Persönlicher Kontakt ist natürlich möglich – aber ein paar Dinge sollten auch hier bedacht sein:

„Viele Flüchtlinge freuen sich über solidarischen Besuch und sind ausgesprochen gastfreundlich. Gehen Sie ruhig auf Flüchtlinge zu“, betont Pro Asyl. „Aber tun Sie dies mit der gebotenen Höflichkeit und Zurückhaltung, denn auch eine Großunterkunft ist für die Bewohner/innen privater Wohnraum. Nicht selten ist der einzige Sitzplatz, den ein Flüchtling anbieten kann, sein Bett.“

Auch deshalb sei es sehr hilfreich, Begegnungsstätten zu schaffen.

„Vielleicht gibt es in der Unterkunft einen ‚Gemeinschaftsraum‘ oder einen Hof, der sich als Treffpunkt herrichten ließe. Noch besser ist ein Begegnungsort ‚mittendrin‘: Gibt es beim örtlichen Flüchtlingsverein schon ein ‚Asylcafé‘? Suchen Sie bei der Stadt, bei der Kirche, bei Vereinen in der Nähe nach Möglichkeiten für einen Begegnungsraum. Ermutigen Sie Flüchtlinge, dorthin zu kommen, und holen Sie sie gegebenenfalls ab.“

Wenn Sie sich bei Begegnungen anfangs etwas beklommen fühlen, ist das nicht ungewöhnlich – vielen Flüchtlingen wird es kaum anders gehen.

„Gerade zu Beginn des Kontaktes ist es ratsam, viel Zeit zum Kennenlernen einzuplanen“, raten Caritas und Diakonie in einer gemeinsamen Broschüre. „Hören Sie zu und stellen Sie nur behutsam Fragen (nicht ‚ausfragen‘!). Für die meisten Flüchtlinge sind die Signale, dass jemand echtes Interesse zeigt und sich zuwendet, zunächst vorrangig – und oft auch neu. Sie benötigen Zeit, um Ängste und Unsicherheiten – oft auch angesichts schlechter Erfahrungen – abzubauen. Es braucht auch Zeit, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. Verschlossenheit, Misstrauen, zögerliche Reaktionen werden Ihnen voraussichtlich, gerade im Kontakt mit Verfolgten und Flüchtlingen mit schwer traumatisierenden Erfahrungen, begegnen. Es ist gut, wenn Sie diese Reaktionen akzeptieren können und nicht als persönliche Zurückweisung einordnen.“

Ein Hinweis noch vom Flüchtlingsrat Baden-Württemberg:

„Vergessen Sie nicht: Ein Hilfsangebot ist nur ein Angebot. Sollte jemand dieses Angebot ablehnen, wird er seine persönlichen Gründe dafür haben. Eine andere Person wird sich dafür umso mehr über Ihre Hilfe freuen.“