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Zeichen gegen Antisemitismus: Stolpersteine putzen

In vielen Städten gibt es sogenannte Stolpersteine, die an die Opfer der NS-Zeit erinnern – sicher auch bei Dir in der Nähe. Wie Du diesen wichtigen Teil der Erinnerungskultur unterstützen kannst, liest Du in diesem Beitrag.

Das Foto zeigt eine Stolpersteinverlegung in Potsdam. Zwei Stolpersteine sind in den Boden eingelassen, aber noch nicht in den Bürgersteig eingeschlossen. Neben den Steinen liegen Rosen.
Rosen liegen an den neuverlegten Stolpersteinen für Alice und Hugo Herzer in der Virchowstraße in Potsdam am 19. Mai 2022. Foto: IMAGO

Es gibt sie in vielen Städten in Deutschland: Golden leuchtend sind sie in Fußgängerzonen, Seitenstraßen oder auch Wohnvierteln im Bürgersteig eingelassen; so, dass sie ein bisschen über das Pflaster hinausragen. Gemeint sind sogenannte „Stolpersteine“. Die quadratischen Messingtafeln mit abgerundeten Ecken sind Gedenktafeln. Im Rahmen eines großen Projektes von Künstler Gunter Demnig werden sie seit 1992 verlegt, in Deutschland und 29 weiteren europäischen Ländern. Sie erinnern an das Schicksal jener Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Sie sind somit ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur in Deutschland.

Seit vielen Jahren rufen bundesweit verschiedene Verbände dazu auf, am 9. November, dem Jahrestag der Novemberpogrome, die Stolpersteine zu putzen. Das ist ein starkes Zeichen gegen Antisemitismus – denn so geraten die Opfer der Nazis nicht in Vergessenheit.

Meine Kollegin Lara Eckstein wird morgen in einem Blog-Beitrag mehr zum Erinnern und explizit dem 9. November schreiben. Heute soll es ganz praktisch darum gehen: Was kann ich tun, um einen Beitrag zum Gedenktag zu leisten – oder auch darüber hinaus?

Sich einer lokalen Gruppe anschließen, die Stolpersteine putzt

In vielen Städten (zum Beispiel in Berlin) organisieren Stadtteil-Gruppen oder lokale Organisationen große Putz-Aktionen oder auch „Putz-Spaziergänge“. Informiere Dich, welche Gruppe in Deinem Stadtteil so eine Aktion organisiert und schließe Dich an.

Wenn ihr die Medien informiert, dass ihr eine Putz-Aktion durchführt, oder im Nachgang selbst eine Pressemeldung mit einem passenden Bild an die Lokalzeitung schickt, wird die Sichtbarkeit des Gedenktages noch verdoppelt: So sehen nicht nur die Passant*innen die Stolpersteine besser, sondern auch andere Bürger*innen erfahren von der Aktion.

Selbst eine Gruppe gründen – oder alleine losziehen

Gibt es in Deiner Stadt keine entsprechende Gruppe, die sich um die Pflege der Stolpersteine kümmert – was hält Dich davon ab, die erste Person in einer neuen Gruppe zu sein? Bis morgen eine offizielle Gruppe zu gründen, ist zwar etwas kurzfristig. Aber die Stolpersteine sollten ja nicht nur zum Gedenktag gereinigt sein, sondern das ganze Jahr über. Spätestens bis zum nächsten Gedenktag am 9. November seid ihr dann aber bereit.

Ansonsten kannst Du natürlich auch alleine losziehen und die Messing-Tafeln putzen. Dafür benötigst Du:

  • Metall- oder Messingputzmittel (zum Beispiel aus dem Drogeriemarkt)
  • Küchenschwamm mit rauer und weicher Seite (kein Stahlschwamm!)
  • Ein bisschen Wasser in einer Flasche zum Nachspülen
  • Küchentücher, oder besser ein Wischtuch

Und schon kann es losgehen:

  • Eine kleine Menge Putzmittel auf den Schwamm geben (nicht direkt auf die Messingplatte)
  • Den Stein mit dem Reinigungsmittel einreiben und etwas antrocknen lassen
  • Messing mit dem Schwamm polieren, bis der Stolperstein wieder glänzt und die Schrift gut lesbar ist
  • Wenn der Stolperstein noch nicht ganz sauber ist: Die oben genannten Schritte wiederholen
  • Das Reinigungsmittel mit etwas Wasser abspülen
  • Eventuell verbleibende Putzmittelspuren mit dem Wischtuch aufnehmen

Die „Stiftung – Spuren – Gunter Deming“, die sich um das Verlegen der Stolpersteine kümmert, stellt auch eine detaillierte Putzanleitung zur Verfügung. Und verschiedene Seiten zeigen in Video-Anleitungen, wie es funktioniert (hier zum Beispiel die Redaktion „21Gramm“ vom WDR).

Schnapp Dir also heute oder morgen ein paar Freund*innen und alles, was Du zum Reinigen brauchst, und geh auf Putz-Tour durch Deine Stadt. Damit die Opfer der NS-Zeit nicht vergessen werden – und um so für alle Zeiten ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen.

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Autor*innen

Linda Hopius ist freie Journalistin und schreibt zu den Themen Umwelt und Naturschutz. Dazu arbeitet sie als Naturmentorin in der Wald- und Erlebnispädagogik und berichtet darüber auf ihrem Instagram-Kanal @lindasnaturgeschichten. Für Campact arbeitet sie seit 2024 als freie Journalistin und kümmert sich im Campact-Blog vor allem um Service-Themen. Alle Beiträge

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