einfach lernen !
    Fast 100 Millionen Tote in den 100 Jahren seit Lenin, überwiegend Landsleute ihrer Mörder, sind nun wirklich genug Lehrgeld.
    Es gibt nun einmal Schlimm und Schlimmer.
    Sozialismus ist das Gegenteil von Demokratie. Und die und freie Wirtschaft / Kapitalismus hängen offensichtlich eng zusammen.
    Und sie mag auch viele Schwächen haben, aber sie bietet erstmalig in der Geschichte die Möglichkeit die Falschen ohne Mord und Totschlag einfach abzuwählen.
    Eine Gesellschaftsordung in der wir uns alle zurücklehnen können, alles von allein nach unseren Wünschen gestaltet wird, wir uns überhaupt nicht mehr engagieren, im Idealfall nicht einmal mehr aufregen brauchen – gibt es einfach nicht.
    Für alles, was in den letzten Jahrzahnten schief gelaufen ist, müssen wir uns selbst an die Nase fassen, weil wir uns genau das haben erzählen lassen:
    Freiheit und Demokratie – und schon kann nix mehr schief gehen.
    Doch kann, wenn keiner mitmacht und man es den Dummen, den Schwätzern, jenen überläßt, die keine Selbstzweifel aber auch kein Urteilsvermögen haben, dafür wahnsinnig viel Überzeugungskraft und man sich selbst dann bei jeder kritischen Diskussion gleich wegduckt.
    Und wenn man sich allzu leicht nach dem alten „divide et impera“ voneinander separieren läßt (in Gute und Nazis) und so trotz intensivem Engagement keine Gestaltungskraft aufbringen kann.
    Linke und Linksextreme erfreuen sich an immer stärker blühenden sozialistischen Tendenzen, sehen sich schon frohlockend als Sieger der Geschichte. Tatsächlich haben wir in vielerlei Hinsicht schon eine DDR 2.0..
    Was allein haben unsere Medien aus dem mündigen BRD-Bürger der 80-iger gemacht ?
    Einen feigen Wurm der konditioniert ist, seine Mitmenschenen einzuteilen in jene, mit denen er öffentlich verkehren darf und die anderen, Unberührbaren (Pegida, AfD – klar das Campact da nicht dazu gehören will :-)). Der sich erzählen läßt, was er lesen darf und was nicht, weil es ihm nicht gut tun würde. Der (schon wieder) akzeptiert, daß er nicht alles wissen und denken darf.
    Und bereitwillig die Augen verschließt, wenn ihm das befohlen wird.
    Begeistert zieht er über jene her, die als unkorrekt gebranntmarkt werden, spielt sich in einer peinlichen Mischung aus Feigheit und Moralismus auf und feiert das Zurückweichen vor brennenden Problemen dann als Toleranz. Einen neuer, noch feigerer Typus Untertan in einer vom Kapital gelenkten Demokratie.
    Aber es ist nur ein Schein-Sozialismus, denn dieser kommt von Großkapitals Gnaden.
    Denn an den eigentlichen Machtverhältnissen ändert sich nichts. Ein paar Anrufe, schlimmstenfalls Umbesetzungen bei Intendanten und Redakteuren und schon weht der Wind in jede beliebige andere Richtung.
    So ist er nur ein Machtmittel den Bürger durch Sozialleistungen, Nazipeitsche und Angst vor sozialer Ausgrenzung zum willfährigen Regierungswiederwähler zu dressieren und als vereinzelten Arbeitnehmer brav und disponibel zu machenn und sich vor allem still zu verhalten, wenn ihm in kleinen Schritten immer mehr weggenommen wird: Rechte, Freiheit, Realeinkommen, Krankenkassenleistungen und anderes und immer neue Belastungen aufgebürdet werden.
    Als DDR-Bürger wußte man, daß man eigentlich jämmerlich da steht, aber wenigstens hat man sich als der bessere Mensch gefühlt.
    Wen das lockt….

