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400 Menschen, 70 Atommüllfässer und ein Castor

„Hau ruck!“ Zwei Frauen in weißen „Strahlenschutzanzügen“ wuchten ein gelbes Atommüllfass auf die Ladefläche des Castors und geben ihm einen Schubs. Unter lautem Poltern rollt es ins dunkle Innere, wo weitere Menschen die Fässer aufstapeln. So verschwindet Fass für Fass – bis alle Fässer im Castor verstaut sind.

Castor-Aktion in Gorleben

Foto: Kai Löffelbein

70 Fässer passen in unseren „Castor-Transport“: Eine täuschend echt aussehende Attrappe aus Holz, weiß lackiert, und mit riesigen Radioaktivzeichen beklebt. In zwei Wochen soll ein „echter“ Castor-Transport ins Wendland rollen und abgebrannte Brennelemente aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in das Zwischenlager in Gorleben bringen. Doch der heutige Castor-Transport fuhr in die entgegengesetzte Richtung: „Zurück zum Absender“ – nach Berlin. Rund 400 Menschen kamen, um beim Einladen der Fässer zu helfen und den Transport auf seinen ersten zwei Kilomenter auf dem Weg nach Berlin zu begleiten.

Castor-Aktion in Gorleben

Foto: Karin Behr / PubliXviewinG

Denn die Bundesregierung versucht mit aller Macht, den Salzstock Gorleben als Atommülllager durchzusetzen – obwohl er dazu überhaupt nicht geeignet ist. Und obwohl die Endlagerfrage nach wie vor ungelöst ist, will die Bundesregierung die AKW-Laufzeiten verlängern – und damit noch einmal tausende Tonnen zusätzlichen Atommüll produzieren. Morgen, am Montag den 25. Oktober, startet der Umweltausschuss des Bundestages seine abschließenden Beratungen, am Donnerstag, den 28. Oktober soll der Atom-Deal dann vom Bundestag beschlossen werden.

Castor-Aktion in Gorleben

Foto: Kai Löffelbein

Heute haben wir den „Castor“ randvoll mit Atommüllfässern beladen und auf den Weg nach Berlin geschickt. Morgen, wenn die Beratungen im Umweltausschuss starten, laden wir die Fässer dort vor dem Bundestag wieder aus – als Symbol für die ungelöste Endlagerproblematik. Wohnen Sie in Berlin oder sind morgen zufällig dort? Dann kommen Sie doch um 14.00 Uhr zur Vattenfall-Zentrale in der Chausseestraße und bringen Sie den Castor mit bis zum Bundestag!

Castor-Aktion in Gorleben

Foto: Kai Löffelbein

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Susanne Jacoby, Jahrgang 1981, hat Umweltwissenschaften mit den Schwerpunkten Umweltpolitik und Umweltkommunikation in Lüneburg studiert. Sie war jahrelang für verschiedene Umweltorganisationen aktiv und hat u.a. den Kongress McPlanet.com 2009 mit organisiert. Bei Campact kümmert sie sich als Campaignerin um die Steuerflucht-Kampagne und Themen rings um die Energiewende.

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Das war ´ne super Idee!!! …es so plastich vor Augen zu führen! Überhaupt finde ich eure Ideen des praktischen vor Augen führens immer klasse (wer von euch kommt eigentlich immer darauf??)!!

    Ich konnte leider nicht teilnehmen, daher danke an alle, die die Nichtkönnenden vertreten haben!!

    Ich würde mich über noch mehr Aufklärung freuen darüber, dass im Grund viel mehr Menschen betroffen sind, als nur in z. B. Gorleben, denn z. B. die Transporte können ja nicht so abgesichert sein (oder täusche ich mich da?)!! und wohin bzw. wie weit gelangen die Strahlen beim Transport und von sämtlichen Zwischenstationen- und lagerungen aus. Wieviel Strahlung bekommen diejenigen ab, die das nicht geeignete Salsbergwerk leerräumen müssen oder überhaupt die Atommülltonnen transportieren?

    Weiterhin viele „zündende“ Ideen wünscht Anke

  2. Laßt die Fässer als wertvolle Ressource bitte in Berlin. Der Kreuzberg ruft! Nicht erst zum 1. Mai.
    Und die Beratungen heute sollten definitiv „abschließend“ sein: Das Ergebnis kann man denn auch gleich in die Tonne kloppen. Aber weh Euch Ihr daoben, Ihr werdet nie wieder Licht sehen!
    mfg
    Sattva

  3. Ich werde morgen in Berlin dabei sein.

    Und auch am Donnerstag den 28.10. zur Abstimmung!

    DAs ist sooo wichtig!!! – es den Politikern zu zeigen, wenn man mit Ihrer Politik nicht mehr einverstanden ist!!
    Wenn einfach Dinge geändert werden, die in Volkes Namen beschlossen wurden.
    …wir sind das Volk….

    Zeigt Euch auch!!

    lieben Gruß und viel Erfolg!!!!!!

  4. Danke Euch, dass Ihr auch in meinem Namen dort wart!!!! Super gute Aktion – denn das müssen wir stoppen!
    Liebe atomkernspaltfreie Grüße, Maria