Zivilcourage – kann jede*r

Alltagsrassismus hat viele Gesichter - abwertende Blicke, Beleidigungen, Gewalt. Wann immer Menschen ungerecht behandelt werden, sollten wir Zivilcourage zeigen und uns einmischen. Wir geben Tipps, wie Du Dich verhalten kannst, wenn Du einen rassistischen Übergriff beobachtest.

Was würdest Du tun, wenn jemand in Deiner Nähe in der Straßenbahn angegriffen oder beleidigt wird? Oder wenn jemand gegen den eigenen Willen berührt wird? Viele Menschen haben Angst und schauen weg. Sie helfen nicht und holen keine Hilfe. Einige mischen sich mutig ein und zeigen Zivilcourage. Besonders im Kampf gegen Rassismus ist Zivilcourage wichtiger denn je – denn Schweigen macht uns zu Mittäter*innen.

Schweigen macht uns zu Mittäter*innen

Zivilcourage bedeutet: “Den Mund aufzumachen, wenn ich Zeuge oder Zeugin von rassistischen Vorfällen werde, wenn ich rassistische Texte in Medien lese oder rassistische Aussagen in meinem Umfeld wahrnehme. Ihnen proaktiv zu widersprechen, nicht alles den Betroffenen [zu] überlassen. Und dabei nicht in eine paternalistische Haltung [zu] verfallen”, sagt Tahir Della, Sprecher der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Aber was ist eigentlich Rassismus? Rassistisch sind Handlungen und Äußerungen, die Menschen nach Ethnie, Nation, Kultur oder Hautfarbe in Schubladen einsortieren. Menschen werden in Gruppen eingeteilt – in “wir” und “sie”, die Anderen. Meist sind diese Einordnungen negativ besetzt: “Sie” sind beispielsweise faul und kriminell. “Wir” dagegen fleißig und anständig.

Dieser Alltagsrassismus hat viele Gesichter. Abwertende Blicke in der Bahn, diskriminierende Darstellungen in der Zeitung oder die unfaire Behandlung durch einen Lehrer. Ein typisches Beispiel ist die Frage “Woher kommst du wirklich?” Denn sie impliziert “Du gehörst hier nicht hin.” Auch ungefragtes Haareanfassen geschieht sehr oft – und macht das Gegenüber zum exotischen Objekt. Auch vermeintliche Komplimente wie „Du sprichst aber gut Deutsch“ oder lobend gemeinte Verallgemeinerungen wie „asiatische Student*innen sind immer so fleißig“ sind weitere Beispiele für Alltagsrassismus. Doch was kannst Du dagegen tun?

Was Du gegen Rassismus tun kannst:

  • Schreite sofort ein und widerspreche, wenn du beobachtest, wie jemand sich rassistisch äußert. Je länger Du zögerst, umso schwieriger wird es.
  • Erzeuge durch lautes Sprechen Aufmerksamkeit und nimm auch die Zuschauer*innen in die Verantwortung, indem Du sie direkt ansprichst
  • Nimm Kontakt auf zur betroffenen Person, biete Deine Hilfe an
  • Berühre oder provoziere den*die Täter*in niemals, das könnte sie*ihn aggressiv machen und Dich in Gefahr bringen
  • Mische Dich auch in den sozialen Netzwerken ein und lasse rassistische Äußerungen nicht unkommentiert stehen
  • Informiere dich: Rassismen beruhen oft auf Unwissenheit – mit Fakten kannst Du rassistische Äußerungen kontern
  • Schule Deine Wahrnehmung und Dein Einfühlungsvermögen um zu erkennen, wenn Menschen rassistisch behandelt werden. Tritt mit von Rassismus Betroffenen in einen Austausch, um von ihnen zu lernen.
  • Stelle Dich Deinen eigenen Rassismen: Verwendest du Worte, die andere verletzen, obwohl du es nicht möchtest? Steckst du Menschen nach Ethnie, Nation oder Hautfarbe in Schubladen?
  • Setze ein Zeichen gegen Rassismus – schließe dich einer Demo in deiner Nähe an

Was tun, wenn man Angst hat?

Für viele Menschen sind grenzüberschreitende oder gewaltsame Situationen sehr selten. Darum ist es verständlich, wenn Du unsicher bist, wie man sich in einer solchen Situation richtig verhält. Auch Angst davor zu haben, ganz alleine dazustehen, ist normal. Meistens muss aber nur eine*r den Anfang machen – dann schließen sich plötzlich auch andere an.

Zivilcourage bedeutet allerdings nicht, dass man immer selber einschreiten muss. Wenn die Gefahr sehr groß ist verletzt zu werden, sollte man andere Menschen in der Nähe darauf ansprechen, gemeinsam einzuschreiten, oder die Polizei rufen. Es gibt keine Routine, um einem anderen Menschen bestmöglich zu helfen. Zivilcourage muss erlernt und geübt werden.

Zivilcourage kann man lernen

Das Eintreten für die eigenen Überzeugungen und für die Rechte der Anderen kann man fördern. Einige Organisationen geben Workshops, in denen man für Notsituationen sensibilisiert wird. Sie bieten eine Anleitung zum mutigen Handeln und zum rücksichtsvollen Umgang mit den eigenen Ressourcen. Diese Zivilcourage-Trainings gibt es in ganz Deutschland – zum Beispiel von der Organisation “Gesicht zeigen!”. Die Organisation Love Storm bietet Trainings zu digitaler Zivilcourage gegen Hass im Netz an.

Wichtig ist, sich immer zu vergegenwärtigen: Damit der Kampf gegen Rassismus erfolgreich sein kann, braucht es unser aller Unterstützung. Deswegen sollten wir Haltung zeigen, wenn Menschen ungerecht behandelt werden. Niemals sollten wir rassistische Gewalt hinnehmen und schweigen – denn dann werden wir zu Mittäter*innen.

Weiterführende Informationen zu Rassismus

Weiterführende Informationen zu Zivilcourage

Workshops für Zivilcourage

Buchempfehlungen

  • Alice Hasters, “Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen”
  • Tupoka Ogette, “exit RACISM: rassismuskritisch denken lernen”
  • Mohamed Amjahid, „Unter Weißen: Was es heißt, privilegiert zu sein“

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Veröffentlicht von Campact Team