  • von A.Königstein

    Mojn,
    Habe den Artikel gelesen, das Fallbeispiel: Umgang NGO`s – EHEC 2011, verwundert zur Kenntnis genommen . Ein Gärtner ist Herr Hein nicht, bei Ihm fangen die Pflanzen erst oberhalb des Bodens an. Der Samen für die Sprossen kam aus Ägypten(mit den Erregern!? ). Nur `ne Kleinigkeit, ist mir klar -aber nennt man sowas nicht gute Recherche? Nun ja, früher gab es GUTE Journalisten und VIEL Recherche -heute gibt es VIELE Journalisten…und Populismus.

  • von Klaus-Dietrich Woithe

    Schreiber Hein erweist sich im bewußten Artikel als raffinierter Populist selber, einer der demagogisch rundum austeilt. Mit Floskeln und Nebensätzen, in der Pose einer political correcness abkanzeln, das ist nicht die feine Art. Er blendet dazu auch Pseudofachurteile ein und simuliert so plausibel Schlüsse, die sachlich gar nicht untermauert sind. Kommen dann dazu Einlassungen, die in sich stimmig sind, so erweckt der ganze Zeilensud den Anschein, seriös zu sein. Wess Brot isst der Herr? Im Fall Campact und Giegold wäre zu fragen, ob das Rechtsfolgen oder wenigstens geharnischte Beschwerde bei Fachverbänden nach sich ziehen könnte. Schade ums ‚Verdruckte‘!

  • Hallo,

    auch mir ist die rbeit für einen guten Leserbrief an die SVZ zu aufwendig und zeitraubend, da er eh nicht veröffentlicht wird.
    Was mir jedoch manchmal gestattet wird, ist die Kommentarfunktion.
    http://www.svz.de/nachrichten/themen/populismus-positionen-perspektiven/die-welt-ist-duester-id16898376.html
    Vielleicht wollt auch ihr einen Kommentar abgeben?

    MfG, René

  • von Frank Claus

    Ehrlich gesagt, ich habe mir abgewöhnt, mir die Zeit mit dem Lesen von Herrn Heins Ergüssen in der SVZ zu verschwenden, zu oft schon habe ich vor allem seine Beiträge als puren Populismus empfunden.
    Erst recht wäre mir meine Zeit zu schade, zu den Beiträgen einen Leserbrief zu verfassen. Aber Respekt vor denen, die es tun – manche Meinung hat durchaus meine widergespiegelt.

    • von Dietrich Bussler

      Und ich kaufe die Zeitung Seinetwegen. So unterschiedlich können Wahrnehmungen sein.

  • von Paul

    Nur zwei Worte: Sudel-Jan!

  • von Lars Förster

    Sehr geehrter Herr Hein,
    danke, vielen vielen Dank für Ihre Arbeit. Das sind alles großartige Werke!
    Mit Witz und Ironie zeigen Sie uns, was Ihre Kollegen seit Jahren mit uns machen, natürlich nicht so plump, wie Sie… Aber das ist ja gerade Ihr Genie, Ihre Größe.
    All die Leute verstehen Sie nur nicht. Lassen Sie sich bitte nicht davon irritieren, dass jeder Sie für unglaublich unfähig hält. Ich verstehe Sie! Machen Sie weiter so!

