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2000 Menschen legen in Berlin RWE und Vattenfall an die Kette

Genau zwei Wochen sind es noch: Dann soll die große Aktions- und Menschenkette zwischen dem Pannenreaktor Krümmel und dem Alt-AKW Brunsbüttel steigen – unsere Menschenkette geht dann immer die Elbe entlang, einmal quer durch Hamburg.

Menschenkette Berlin

Am heutigen Samstag haben wir in Berlin bereits den Ernstfall für die Großaktion geprobt: 2.000 Menschen kamen, um mit uns zusammen die Vertretungen der Atomkonzerne Vattenfall und RWE miteinander zu verbinden. Nach dem großen Erfolg heute klingt es schon nicht mehr ganz so verrückt, dass wir am Samstag den 24. April die 120 Kilometer lange Strecke zwischen den AKW Krümmel und Brunsbüttel mit einer bunten Anti-Atom-Kette verbinden können.

Menschenkette Berlin 2

Als der erste Atomkraft-Gegner gegen 11:30 Uhr etwas später als geplant vor der Vattenfall-Zentrale die Kette startet, wollen ihm Hunderte wie in einer üblichen Demo rasch hinterher. Den Beats der Samba-Gruppe folgend wiegen sich hunderte Fahnen und Banner rhytmisch im Takt, einige tippelen schon nervös mit den Füßen: Wann geht’s endlich los?

Es bedarf noch einiger kurzer Erklärungen um zu vermitteln: Wir wollen heute keine typische Latschdemo machen – heute wird ge-menschen-kettelt. Schnell lässt sich der Demozug noch rasch zu einer Kette umformen: Hand in Hand, beziehungsweise „Hand in Band“ zieht die Anti-Atom-Kette los, Hunderte folgen im Gänsemarsch.

Menschenkette Berlin 3

Die gelben Bänder mit den Scherenschnitten einer Menschenkette waren zuvor verteilt worden. Damit haben wir bereits dem 24. April vorgegriffen: Dann sollen die gelben Bänder zu zehntausenden entlang der 120 Kilometer verteilt werden und den Menschen als Verlängerung ihrer Arme dienen – damit die Kette auch dann nicht abreisst, wenn wir mal weniger Menschen an einem Standort sind.

Auch wenn wir heute mit 2.000 Menschen locker die 1,8 Kilometer lange Strecke mit unserer Kette füllen konnten und einige teils in zweiter und dritter Reihe standen, war hier und da ein wenig Nachhelfen angesagt: „Bitte hier einreihen, lasst die Kette nicht abreißen“, schallte es immer wieder aus dem Megafon.

Menschenkette Berlin 4

Und wer dabei war weiß: Es ist gar nicht mal so einfach zügig zu laufen, wenn man mit den Personen die vor und hinter einem in der Kette gehen per Handschlag oder auch nur mit einem Band verbunden ist. Wenn dann noch ein Schild, ein Transparent oder gar ein Fahrrad oder Kinderwagen mitzuführen ist, wird es spannend. Doch Not macht erfinderisch: Schnell sind die mitgebrachten Utensilien in die Kette eingebaut. Banner für die keine Hand mehr frei ist, werden kurzerhand an Gürteln befestigt, Schilder einfach gemeinsam gehalten. Kinderwägen und Fahrräder werden mit den Ketten-Bändern verknotet und das andere Ende einfach dem Hintermann oder der Hinterfrau in die Hand gegeben.

Am Ende der Auftakt-Kette in Berlin war allen klar: „Jetzt ist es an uns, die Risikotechnologie Atomkraft in diesem Land endlich zu beerdigen. Heute und am 24. April nehmen wir den Ausstieg selbst in die Hand! Es gilt die Wette: Wir schaffen die Kette!“

Menschenkette Berlin 5

Mit den Auftakt-Ketten ist heute nicht nur in Berlin die heiße Phase der Mobilisierung für die große Aktions- und Menschenkette übernächsten Samstag eingeläutet worden: An über 50 Standorten beteiligten sich bundesweit über 8000 Menschen an ähnlichen Aktionen.

