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Wir trauern um Hermann Scheer

Wir sind bestürzt und traurig über den Tod von Hermann Scheer. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie. Scheers Tod ist ein großer Verlust.

Den SPD-Politiker zeichnete aus, was wir bei vielen anderen Politikern heute vermissen: Er hatte eine Vision, für die er mit seiner ganzen Leidenschaft, aber auch mit Augenmaß kämpfte. Die Vision einer Welt, die ihren wachsenden Energiebedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen stillt.

Die Erdölvorräte gehen zur Neige, Konflikte um die knapper werdenden fossilen Ressourcen und der Klimawandel schüren die „neuen Kriege“ unseres Jahrhunderts. Und die Atomenergie ist angesichts ihrer Risiken, des ungelösten Atommüllproblems und der Endlichkeit des Urans auch keine Alternative. Darum muss der gegenwärtige atomar-fossile Energiemix vollständig durch einen „solaren Energiemix“ aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Erdwärme abgelöst werden – das hatte Scheer weit früher als viele andere erkannt. Und dafür wurde er mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Scheer war zutiefst davon überzeugt, dass Erneuerbare Energien nicht nur das Klima retten, sondern die Welt auch friedlicher und gerechter machen können.

Hermann Scheer gehörte neben seinem Parteifreund Dietmar Schütz und den Grünen-Abgeordneten Michaele Huestedt und Hans-Josef Fell zu den Eltern des Erneuerbaren-Energien-Gesetztes (EEG), das am 1. April 2000 in Kraft trat. Das EEG legte die Grundlage für den den gewaltigen Boom der erneuerbaren Energien in den vergangenen zehn Jahren, der nun durch die schwarz-gelbe Atompolitik abgewürgt zu werden droht. Im Jahr 2000 betrug der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung in Deutschland nur vier Prozent, heute sind es bereits 17 Prozent. Mehr als 340.000 Menschen sind heute in Deutschland in der Erneuerbaren-Energien-Branche beschäftigt. Das sind elfmal mehr als in der Atomindustrie – dort arbeiten nur rund 30.000 Menschen. 72 Millionen Tonnen Treibhausgase jährlich werden zur Zeit durch die erneuerbaren Energien vermieden. Das EEG diente nahezu 50 Staaten als Vorbild für ähnliche Fördersysteme.

Viele Jahre setzte sich Scheer auch hartnäckig für die Gründung einer Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) ein. Am 26. Januar 2009 war es in Bonn endlich soweit. Mittlerweile sind der Agentur 136 Länder mit zusammen mehr als vier Milliarden Einwohnern beigetreten. Diese Erfolge sind umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass Scheer hohe politische Ämter verwehrt blieben. Es gibt wohl nur wenige einfache Bundestagsabgeordnete, die so viel bewegt haben wie Hermann Scheer. Und es gibt auch nur wenige Politiker, deren Bücher so lesenswert sind. Ich selbst habe viel aus den Büchern „Sonnenstrategie“, „Solare Weltwirtschaft“ und „Energieautonomie“ gelernt. Wenige Tage vor seinem Tod erschien sein letztes Buch: „Der energet(h)ische Imperativ“.

Als uns die Nachricht vom plötzlichen Tod Hermann Scheer erreicht, laufen im Campact-Team die Vorbereitungen für die nächsten Protestaktionen gegen den schwarz-gelben Atomdeal und den geplanten Castor-Transport nach Gorleben auf Hochtouren. Auf Hermann Scheer konnte sich die Anti-Atom-Bewegung immer verlassen. Er wird uns sehr fehlen. Doch seine Vision einer zu 100 Prozent Erneuerbaren Energiezukunft lebt weiter. Und wir werden nicht locker lassen, bis sie verwirklicht ist. Das versprechen wir Ihnen, lieber Hermann Scheer!

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Diese Doppelmoral der Bundesregierung scheint sich weiter durch zu setzten: Klimaschutz ja aber neue Technologien nein.
    Wann fahren Sie endlich einen Kleinwagen, der Sprit spart?
    Wenn Sie sich keinen großen mehr leisten können. Hier wird über das Einkommen reguliert, nicht über die Vernunft. Warum fahren ehemalige Trabbifans BMW? Weil die Marktwirtschaft es möglich gemacht hat, ein E- Sparmodell muß her und zwar sofort. Fünf-Liter Autos sind erfolgreich, bei zehn Litern hört man normalerweise auf, ich meine da könnte es doch für Neuwagen auch neue Gesetzte geben. Der Bürger als Kunde ist dabei gar nicht gefragt, weil es um Ansehen und Einkommen geht, auch das wird über das Auto reguliert.

  2. Es ist doch schade, dass es in unserem Land nur ein paar Politiker gibt, die wirklich gute Ziele haben und nicht nur ihre eigene Laufbahn.

    Schon richtig schlimm finde ich, dass diese Leute damit bestraft werden es nur durch ihre Ziele bedingt nicht so weit zu bringen. :-(

  3. Ich studiere seit 2 Jahren Energieeffizienz und studiere es weil ich Visionen habe und diese Visionen hatte Hermann Scheer auch. Er war für mich etwas wie ein Idol oder ein Wegweiser und es gibt nicht viele Menschen, die ich kenne und auch für den Einsatz von erneuerbaren Energien kämpfen.
    Die Nachricht hat mich sehr getroffen, obwohl ich diesen Menschen nicht persönlich kannte.
    Er bleibt trotzdem mein Vorbild und wir werden seine Visionen weiterführen und alles dafür tun, dass seine Zeile erreicht werden.
    Das klingt zwar alles ziemlich kitschig aber genau das denke ich.

    Hermann Scheer, danke. Sie werden auf dieser Welt fehlen.

    Mit Bewunderung Karen Bremert

  4. Ich arbeite seit Ende achtziger Jahre im Bereich der Photovoltaik und habe Hermann Scheers unermüdliches Handeln und Wirken für eine friedlichere Zukunft unter Einsatz der erneuerbaren Energien immer wieder als Ermutigung und als Ansporn empfunden, weiter zu machen.

    Vielen Dank Hermann Scheer, ich wünsche Dir, dass dort, wo Du jetzt bist, das Licht der Sonne immerwährend für Dich scheint…….

    Wolfgang Philippi

  5. Immer noch unfassbar – ein großer Visionär mit wegweisenden Ideen hat uns verlassen.

    Ich hatte das Glück, ihn in diesem Jahr bei Veranstaltungen zum Film „Die 4. Revolution – Energy Autonomy“ zu erleben, und bin mir sicher, seine Ideen leben in ganz vielen (und immer mehr) Menschen fort, die sich für die Energiewende und das Ziel „100 % Erneuerbar“ einsetzen.

    Mein Mitgefühl gilt seiner Familie.

    Meine große Hochachtung vor diesem weltumspannenden Lebenswerk!

    Steffen Walter

  6. …es kam vollkommen überraschend….((
    Seine Ideen,-all sein Bestreben,wofür er kämpfte,-es lebt weiter…
    Mein inniges Beileid geht vor allem an seine Familie,Angehörige,-nahestehenden Freunden.-

    Sie werden fehlen…im weiteren Kampf….Herr Scherr,-

    Ich verneige mich,

    Ute Matousek