    Aber ein bisschen dick haben Sie schon aufgetragen, Sie Schelm. Dass Journalisten Menschen, die sich gegen Gier und Ungerechtigkeit wehren, als Populisten und Nazis verunglimpfen… nee… das macht doch keiner…

    Suuper Spitze Weiter So!!!
    Hochachtungsvoll
    Ihr Lars

  • von Andreas Vogelsang

    Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut, dass zu Recht unter dem Schutz der Verfassung steht. Das Recht auf freie Meinungsäußerung dagegen ist als Grundrecht viel höher zu bewerten. Um eine freie Meinung zu äußern, bedarf es erst dem freien Zugang zu Information, um sich danach eine eigene Meinung bilden zu können. An diesen Punkt kommt die Presse ins Spiel, die nicht nur das Recht hat, über Tatsachen und Ereignisse zu berichten, sondern sogar die Pflicht zur wahrheitsgemäßen Berichterstattung hat. Die Presse hat die Aufgabe, Meinungen wiederzugeben, aber nicht, Meinung zu machen. Die Pressefreiheit ist kein Selbstzweck, sondern nur das Werkzeug, um die freie Meinungsäußerung zu unterstützten. Und da es zu jedem Thema mehrere Meinungen gibt – Gott sei Dank, sonst leben wir ja in einer Diktatur – hat die Presse auch die Pflicht, unabhängig und neutral alle Meinungen wiederzugeben, ob sie nun politisch korrekt sind, oder eben nicht.

    Ich persönlich distanziere mich zu den Ansichten der AfD, aber ich wurde so erzogen, dass man sich jede Meinung erst anhört, den Anderen aussprechen lässt und ihn nicht niederbrüllt. Auch wenn mich das Wahlprogramm der AfD zum größten Teil abstößt, bin ich doch Demokrat genug, mich damit sachlich auseinander zu setzten.

  • von Tobias Lorenz

    Naja Herr Stankiewitz, bei Ihnen kann man aber auch was rauslesen: eine fatalistische Haltung á la „die da oben“, „das böse System“ und dergleichen… Egal.

    Der AfD-Vergleich ist tatsächlich unangebracht. Überhaupt verdienen solche Tiraden von Menschen – wie diese von Herrn Hein – nur ein müdes Kopfschütteln.
    Sollte Herr Hein evtl. die Ambition hegen, etwa mal für die SZ, statt für die SVZ zu schreiben, riete ich ihm dringend, etwas an seinem „Stil“ zu ändern…

  • von TGH

    Jeder soll seine Meinung mit Fakten, ordentlich recherchiert und belegbar kundtun und dabei nicht vergessen, wieviel Verantwortung jeder Einzelne hat, dass die Welt so ist, wie sie ist. In der Region der SVZ fällt mir seit nunmehr sechs Jahren auf, dass Verantwortung (auch bei den 30-40jährigen !) „gern“ abgegeben wird. Immer sind andere Schuld, und es wird gejammert was das Zeug her gibt. Für mich unverständlich und nicht zu ertragen. Mittlerweile sehe ich mich als Einzelkämpferin für mich und meine Familienangelegenheiten in einer Welt von Nachplapperern und Egoisten. Wenn nun auch noch Journalisten dieses Klima fördern, wobei ich weder den hier genannten Journalisten kenne, da ich diese Zeitung auch mehr als „hohl“ finde, ist nicht nur die Pressefreiheit in Gefahr. Der Berufstand der Journalisten hat Prinzipien aufgestellt, die heutzutage wichtiger denn je sind. Zum Thema Glyphosat, Fracking und andere Themen, die uns Einzelne mehr oder weniger betreffen, werden jedoch von der Politik oft Entscheidungen im Sinne der Wirtschaft(-sverbände) getroffen. Und in Wahlkampfzeiten heißt es auch von „Links“, man müsse für den Bürger da sein, anstatt „ihn“ aktiv mit einzubinden. Gesellschaft sind wir alle, nicht nur die Politik, nicht nur die Wirtschaft – wir alle müssen unser Leben nachhaltig gestalten, ansonsten macht es doch wirklich keinen Sinn – weder für uns selbst, noch für unsere Kinder!

