Braunkohle: Trinkwasser droht zu versalzen!

Ein Schluck Wasser aus dem Hahn - in Deutschland eine Selbstverständlichkeit. Doch in Berlin enthält das Trinkwasser immer mehr Sulfat und droht zu versalzen. Hauptverursacher ist der Braunkohletageabbau in der Lausitz - und der soll mit dem Tagebau Welzow Süd II sogar ausgebaut werden. Mit einer Petition auf WeAct wollen Oliver Powalla und seine Mitstreiter/innen das verhindern.

Die Flüsse im Spreewald färben sich gelb-braun, das Wasser in Berlin ist seit Jahren mit hohen Sulfatwerten belastet. Woran liegt das?

Oliver Powalla: Die Verfärbung des Wassers wird durch Eisenocker verursacht und die Trinkwasserbelastung durch Sulfat. Beides entsteht beim Abbau von Braunkohle, durch das Verwittern von Pyrit – dem so genannten Katzengold. In der Lausitz wird Braunkohle schon seit Jahrzehnten im großen Stil gefördert, aktuell von der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG).

Sie will den Braunkohletagebau sogar noch ausbauen – obwohl längst klar ist, dass der Abbau mit verheerenden Umweltschäden einhergeht und es gute Alternativen zur Energiegewinnung gibt. Das wollen wir mit unserer Petition auf WeAct verhindern.

Ist die Verschmutzung des Wassers gefährlich für Menschen oder die Umwelt?

Für die Ökosysteme ist der Eisenocker eine Katastrophe. Der Ockerschlamm legt sich wie ein Leichentuch über den Gewässergrund und tötet die Lebensgrundlage von Fischen, Vögeln und Pflanzen. Nachdem in Brandenburg die Talsperre Spremberg und zahlreiche kleine Wasserläufe in Tagebaunähe bereits verockert sind, hoffen die Anwohnerinnen und Anwohner, dass zumindest der Spreewald von der Verockerung verschont bleibt – für das Gebiet wäre das verheerend. Immerhin ist der Spreewald wegen seiner reichen Tier- und Pflanzenwelt als UNESCO-Biosphärenreservat ausgezeichnet.

Und was bedeutet das für unser Trinkwasser?

Beim Sulfat kann man nicht hoffen, dass es einfach aufgehalten wird. Schon seit Jahren beeinträchtigt es überregional die Qualität des Trinkwassers in Berlin und Brandenburg. Wird der Grenzwert von 250 Milligramm pro Liter überschritten, können die Wasserverbraucher/innen den Sulfatgehalt sogar schmecken. Das Wasser wird salzig. Für manche Bierbrauereien ist das schon heute ein Problem. Bislang traut sich aber nur Flessa-Bräu aus Berlin-Friedrichshain offen darüber zu reden.

Sie sind selbst in Berlin geboren und leben hier. Haben Sie Bedenken, wenn Sie Wasser aus dem Hahn trinken?

Zum Glück ist das Berliner Trinkwasser noch unbedenklich. Ich möchte jedoch auch in Zukunft ohne Wasser aus der Flasche auskommen. Deshalb ist es mir auch ein persönliches Anliegen, die Petition voranzubringen. Leider hat sich die Sulfatkonzentration in den letzten Jahren stark erhöht und die Grenzwerte werden nur noch knapp eingehalten. Die Politik ist deshalb dringend gefordert, Vorsorge zu betreiben.

Wenn die Lausitz Energie Bergbau AG mitverantwortlich ist für die Verschmutzung des Wassers, zahlt sie dann auch für seine Reinigung? Oder wer übernimmt die Kosten?

Für die Renaturierung und die Reinigung der Gewässer werden mindestens drei Milliarden Euro nötig sein. Die tschechischen Investoren hinter der LEAG haben dafür immerhin schon 1,7 Milliarden von dem vorherigen Eigentümer Vattenfall erhalten. Wir wissen allerdings, dass von den 1,7 Milliarden Euro nur noch ein Bruchteil in der Lausitz liegen – nach konzerneigenen Angaben sind es 14 Millionen Euro. Die Gefahr ist groß, dass das Geld in Steuersümpfen versickert. Die Eigentümer der LEAG betreiben ein internationales Netzwerk undurchsichtiger Briefkastenfirmen.

Falls das Geld in Steuersümpfen verschwindet, wer muss dann zahlen?

