Campact Blog

Hintergründe und Einsichten zu progressiver Politik

Top Themen

5 umweltschonende und nachhaltige Weihnachtsbaum-Varianten

Einen Weihnachtsbaum aufstellen: schöne Tradition oder unnötiger Raubbau an der Natur? Wir zeigen Dir fünf Möglichkeiten, wie Du die klassische Weihnachtstradition nachhaltig gestalten kannst – und warum Du nicht zum Discount-Baum greifen solltest.

Das Foto zeigt eine Holzhütte in einem Wald mit einer Weihnachtsbaum -Farm. Im Hintergrund stehen mehrere hohe Bäume, im Vordergrund stehen mehrere kleine Tannen, die als Weihnachtsbäume geerntet werden. Auf den Bäumen liegt Schnee.
So könnte Weihnachtsbaum-Anbau zum Beispiel aussehen. Foto: Eloy Martinez / Unsplash

Der klassische Weihnachtsbaum, den man vor dem Supermarkt oder Baumarkt kaufen kann, wächst meist in Monokultur auf, wird mit Pestiziden behandelt oder kommt aus dem fernen Ausland. All das schadet Umwelt und Gesundheit. Wenn Du trotzdem nicht auf die Tradition verzichten möchtest, zeigen wir Dir hier nachhaltige Alternativen: vom Bio-Weihnachtsbaum bis zur Tanne zum Leihen.

Gute Gründe für einen nachhaltigen Weihnachtsbaum

„Weihnachtsbäume sind CO2-neutral“, ist ein oft gehörter Satz in dem Zusammenhang – weil jeder Baum am Ende seines Lebens nur so viel CO2 an die Atmosphäre abgibt, wie er zuvor über die Jahre aufgenommen hat. Was dabei vergessen wird, ist das CO2, das beim automatisierten Fällen von Weihnachtsbäumen und beim oft langen Transport anfällt; gerade, wenn die Bäume aus dem Ausland kommen. Und in Zeiten der Klimakrise ist jeder gesunde Baum, der ohne Not abgeholzt wird, ohnehin ein Baum zu viel.

Ein künstlicher Weihnachtsbaum aus Plastik ist leider auch keine gute Alternative: Studien zufolge verursacht die Herstellung eines Plastikweihnachtsbaumes etwa 48 Kilogramm CO2, die Herstellung einer echten Tanne dagegen nur etwas mehr als 3 Kilogramm. Das bedeutet, dass ein Plastikbaum – in Bezug auf die CO2-Bilanz – erst nach etwa 16 Jahren mit herkömmlichen Tannen gleichzieht. Die wenigsten Plastikbäume werden aber wirklich so lange verwendet: Nach einigen Jahren sind sie meist ausgeblichen und landen auf dem Müll. Damit belasten sie noch zusätzlich die Umwelt. 

Wir stellen Dir hier also fünf Alternativen vor, die nachhaltiger sind als der klassische Weihnachtsbaum. 

1. Regionaler Baum 

Der mit Abstand beliebteste Weihnachtsbaum ist hierzulande eine Baumart, die hier eigentlich gar nicht heimisch ist: Nordmanntanne. Das bedeutet auch, dass die etwa drei Millionen Nordmanntannen der insgesamt fast 30 Millionen verkauften Weihnachtsbäume in Deutschland weite Transportwege hinter sich haben. Sie kommen aus Dänemark, Ungarn, Österreich, Polen oder Tschechien zu uns. Entsprechend groß ist der ökologische Fußabdruck.

Eine regionale Baumart  ist daher die bessere Wahl – zum Beispiel Bäume aus regionaler Forstwirtschaft. Eine Empfehlung ist, auf Bäume von sogenannten Sonderflächen (unter Strom- oder auf Leitungstrassen) zurückzugreifen. Diese Flächen sind Teil der regionalen Forstbetriebe. Wer sich für eine solche Weihnachtsbaum-Alternative interessiert, fragt am besten bei den regionalen Förster*innen oder dem Forstamt nach. 