  • Auch ich habe so meine Probleme mit den Ergüssen des Herrn Hein in der SVZ. Von Zeit zur Zeit schreibe ich einen Leserbrief an die Chefredaktion. Den letzten füge ich hier einmal ein. Natürlich wurde er ignoriert statt veröffentlicht (würde ich auch machen, müsste ich diese Zeitung gegenüber ihren Eignern vertreten – weil ich sonst nichts zu beißen hätte):
    Leserbrief (Wochenendbeilage SVZ, 20./21.5.17, S.5: Jan-Philipp Hein; Das Regime der Alten)
    Die Alten kommen
    Vielleicht gilt gerade so ein systemglatter Kolumnist wie Herr Hein den unbeholfenen AfD-Krachmachern als Beweis für ihre Lügenpressekampagne. Dabei lügt Herr Hein ja gar nicht, er manipuliert bloß, geschickt und vom feinsten; solche Leute braucht das regierende System und seine prinzipiell nickende Presse dringend, welches die meisten AfD-Anhänger (im Gegensatz zu den Machern) einfältig und völlig seitenverkehrt interpretieren. Doch mir als nachdenklicher Bürger mit leider zunehmend strauchelnden linken Idealen passt auch nicht, was Herr Hein da so von sich gibt wie zum Beispiel am letzten Wochenende. Wer seine Kolumne über die Alten las, fürchtet sich jetzt vor der unabänderlichen Invasion der Greise, die unserer Gesellschaft den Garaus machen wird.
    Mich stört, dass weder Herr Hein noch irgendein anderer Politiker oder Journalist – wider besseres Wissen – das Grundübel der Menschheit benennt, geschweige Gedanken hervorbringt, es zu bannen. Das Grundübel heißt globalisierter Raubtierkapitalismus, und jeder weiß es. Aber nicht jeden stört es, nämlich die nicht, welche sich erfolgreich dem System angedient haben und kräftig kassieren. Warum soll auch nur ein Abgeordneter, ein Minister oder ein Sparkassendirektor oder Krankenkassenboss das verbrecherische Geldsystem geißeln, das uns enteignet, sie aber mästet?
    Ebenso wenig wie unsere Innenstädte veröden müssen, weil die Ladenmieten unbezahlbar werden, oder die Menschen in die Städte ziehen, weil die ländliche Infrastruktur verrottet, ist es kein Naturgesetz, dass kaum noch Kinder geboren werden mit der Folge, dass altersstarrsinnige Wähler grassieren und die Jugend knechten. Alles ist Resultat des Kapitalismus. – Wer heute noch ernsthaft glaubt, dass wir zukünftig ohne einen vernünftigen, menschlichen Sozialismus auskommen, welcher nicht mehr plant und produziert als das, was wir wirklich brauchen in Nord und Süd, Ost und West, ist tatsächlich weltfremd, ja mehr noch, er führt die Bevölkerung absichtsvoll in die Irre und in Konflikte, die Vielen Tod und Wenigen perverse Macht und Profit bringen. Zu jenen gehört auch indirekt die Presse, die es unabhängig in diesem System nicht geben kann.
    Zuerst muss die komplette Daseinsvorsorge in Volkes Hand! Dann muss eine Verfassung her, die u.a. auch die sozialen Grundrechte festschreibt (gerade das lehnt die ach so gerechtigkeitstriefende SPD vehement ab; die gütigen Christen sowieso). Warum sagt das keiner laut und öffentlich? Warum darf es keiner sagen an solcher Stelle wie zum Beispiel Herr Hein seine Pamphlete offenbaren darf zur Umnachtung des menschlichen Restverstands? Dem Nachbarn darf ich es ja alle Male sagen; gute Nacht, wem diese Demokratie reicht.

