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Neue Bewegung in Dörpen: Der Einstieg in den Ausstieg aus dem Kohlekraftwerk?

Noch vor wenigen Monaten zeigte sich der Gemeinderat in Dörpen unnachgiebig gegenüber den Wünschen der Menschen im Ort – und wollte ein Kohlekraftwerk durchdrücken. Doch jetzt kommt wieder Bewegung in die Debatte.

In den letzten Wochen war es ruhig um das im emsländischen Dörpen geplante Kohlekraftwerk geworden. Während bis zur Bundestagswahl die Debatte in den lokalen und regionalen Medien nahezu täglich tobte, ebbten die Nachrichten ab, nachdem der Gemeinderat Ende September mit der CDU-Mehrheit eine Bürgerbefragung zum Kraftwerk abgelehnt hatte. Beantragt worden war diese von einer Mehrheit der Wahlberechtigten im Ort – und die Forderung „Fragt uns!“ war über Wochen im Ort unübersehbar. Gewartet wurde auf die Aufstellung eines Bebauungsplans für das 900 MW-Kraftwerk, die schon vor Monaten angekündigt war.

Kohle-Protest vor dem Rathaus in Dörpen

Das Verfahren zog sich aber mehr und mehr in die Länge, offiziell, weil tausende Einwendungen gegen den Bebauungsplan eingearbeitet werden mussten. Doch offenbar waren es nicht nur die vorgebrachten Bedenken gegen den Bebauungsplan, sondern der Gemeinderat wollte noch einmal neu über das Kraftwerk mit seinen über fünf Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich nachdenken. Anders wäre nicht zu erklären, dass Manfred Gerdes, der CDU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, nun davon spricht, ein Kraftwerk ohne Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) sei derzeit nicht denkbar.

Diese Überlegungen haben nun auch für den Planungsvorgang Konsequenzen: Der Bebauungsplan, wie er eigentlich vorgesehen war, muss überarbeitet werden, um die Pflicht zur Nutzung von KWK mit aufzunehmen. Damit erhalten auch die Bürger/innen noch einmal die Möglichkeit, ihre Bedenken gegen den Klima-Killer vorzubringen. Neben dem Argument des Klimaschutzes wog der Quecksilbereintrag in die Ems besonders schwer, der nach strengen EU-Regeln vermindert, nicht vergrößert werden müsse.

Fragt uns!-Kampagnenbild

Doch auch mit einem neuen Bebauungsplan wären diese Probleme kaum zu lösen: Im kleinen Dörpen gibt es weiterhin keine Abnehmer für große Mengen Wärme, nachdem die ansässige Papierfabrik bereits ihre Ablehnung kundgetan hat. Und auch Kohlendioxid und Quecksilber würden weiter freigesetzt, wenn ein neues Kraftwerk mit Kohle befeuert würde. Die Bürgerinitiative „Saubere Energie“, die sich seit langem gegen die Kraftwerkspläne zur Wehr setzt, vermutet daher auch ein anderes Ergebnis, wenn wieder zahlreiche Einwendungen eingegangen sind: „Das ist der Einstieg in den Ausstieg aus einem Kohlekraftwerk Dörpen“, sagte deren Sprecher Jan Deters-Meisner.

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