Manche Waldbesitzer*innen bieten in der Weihnachtszeit auch die Möglichkeit an, einen Weihnachtsbaum selbst zu schlagen. Durch den Kauf von regional erzeugten Weihnachtsbäumen unterstützt Du die heimischen Forstbetriebe und ersparst Dir und der Umwelt unnötige Transportwege. Regionale Anbieter von Öko- oder Bio-Weihnachtsbäumen (auch zum Selberschlagen) findest Du in Deiner Nähe über die Christbaum-Map.

2. Zertifizierter Bio-Weihnachtsbaum

Ein Bio-Weihnachtsbaum ist eine Variante des klassischen Weihnachtsbaums, allerdings ohne Pestizide oder Monokultur. Denn die Bio-Weihnachtsbäume wachsen in Mischkulturen. Das macht sie weniger anfällig für Schädlinge und die Anbauflächen müssen nicht mit Pestiziden bespritzt werden. Schafe halten oftmals die Pflanzen zwischen den Bäumen kurz – besser, als jedes Herbizid es könnte.  

Nachhaltige Weihnachtsbäume kommen aus FSC-zertifizierten Wäldern. Das FSC-Siegel verspricht eine umweltgerechte, sozial verträgliche und wirtschaftlich tragfähige Waldnutzung ohne Pestizide und Mineraldünger. Eigentlich dürfen nur Produkte aus diesem Holz das Siegel tragen – aber die Baumanbieter dürfen damit werben, dass ihre Bäume aus einem „FSC-zertifiziertem Forstbetrieb“ stammen.

Alternative Bio-Weihnachtsbäume aus ökologischen Kulturen erkennst du an Siegeln der Bio-Anbauverbände: dem EU-Biosiegel, dem Biokreis-Siegel, dem Bioland-Siegel, dem Demeter-Siegel und dem Siegel von Naturland. Kunstdünger und chemisch-synthetische Pestizide sind hier ausgeschlossen. Zu den Bio-Kriterien gehört der Verzicht auf Kahlschlag, Pestizide, Düngungen und Entwässerungsmaßnahmen.

Einziger Nachteil bei Bio-Weihnachtsbäumen: Auch sie können einen langen Anreiseweg haben, je nachdem, wo man wohnt. Wer sich einen echten, geschlagenen Weihnachtsbaum ins Wohnzimmer stellen möchte, fährt also am besten mit der Kombination „Regional + Bio“ (so wie bei Lebensmitteln im besten Fall also auch). 

Die Naturschutzorganisation Robin Wood hat vor ein paar Jahren ein Verzeichnis für Bio-Weihnachtsbäume zusammengestellt – vielleicht gibt es auch einen Anbieter in Deiner Nähe. 

3. Tannenbaum im Topf mieten

Einige Gärtnereien oder Landwirt*innen bieten Weihnachtsbäume im Topf zum Mieten an. Die Idee ist gut: Der Baum wird nicht abgeholzt und hinterher entsorgt und um den Transport muss man sich auch oft nicht kümmern – viele Gärtnereien liefern die Bäume bis zur Bordsteinkante. Ein paar Dinge gibt es allerdings auch hier zu beachten. Ist der Miet-Weihnachtsbaum FSC-zertifiziert? Wächst er in einer Mischkultur auf? Ist es eine heimische Baumart? Und was passiert nach Weihnachten damit? Wird er wieder eingepflanzt, bleibt er im Topf und wächst weiter für das kommende Jahr – oder wird er doch entsorgt? Eine schnelle Internet-Recherche zeigt, ob es auch in Deiner Region so ein Angebot gibt und welche dieser Kriterien der Anbieter erfüllt. 