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

    • Lieber Herr Boux,

      nein, wir zensieren nicht. Aber um Unmengen von Spam auszufiltern, müssen die Kommentare erst gesichtet und dann freigeschaltet werden. Entschuldigen Sie, dass dies in ihrem Fall etwas länger gedauert hat.

      Herzliche Grüße,
      Ihr Campact-Team

  1. Gibt es schon genauere Informationen bzgl. der Menschenketten am 24. April? Auf der Aktions-Website findet man weder genauere Informationen zu den Orten noch zu der Uhrzeit.

    • Sie sollten sich am 24. April zwischen 12:30 und 13:30 Uhr an einem der offiziellen Sammelpukte entlang der Aktions- und Menschenkette einfinden. Weitere Informationen und Zeiten zum Ablauf:
      http://www.anti-atom-kette.de/ablauf.html

      Wenn Sie von außerhalb anreisen, dann fahren Sie bitte zu dem Sammelpunkt, an den alle Menschen aus Ihrer Region geleitet werden. Berlin zum Beispiel fährt nach Elmshorn, Bremen nach Glückstadt.
      http://www.anti-atom-kette.de/anreise.html

      Sie wohnen entlang der Strecke?
      Als StreckenanwohnerIn kommen Sie einfach zum Ihnen nächstgelegenen Streckenabschnitt der Aktions- und Menschenkette. Ca. jeden Kilometer gibt es Sammelpunkte. Um den Sammelpunkt in Ihrer Nähe zu ermittel, klicken Sie auf der Karte den Streckenabschnitt an, an dem Sie sich am 24. April einreihen wollen. Dann zoomen sie mit der Funktion der Karte so weit in das Kartensegment hinein, bis sie die mit rot-weißen Sternen markierten Sammelpunkte sehen. Wenn Sie mit der Maus über die Sterne fahren, sehen Sie die Adresse des von ihnen gewählten Sammelpunkts. Initiativen, Vereine und andere Organisationen aus Orten an der Strecke können sich Ihren Wunschstandort in der Kette reservieren und die Gestaltung ihres Abschnittes übernehmen.

      Zur Karte und mehr Infos:
      http://www.anti-atom-kette.de/anreise/streckenanwohnerinnen.html

  2. Weiterdenken der AAK-Bewegung notwendig!

    Atomkraft bezieht sich weitgehend auf den tradierten Begriff der Atomforschung aus dem vergangenen Jahrhundert zur Erforschung der Risiken und Chancen der Atomkraft auf dem damaligen wissenschaftlichen Niveau.

    Die Zeiten ändern sich: Heute forschen Wissenschaftler weltweit wie selbstverständlich in der Nuklearkraft. Zeitgemäß müßte sich daher auch der Geist der demokratischen und nicht-gouvernementalen Kontrollinstrumente ändern, also schleunigst anpassen.

    Stattdessen bezeichnen die Menschen, wie vor 100 Jahren auch, diese Forschung (am CERN und am RHIC) völlig unkritisch als fortschrittlich, zukunftsnah und neben gewinnbringend als „rettende“ Form von Wissenschaft. Die Anti-Atomkraft-Bewegung schaltet nicht um. Sie erweitert auch nicht etwa ihr Portfolio auf den Zweig einer weitaus gefährlicheren aber schwerer verständlichen Wissenschaftsverästelung, die sich noch sauberer zu verhalten scheint, als seinerzeit die Atomforschung (Atomphysik).