    Rainer Stankiewitz
    Waldrandsiedlung 5
    19089 Crivitz

    • von Tim Jonas Urbanek

      Sehr gut auf ausgedrückt,
      Herr Stankiewitz

      Ich denke auch ,dass wir einen menschlichen Sozialismus brauchen, innerhalb dieses Systems kann man an allerlei Schräubchen drehen, was nichts an der Tatsache ändert, dass die Grundfunktion des Kapitalismus krank und pervers ist. Man mag nicht mit allem einverstanden sein, was Sahra Wagenknecht sagt, aber meine Güte , warum schmeißen selbst Teile ihrer Partei ihr Knüppel in die Beine. Fakt ist, dass sie laut Umfragen bekannt und relativ beliebt bei den Leuten ist, warum also hört DIE LINKE nicht endlich mit diesen endlosen Personaldebatten auf. Ich gestehe jedem in der Partei seine Meinung zu , und finde die Debatte über unseren Kurs auch notwendig um als Partei lebendig zu bleiben, aber wir müssen doch etwas zweckorientierter denken :-( ,wie Gregor Gysi 2012 in Göttingen sagte: Wir haben nicht das Recht, unsere Partei zu verspielen! Leute wie Bernie
      Sanders, Jeremy Corbyn, Jean-Luc Melenchon, Sahra Wagenknecht, die radikal-humanistisch/sozialistische Positionen ohne Dogma vertreten und diese auch ohne Blatt vor dem Mund aussprechen , das ist es doch , was wir brauchen, aber warum tun wir uns so schwer.

      Übrigens, wer heute noch behauptet, die Linken würden die Wirtschaft zerstören, schaut nach Portugal, da geht es steil aufwärts für ALLE, aber das wird ja gern totgeschwiegen.

      https://www.heise.de/tp/news/Portugal-waechst-noch-staerker-als-erwartet-3716493.html

      Ich hoffe, dass das was wird, 2017 wird ein schicksalhaftes Jahr für die Welt, machen wir was daraus!

      Einen schönen Tag euch allen!

      Tim

    • von Heiko Kastl

      Ungeteilte Zustimmung nach Crivitz!

  • von K.-R. Fiedler

    Herrn J.-P. Hein darf man um Himmels Willen nicht ernst nehmen… !
    Was dieser Mann in den letzten Jahren in dem Zeitungsverbund, zu der die SVZ gehört, meist in WE- Ausgaben, „abgelassen hat, war „haarsträubend“ und regelrecht „dumm“ und hatte mit „Journalismus“ NICHTS zu tun. So einfach verhält es sich um diesen „Autoren“… .
    Nachdem ich mich mehrfach dermaßen über diesen ausgemachten Blödsinn geärgert hatte, habe ich mir, weil mir meine Lebenszeit dafür zu schade ist, abgewöhnt, derartige Ergüsse eines Herrn Hein überhaupt zu lesen.
    ERNSTZUNEHMEN ist allerdings die Tendenz von vormals halbwegs „seriösen Blättern“ wie SVZ, OZ (die ich lese) usw., derart dümmliches, ungereimtes Zeug überhaupt zu verbreiten.
    Aber das ist eben Kapitalismus in Reinkultur, den wir uns seinerzeit auch hier „eingehandelt“ haben… . Daß das Clientel, die derartigen Schwachsinn lesen „will“, ausreichend vorhanden ist, ist den „Machern“ dieser Provinz- Zeitungen natürlich bekannt. Und so gewinnt man vielleicht für ein wenig Profit oder auch nur, um in der Zeitungslandschaft zu „überleben“, ein paar Leser der „Bildzeitung“ u. ä. für sich… .
    Sollte die Diskussion bewirken, daß dieser Zeitungsverbund (SVZ, OZ,…), auf öffentlichen Druck hin, auf die Machwerke derartiger Möchtegern- „Journalisten“ (Ich hoffe nicht, daß Herr Hein einen solchen Abschluß hat- denn dann- Gute Nacht!) verzichtet, wäre wohl das Maximum von dem, was man im Moment erwarten kann, erreicht.
    Bleiben Sie alle immer „schön“ KRITISCH- und dabei immer Gehirn einschalten, wer noch hat und kann!