Steht der Baum dann bei Dir im Wohnzimmer, gibt es ebenfalls Dinge zu beachten, damit Du lange Freude an Deinem Weihnachtsbaum hast: 

Auch beim Thema Weihnachtsbaum-Schmuck solltest Du zu umweltfreundlichen Materialien greifen – und möglichst wenig neu kaufen. Stattdessen kannst du auf dem Flohmarkt nach passendem Schmuck Ausschau halten. Baumschmuck selber basteln bringt nicht nur Freude, sondern man hat auch die Kontrolle über Güte und Herkunft des Materials. Unter Punkt 5 stellen wir Dir ein paar Bastel-Anleitungen vor.

  • Der Baum sollte idealerweise schon im Topf gewachsen sein, wenn man ihn kauft.
  • Man sollte den Baum nicht länger als zehn Tage im Zimmer stehen haben – und das an einem möglichst kühlen Standort.
  • Zur Pflege: Die Nadeln am besten mehrmals täglich mit Wasser einsprühen und den Weihnachtsbaum ungefähr jeden zweiten Tag gießen.

4. Künstlicher Weihnachtsbaum aus Holz – selbst gebastelt oder gekauft 

Was bis hierhin zwischen den Zeilen klar geworden sein sollte: Die umweltfreundlichste Lösung ist, auf einen echten Weihnachtsbaum ganz zu verzichten. Wer sich trotzdem das heimlige Weihnachts-Gefühl ins Haus holen möchte, kann kreativ werden und einen eigenen, nachhaltigen Weihnachtsbaum basteln – oder auch einen künstlichen Baum aus Holz kaufen. 

Auch hier hilft eine kurze Recherche im Internet, was für einen selbst am ehesten in Frage kommt: Ein stilisierter, eher abstrakter Baum-Ersatz (mit einer schnellen Internet-Suche findest Du dafür verschiedene Beispiele) oder ein Steckbausatz, der mit frischen Zweigen aus Rückschnitten bestückt wird. Wer sich nicht die Arbeit machen möchte oder kann, so einen selbst zu basteln, findet im Internet Fertig-Bausätze. Diese Bausatz-Weihnachtsbäume lassen sich nach den Feiertagen ganz einfach abbauen, platzsparend verstauen und im nächsten Jahr wiederverwenden. Solange das Holz nicht verbrannt wird oder es nicht verrottet, gelangt das darin gespeicherte CO2 auch nicht wieder in die Atmosphäre.

5. Tanne im Garten oder Wald mit Vogelfutter schmücken 

Wer einen eigenen Garten oder einen öffentlichen Wald in der Nähe hat, kann sich auch für eine Variante des Weihnachtsbaums entscheiden, die dann auch noch anderen hilft: indem man eine Tanne im Wald schmückt. Vielleicht gibt es einen passenden Baum in deinem Umfeld, an dem Du oft auf Spaziergängen mit dem Hund oder den Kindern vorbeikommst? 

Als Baumschmuck eignen sich hier vor allem Anhänger aus Naturmaterialien, also zum Beispiel Strohsterne oder Baumschmuck aus Zweigen. Naheliegend sind bei dieser Christbaum-Variante auch Ornamente aus Vogelfutter. Hier gilt aber: Keine Meisenknödel in Plastiknetzen oder Futterspender aus Plastik! Hier gehört nur hin, was auch unproblematisch biologisch abbaubar ist. Toll aussehen tun zum Beispiel selbstgemachte Vogelfutter-Anhänger.  Alles, was nach den Festtagen eventuell noch am Baum verbleibt (Strohsterne, Fäden und Co.) solltest Du am besten wieder abhängen und mit nach Hause nehmen.

Und was landet unterm Baum? Entdecke hier 10 nachhaltige Geschenkideen.

TEILEN

Autor*innen

Linda Hopius

Linda Hopius

Linda Hopius ist Journalistin und seit 2021 Online-Redakteurin bei Campact. Vorher hat sie sich in NRW in den Bürgermedien im Medientraining und für mehr Bürgerbeteiligung engagiert. Im Campact-Blog kümmert sie sich vor allem um Service-Themen und Interviews.

Auch interessant