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Niedersächsisches Umweltministerium will Castor rollen lassen

„Wenn dir Messwerte nicht gefallen, biege sie einfach so zurecht, bis sie passen“ – nach diesem Motto verfährt offenbar das Niedersächsische Umweltministerium (NMU). Gestern informierte das Ministerium den zuständigen Umweltausschuss des Niedersächsischen Landtags über die Ergebnisse ihrer Messungen und Berechnungen der Strahlenwerte am Zwischenlager Gorleben. Und siehe da: Auf einmal liegen alle Werte unterhalb der Grenzwerte.

Das Ministerium hat errechnet, dass auch bei Einlagerung von elf zusätzlichen Behältern nach dem Castor-Transport Ende November angeblich nur eine Gesamtstrahlendosis von 0,235 Millisievert (mSv) erreicht und damit der Grenzwert von 0,3 mSv „sicher unterschritten“ werde. Das Umweltministerium macht damit den Weg frei für noch mehr Strahlenmüll, der in rund drei Wochen in das Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben gebracht werden soll. Jetzt muss nur noch das Innenministerium zustimmen, dann soll in den nächsten Tagen die endgültige Genehmigung erteilt werden.

Im August hatte das Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), das im Auftrag der Landesregierung Messungen am Zwischenlager vornimmt, erhöhte Strahlenwerte gemessen. Sie warnten, dass der zulässige Strahlengrenzwert mit noch mehr strahlendem Müll im Zwischenlager überschritten werden könnte. Damit hätte der kommende Castor-Transport abgesagt werden müssen. Das NMU ließ nachmessen und nachrechnen – und kommt zu viel niedrigeren Werten. Doch wer sich die Berechnungen anschaut, stellt fest: Die Ergebnisse wurden zurechtgeschummelt. So wurde:

1. ein höherer Wert für die natürliche Hintergrund-Neutronenstrahlung abgezogen – damit verringert sich der Wert für die Strahlung aus dem Zwischenlager;

2. als Wert für die Gammastrahlung aus dem Zwischenlager der Wert Null ermittelt, obwohl die angewendeten Messmethoden mit großen Unsicherheiten behaftet sind. Und auch für das erste Halbjahr 2011 wurde die Gammastrahlung nachträglich gleich Null gesetzt, obwohl das NLWKN dort eine Gammastrahlung festgestellt hatte (für eine ausführliche Darstellung siehe dieses Hintergrundpapier von Greenpeace).

Mit dieser offenkundigen Schummelei biegt sich das NMU die Messwerte so zurecht, dass der Castor-Transport rollen kann. Doch von allen Seiten schlägt ihnen Protest entgegen: Über 50.000 Campact-Aktive fordern Umweltminister Sander beispielsweise mit einem Online-Appell auf, den Transport abzusagen. Am 15. Oktober veröffentlichten wir den Appell mit der Zahl der Unterzeichner/innen in einer Anzeige in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Doch Sander ignoriert den Protest.

Daher wollen wir vom 10. bis 23. November, kurz bevor der echte Castor-Transport durchs Land rollt, mit unserem Castor in Originalgröße auf Tour gehen – durch zehn Städte entlang der Castorroute. Enden wird unsere Tour in Berlin, wo wir von der Bundesregierung fordern: Kein Endlager in Gorleben! Jeder Castor-Transport ins Zwischenlager zementiert Gorleben als Endlagerstandort, obwohl der Salzstock geologisch völlig ungeeignet ist und aus rein politischen Gründen gewählt wurde. Alle Informationen zur Castor-Tour finden Sie hier.

Für Samstag den 26. November, während dann der „echte“ Castor bereits rollt, ruft ein breites Bündnis zu einer Großdemonstration in Dannenberg auf. Demonstrieren Sie mit! Alle Infos zur Demo gibt es hier.

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  1. Pingback: Der Castor rollt… schon ab morgen! | Campact Blog

  2. Könnte man nicht mit einer Klage mit einstweiliger Verfügung vorläufig den Transport stoppen?