Panzer, Sekt und Häppchen: Unser Überraschungsbesuch beim Aktionärstreffen von Rheinmetall

Mit steigenden Aktienkursen und besten Bilanzen hatte der Rüstungskonzern Rheinmetall guten Grund zu feiern. Doch heute blieben wir mit unserem Protest nicht vor der Tür. Lies hier, wie wir die Kritik am Panzer-Deal auf Rheinmetalls eigene Bühne brachten.

Kein Wort zum Panzer-Geschäft

Der Waffen-Schmiede Rheinmetall wäre es vermutlich am liebsten gewesen, wenn ihr Panzer-Deal bei der Hauptversammlung des Konzerns in Berlin nicht zur Sprache gekommen wäre.

Das Unternehmen plant in der Türkei eine Panzerfabrik, um von dort die türkische Armee und Konfliktherde der Region zu beliefern. Deutsche Exportkontrollen und der Bundestag würden so umgangen. Bei der Hauptversammlung wollte Konzernchef Armin Papperger ungestört die zweistelligen Wachstumsraten der Waffensparte und steigende Aktienkurse feiern. Zum umstrittenen Panzer-Geschäft: kein Wort.

Mit einem Panzer vor der Tür

Doch vor der Tür standen wir mit einem echten Leopard-1-Panzer. Vor dem tödlichen Gefährt lagen Demonstranten minutenlang regungslos auf dem Asphalt. Nur das Klicken der Kameras war zu hören. So machten wir deutlich: Dieser Panzer-Deal mit der Türkei tötet!

Begleitet wurde unsere Protestaktion von einer Kundgebung, zu der „Aktion Aufschrei“ und das Berliner Bündnis „Legt den Leo an die Kette“ aufgerufen hatten.

 Mit Herzklopfen ging ich ans Rednerpult

Es blieb jedoch nicht beim Protest vor der Tür. Mit der Unterstützung unserer Partnerorganisation urgewald bekam ich Zugang zur Hauptversammlung. Die Organisation besitzt Rheinmetall-Aktien und konnte mir deshalb ein Stimmrecht übertragen. Mit dem Stimmrecht erhielt ich die Möglichkeit auf der Bühne zu sprechen. Mein Ziel: Dem Rheinmetall-Vorstandschef Armin Papperger die Unterschriften von 275.000 Campact-Aktiven zu bringen, die gegen Panzer-Deal mit Erdogan unterschrieben haben.

Mit Herzklopfen ging ich ans Rednerpult. Doch dann wusste ich: Ich bin hier nicht alleine – ich spreche für 275.000 Menschen, die mit ihrer Unterschrift ihr deutliches Nein zu Rheinmetalls unmoralischen Geschäften ausgesprochen hatten. Mit dieser Unterstützung war der Schritt auf die Bühne einfach.

Jörg Haas auf der Rheinmetall-Hauptversammlung
Campact-Campaigner Jörg Haas auf der Rheinmetall-Hauptversammlung

Kritik von vielen Seiten

Mein Beitrag blieb nicht der einzige: Auch Barbara Happe und Katrin Ganswindt von urgewald, Christine Hoffmann von Pax Christi und viele andere brachten die Kritik am Rüstungskonzern und seinem Panzer-Deal auf die Bühne. Jean Peters von Peng! überreichte in einem satirischen Beitrag den Friedenspreis Ares an den Vorstandsvorsitzenden von Rheinmetall.

So hatte sich Rheinmetall die Hauptversammlung nicht vorgestellt. Die Quartalszahlen waren bestens, die Aktienkurse auf Rekordhoch. Doch gemeinsam mit unseren Partnern verdarben wir dem Konzern die Feierlaune. Und wir versprechen: Wir bleiben dran!

Du hast schon unterzeichnet? Dann teile diesen Beitrag mit deinen Freundinnen und Freunden.

29 Kommentare

  • von Bascha Stichling

    Einfach fantastisch. Und wie war die Reaktion auf der Aktionäraversammlung? Danke für eueren EInsatz und den Mut.

  • von Ursula Fanslau

    Bin sehr begeistert !!! Hoffe von Herzen das wir diese Unmöglichkeit stoppen!
    Es ist ja sogar Verfassungsmäßig unabdingbar!!!! Weiter so…!

