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5 Beispiele, die zeigen, warum ziviler Ungehorsam wichtig ist

Von Rosa Parks über Gandhi bis zum Protest im Hambacher Wald: Diese fünf Beispiele zeigen, warum ziviler Ungehorsam in einer Demokratie ungemein wichtig ist – und worauf es bei dem Protest ankommt.

Fünf Beispiele, die zeigen, warum ziviler Ungehorsam wichtig ist
In Dresden haben Klimaschützer*innen eine Straße blockiert: Fünf Personen klebten sich an den Händen auf der Fahrbahn am TU-Campus fest. Foto: Imago

Festgeklebte Hände an Gemälden oder auf Straßen, Proteste in Kohlegruben oder Schulstreik fürs Klima – in Zeiten der Klimakatastrophe finden sich immer mehr und auch immer mehr neue Aktionen des zivilen Ungehorsams. 

Mahatma Gandhi, Martin Luther King oder Rosa Parks zählen zu den bekanntesten Vertreter*innen von zivilem Ungehorsam. Doch auch schon vor Beginn unserer Zeitrechnung war er ein legitimes Mittel, um sich gegen Ungerechtigkeiten aufzulehnen. Die Frauen Athens blockierten in der griechischen Komödie „Lysistrata“ mit einer Sitzblockade das Parthenon und protestierten so gegen den Krieg mit Sparta. Hier kommst Du direkt zu den fünf Beispielen, die wir weiter unten aufgelistet haben.

Was ist ziviler Ungehorsam überhaupt?

In erster Linie ist ziviler Ungehorsam eine Protestform. Sie verursacht Störungen, lenkt die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Thema und geht aktiv und gewaltlos gegen Ungerechtigkeiten vor. Meist wird ein soziales Ziel verfolgt. Es geht darum, Gesetze oder Politik zu ändern. 

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Als Vater des neuzeitlichen zivilen Ungehorsams gilt Henry David Thoreau. Der US-Amerikaner, der allein im Wald lebte und sich weigerte, Steuern zu zahlen, setzte sich für die Abschaffung der Sklaverei und gegen den Krieg mit Mexiko ein. Da er seine Steuerschuld gegen Massachusetts nicht begleichen wollte, wurde Thoreau 1846 verhaftet. Seine Nacht im Gefängnis soll Anlass für sein 1849 veröffentlichtes Essay „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ gewesen sein. Darin postuliert er die moralische Pflicht jedes Einzelnen, sich gegen ungerechte Gesetze zu wehren. 

Wenn aber das Gesetz so beschaffen ist, dass es notwendigerweise aus dir den Arm des Unrechts an einem anderen macht, dann, sage ich, brich das Gesetz. Mach’ dein Leben zu einem Gegengewicht, um die Maschine aufzuhalten. Jedenfalls muss ich zusehen, dass ich mich nicht zu dem Unrecht hergebe, das ich verdamme.

Henry David Thoreau

Ziviler Ungehorsam als legitime Protestform

Sitzblockaden, Protestcamps oder Proteste im Museum: In Zeiten der Klimakrise richten sich die Aktionsformen gegen eine folgenschwere und nicht revidierbare Ungerechtigkeit, die es im Hier und Jetzt zu verhindern gilt. Für den Politikwissenschaftler Claus Offe muss sich ziviler Ungehorsam gegen eine schwere Ungerechtigkeit wenden, „bei der eine (Mehrheits-)Entscheidung in Zukunft nicht mehr revidierbar ist und/oder der entscheidende Personenkreis mit dem betroffenen Personenkreis nicht identisch ist (auch bei nachfolgenden Generationen)“.

Genau das ist bei der Klimakrise der Fall. Aktionen des zivilen Ungehorsams sind demnach ein legitimes Mittel des Protests. Es ist dabei nur logisch, dass die Klimabewegung ihre Protestformen weiterentwickelt, um immer wieder neue Aufmerksamkeit zu generieren. 

Öffentlich, gewaltfrei und gesetzeswidrig

Klar ist aber auch: Ziviler Ungehorsam muss in einer Demokratie in einem klar begrenzten Rahmen erfolgen. Die tragende Säule dabei ist die Gewaltfreiheit. So definiert es auch der Gerechtigkeitsphilosoph John Rawls: „Ziviler Ungehorsam ist eine in der Öffentlichkeit stattfindende, gewaltfreie, gewissensbestimmte und gesetzeswidrige Handlung mit Appell- und Symbolcharakter.“

Fünf Beispiele zivilen Ungehorsams 

Gandhis Salzmarsch von 1930

Gandhis Salzmarsch von 1930
Der Salzmarsch von Mahatma Gandhi. Foto: Imago

Als eines der berühmtesten Beispiele des zivilen Ungehorsams gilt der Salzmarsch von Mahatma Gandhi. Der indische Rechtsanwalt setzte sich Anfang des 20. Jahrhunderts für die Unabhängigkeit seines Landes von der britischen Kolonialmacht ein. 