  • von Majo

    …ist es denn nicht so, dass fast alle Parteien, Vereine oder Einzelpersonen, die nicht mit der vorherschenden Meinung in politisch-gesellschaftlichen Themen übereinstimmen, in den allgemeinen Medien dem Populismus zugeordnet werden? Bezeichnungen wie Verschwörungstheoretiker / Populist sind mediale Totschlagbezeichnungen für unbequeme Leute. Insofern, herzlichen Glückwunsch für Campakt.
    Alle Menschen sollten immer alles sagen können, überall.

  • von Eckhard Gebert

    Wahrscheinlich ist der Journalist nicht so bewandert in der Biochemie. In der Tat ist Glyphosat selbst nicht so gefährlich wie die Aktionen dagegen vermuten lassen. Aber!!!!! Die Abbauprodukte, die immer und überall bei der Verarbeitung von Glyphosat entstehen, sind es, die die Gefährlichkeit der Ausgangssubstanz erzeugen. Deshalb ist es Betrug der Nichtsahnenden, wenn die Parlamentarier, die Firmenmitarbeiter von Monsanto und andere behaupten, die Substanz wäre weitgehend ungefährlich. Das ist so, als wenn man behauptet, das Henkerbeil tut niemand etwas. Richtig! Erst in der Hand des Henkers wird es gefährlich.

    • von DR. KRIESE

      Danke, endlich mal ein kurzer, fundierter und verständlicher Beitrag zu diesem Thema.

    • von Burkhard Schön

      Um welche Abbauprodukte handelt es sich denn? Würde mich mal interessieren. Entsteht da die Beziehung zum Bienensterben ? Wie kann man sich erklären, daß Australien keine nennenswerten Probleme mit Bienensterben hat obwohl dort genauso intensive Landwirtschaft betrieben wird. Im Übrigen halte ich Campact nicht für populistisch, obwohl meiner Meinung nach wie im Falle Glyphos mit Ängsten gearbeitet wird. Gott sei dank gibt es Meinungfreiheit und ich muß Campact nicht bei jedem Thema zustimmen.

  • von Roland Timmel

    Qualität in der journalistischen Arbeit ist (wie in vielen anderen Lebensbereichen) zunehmend von Erfolgsdruck und Zwang zur Geschwindigkeit bedroht. Insofern ist das, was hier geschehen ist nichts ungewöhnliches, aber dennoch ärgerlich. Ich finde es richtig, das Campact sich dagegen wehrt. Leider bleibt auch von Unsinn in vielen Köpfen auch trotz evtl. Gegendarstellungen immer noch so „ein grauer Schleier der Erinnerung“.

  • von Anja

    Lieber Felix,
    ich bin seit ein paar Jahren Campact-Förderin und stimme Dir zu. Der Artikel in der SVZ ist schrecklich und erschreckend und ich finde, Du bist erfreulich sachlich geblieben bei der Klarstellung.
    Eine Sache muss ich allerdings kritisieren, und das ist der Campact-Umgang mit dem Thema Glyphosat. Es ist ein Gift, das in jedem Fall verboten werden muss. Keine Frage. Aber auch Ihr stützt Euch ausschließlich auf das Argument, dass es „wahrscheinlich“ (sagt die WHO) krebserregend ist und das ist sowas von zu kurz gegriffen. Glyphosat wirkt tödlich auf alle Amphibien und es kappt die gesamte Nahrungskette an der Basis, nämlich indem es (Blüh-)Pflanzen tötet. Keine Pflanzen, keine Insekten, keine Vögel – naja. Ich weiß, Artenvielfalt ist mehr NABU-Thema als Campact-Thema. Aber gerade in diesem Fall wäre es absolut wichtig, sich endlich von diesem EINEN Argument zu lösen und etwas mehr aufzuzählen, was dieses Gift so gefährlich macht. Von krebserregenden Substanzen sind die meisten von uns leider stets und ständig umgeben. Ich denke da nur an die vielen Raucher – warum sollten die sich über die Krebsgefahr von Glyphosat Sorgen machen? Oder jemand, der in einer Großstadt ständig von Autoabgasen umgeben ist. Für den ist der Umgang mit Giften in der Landwirtschaft doch total weit weg. Aber das drohende Zusammenbrechen der Biodiversität mit der Folge, dass wir bald wirklich den „Stummen Frühling“ erleben, das ist doch wichtig! Nicht umsonst ist es erschreckenderweise so, dass die Bienenvölker in Großstädten gesünder sind als die auf dem Land, einfach, weil dort nicht ständig die Giftspritze langfährt. All das müsst auch Ihr mehr in den Fokus rücken meiner Meinung nach.
    Ansonsten macht bitte weiter so!

