· von
mal gelesen · 2 Kommentare · Artikel kommentieren

Atomstreit in der Bundesregierung: Gesicht wahren, Risiken ignorieren


Seit Monaten wird in der Regierungskoalition heftig über die Frage der längeren AKW-Laufzeiten gestritten. Nun zeichnet sich laut Süddeutscher Zeitung womöglich ein Kompromiss ab: zwei bis drei der älteren Meiler könnten bereits 2011 abgeschaltet werden – doch dafür sollen die übrigen Reaktoren umso länger laufen.

Die Idee dahinter: Generelle Laufzeitverlängerungen in Verbindung mit neuen Sicherheitsauflagen. Für die alten Anlagen wären Sicherheitsnachrüstungen zu teuer, die Folge: Sie müssten abgeschaltet werden. Da die Betreiber jedoch Laufzeiten von älteren auf neuere Anlagen übertragen können, könnten die jüngeren Reaktoren im Gegenzug sehr viel länger laufen. Wie viel länger, sei noch offen – ebenso wie die Frage, ob überhaupt ein Zeitpunkt für das Abschalten der letzten Reaktoren festgelegt würde.

AKWs: Sicher ist nur das Risiko

Bereits im Koalitionsvertrag hatten die beiden Parteien vereinbart, das Sicherheitsniveau zu einem Kriterium der Laufzeitverlängerungen zu machen. „Nur sichere Atomkraftwerke sollen weiterlaufen“, hieß es im Wahlkampf von allen Seiten. Konkrete Zahlen zu den Laufzeitverlängerungen fehlen im Koalitionsvertrag dagegen völlig. Der immer wieder hochkochende Koaltitionsstreit in den letzten Monaten macht es allzu deutlich: Die Vorstellungen darüber liegen innerhalb der Regierung himmelweit auseinander. Der dargestellte Kompromiss wird daher von der Süddeutschen Zeitung auch als „gesichtswahrende Lösung für alle Seiten“ bezeichnet.

Doch eins ignoriert die Bundesregierung konsequent: Ein bisschen Nachbessern macht die Atomkraftwerke keineswegs sicher. Keines der Atomkraftwerke in Deutschland wäre heute nach dem aktuellen Stand der Technik noch genehmigungsfähig. Dem gezielten Absturz eines großen Verkehrsflugzeuges hielte keines der 17 AKW in Deutschland sicher stand. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit von Unfällen. Und für die hunderte Tonnen Atommüll, die von den laufenden Atomkraftwerken bereits jetzt Jahr für Jahr produziert werden, gibt es auch noch keine Lösung. Dagegen hilft eins ganz bestimmt: Atomkraft abschalten!

Veröffentlicht von

Susanne Jacoby, Jahrgang 1981, hat Umweltwissenschaften mit den Schwerpunkten Umweltpolitik und Umweltkommunikation in Lüneburg studiert. Sie war jahrelang für verschiedene Umweltorganisationen aktiv und hat u.a. den Kongress McPlanet.com 2009 mit organisiert. Bei Campact kümmert sie sich als Campaignerin um die Steuerflucht-Kampagne und Themen rings um die Energiewende.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Wenn man die Aktienkurse der führenden Aktiengesellschaften im Bereich Solartechnik (Solarmodule, Wechselrichter, Projektierungsfirmen usw.) betrachtet, dann kann man grosse Wertsteigerungen dieser Aktien feststellen. Im Vergleich dazu sinken die Kurse der etablierten Energieversorgungsunternehmen, die nach wie vor auf Atomkraft setzen.

    Die steigende Nachfrage nach Solartechnik wird den damit verbundenen Firmen gute Gewinne bringen und durch weitere Modernisierung wird die Produktion von Solartechnik im Laufe der Zeit noch günstiger werden. Es wird eine positive Dynamik zu mehr Sonnenenergie stattfinden. Investoren in Aktien werden diese Solarfirmen damit unterstützen, indem sie weitere Aktien kaufen.

    Die Energieversorger mit Atomkraftlobby werden das Nachsehen haben. Der Markt wird sich durch das einwirken der Verbraucher und Investoren von ganz alleine zu umweltfreundlichen Energiegewinnungsverfahren wandeln.

  2. Unnötig, gefährlich, gewissenlos
    Ob nun neue oder alte KKW’s Die Bundesregierung ignoriert weiterhin die Gefahren der K-Kraftgewinnung. Greenpeace fand hersaus, daß schon mehr als 20 radioaktiv verseuchte Gebiete in Russland brennen. Was tut die Regierung gegen eine radioaktiv verseuchte Luftverschmutzung bei Ostwind? Stellt sie sich ebenso taub, wie weiland die DDR beim Reaktorunfall von Tschernobyl? Und warum stellt sie sich nicht gegen die E- Wirtschaft, die allein der milliardenschwere Nutznießer des KK- Stromes ist, wo nun zugebenermaßen auch die AKW-Betreiber wissen wie terrorgefährdent die Anlagen sind? Nun hat diese Energeiwirtschaft die Katze aus dem Sack gelassen, als bekannt wurde, daß z. b. Philipsburg im Falle der Möglichkeit eines terroristischen Angriffes eingenebelt werden soll. Das ist zum einen frech, sagt man doch damit: ätsch , das was ihr uns immer vorgehalten habt, die Möglichkeit eines terrorischen Angriffs, können wir Euch nun bestätigen, wir glauben daran seit dem 11.9. 2001. Es ist zum zweiten entlarvend, denn mit dieser Nebelaktion gesteht man auch ein, daß man nicht daran denkt KK nur als Brückentechnologie anzusehen, sondern daß man mit der Gefahr leben will, so wie ein Herr Güldner dieser Tage sagte: “Laßt doch die Anlagen solange laufen, wie sie sicher sind.” Nun zeigt sich aber, sie sind eben nicht sicher! Und drittens ist die Nebelaktion nutzlos: Man wird doch nicht irgendein Feld in der Nähe des AKW einnebeln, sondern direkt das Werk selbst. Also braucht das terroristische Flugzeug doch nur auf die Mitte des nebelflecks zu zielen und man trifft den Reaktor, oder bestenfalls die Stromversorgung, dann fallen die Kühlpumpen us und Tschernobyl läßt grüßen. Also nutzlos, oder will man ganz Baden-Würtenberg einnebeln? Der Vergleich mit Hitlers Weltkrieg drängt sich auf. Hitler baute Hochbunker und nebelte Städte und wichtige Werke (ich lebte damals in Leuna!) bei Angriffen ein. Trotzdem wurden sowohl Werke als auch die Zivilbevölkerung geschädigt. Das Kalkül: Wer solche Sicherungen einbaut weiß und will, daß das gefährdete Unternehmen (damals der Krieg, heute die Kernenergie) weitergeht. Also keine Brückentechnologie, sondern bewußt über lange Zeit in Kauf genommene Gefährdung der Bevölkerung zum Zwecke der Renditemaximierung. Es ist unvorstellbar!!!!