Am 12. März 1930 startete sein Salzmarsch, mit dem er gegen die auf indisches Salz erhobene Steuer und das Salzgesetz (welches Menschen in Indien verbot, selbst Salz zu produzieren) protestierte. Gemeinsam mit 78 Anhängern lief er über 385 Kilometer bis nach Dandi am Arabischen Meer, dort nahm er ein Bad und sammelte Salz. Millionen Menschen folgten ihm – sie stellten Schüsseln mit Salzwasser in die Sonne, um an kostenloses Salz zu gelangen. Gandhi und Tausende Anhänger*innen wurden daraufhin verhaftet. Auch wenn seine Aktion keine unmittelbare Wirkung zeigte, schaffte sie weltweite Aufmerksamkeit und gilt bis heute als Grundlage für die indische Unabhängigkeitsbewegung. 

Rosa Parks Busstreik

Wie ein einzelner Mensch weltweite und weitreichende Veränderung anstoßen kann, das zeigt auch Rosa Parks. Die afroamerikanische Bürgerrechtsaktivistin weigerte sich am 1. Dezember 1955 in Montgomery, Alabama, ihren Sitzplatz einem weißen Fahrgast zu überlassen. Sie blieb sitzen – und wurde dafür verhaftet. 

Der Widerstand von Parks und natürlich auch von Claudette Colvin waren Beginn der Montgomery-Busboykott-Kampagne. Afroamerikaner*innen in Montgomery weigerten sich fortan, mit öffentlichen Bussen zu fahren, in denen sie genauso viel zahlen sollten wie Weiße, aber weniger Rechte hatten. Ihr Protest führte dazu, dass Rassentrennung im Bus als verfassungswidrig erklärt wurde. 

Edward Snowden

Ein Bett für Snowden

Snowden stellte zahlreiche Asylanträge – unter anderem in Deutschland. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern machte sich Campact für den Schutz für Edward Snowden in Deutschland stark. 

Dass es bei Aktionen zivilen Ungehorsams nicht allein um Symbolik geht (wie es manche Definitionen, beispielsweise von Sozialphilosoph Jürgen Habermas, behaupten), beweist die wichtige Aufklärungsarbeit von Edward Snowden. Der US-amerikanisch-russische Whistleblower brach 2013 die Gesetze der Geheimhaltung, als er Geheimdienstinformationen veröffentlichte. Mit seinen Enthüllungen über weltweite Überwachungs- und Spionagetechniken bewies Snowden Mut und Sozialcourage.

Anti-Kohle-Proteste im Hambacher Wald 

2018 wurde ein kleiner Wald im Westen Deutschlands zum Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle. Der artenreiche Hambacher Wald sollte weichen, damit der Energiekonzern RWE die klimaschädliche Braunkohle unter dem Wald abbaggern kann. Bereits jahrelang besetzten mutige Menschen die Bäume des 10.000 Jahre alten Waldes; im Herbst 2018 spazierten nun Tausende Menschen Woche um Woche aus Protest durch ihn hindurch. Den Höhepunkt bildete eine friedliche Demo an der Tagebau-Kante mit rund 50.000 Teilnehmer*innen, organisiert von Campact, Greenpeace und weiteren Bündnispartnern. 

Mit mutigen Aktionen des zivilen Ungehorsams streitet unter anderem das Bündnis Ende Gelände seit 2015 gegen Braunkohle – im gesamten Rheinland und auch im Hambacher Wald. Gemeinsam mit zahlreichen Klimaaktivist*innen blockierten sie immer wieder Bagger und Schienen vom Tagebau. Die vielen verschiedenen Aktionen hatten Erfolg: Der Hambacher Wald bleibt. Es ist der bisher größte Sieg der deutschen Klimabewegung. 

Der Schulstreik von Fridays for Future 

Globaler Klimastreik am 3. März 2023

Beim Klimastreik in Berlin fordern junge Schülerinnen und Schüler sofortige Maßnahmen gegen die Klimakrise
Hier findest Du alle Infos rund um den nächsten großen Klimastreik von Fridays for Future.

Am 20. August 2018 demonstrierte die damals 15-jährige Schwedin Greta Thunberg das erste Mal allein vorm Parlament in Stockholm. Seitdem streiken weltweit Hunderttausende Schüler*innen freitags für den Klimaschutz, mittlerweile seit fünf Jahren. Von Flensburg bis München – auf den Straßen übt sich eine ganze Generation im zivilen Ungehorsam. Sie bricht mit der Schulpflicht und macht gemeinsam auf die Klimakrise aufmerksam.

Für Professor Claus Leggewie ist das der entscheidende Faktor dafür, dass ihre Proteste so viel Aufmerksamkeit erfahren konnten. Die Proteste von Fridays for Future polarisierten gerade am Anfang stark. Und sie zeigen sehr eindrücklich, wie viel Zustimmung ziviler Ungehorsam von Teilen der Zivilgesellschaft und eben auch aus der Politik erhalten kann. 

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