  • von Lars J

    Respekt!
    Selbstorganisiert, finanziert und pressewirksam inszeniert.
    Gute Arbeit!

  • von Kuban

    Ich bin froh, das es Eure Organisation gibt. Nur durch solche Ationen kann man die Öffenlichkeit wachrütteln. Es ist eine große Schweinerei wie die Politiker bei solchen Dingen einfach weckschauen.
    Wenn man sich mal mit dem ganzen Lobbyismus beschäftigt, erkennt man was in unserem Staat falsch läuft. Macht weiter so, um den Leuten die Augen zu öffnen.

  • @ Natalie Dank,

    ich denke, es ist legitim sich einige Aktien zu besorgen, um sich dann bei der Aktionärsversammlung Gehör zu verschaffen und evtl das Medienecho zu erhöhen.

    Alois Kotzer

  • von Maria Feckl

    Super Engagement und wichtiger denn je. Weiter so :-)

  • von Verena Martha

    Eine super Aktion und es heißt in der Tat : Dranbleiben ! Der Kirchentag wäre sicher auch eine öffentlichkeitswirksame Gelegenheit,den Panzerdeal breit zu thematisieren !

  • Es ist alles super. Der größte Teil unserer Bevölkerung bekommt davon nichts mit.
    Das wissen diese Unternehmer und handeln danach. Man kann Sie nur direkt
    (persönlich) treffen. Wenn das eigene Hemd flattert sieht vieles anders aus.
    Geld regiert die Welt. Alles andere ist Utopie.
    M.f.G.
    H.-Peter

  • von Markus Kretschmann

    Bravo. Mutig. Weiter machen. So etwas wäre in Scheindemokratien sicher unmöglich und würde mindestens im Gefängnis enden. Beispiele zu nennen erübrigt sich. Ich unterstütze Euch gerne weiter.

  • von Aloisia Vollenweider

    Vielen Dank für die Aktion! Und immer weiter so….nur auf diese Weise kann ein Bewusstsein geschaffen werden für das Unrecht. Ich werde die Aktion auf jeden Fall auch weiterhin finanziell unterstützen. Liebe Grüße Aloisia

  • von Jürgen-Siegfried König

    Ich gratuliere: Eine tolle Demonstration. Sie wirkt auf meine Frau und mich ergreifend.
    Setzt bitte nach. Nicht lockerlassen.

    Um eine Nuance begrüßenswerter empfände ich eine dermaßen wichtige Aktion mit mehrere hundertausenden Demonstrationsteilnehmer auf den Straßen und Plätzen von Berlin. Nach meinem Dafürhalten binden derartige Demos enger zusammen, stärken die Solidarität untereinander und mit weiteren Gruppierungen. Und sie hinterlassen einen tiefen Eindruck bei der Bevölkerung und, hoffentlich voran, Politikern.

    Mit herzlichem Gruß

    Jürgen-S. König

  • von UB Offer

    Ich finde die Aktion super. Sie ist zu tiefst menschlich, zudem effektiv und sehr plakativ – ohne Letzteres würde sie in der heutigen Zeit kaum wahrgenommen werden. Doppelbödigkeit vermag ich bei campact nicht zu erkennen, da Basis für Aktionen immer fundiertes Wissen sein sollte – und dafür sind die Unterlagen, die man als Aktionär erhält, eine wesentliche Grundlage (du verstehst, wie die AG argumentiert und vorgeht; du hast die Chance, die anderen Aktionäre auf ihrem Kenntnisstand zu erreichen und damit Einfluss auf ihr Handeln zu nehmen). Und sollte mal ein Gewinn oder eine Dividende durch Aktienbesitz entstehen, finanziert die AG (indirekt) auch ihre Kritiker – damit sollten wir m. E. gut leben können. Ich für meinen Teil werde campact und we move eu weiterhin unterstützen und finde es toll, wenn wir immer mehr werden. Auf gehts!