  • von Hausein, Rose

    Leider werden mit der Schlag-mich-tot-Keule „Populismus“ alle berechtigten Kritiken, die nicht in das Konzept der Regierungspolitik oder anderer mächtiger Interessengruppen fallen, abgewatscht, denn dann muss man sich nicht mehr argumentativ auseinandersetzen.
    Wenn selbst solch eine Organisation wie Campact derart negativ apostrophiert wird, sehe ich die Meinungsfreiheit in diesem Lande wirklich in Gefahr.
    Also wehret den Anfängen.

  • Wenn der Autor der SVZ nichts gegen Glyphosat hat, soll er doch mal 10 ml in einen Smoothie vermixt 1 Jahr lang zu sich nehmen. Dann warten wir gerne das Ergebnis ab! Zum Wohl!!!

    • von katze69

      Das braucht er ja nicht mal anrühren – es recht doch, dass er sich ein Bier aufmacht. Oder Brot isst. Milch trinkt. Gibt es eigentlich überhaupt noch unverseuchte Lebensmittel?

  • von André Chladek

    Dass sich Campact über den Beitrag ärgert, ist verständlich. Aber natürlich ist es so, dass die meisten NGOs inzwischen hochqualifizierte, kommunikativ starke und im PR-Sektor ausgewiesene Experten beschäftigen. Das müssten sie nicht, wenn es sich dabei nicht um ihre Existenzgrundlage handelte. Jede Person und jeder Klick zählt. Damit wird das Geld verdient, das auch jede NGO zu ihrem Fortbestand benötigt. Insofern ist die grundsätzliche Kritik am Beitrag der NOZ nicht gerechtfertigt.
    Wohl aber ist es richtig, dass der Duktus sich eher polemisch darstellt – das finde ich auch deplatziert. Es ist nicht Aufgabe des Journalismus, jemanden zu überzeugen. Es ist seine Aufgabe, sachlich zu berichten und den Rezipient*innen ihre eigenen Schlüsse zuzugestehen.
    Was nun die nach außen gerichteten Aktivitäten von Organisationen jeder Art angeht, so handelt es sich hier um ein notwendiges Marketing, um die Organisation gut darzustellen. Und natürlich ist Marketing/PR der Bereich, wo einseitig und polarisierend die Wirklichkeit zugunsten der eigenen Organisation verzerrt wird. Keinen anderen Auftrag hat die PR-Abteilung. Insofern ist eure Reaktion auf den NOZ-Beitrag eine folgerichtige und selbst mein kritischer Beitrag an dieser Stelle ebenfalls erweiterter Bestandteil eures Marketings, wenn ihr sagt, dass Campact auch innerhalb der Unterstützer*innen den Diskurs fördert.
    Systemtheoretisch also alles leicht zu erklären.

    Viel Kraft weiterhin und seid nicht so schnell beleidigt, wenn man auch Organisationen eurer Ausprägung kritisiert. Gutmenschentum und „Schwarz-Weiß-Perspektiven“ nerven an.

