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Ballon-Aktion am AKW Krümmel: „Aus bleibt aus!“


„Aus bleibt aus! Aus bleibt aus!“ riefen mehr als 300 Menschen vor dem Pannenreaktor Krümmel, als sich eine dunkle Wolke aus über 13.000 Ballons in den Himmel erhob. Der Wind trieb die Ballons direkt an den Reaktor und am Gebäude entlang nach oben, wo die Ballons für eine kurze Zeit zu schweben schienen, bevor sie endgültig hinter dem Meiler verschwanden. Wie radioaktive Partikel nach einem Unfall treiben die Ballons jetzt mit dem Wind über das Land – und erinnern an das Risiko, das von dem „tödlichen Nachbarn“ in Krümmel ausgeht.

Mit einem Klick auf das Fenster können Sie den Ballonstart im Film sehen

Drei Jahre ist es her, dass im pannenanfälligsten aller deutschen Meiler ein schwerer Unfall passierte: im Transformator brach ein Feuer aus, Rauchgas drang in die Leitwarte des Reaktors, der Reaktor musste heruntergefahren. Lange versuchte Kraftwerksbetreiber Vattenfall den Vorfall herunterzuspielen, doch spätere Untersuchungen stellen fest, dass der Brand sehr wohl Auswirkungen auf den Reaktor selbst hatte: eine Pumpe fiel aus, Sicherheitsventile wurden unplanmäßig geöffnet, ein Mitarbeiter musste eine Gasmaske tragen. Seitdem ist der Meiler – bis auf zwei Wochen im Mai 2009 – abgeschaltet.

Ballon-Aktion Krümmel

Aus Geesthacht und von der anderen Elbseite, aber auch aus dem Norden von Schleswig-Holstein, aus Hamburg, Bremen und Hannover, kamen Campact-Aktive nach Krümmel, um bei der Aktion zu helfen. Denn die Ballon-Aktion in Krümmel stellte alle vor eine besondere Herausforderung: aus den über 13.000 Ballons sollte direkt vor den Toren des Reaktors ein Radioaktivitätszeichen gebildet werden. Und dafür brauchte es viele Unterstützer: da Kraftwerksbetreiber Vattenfall die Befüllung direkt vor Ort verboten hatte, wurden die Ballons – in verschieden lange Schläuche verpackt – in einem Demonstrationszug zum Kraftwerk getragen. Dort dirigierte Ballonexperte Wolfgang die Schläuche an die richtige Stelle – jeder einzelne hatte seinen eigenen Platz. Nach und nach entstand so das schwarz-gelbes Warnsignal auf der Straße vor dem Reaktor – ein beeindruckendes Bild!

Ballon-Aktion Krümmel

Jetzt warten wir schon gespannt auf die Rückmeldungen: an jedem Ballon hängt eine Postkarte, mit der die Finder des Ballons aufgefordert werden, uns den Fundort mitzuteilen. Die Fundorte veröffentlichen wir dann auf einer Karte – so kann man sehen, wohin es eine radioaktive Wolke im Falle eines Unfalls an diesem Tag geweht hätte. Ballons von der ersten Aktion am hessischen AKW Biblis flogen bis nach Brandenburg!

2011 soll der Pannenreaktor Krümmel wieder ans Netz gehen. Doch gestern machten die Menschen vor den Toren des Meilers deutlich, was eigentlich geschehen muss: „Aus bleibt aus!“

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Susanne Jacoby, Jahrgang 1981, hat Umweltwissenschaften mit den Schwerpunkten Umweltpolitik und Umweltkommunikation in Lüneburg studiert. Sie war jahrelang für verschiedene Umweltorganisationen aktiv und hat u.a. den Kongress McPlanet.com 2009 mit organisiert. Bei Campact kümmert sie sich als Campaignerin um die Steuerflucht-Kampagne und Themen rings um die Energiewende.

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. @ Dietmar Braune
    Schön, das sich hier auch auf die Lügen der Atomlobby Reingefallende outen. Ich empfehle: Richtig informieren ist der bessere Weg.

  2. Jawoll, liebe Leute!

    Macht weiter so, damit wir in 10 Jahren billigen Atomstrom aus Polen und/oder Litauen kaufen können. Das unterstützt die klamme polnische Staatskasse und verschafft SIEMENS Milliardenaufträge.
    Dafür steigen in Deutschland die Strompreis wegen des EEG, für 2011 sind schon jetzt satte 11% zuverlässig angekündigt.
    Also: macht weiter so.

  3. Eine ganz tolle Aktion. Auch ich versuche alles, um die Themen unter das Volk zu bringen.

    Macht weiter so liebe CampActler/innen

    Johann

  4. War schon eine gelungene Aktion. Selbst die durchgemachte Nacht habe ich nicht mehr gespürt, als wir und mit den Ballons auf den Weg zum Krümmelmonster machten.