  • von Bernd Altmann

    Die Scheinheiligkeit der Politik mit ihren Lobbyismus ist wesentlicher Teil des deutschen Exporterfolgs. RHEINMETALL hat bereits in Tunesien eine Waffenproduktion initiiert. Man sollte wissen, welcher deutsche EX POLITIKER sich dort seine Brötchen verdient: Dirk Niebel, Ex Entwicklungshilfeminister aus den Reihen der FDP und Oberfeldwebel AD. Recherchieren Sie mal über die Schierbereien durch Herrn Schreiber, gedeckt u.a. von Herrn Schäuble. Laut Meinungsumfragen einer der beliebtesten Politiker unseres Landes. Gehen Sie mal Namen nach und Sie werden jede Menge Staatssekretäre finden, die sich mit Rüstungsgeschäften eine goldene Nase verdienen und verdient haben.

  • von barbara

    hallo, wäre gerne dabei gewesen. eine sehr gute aktion,
    unterstütze ich immer wieder!
    macht weiter so!!!!!

  • von Gabriele Voth

    Vielen Dank für diese Aktion. Natürlich ist es bekloppt, dass man so viel Grld, Zeit und Energie „verschwenden“ muss um eine Selbstverständlichkeit bekannt zu machen:
    Wenn diese Aktionäre einen Funken Verantwortung hätten, wären sie längst ausgestiegen. Offensichtlich ist es ihnen egal, wie „ihr Geld arbeitet“. Hauptsache die Rendite stimmt.
    Da braucht es dann drastische Bilder – und diesen Aufwand. Danke, dass ihr eine so gelungene Performance geschaffen habt. Ich habe das Gefühl, mein Geld hat gut gearbeitet!
    Wenn wir damit nur ein einziges Menschenleben retten, hat es sich gelohnt.

  • von Evelyn Grosser

    Danke für Euren Mut und das Engagement! Weiter so, ich bin dabei!

  • Ich danke euch auch. Das ist wahrlich eine enorme Leistung von euch. Ich bin an eurer Seite. Inga

  • Koennte Campact nicht auf dem demnaechst stattfindenden Kirchentag
    in Berlin mit so einer Aktion wie am
    9. Mai noch einmal nachlegen.
    Oeffentlichkeit ist da genug und das
    richtige Forum liesse sich doch finden

  • von Behmer Toni

    Weiter so und in paar Mark sind noch drin um die Organisation zu unterstützen….

  • von Natalie Dank

    Mir stehen die Haare zu Berge bei dieser Bigotterie, Doppelmoral, Rücksichtslosigkeit und Gier! Ich spucke auf euch!

    • von E. Hooijer

      Sie meinten hoffentlich die Rheinmetaller?

      Andererseits ist es schon etwas bizarr, dass urgewald e.V. Rüstungsaktien hält; Pax Christi etwa auch..?

      Dann beiden Glückwunsch sowohl zur Aktion als auch zur guten Aktien-Rendite!

    • … urgewald ist Teil der Kritischen Aktionäre und hält einzelne Rheinmetall-Aktien nicht um damit Profit zu machen, sondern um das Recht zu haben, auf Hauptversammlungen Fragen zu stellen.

    • von Gabriele Voth

      Wen meinen Sie? Wo ist die Doppelmoral? Bigotterie?
      So wie er da steht ist der Kommentar unverständlich für mich.

  • von E. Hooijer

    OMG – wo habt ihr euch denn den Panzer ausgeliehen..?

    Und was kostet sowas?!

    Ansonsten, gute Aktion!!

  • von Silke Helfrich

    KUDOS!

  • von Heinz D.Kappei

    Ich bin begeistert! So viel Kritik hat
    es waehrend einer Aktionaersversammlung wohl noch nie
    gegeben! Es war drinnen und draussen
    eine rundum gelungene Protest-Aktion!!

    • Lieber Heinz, ganz herzlichen Dank für die wunderbare Zusammenarbeit – und für Euer jahrelanges Engagement! Ihr seid super!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

5000 Zeichen verbleiben

Veröffentlicht von Jörg Haas

Jörg Haas, Jahrgang 1961, ist Campaigner bei Campact. Nach einem Berufseinstieg in die Entwicklungszusammenarbeit in einem Regenwaldprojekt in Ecuador war er lange Jahre als Ökologiereferent für die Heinrich-Böll-Stiftung tätig. 2008 wechselte er als Programmdirektor zur European Climate Foundation. Intensives Engagement in den UN-Klimaverhandlungen in Kopenhagen. Ohne öffentliche Mobilisierung fehlt jedoch der Handlungsdruck - daher der Wechsel zu Campact, zuerst als Pressesprecher, nun als Campaigner.