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Erfolgreichster Saurier aller Zeiten: Schweizer steigen aus Kohlekraftwerksprojekt aus

Er ist mit uns schon auf so manche Aktion gereist und hat mehrere Touren durch die Bundesrepublik hinter sich – und sieht dabei so alt aus wie eh und je: der Kohlosaurus. Als fast fünf Meter hohes Fossil aus einem Stahlgerüst mit Netzstoff überzogen symbolisiert er Kohlekraftwerke, eine Dinosaurier-Technologie, die ineffizient ist und durch ihre Trägheit einfach nicht mehr in unsere Zeit passt. Kohlekraftwerke verbrennen die Rohstoffe aus alter Vorzeit und sind dadurch inkompatibel mit den Anforderungen der Gegenwart, die eine flexible Anpassung an den aktuellen Strombedarf verlangt. Und den Klimaschaden von Kohlekraftwerken verbildlicht er durch die tausenden von schwarzen „CO2-Ballons“, die er regelmäßig ausstößt, gleich mit.

Kohlosuarus in Düsseldorf

Nachdem der Kohlosaurus schon an nahezu allen geplanten Kohlekraftwerksstandorten in Deutschland war – zur Zeit sind noch 24 neue Kohlekraftwerke in Planung oder im Bau – um dort den verantwortlichen Politiker/innen das Fürchten zu lehren, ist er in diesen Tagen im Auftrag der Klima-Allianz in der Schweiz unterwegs. Nicht, dass in der Schweiz ebenfalls neue Klima-Killer geplant wären. Ihren schmutzigen Strom wollen Unternehmen aus Chur, St. Gallen, Fribourg und Lausanne im norddeutschen Brunsbüttel produzieren lassen. Mit beachtlichen Auswirkungen, denn alleine das in Schleswig-Holstein geplante Kohlekraftwerk würde ebensoviel CO2 produzieren, wie alle Autos der Schweiz gemeinsam.

Doch inzwischen eilt dem Kohlosaurus sein Ruf voraus und erreicht auch die finanzierenden Unternehmen. Hinter der Projektgesellschaft Südweststrom SWS verstecken sich vor allem 70 Stadtwerke, die in der eigenen Produktion von Kohlestrom noch immer eine wirtschaftliche Alternative zum Einkauf ihres Stroms über die Börse sehen. Dabei bergen Kohlekraftwerke – schon wegen der steigenden Preise für die benötigten CO2-Zertifikate – durchaus große Risiken für die Investoren. Das haben jetzt auch die schweizer Groupe E und die Romande Energie Holding SA erkannt – just als das schwarze Kohlemonster seinen Tourauftakt in Chur hatte.

Kohlosuarus protestiert in Berlin

Damit bricht der Projektgesellschaft – nur wenige Wochen nach dem Ausstieg der Elektra Birsek Münchenstein – schon wieder ein Teil der Beteiligten weg – in einer Größenordnung von 100 MW. So wird die Finanzierung für den SWS-Kohlemeiler in Brunsbüttel immer wackeliger, denn je weniger Stadtwerke und Energieunternehmen sich beteiligen, desto größer wird die Last für die einzelnen Beteiligten. Dass das Kohlekraftwerk in Brunsbüttel auch bei den direkt betroffenen Menschen vor Ort keine Zustimmung findet, zeigten fast 5.000 Einwendungen gegen die wasserrechtliche Genehmigung des Kraftwerks.

Damit hat der Kohlosaurus große Chancen zum politisch wohl erfolgreichsten Saurier aller Zeiten werden: Er gibt dem Protest gegen neue Kohlekraftwerke ein Gesicht und bringt politisch Verantwortliche genauso in Bedrängnis, wie Finanzinvestoren. Seine Reise in die Schweiz war so erfolgreich, dass er nun sogar verfrüht wieder abreist – die Tourstopps in Lausanne und Fribourg sind erst einmal nicht mehr notwendig.

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