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Wie progressiv sind eigentlich kostenlose Tampons?

Immer mehr Länder und Städte bieten kostenlose Tampons an öffentlichen Orten an. Aber wie fortschrittlich ist das wirklich?

Ein Tampon auf pinkem Hintergrund
Foto: IMAGO / Panthermedia

Kostenfreie Menstruationsartikel in Erlangen, dauerhaft kostenlose Menstruationsartikel in Göttinger Schulen, ein Pilotprojekt gegen Periodenarmut an 20 weiterführenden und berufsbildenden Schulen in Hamburg – immer mehr Städte bieten an öffentlichen Orten kostenlose Tampons an. 

Periode macht arm 

Das alles ist schön und gut. Doch das Ziel sollte eigentlich lauten: kostenlose Tampons überall! In Schulen genauso wie im Bürogebäude oder auf öffentlichen Toiletten von Restaurants und Cafés. Denn nur so kann wirklich jede*r Zugang zu den notwendigen Produkten haben – und zwar unabhängig vom Einkommen. 

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Frauen* verbringen durchschnittlich rund 40 Jahre mit ihrer Periode und durchleben rund 500 Zyklen. Im Durchschnitt bluten sie also sieben Jahre lang. Dabei verbrauchen sie zwischen 10.000 und 17.000 Binden und Tampons. Eine Riesenmenge – und für viele eine große finanzielle Belastung. Laut einer Studie von Plan International ist es in Deutschland für fast ein Viertel der Mädchen und Frauen finanziell schwierig, sich ausreichend mit Binden und Tampons zu versorgen. Die Hälfte aller Teilnehmerinnen würde sich sogar besser mit Hygieneartikeln versorgen, wären diese günstiger. Unter den Jüngeren sagten dies sogar 70 Prozent. 

Weltweit ist die Lage noch schlimmer: Millionen Mädchen und Frauen haben keinen Zugang zu Menstruationsprodukten. In Uganda kostet ein Paket Binden beispielsweise mehr als ein Drittel von dem, was Menschen dort am Tag verdienen. In Südostasien zahlen Frauen für acht Binden etwa 1 US-Dollar, dabei hat die Hälfte der Menschen dort weniger als 1,90 US-Dollar am Tag zur Verfügung. Das Ziel muss also heißen: kostenlose Menstruationsartikel für alle. 

Vorbild: Schottland

Seit Senkung der sogenannten „Tamponsteuer“ im Jahr 2020 zahlen deutsche Verbraucher*innen zwar nur noch sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Monatshygieneprodukte wie Tampons, Binden oder Menstruationstassen, doch damit steht Deutschland im Vergleich immer noch schlecht da. In Irland oder England sind Periodenprodukte derweil von der Steuer ausgenommen. In Frankreich lag der reduzierte Steuersatz im Januar 2021 bei 5,5 Prozent. 

Tamponsteuer

Als Tamponsteuer wird die Mehrwertsteuer auf Menstruationsprodukte wie Tampons, Binden und Slipeinlagen bezeichnet. 2020 wurde die Mehrwertsteuer auf sieben Prozent reduziert, für Produkte des täglichen Bedarfs. Vorher waren sie mit dem vollen Steuersatz von 19 Prozent besteuert. Dabei sind das für Frauen notwendige Produkte.

Noch besser läuft es in Schottland. Dort erhalten Frauen seit 2020 vom Staat Tampons oder Monatsbinden. Die Schotten wollen Vorbild für andere EU-Staaten sein – zum Vorbild genommen hat sich die Schotten in den letzten drei Jahren aber kein anderes Land. Stattdessen regeln es Kommunen selbst, so wie in Erlangen, oder Betriebe setzen ihre eigenen Maßstäbe. Beim Koblenzer Radhersteller Canyon erhalten Beschäftigte nicht nur kostenfrei Periodenprodukte gestellt. Ab 2024 bekommen Angestellte sogar zwei Tage frei, wenn sie ihre Periode haben – ab 2025 wird die Zahl auf vier Tage erhöht. Damit folgt das Unternehmen Spanien. Frauen mit starken Regelschmerzen sollen dort nicht nur Zusatzkrankheitstage bekommen, sondern die Regierung will auch noch einen gesetzlichen Menstruationsurlaub einführen. 

Symbole des Wandels

Bei kostenfreien Tampons geht es also um viel mehr – es geht um konkrete Maßnahmen gegen Armut, bessere Bildungs- und Informationsangebote über Menstruation und Körperpflege. Dazu gehört sicherzustellen, dass alle Menschen Zugang zu grundlegenden sanitären Einrichtungen haben – und auch der Ausbau von öffentlichen Toiletten und Waschräumen. Indem Menstruationsprodukte immer und überall kostenfrei ausliegen, ganz selbstverständlich darüber geredet wird, wird Menstruation zu dem, was sie ist: eine ganz natürliche und normale Erfahrung; und nichts, wofür sich Frauen schämen müssen. 

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Autor*innen

Vera Kuchler arbeitet seit 2017 als Redakteurin bei Campact. Die ausgebildete Soziologin und gelernte Journalistin beschäftigt sich im Blog vor allem mit dem Thema „Arbeit und Geschlecht“. Alle Beiträge

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