„Als würde mir Seehofer zwischen die Beine gucken!“

Das Verfassungsgericht hat entschieden: Neben männlich und weiblich, muss es eine dritte Option im Pass geben. Doch Horst Seehofer und seine Kolleg/innen planen ein Gesetz, das die freie Wahl des Geschlechtseintrags massiv einschränkt. Josch Hoenes aus Berlin will das mit einer Petition auf WeAct verhindern.

Männlich, weiblich, divers – ab 2019 wird es eine dritte Option für das Geschlecht im Pass geben. So hat das Bundesverfassungsgericht entschieden. Für die meisten Menschen ändert sich nichts. Für Josch Hoenes aus Berlin hingegen viel: Männlich, weiblich – beides passt nicht zum ihm. Jetzt könnte er endlich etwas anderes eintragen lassen. Eigentlich. Denn CSU-Innenminister Horst Seehofer und seine Kabinettskolleg/innen planen ein Gesetz, das eine freie Wahl blockiert.

„Als würde Horst Seehofer festlegen, wer ich bin“

Nur wer ein ärztliches Attest vorlegen kann, soll die dritte Option wählen können – so steht es im Entwurf der CSU.Das ist so, als wollte Horst Seehofer mir zwischen die Beine gucken und dann festlegen, wer ich bin“, sagt Hoenes. „Welche andere Bürgerin muss sich das gefallen lassen?“

Statt sich zu ärgern, hat er mit seinen Kolleg/innen von der Bundesvereinigung Trans* eine Petition auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact, gestartet. „Wir werden nicht dabei zusehen, wie unsere Regierung weiter die Vielfalt der Geschlechter ignoriert und Menschen bevormundet”, sagt er.

Das Grundgesetz muss für alle gelten

In wenigen Wochen berät der Innenausschuss über die dritte Option. Diesen Moment wollen Josch Hoenes und seine Mitstreiter/innen nutzen. „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich – das steht im Grundgesetz und muss auch hier gelten“, erklärt Hoenes. Wir brauchen eine Regelung, die die Würde aller Menschen schützt, statt sie für einige zu verstümmeln.“ Das will er den Abgeordneten klar machen. Mach mit, mit Deiner Unterschrift!

Warum die Regierung die freie Wahl ablehnt, versteht Josch Hoenes nicht. In England, Australien und Nepal ist es bereits möglich, sich für eine dritte Option im Pass zu entscheiden. Negative Folgen gab es nicht.

Solidarität wie bei der „Ehe für alle“

Josch Hoenes erinnert die Diskussion an die Auseinandersetzungen um die „Ehe für alle“: Das beharrliche Engagement von unzähligen Initiativen, Politiker/innen und vielen Tausenden Campact-Unterstützer/innen machten das lange Unvorstellbare möglich. Heute haben alle Menschen das Recht zu heiraten – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. „Auf diese Kraft und Solidarität hoffen wir jetzt auch für die Durchsetzung der Grundrechte von trans- und intergeschlechtlichen Menschen“, sagt Josch Hoenes.

„Alle Menschen sollen unabhängig von ihrer sexuellen Identität frei und sicher leben können – mit gleichen Rechten und Pflichten“, heißt es im Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Josch Hoenes nimmt dieses Versprechen ernst. Und mit ihm Tausende Unterstützer/innen und Politiker/innen aus verschiedenen Parteien, die seine Petition unterzeichnet haben.

Jetzt fehlst nur noch Du: Mach Dich dafür stark, dass in unserer Gesellschaft wirklich alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind.


WeAct Logo

Diese Petition wurde auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact, gestartet. Es ist also keine Kampagne von Campact. Da Campact aber die Ziele der Petition unterstützt, möchten wir Dich auf die Kampagne hinweisen.

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Veröffentlicht von Simone Katter

Simone Katter, Jahrgang 1979, hat Soziologie mit dem Schwerpunkt Entwicklungspolitik studiert und ist ausgebildete Journalistin. Sie hat für das Deutsche Institut für Menschenrechte, Oxfam und zuletzt als Referentin für Online-Kommunikation beim INKOTA-netzwerk gearbeitet. Nach Stationen in Mexiko und Nicaragua lebt die gebürtige Ruhrgebietlerin heute in Berlin. Ob bei der Antifa, Anti-Atombewegung oder attac – gemeinsam mit anderen für Gerechtigkeit zu streiten, das treibt sie an. Bei Campact betreut sie die Petitionsplattform WeAct.