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Hebammen bekommen Schützenhilfe von Merkel

Nitya Runte schöpfte gestern Abend neue Hoffnung. Die Hebamme hatte Bundeskanzlerin Merkel im Rahmen des sogenannten „Bürgerdialogs“ die Probleme ihres Berufsstandes geschildert: Angefangen von der viel zu geringen Vergütung für freiberufliche Hebammen (7,50 Euro netto in der Stunde), den ständig steigenden Haftpflichtbeiträgen, dem Verlust der flächendeckenden Hebammenversorgung in Deutschland bis zur zunehmenden Zahl von Kaiserschnitten. 99.000 Online-Votings von Bürgerinnen und Bürgern hatten es der Vorsitzenden der Initiative „Hebammen für Deutschland“ ermöglicht, ihr Anliegen persönlich der Bundeskanzlerin vorzutragen.

Die Bundeskanzlerin versprach, sich der gravierenden Probleme der Hebammen endlich anzunehmen und zu einer Gesprächsrunde mit dem Familien- und Gesundheitsministerium sowie den Hebammen einzuladen. Hebammen sei elementar wichtig für die Gesellschaft, daher müsse der Berufsstand erhalten bleiben, erklärte Merkel. „Die Aussagen der Bundeskanzlerin machen uns Hoffnung“, sagte Runte.

Erst letzten Freitag hatten wir gemeinsam mit den Hebammenverbänden die Bundesregierung aufgefordert, endlich etwas dagegen zu tun, dass immer mehr freiberufliche Hebammen die Geburtshilfe aufgeben, weil sie die stark steigenden Haftpflichtversicherungsbeiträge nicht mehr bezahlen können. Dort war auch zu spüren, wie verzweifelt viele Hebammen darüber sind, dass sie von dem Beruf, den sie lieben, kaum noch leben können. Zum 1. Juli 2012 sind die Beiträge für die Haftpflichtversicherung erneut gestiegen, von durchschnittlich 3700 Euro auf 4200 Euro jährlich.

Merkel steht unter massivem Druck
„Auch wenn Merkel sich nicht in ein möglicherweise laufendes Schiedsverfahren mit den Krankenkassen einmischen kann, haben wir Hoffnung, dass das Gesundheitsministerium und die Krankenkassen endlich reagieren und einer dringend nötigen Erhöhung der Vergütung der Hebammen endlich zustimmen“, so die Hebammenvertreterin.

Große Hoffnung auf Lösung der drängenden Probleme schöpft Nitya Runte aus den zugesicherten Gesprächsterminen. Spätestens bis Ende September soll ein gemeinsames Gespräch mit dem Gesundheitsministerium, dem Familienministerium und der Initiative „Hebammen für Deutschland“ im Kanzleramt stattfinden. Nitya Runte bekommt hierfür Unterstützung von den maßgeblichen Berufsverbänden DHV und BfHD. Sollte bei diesem Gespräch keine Lösung gefunden werden, werde sie sich erneut einschalten, so die Kanzlerin.

Merkels sogenannter „Bürgerdialog“ wird nicht zu Unrecht häufig als PR-Maßnahme kritisiert, die Bürgerbeteiligung mehr vorgaukelt, als ermöglicht. Denn die Bürgerinnen und Bürger treten der Kanzlerin im Bürgerdialog nur als Bittsteller gegenüber. Merkel musste also beweisen, dass sie die Bürger-Anliegen auch tatsächlich aufgreift.

Merkel stand zudem unter zunehmenden Druck der Öffentlichkeit, endlich zu handeln. Über 150.000 Menschen haben innerhalb weniger Wochen bereits den Online-Appell „Hebammen sind unersetzlich“ der Hebammenverbände und Campact unterzeichnet. Auch die Oppsitionsparteien setzten Merkel unter Druck, zuletzt forderte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach die Regierung auf, endlich für eine bessere Vergütung der Hebammen-Leistungen zu sorgen.

Wir beglückwunschen Nitya Runte und die Hebammenverbänden zu diesem Erfolg, denn das ist zuallererst ihr Verdienst. Jetzt braucht es schnell einen Durchbruch bei den Gesprächen, denn jeden Monat müssen durchschnittlich 23 Hebammen die Geburtshilfe aufgeben.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Das ganze System ärgert mich so, dass ich da lieber gar nicht erst anfange zu kommentieren.

  2. Pingback: Feuerwächter » Hebammen unverzichtbar?