Im schlimmsten Fall müssen am Ende die Steuerzahler/innen und Wasserverbraucher/innen tief in ihre Taschen greifen und für die entstandenen Schäden durch die Tagebaue zahlen. Wenn das Land Brandenburg die LEAG nicht verpflichtet, die für die Sanierung bestimmten Gelder öffentlich zu sichern, besteht die Gefahr, dass sich der Hauptverursacher der Wasserverschmutzung und Umweltzerstörung vor den Kosten drückt.

Sie und das Bündnis Kohleausstieg Berlin haben jetzt eine Petition auf WeAct gestartet, um die weitere Verschmutzung der Spree zu stoppen. Was genau fordern Sie und an wen richtet sich die Petition?

Wir wollen, dass neue Tagebaue verbindlich ausgeschlossen werden, damit keine neuen Quellen für Sulfat und Eisenocker entstehen. Das können die Regierungen von Berlin und Brandenburg in der gemeinsamen Landesplanung, die im Herbst ansteht, festlegen. Dazu gehört für uns, dass ein Ausbau des Tagebaus Welzow Süd II, wie in die LEAG gern hätte, auf jeden Fall unterbunden wird. Außerdem wollen wir verhindern, dass die Kosten für die Sanierung alter Tagebaue auf die Wasserverbraucher/innen abgewälzt werden. Damit das sichergestellt wird, müssen die regierenden Parteien in Berlin und Brandenburg dafür sorgen, dass die Sanierungsrückstellungen der LEAG in öffentlicher Hand gesichert werden. Für ein verantwortungsvolles Wassermanagement muss genug Geld da sein.

Die rot-rot-grüne Regierung in Berlin hat sich bereits zum Kohleausstieg bekannt und im Koalitionsvertrag festgehalten, dass sie die Verursacher der Sulfatbelastung in der Spree an den Kosten beteiligen will. Sind damit die Forderungen Ihrer Petition nicht schon längst erfüllt?

In der Tat scheinen unsere Forderungen in Berlin Gehör zu finden. Die Umweltverbände in Brandenburg setzen deshalb jetzt große Hoffnungen in den Berliner Senat. Allerdings wird sich erst noch zeigen, ob der neue Senat auch den Willen hat, seine Position stark zu machen: In Brandenburg kann er ein neues Kapitel in der Energiepolitik aufschlagen und das Wasser schützen. Bislang heißt es meist lapidar „wir wollen ja, aber die Brandenburger nicht.“ Deshalb ist es jetzt auch wichtig, dass wir den nötigen Druck aus der Zivilgesellschaft in beiden Ländern aufbauen. Durch eine erfolgreiche Petition können wir zeigen, dass die Menschen in Berlin und Brandenburg Taten statt Worte erwarten. Es ist schon genug Sulfat die Spree heruntergeflossen.

Was können Interessierte tun, um Ihre Kampagne zu unterstützen?

Unsere Kampagne läuft gerade erst an. Es gibt also noch ein Menge Möglichkeiten, sich einzubringen. Bis zur Konferenz zur gemeinsamen Landesplanung im Herbst wollen wir 20.000 Unterschriften sammeln. Das werden wir nur schaffen, wenn alle Unterstützer/innen unsere Petition teilen und verbreiten. Außerdem haben wir auch Aktionen geplant, bei denen jede/r herzlich willkommen ist mitzumachen. Viel wird auch davon abhängen, dass sich die Unterstützer/innen persönlich an die zuständigen Regierungsmitglieder wenden. Auf der Hälfte der Strecke, wenn wir 10.000 Unterschriften erreicht haben, werden wir alle bitten, sich mit Mails, Posts und Tweets bemerkbar zu machen. Der direkte Kontakt über WeAct verschafft uns hier ganz neue Aktionsmöglichkeiten.


WeAct Logo

Diese Petition wurde auf WeAct, der neuen Petitionsplattform von Campact, gestartet. Es ist also keine Kampagne von Campact. Da Campact aber die Ziele der Petition unterstützt, möchten wir Dich auf die Kampagne hinweisen.

 

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Veröffentlicht von Simone Katter

Simone Katter, Jahrgang 1979, hat Soziologie mit dem Schwerpunkt Entwicklungspolitik studiert und ist ausgebildete Journalistin. Sie hat für das Deutsche Institut für Menschenrechte, Oxfam und zuletzt als Referentin für Online-Kommunikation beim INKOTA-netzwerk gearbeitet. Nach Stationen in Mexiko und Nicaragua lebt die gebürtige Ruhrgebietlerin heute in Berlin. Ob bei der Antifa, Anti-Atombewegung oder attac – gemeinsam mit anderen für Gerechtigkeit zu streiten, das treibt sie an. Bei Campact betreut sie die Petitionsplattform WeAct.