Diese Frau hat Hamburg vor dem Verstummen gerettet

Hamburg wäre fast verstummt: An immer mehr Plätzen wurde Straßenmusik verboten. Silvia Kohl-Stolze kämpfte mit einer Petition auf WeAct dagegen an. Mit Erfolg!

Lachende Gesichter, Hände klatschen im Takt, für einen kurzen Moment haben die Umherstehenden den hektischen Alltag vergessen. Solche Szenen spielten sich an der Spitalerstraße regelmäßig ab – doch damit sollte Schluss: Straßenmusik wurde in der zentralen Einkaufsstraße bis auf Weiteres verboten. So hat es das Bezirksamt Hamburg-Mitte entschieden. Der Grund: Geschäftsinhaber/innen hatten sich über die Musik beschwert.

Immer mehr musikfreie Zonen

Die Straßenmusikerin Silvia Kohl-Stolze ist entsetzt, als sie von dem Verbot erfährt. Seit 20 Jahren spielt sie mit ihrer Band in Hamburgs Straßen. Doch das wird immer schwieriger: “Das ist die vierte musikfreie Zone, die in Hamburg entsteht”, erklärt sie.

“Damit wird nicht nur der Charme unserer Stadt zerstört, sondern Kultur, die für alle zugänglich ist, regelrecht aus der Innenstadt vertrieben.” Mit einer Petition auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact, forderte sie deshalb den zuständigen Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) dazu auf, das Straßenmusik-Verbot in der Spitalerstraße sofort aufzuheben.

Silvia Kohl-Stolze findet es unfair, dass die Straßenmusiker nicht einmal zu Wort kamen. Das Bezirksamt hat das Verbot in der Spitalerstraße einfach durchgesetzt – ohne die Sichtweise der Betroffenen zu berücksichtigen: “Ich kann zwar verstehen, dass nicht alle Menschen so begeistert von Straßenmusik sind wie wir oder unser Publikum”, sagt sie. “Aber um Straßenmusik zu regulieren, brauchen wir kein generelles Verbot, sondern klare Regeln und die gibt es längst!”

Klare Regeln statt Verbote

Schon einmal hatte es zwischen Straßenmusiker/innen, Geschäftsinhaber/innen und Büroangestellten im Bezirk Hamburg-Mitte Streit gegeben. Als Kompromiss erarbeiteten die Gruppen gemeinsam das “Merkblatt für Straßenmusik und Straßentheater”. Silvia Kohl-Stolze und ihre Band wünschten sich, dass diese Regeln einfach wieder umgesetzt werden.

Bezirksamtsleiter Falko Droßmann schien sich zunächst vor einer Lösung drücken zu wollen: Auf schriftliche Terminanfragen für die Unterschriften-Übergabe reagiert er nicht. “Ich hab’ ihn dann nach einer öffentlichen Veranstaltung einfach angesprochen und nach einem Termin gefragt”, erzählt Silvia Kohl-Stolze. Dabei erfährt sie außerdem: Falko Droßmann war selbst mal als Straßenmusiker unterwegs.

Dran bleiben lohnt sich

Auch Wochen nach der Übergabe, lässt die Straßenmusikerin nicht locker und telefoniert Herrn Droßmann ständig hinter her. Silvia Kohl-Stolze bleibt hartnäckig. Schließlich wird ein Runder Tisch einberufen. Nach zähen Verhandlungen kommt endlich der Durchbruch: „Wir haben es geschafft!“, erzählt sie mit einem strahlenden Gesicht.

„Dank dieser Petition haben wir die Straßenmusik zurück auf die Spitalerstraße gebracht.“

Gemeinsam mit Polizei, Bezirksamtsleitung, Vertreter/innen der Geschäftswelt, City Management und Straßenmusiker/innen wurden folgende Regel für die Straßenmusik in der Spitalerstraße beschlossen: eine halbe Stunde Spielzeit, dann 150 Meter weitergehen, unverstärkt spielen. Und ein/e Quartierspfleger/in wird sich in Zukunft darum kümmern, dass die Regeln auch eingehalten werden.


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Diese Petition wurde auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact, gestartet. Es ist also keine Kampagne von Campact. Da Campact aber die Ziele der Petition unterstützt, möchten wir Dich auf die Kampagne hinweisen.

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Veröffentlicht von Simone Katter

Simone Katter, Jahrgang 1979, hat Soziologie mit dem Schwerpunkt Entwicklungspolitik studiert und ist ausgebildete Journalistin. Sie hat für das Deutsche Institut für Menschenrechte, Oxfam und zuletzt als Referentin für Online-Kommunikation beim INKOTA-netzwerk gearbeitet. Nach Stationen in Mexiko und Nicaragua lebt die gebürtige Ruhrgebietlerin heute in Berlin. Ob bei der Antifa, Anti-Atombewegung oder attac – gemeinsam mit anderen für Gerechtigkeit zu streiten, das treibt sie an. Bei Campact betreut sie die Petitionsplattform WeAct.