    Gruß
    André

  • von Hannah Kirchmeier

    Sehr geehrter Herr Dr. Kolb,

    Sie schreiben mir aus dem Herzen.
    Als tägliche Leserin der SVZ (andere Tageszeitungen gibt es hier im Umkreis nicht) verzichte ich seit einiger Zeit auf die meistens ziemlich undifferenzierten Äußerungen von Herr Hein.

    Freundliche Grüße
    Hannah Kirchmeier

  • von Astrid Lindberg

    Nachdem wir in vielen Jahren / Jahrhunderten sehr verschiedene, kulturelle Entwicklungsschritte gemacht haben, leben wir, meiner Ansicht, jetzt in einer Zeit, in der wir durch fremde Länder / fremde Menschen eine kulturelle Bewußtseins – und Erfahrungserweiterung erfahren können.
    Als moderner Mensch in meinen Mitmenschen verschiedensten Weltanschauungen zu begegnen ist weckend und lehrreich, es läßt langsam ein konkreteres Weltbewußtsein in mir entstehen. Dass es in unserer Nähe oder in der Ferne anderer Kontinente ganz verschiedene, auch alt-gewordene Lebensvorstellungen gibt, gehört zu den Tatsachen. Eine neu entstandene „Pegida“ entspringt wahrscheinlich einer älteren Lebensvorstellung und auch die muss ich akzeptieren. Die Unterschiede möchte ich nicht verwischt sehen,( wie auch campact !), jedes an seine Stelle setzen und aus sich heraus charakterisieren. Versuchen weniger zu urteilen, die Dinge wirken meistens durch sich selbst.
    Mit freundlichen Grüßen
    Dr.Astrid Lindberg

  • von Astrid Lindberg

    Nachdem wir in vielen Jahren / Jahrhunderten sehr verschiedene, kulturelle Entwicklungsschritte gemacht haben, leben wir, meiner Ansicht, jetzt in einer Zeit, in der wir durch fremde Länder / fremde Menschen eine kulturelle Bewußtseins – und Erfahrungserfweiterung erfahren können.
    Als moderner Mensch in meinen Mitmenschen verschiedensten Weltanschauungen zu begegnen ist weckend und lehrreich, es läßt langsam ein konkreteres Weltbewußtsein in mir entstehen. Dass es in unserer Nähe oder in der Ferne anderer Kontinente ganz verschiedene, auch alt-gewordene Lebensvorstellungen gibt, gehört zu den Tatsachen. Eine neu entstandene „Pegida“ entspringt wahrscheinlich einer älteren Lebensvorstellung und auch die muss ich akzeptieren. Die Unterschiede möchte ich nicht verwischt sehen, wie campact, jedes an seine Stelle setzen und aus sich heraus charakterisieren. Versuchen weniger zu urteilen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Dr.Astrid Lindberg

  • von Karl Rimpel

    Ach Gott das Neechen…
    Wenn ihr euch schon von diesen zwei Provinzblättchen provoziert fühlt dann kann ich nur davon abraten,einen Blick in das neue Buch von Frau Weidenfeld (Tagesspiegel) zu werfen.
    Das Kapitel über die Macht der NGOs und das arme,verunglückte TTIP sind einfach nur noch zum Gröhlen.
    Nach der Lektüre konnte ich meinen Eltern nur dazu gratulieren das sie ihr Abo gekündigt haben.

    Hab mich damit abgefunden das die veröffentlichte Meinung ziemlich im Eimer ist.
    Und das nicht erst seit gestern.
    Man denke an die mediale Vorbereitung der Agenda 2010,die Berichterstattung im Vorfeld des Natoeinsatzes in Ex-Jugoslawien,die Meinungsmache zur „Ukrainekrise“,oder die jämmerliche Einseitigkeit beim Thema Syrien.

    Geld hatte immer viele Fürsprecher.
    Ich denke das Podemos und Grillos fünf Sterne das schon ganz richtig machen mit ihrem distanzierten Verhältnis zur Presse.

    Also;Kopf hoch und weitermachen! :)

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