Verfolgt bis vor die Wohnungstür

Rechtsextremisten veröffentlichten Sibel Schicks Wohnadresse im Internet - und drohen ihr mit Mord und Vergewaltigung. In einer WeAct-Petition fordert die Leipziger Autorin Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) auf, Betroffene zu schützen und Täter*innen zu verfolgen. Unterzeichne jetzt!

Wenn Sibel Schick nach Hause kommt, wartet dort der Hass auf sie. Rechtsextreme wollen die Autorin zum Schweigen bringen. Dafür haben sie sie im Netz ausspioniert – und ihre private Adresse veröffentlicht. Die Botschaft an den Internet-Mob: Macht diese Frau fertig. Und der Mob gehorcht.

Man wird sie töten, man wird sie vergewaltigen – das steht in unzähligen Nachrichten, die Sibel Schick bekommt. In grauenhaften Details schildern die Unbekannten, was sie der Autorin antun wollen.

Einschüchtern lassen will sie sich davon nicht. Ein schwerer Weg, denn es gibt kaum Schutz und Hilfe. Deshalb hat Sibel Schick eine Petition auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact, gestartet. Sie fordert von Justizministerin Christine Lambrecht (SPD), das Problem anzuerkennen, Betroffene zu schützen und Täter*innen konsequent zu verfolgen.

Allein mit dem rechten Mob

Die Bundesregierung spricht viel über Rechte Gewalt und will Kommunalpolitiker*innen besser schützen. Doch was ist mit Menschen, die keine Hilfe, keine Mitarbeiter*innen oder keine Partei haben, die sie unterstützen? Die sind erst einmal allein mit der bitteren Realität.

Da stehen meine alte und meine neue Adresse. Wer dahinter steckt, weiß ich nicht.

„Da stehen meine alte und meine neue Adresse. Wer dahinter steckt, weiß ich nicht. Irgendjemand hat sich sogar die Mühe gemacht, die Namen meiner Eltern und Verwandten aufzulisten”, hält Sibel Schick fest. „Das ist schon ganz schön gruselig.”

Eine unbezahlte Lieferung, ein ekelhafter Brief – und ein Leben mit Unsicherheitsfaktor. Sibel Schick kann sich nie völlig geschützt fühlen. Nicht einmal zu Hause. “Auch ein Troll kann im realen Leben gewalttätig sein. Zumindest kann man das nicht ausschließen.”

Mit dieser Ungewissheit sollte niemand leben müssen. Wenn 100.000 Menschen die Petition von Sibel Schick unterzeichnen, sollte Ministerin Lambrecht erkennen: Auch Nicht-Politiker*innen brauchen Schutz, wenn sie solchen Drohungen ausgeliefert sind. Unterzeichne jetzt!

Hass macht mürbe. Als Sibel Schick zum ersten Mal verstanden hatte, in welcher Gefahr sie schwebt, ließ sie die Tür verschlossen. „Ich wollte nicht mehr aus dem Haus.“ Die Polizei sei zwar freundlich und hilfsbereit gewesen. Aber auch ungeschult. „Sie wissen nicht, dass und wie Trolle vernetzt sind und wie die Online-Mobilisierung in der rechten Bubble funktioniert. Man merkt, dass die Polizei damit total überfordert ist.“

Hass bleibt nicht im Internet

Erschossen – auf der eigenen Terrasse. So endete das Leben von Walter Lübcke. Ein rechtsextremer Blog hatte zuvor die Adresse des Kasseler Regierungspräsidenten veröffentlicht. Dazu den Kommentar, jemand solle „sich kümmern“. Keine Drohung, sondern eine Aufforderung. Und genauso hat es die rechtsextreme Szene verstanden. Jemand griff zur Waffe und erschoss den Politiker. Der mutmaßliche Täter: ein Rechtsextremer.

Privatadressen veröffentlichen und die Menschen dem Mob ausliefern: Diese Methode nennt man Doxing (vom englischen “Docs” = Dokumente). Dafür sammeln und erbeuten die Täter*innen – teils illegal – private Informationen und legen Listen an.

Doxing: Privates wird öffentlich

Wie genau Rechtsrextreme an ihre Adresse gekommen sind, weiß Sibel Schick bis heute nicht. Doch sie ist sicher: Täter*innen müssen merken, dass ihnen Konsequenzen drohen. Noch setzen sie darauf, dass ihnen nichts passiert.“

Doxing zeigt, dass Hass im Internet nicht dort bleibt. Er kommt zu den Betroffenen nach Hause. Man kann an ihm verzweifeln – oder sogar sterben. Die Justizministerin darf bedrohte Menschen nicht dem Hass überlassen. Polizei und Staatsanwaltschaft müssen Doxing erkennen lernen und die Betroffenen schützen.

Bitte unterzeichne jetzt die Petition an Ministerin Lambrecht!

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Diese Petition wurde auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact, gestartet. Es ist also keine Kampagne von Campact. Da viele Campact-Aktive die Petition unterstützen, möchten wir Dich gerne darauf hinweisen.

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Veröffentlicht von Campact Team