Campact mit Sternchen

Geschlechtergerechte Sprache: Campact nutzt ab sofort das Gendersternchen. Warum, das erfährst Du hier.

Die Chefs der fünf größten Wirtschaftskonzerne treffen sich an einem Freitag zum späten Mittagessen beim Italiener. Nach Vitello Tonnato, Rumpsteak und schwerem Rotwein, fahren sie zurück ins Büro. Vor der Tür merken sie, dass sie ihre Schlüssel vergessen haben – sie haben ihre Handtaschen, inklusive Schlüssel, im Lokal liegen lassen.

Bist Du überraschst? Hattest Du direkt an fünf Männer gedacht? Das kleine Gedankenspiel zeigt, warum es wichtig ist, zu gendern.

Warum gendern sinnvoll ist

Deutsch ist eine Sprache, die das Geschlecht zum Ausdruck bringt. Sie kann ausschließend oder inklusiv sein. Campact streitet seit Jahren für die Gleichstellung der Geschlechter – dem wollten wir auch immer in unseren Texten nachkommen. Also haben wir Männer und Frauen separat angesprochen – als Bürgerinnen und Bürger oder als Unterstützer/innen.

Voll zufrieden waren wir damit nicht: Wenn Campact dazu einlädt, einen Appell zu unterzeichnen oder auf eine Demo zu kommen, dann möchten wir, dass sich alle angesprochen fühlen: Frauen, Männer und alle Menschen, die weder eindeutig männlich noch weiblich sind.

Das Gendersternchen

Also haben wir uns entschieden, ab sofort das Gendersternchen (*) zu nutzen. Das Sternchen wird zwischen der männlichen und weiblichen Endung eingesetzt. Es steht für alle, die sich nicht als männlich oder weiblich definieren – sondern als divers. Statt von Bürgerinnen und Bürgern schreiben wir also von Bürger*innen, statt von Politiker/innen von Politiker*innen. So beziehen wir nicht nur Männer und Frauen, sondern auch Menschen mit anderer geschlechtlicher Identität mit ein.

Damit wird Campact der gesellschaftlichen Wirklichkeit gerecht. Denn es gibt nun mal nicht nur zwei Geschlechter. Das hat vergangenes Jahr auch der Bundestag erkannt – und eine dritte Geschlechtsoption im Gesetz verankert.

Männlich, weiblich, divers

Männlich, weiblich oder divers – muss ab jetzt in jeder Geburtsurkunde oder Stellenausschreibung stehen. Wir finden das grundsätzlich sehr gut. Allerdings richtet sich das Gesetz ausschließlich an Intersexuelle – an Menschen, deren Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig zuordbar sind.

Und hier liegt auch das Problem: Wer sein Geschlecht nachträglich ändern will, braucht ein ärztliches Attest. Geschlecht wird also als etwas Sichtbares gesehen. Progressiver wäre es, wenn jeder Mensch selbst über seine Geschlechtsidentität entscheiden dürfte – ohne dass sie*er sich dafür zwischen die Beine schauen lassen muss.

Warum das Gendersternchen?

Um andere Geschlechter mit einzubeziehen, gibt es viele Möglichkeiten. Man kann Bürger_innen schreiben oder von Menschen in Deutschland. Wir haben uns dazu entschieden, das Gendersternchen zu nutzen. Denn das Gendersternchen ist längst im Alltag angekommen: Es ist der Anglizismus des Jahres 2018. Feministische Magazine und Blogs oder Organisationen wie Pinkstinks nutzen das Sternchen schon lange.

Mitgemeint ist nicht mitgedacht

Viele andere Organisationen oder große Tageszeitungen gendern nicht, sondern nutzen ausschließlich das generische Maskulinum. Frauen werden dann (wenn überhaupt) mitgemeint. Wir bei Campact finden, das reicht nicht. Zahlreiche Studien haben bewiesen, dass Menschen bei männlichen Berufsbezeichnungen an Männer denken. Sprache schafft eben Wirklichkeit.

Hierfür werden wir in Zukunft auch vermehrt auf genderlose Formen setzen – sogenannte Partizipien wie Studierende, Wahlberechtigte oder Kandidierende.

Für mehr Gendersensibilität

Campact will Politik bewegen und streitet seit Jahren für die Gleichstellung der Geschlechter. Wir sind davon überzeugt, dass Sprache dafür unabdingbar ist. Selbstverständlich wollen und können wir niemandem vorschreiben, wie sie*er schreibt.

Doch für uns als Organisation haben wir entschieden: Wir wollen gendergerechte Sprache. Denn sie bringt uns einen kleinen Schritt näher in Richtung Gleichstellung aller Geschlechter.

9 Kommentare

  • von Lothar G. Kopp

    Wie spricht man das Sternchen verbal aus?
    Im südl. Afrika gibt es bei einigen Stämmen Knacklaute. Wie wär`s damit?

