Maaßen: Selbst für CDU-Wähler*innen kaum wählbar

Hans-Georg Maaßen ist unwählbar – das finden viele CDU-Wähler*innen in seinem eigenen Wahlkreis. Campact hat eine Forsa-Umfrage in Auftrag gegeben, die das jetzt zeigt. Maaßen bedient antisemitische Codes, ist in seinen Positionen quasi auf AfD-Linie – und kandidiert für die Union. Doch unsere Analyse zeigt auch: Wenn sich Grüne und Linke ihre Kandidat*innen zurückziehen, können sie den Rechtsaußen im Bundestag verhindern. Denn gegen einen gemeinsamen Kandidaten von SPD, Grünen und Linken hätte Maaßen keine Chance.

Zentrales Ergebnis unserer Umfrage im Wahlkreis 196 in Südthüringen: Selbst viele CDU-Wähler*innen würden lieber den SPD-Kandidaten Frank Ullrich wählen als den verschwörungsschwurbelnden Rechtsaußen der CDU. Die Untersuchung zeigt auch, dass Frank Ullrich Chancen hat, den Wahlkreis zu gewinnen – vor allem, wenn sich Linke und SPD auf ihn als gemeinsamen Kandidaten einigen.

Schauen wir genauer hin: Ex-Verfassungsschützer Maaßen hat die Kandidatur im Wahlkreis 196 vom ursprünglichen Direktkandidaten Mark Hauptmann übernommen, der in gleich mehrere Affären verwickelt war. Hauptmann hat inzwischen sein Bundestagsmandat niederlegen und aus der CDU austreten müssen. Ein Ermittlungsverfahren gegen ihn läuft

Maaßen fischt am rechten Rand

Mit Maaßen hat die CDU in Südthüringen einen Mann aufgestellt, der mit seinem antisemitischen Geschwurbel sogar den Thüringer Verfassungsschutz auf den Plan gerufen hat. In bester AfD-Manier stellt Maaßen außerdem in Frage, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Und über Geflüchtete, die auf dem lebensgefährlichen Seeweg nach Europa kommen, hetzt er, dass sie sich von einem “Shuttle-Service” nach Europa bringen ließen.

Doch unsere Umfrage zeigt: Seine Strategie des Stimmenfischens am ganz rechten Rand scheint nicht aufzugehen! Denn auch diejenigen, die der CDU nahestehen oder sie noch 2017 gewählt haben, sind von diesem Kandidaten alles andere als überzeugt.

Selbst die CDU-Basis ist von diesem Kandidaten abgeschreckt

Hans-Georg Maaßen ist derzeit der bekannteste Kandidat im Wahlkreis – und er käme bei denjenigen, die ihre Wahlentscheidung schon getroffen haben, auch auf rund ein Viertel der Erststimmen (26 %). Das ist wenig verwunderlich, bedenkt man, wie umstritten und medial präsent diese Kandidatur ist.

32 % der AfD-Anhänger*innen finden Maaßen wählbar

Ebenso wenig erstaunlich: 32 % der AfD-Anhänger*innen finden den CDU-Kandidaten wählbar. Das zeigt deutlich, wen Maaßen mit seinen rechten Parolen erreicht: Diejenigen, die sich einer rechtsextremen Partei mit dem faschistischen Björn Höcke als Landessprecher verschrieben haben.

Doch das Kalkül, mit Maaßen als Kandidat und in den Medien bei der Bundestagswahl bundesweit Stimmen am rechten Rand einzusammeln, dürfte für die CDU nicht mal im betroffenen Wahlkreis aufgehen. Denn selbst dort ist die CDU-Basis abgeschreckt von diesem Kandidaten: 45 % von ihnen können sich nicht vorstellen, Maaßen zu wählen. Rund ein Fünftel (19 %) der Südthüringer CDU-Anhänger*innen gibt an, statt Maaßen lieber den Sozialdemokraten und Biathlon-Star Frank Ullrich wählen zu wollen. 

SPD-Kandidat Ullrich ist regional sehr beliebt

Auch insgesamt liegt der Kandidat der SPD in der Gunst der lokalen Wähler*innen vorne: 29 % derjenigen, die sich schon entschieden haben, würden für ihn stimmen. Damit hat Ullrich gute Chancen, den Wahlkreis für die SPD zu gewinnen.

Zwar ist ihm Hans-Georg Maaßen mit 26 % recht dicht auf den Fersen, aber wenn es um Persönlichkeit und Kompetenz geht, erreicht Frank Ullrich als einziger Kandidat sehr große Zustimmung: Er gilt fast allen Befragten als vertrauenswürdig (92 %), kompetent (81 %), regional verwurzelt (93 %) und als ein guter Vertreter der Region in Berlin (80 %). Maaßen wird gerade mal von gut der Hälfte der Wahlberechtigten für kompetent gehalten (55 %), mehr als 60 % halten ihn weder für vertrauenswürdig noch für einen guten Vertreter der Region in Berlin.

Zieht die Linke ihren Direktkandidaten zurück, kann sie Maaßen verhindern

Derzeit treten fünf relevante Direktkandidat*innen im Wahlkreis 196 an: Frank Ullrich (SPD), Hans-Georg Maaßen (CDU), Sandro Witt (Linke), Jürgen Treutler (AfD) und Gerald Ullrich (FDP). In dieser Konstellation könnte Frank Ullrich (29 %) das Direktmandat knapp vor Maaßen (26 %) und deutlich vor Sandro Witt (21 %) holen.  

Wir haben gefragt, was passieren würde, wenn sich die Stimmen des progressiven Lagers nicht auf verschiedene Kandidat*innen verteilen würden. Würden sich SPD, Grüne und Linke auf nur einen Kandidaten konzentrieren, könnte dieser das Direktmandat nicht nur knapp erringen. Sandro Witt erhielte als alleiniger Kandidat nur 24 %, bei 22 % für Maaßen. Aber bei einem gemeinsamen Kandidaten Frank Ullrich käme dieser  auf 34 % der Stimmen, Hans-Georg Maaßen nur auf 20 %.

Jetzt liegt der Ball liegt im Feld der Linken: Ziehen sie ihren Kandidaten zurück, hat Maaßen keine Chance!

Du möchtest alle Ergebnisse lesen? Hier geht’s zur ganzen Umfrage!

2 Kommentare

  • Und jetzt fordert Herr Maaßen noch einen Gesinnungstest für die Tagesschau-Moderatoren. Die Wirklichkeit wird so bizarr, da braucht es keine politische Satire mehr…

  • von Hans-Joachim Hauschild

    Von Umfragen halte ich nicht vil,die meisten
    Menschen entscheiden sich erst am Wahltag
    welcher Partei und welchen Kandidat*tin sie
    ihre Stimme geben,die Wahlforscher haben
    sich bei der Landtagswahl in Sachsenanhalt
    ja auch geirt,das ergebnis ist ein anderes als
    vorher gesagt.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

1000 Zeichen verbleiben

Veröffentlicht von Campact Team