    Sich heute als Gegner der Nuklear- oder sonst einer gefährlichen Forschung bezeichnen, wirkt grotesk vor dem Hintergrund ihres wissenschaftlichen und planetarischen Selbstverständnisses – der Rettung des Planeten vor der Klimakatastrophe und dem Energiekollaps. Während dessen AKW-Gegner aktiv und fast selbstverständlich jährlich die Atommülltransporte blockieren, können Forscher an Nuklearforschungseinrichtungen neben ihrer wichtigen forschungswissenschaftlichen Arbeit im Dienste der Menschheit militärischen Zwecken, wie damals im „Manhatten-Projekt“ den Boden bereiten. Kein Mensch interessiert sich dafür.

    Ja, sind wir alle so blöd, daß wir nicht begreifen könnten, daß sowohl Fusion als auch Spaltung kleinster Teilchen eine ähnlich gefährliche Wirkung besitzen und in der Fusion weitaus größere energetische Outputs auf kosmischem Niveau entstehen? Offenbar glauben das die neuen „technologischen“ Eliten und erklären uns ohne Skrupel, daß das, was kosmisch sei, auch planetarisch verträglich sein müßte.

    In vielen Fällen aber sind die kosmischen Auswirkungen, wiewohl für uns nicht, immens und für dortiges Leben tragisch. Als seien wir kollektiv mutig, wenn wir etwas so Fortschrittliches täten, daß nicht einmal ein ein Gott oder der Schöpfer, ja das Universum selbst wüßte, was dabei herauskommt! Wir kleinen mickrigen Menschen, denen dieser Planet für einige Zeit überlassen wurde, maßen uns an, ihn, seine Umgebung und sogar ferne Welten und – sofern es sie gibt – mit Zufallsexperimenten zu verändern. Immerfort glauben wir, wir seinen die Krone irgendeiner Schöpfung und es fällt niemandem auf, daß die Wissenschaftler selbst sich die Krone und andere die Demut der Natur nennen.

    Nach Hiroshima, nach Nagasaki – 1955 haben Einstein selbst und Betrand Russell dieses Risiko erkannt und aus damaliger politischer Sicht in diplomatische Worte gefaßt, deren ganze Wirkung sich erst erschließt, wenn man die Fortsetzung der Atomwaffentests und -Forschung bis heute berücksichtigt:

    http://www.pugwash.org/about/manifesto.htm

    Wo sind die Wissenschaftler heute, die dereinst eine Pugwash-Bewegung beförderten?
    In Kommissionen, in Instituten, Nuklearcentern, in der Waffentechnik u.a.?

    Nur wenige noch trauen sich angesichts des Runs auf jeden nationalen und internationalen Preis, mit Belegen wider die öffentliche Wissenschaft zu sprechen. Wenn man sie einlädt, dann nur, um sie zu desavouieren, kleinzureden und sie und ihre wissenschaftliche kritische Arbeit unmöglich zu machen.

    Stellt Euch folgende Fragen:

    Wer oder was ist die Menschheit?
    Wer sind wir?

    Warum verschließen wir die Augen?

    Weil das Öl knapp wird, welches Jahr für Jahr in Panzer und Flugzeuge gegossen wird, um immer neues Öl zu erobern? Weil der Strom versiegt, den unsere Vorfahren nie hatten?

    Wo bleibt die Solarstromförderung auf höchstem finanziellen Niveau, um die Menschheit endlich vom Joch der Energieriesen zu befreien? Warum, wenn die Sonne so lange und gewaltig ergiebig ist, bekommen wir flächenmäßig kleine Solarenergieparks, deren Wirkungsweise längst erforscht ist und nicht einmal schädlich?

    Warum kämpfen die Banken, die Regierungen und die Energieriesen gegen den endgültigen Ausbruch einer technologisch unerschöpflichen Weltenergiewelle?

    Noch immer fahren wir Benzinautos.
    Noch immer sollen wir im Abstand weniger Hundert Kilometer Kern- und Atomkraftwerke sowie deren Müllablagerungsrisiken ertragen.
    Noch immer imitieren wir Explosionen, obwohl eine der größten in unserer Nähe uns jede Energie zu spenden vermag.

    Schluß damit! Sonnenlicht her!

    —————–
    Für F.W.G.