EU-Taxonomie: Strahlendes Geschenk ☢️

Sprudelt bei den Atomkonzernen bald das Geld? Eigentlich sollen 2022 in Deutschland die die letzten AKWs vom Netz gehen. Auf EU-Ebene entscheidet sich in den nächsten Tagen, ob es nicht doch noch ein Schlupfloch für die Atom-Lobby gibt. Lies hier, wie Du dagegen protestieren kannst.

Eigentlich soll 2022 das Jahr des Atomausstiegs sein – in Deutschland gehen die letzten AKWs vom Netz. Doch im Rest Europas könnte der Startschuss für zahlreiche neue Reaktoren fallen. Die EU-Kommission entscheidet in diesen Tagen, ob Atommeiler in den Katalog nachhaltiger Anlageprojekte – die sogenannte EU-Taxonomie – aufgenommen werden. Passiert das, könnten Milliarden an Investitionen fließen. Die Kraftwerksbetreiber hätten für die ansonsten völlig unrentablen AKWs wieder eine solide Finanzierungsgrundlage.

Sprudelt bei den Atomkonzernen bald das Geld? Das entscheidet die EU-Kommission rund um Ursula von der Leyen (CDU) und Klimakommissar Frans Timmermans. Doch die Kommissionspräsidentin sitzt auf einem wackeligen Stuhl, seit in Berlin die Ampel regiert – der Koalitionsvertrag thematisiert bereits ihre Nachfolge. Von der Leyen hat die Stimmung in Deutschland deshalb genau im Blick. Das ist unsere Chance! Wenn ihr und Timmermans nun Tausende Campact-Unterstützer*innen eine Protest-Mail schreiben, könnten wir sie gemeinsam vom Atom-Deal abbringen.

Entscheidung schon am Mittwoch

Doch die Zeit ist knapp: Schon an diesem Mittwoch, dem 22. Dezember, will von der Leyen die heikle Entscheidung treffen. Deshalb brauchen wir jetzt Deine Hilfe. Mit einem Klick auf den Button kannst Du eine Nachricht an die Kommissionspräsidentin und den Klimakommissar senden. Wir haben einen Textvorschlag vorbereitet, den Du natürlich gerne anpassen darfst. Du findest ihn zusätzlich nochmal unter diesem Blogbeitrag. Bitte mach mit – verhindere das Comeback der Atomkraft.

Weißt Du noch, wo Du am 11. März 2011 warst, als sich im japanischen Fukushima eine Kernschmelze ereignete? Die Katastrophe, die uns die Risiken der Atomenergie auf drastische Art vor Augen führte, ist erst elf Jahre her. 150.000 Menschen mussten vor der Strahlung fliehen; die Krebserkrankungen bei Kindern in der Region sind seitdem rasant angestiegen. Radioaktive Wolken machen nicht vor Ländergrenzen halt – das ist bekannt. Doch in Europa scheinen viele den Schrecken von damals vergessen zu haben.
Neue AKWs in Europa wären schon schlimm genug – doch die EU will auch Investitionen in Gaskraftwerke künftig grün labeln. Sie sollen dann ebenfalls politisch gefördert und finanziell unterstützt werden. Dabei schadet Erdgas dem Klima. Neue Studien zeigen: Die Klimabilanz des fossilen Gases ist zum Teil sogar schlechter als die der Kohle. Doch jedes Kraftwerk, das jetzt entsteht, wird über Jahrzehnte laufen und die Atmosphäre anheizen – bis die Investitionen wieder eingeholt sind.

Erneuerbare im Nachteil

Das alles sind keine guten Nachrichten – doch noch können wir verhindern, dass dank der EU-Taxonomie bald Milliarden in Kraftwerke von gestern fließen. Denn dieses Geld fehlt sonst dort, wo wir es dringend brauchen: beim Ausbau von Wind-, Wasser- und Sonnenkraft. Unsere große Bitte: Schicke jetzt gleich eine Protest-Mail an Ursula von der Leyen und Frans Timmermans! Gemeinsam sorgen wir dafür, dass Atom und Gas zukünftig nicht als nachhaltig gelten.

PS: Ich weiß noch genau, wo ich am Tag des Reaktorunglücks von Fukushima war – in Stuttgart, bei einer großen Menschenkette gegen Atomkraft. Damals hätte ich nicht gedacht, dass wir elf Jahre später immer noch gegen neue AKWs kämpfen müssten. Bitte hilf auch Du, damit wir den irrsinnigen Plan der EU-Kommission noch stoppen können.

E-Mail-Vorlage an Frau von der Leyen und Herrn Timmermans

Sehr geehrte Frau Kommissionspräsidentin von der Leyen,

sehr geehrter Herr Vizepräsident Timmermans,

mit Schrecken habe ich gelesen, dass Sie Investitionen in Atomkraft und Erdgas im Rahmen der EU-Taxonomie als nachhaltig einstufen wollen. Die Finanzierung von Risikotechnologien und klimaschädlichen Energieträgern wäre damit grün angestrichen; das erzeugt Milliardeninvestitionen in veraltete Energien.

Atomkraft ist viel zu riskant. Auch bei neuen Kraftwerken besteht das Risiko eines verheerenden Super-GAU. Beim Uranabbau kommt es zu massiven Gesundheits- und Umweltbelastungen. Und ein Endlager für den stark radioaktiven Abfall existiert nach wie vor nicht.

Erdgas ist gleich doppelt klimaschädlich. Nicht nur bei der Verbrennung entsteht CO2; auch bei der Förderung und beim Transport kommt es durch Lecks zusätzlich zu erheblichen Methanemissionen.

Ich fordere Sie als Präsidentin der EU-Kommission deshalb eindringlich auf: Stufen Sie Atomkraft und Erdgas nicht als nachhaltig ein! Nutzen Sie das Nachhaltigkeitslabel der EU-Taxonomie stattdessen, um den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzubringen.

Mit freundlichen Grüßen

1 Kommentar

  • von Hans-Joachim Hauschild

    Könnt Ihr die Wahrheit nicht vertragen?
    es stimmt doch das die suche nach einen
    Endlagerstandort noch nicht abgeschlossen
    ist , es stimmt auch das Gaskraftwerke genau
    so schmutzig wie Kohlekraftwerke sind, ich möchte
    wirklich mal wissen wie viel Klagen bei denn Gerichten
    gegen denn Ausbau der Windenergie anhängig sind

Kommentare sind geschlossen.

Veröffentlicht von Luise Neumann-Cosel

Luise Neumann-Cosel organisierte gewaltfreien Widerstand gegen Atommüll-Transporte, war Referentin für Energiepolitik und Campaignerin bei der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt. Bevor sie im Mai 2017 zu Campact kam, hat die studierte Geoökologin die Genossenschaft BürgerEnergie Berlin gegründet, um das Stromnetz zu kaufen.