    • von Tina Hayessen

      Hallo Lothar!
      Man spricht das Sternchen in der Regel nicht oder macht eine sehr kurze Pause. Da glottale Verschlusslaute für die meisten Erwachsenen nicht oder nur sehr schwer zu erlernen sind, bieten sie sich wohl nicht an.
      Beste Grüße vom Campact-Team

  • von Lothar G. Kopp

    Das Partizip Präsens (studierend, singend, laufend, radfahrend, mitarbeitend oder mithelfend) bezeichnet ein momentanes Geschehen, das seinem Wesen nach gerade abläuft. Das ändert sich auch nicht durch die Substantivierung. Beim Mitarbeiter oder Sänger handelt es sich um einen Status. Das Problem zeigt sich, wenn das Substantiv mit einem Partizip Präsens verbunden wird. Wenn berichtet wird, Mitarbeiter seien im Schlaf ermordet worden, handelt es sich nicht um schlafende Mitarbeitende, sondern um schlafende Mitarbeiter. Niemand kann gleichzeitig schlafen und mitarbeiten. Singende können auch nicht gleichzeitig schlafen! Sänger können schlafen und dann singen. Radfahrende können nur dann gleichzeitig Singende sein, wenn sie auf dem Rad fahrend singen. Bei Radfahrenden ist das Schlafen allerdings lebensgefährlich. Gibt es tote Radfahrende?
    Studierende können ebenfalls nicht schlafen und gleichzeitig studieren. Schlafend studieren bleibt ein Traum.
    Zurück zur Zeichensprache? Nein danke!

    • von Tina Hayessen

      Hallo!

      Wie Du, beschäftigen auch wir uns intensiv mit Sprache. Und es ist schön zu sehen, wie unterschiedlich Menschen sie nutzen und ihre Regeln interpretieren. Über das Partizip I steht im Metzler-Lexikon Sprache (Metzler, 2000), dass es “einen Verlauf charakterisiert”. Wie lange dieser Verlauf sein kann, wird nicht spezifiziert. So kann man eine Studierende sicherlich als eine Frau interpretieren, die jetzt in diesem Moment ein Buch liest oder einer Vorlesung lauscht. Es ist aber ebenso denkbar, die komplette Phase des Studiums als Verlauf zu betrachten.
      Zudem sollten wir bei solchen Diskussionen im Kopf behalten: Sprache ändert sich. Wir schreiben im Deutschen das “Tor” nicht mehr mit “Th”, “Goethe” nicht mehr mit “ö” und die aktuelle Grammatik des Dudens erlaubt es, “das Mädchen” nicht nach dem Diminutiv “es” zu nennen, sondern das Pronomen des natürlichen Geschlechts zu wählen und “sie” zu schreiben. (Belege: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm sowie Duden). Auch der Gebrauch des Partizip Präsens ist Änderungen unterworfen – die wir alle zusammen als Gesellschaft bewirken.
      Jede*r von uns kann kreativ sein – und sich überlegen, wie starke, unkomplizierte Sprache aussehen kann. Deutsch ist sehr biegsam, das hat die Sprache über viele Jahrhunderte bewiesen. Neue Konventionen und Phänomene brauchten stets neue Ausdrücke und Regeln, und sie fanden sich.
      Da wir uns sicher einig darin sind, dass sich alle Menschen in dieser schönen Sprache wiederfinden sollten, bin ich sehr gespannt auf Deine Vorschläge für gute inklusive Formulierungen. Wir sind für Anregungen offen!

      Liebe Grüße vom Campact-Team

  • von Lothar G. Kopp

    Warum treffen die sich beim Italiener und nicht der Italiener*in ??? Um Antwort wird gebeten.

    • von Campact Team

      Lieber Lothar,

      sehr genau beobachtet – genau diese Annahme, dass es sich um einen männlichen Restaurantbesitzer handelt, würden die meisten Menschen wohl treffen. Im Beispiel wird das generische Maskulinum gezielt genutzt, um genau das zu zeigen. Das ist auch der Grund, warum wir in unseren Texten gendern. In dem Fall würden wir wohl am ehesten die Formulierung „im italienischen Restaurant“ wählen.

      Lieben Gruß
      Das Campact-Team

  • von Biometriebär
  • von Biometriebär

    > „Die Chefs der fünf größten Wirtschaftskonzerne treffen sich an einem Freitag zum späten Mittagessen beim Italiener. […] sie haben ihre Handtaschen, inklusive Schlüssel, im Lokal liegen lassen.“
    >
    > Bist Du überraschst?

    Nein.

    > Hattest Du direkt an fünf Männer gedacht?

    Ja. Die Chefs der fünf größten Wirtschaftskonzerne *sind* Männer.

  • von Hans-Joachim Hauschild

    Wo zu soll das gut sein?
    ich kenne nur Mann und Frau
    da bei sollte es auch bleiben.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

1000 Zeichen verbleiben

Veröffentlicht von Vera Kuchler

Redakteurin Newsletter/Online – Vera Kuchler, Jahrgang 1988, studierte Sozialwissenschaften und Soziologie mit Fokus auf Sozialpsychologie und „Arbeit und Geschlecht“ in Marburg und Frankfurt. Nach Stationen in der Öffentlichkeitsarbeit und der Programm- und Kulturarbeit absolvierte sie ein Volontariat beim „Journal Frankfurt“ und arbeitete danach als Online-Redakteurin. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte: nachhaltiger Konsum, Geschlechtergerechtigkeit sowie soziale Ungerechtigkeit. Bei Campact ist sie seit April 2017.