AfD WeAct Campact Rechtsextremismus Europa LGBTQIA* Alltagsrassismus Allyship Antirassismus Protest

Brisant: EnBW wollte Atommüll nach Russland schicken

Aus den Augen, aus dem Sinn – nach diesem Prinzip würden die Atomkonzerne gerne mit dem Atommüll verfahren. Auch Jahrzehnte nach Beginn der Produktion von Atomstrom gibt es immer noch keinen Ort, an dem die gefährlich strahlenden Abfälle für die unvorstellbar lange Zeit von einer Million Jahre bestmöglich gelagert werden können. Deshalb wollte sich zumindest […]

Aus den Augen, aus dem Sinn – nach diesem Prinzip würden die Atomkonzerne gerne mit dem Atommüll verfahren. Auch Jahrzehnte nach Beginn der Produktion von Atomstrom gibt es immer noch keinen Ort, an dem die gefährlich strahlenden Abfälle für die unvorstellbar lange Zeit von einer Million Jahre bestmöglich gelagert werden können.

Deshalb wollte sich zumindest der Atomkonzern EnBW selbst behelfen, wie letzte Woche herauskam: Die Süddeutsche Zeitung berichtete über Pläne des Atomkonzerns, den Atommüll einfach in Russland zu entsorgen. Dort wäre dies deutlich billiger möglich – und viel unkomplizierter, weil Genehmigungsverfahren nicht so „langwierig“ sind. Die Standards für Atomanlagen in Russland sind viel niedriger als in Europa. Das hat Folgen: Die Gebiete rund um die Atomzentren Majak und Krasnojarsk etwa sind weiträumig radioaktiv verseucht. Billige Endlagerung auf Kosten der Sicherheit?

Aufhänger für die Überlegungen war der Rückbau des abgeschalteten EnBW-Meilers Obrigheim. Den vertraulichen Dokumenten zufolge lag sogar schon ein konkretes Angebot aus Russland dafür vor. Vorgesehen war ein Atomzentrum mit Schmelzofen und Zwischenlager für die strahlenden Teile aus dem deutschen AKW. Mit Option „zur Endlagerung von radioaktiven Betriebs- und Stilllegungsabfällen“ – also auch abgebrannten Brennelementen.

Datiert sind die Pläne auf das Jahr 2006. Die EnBW-Pläne liegen also schon eine ganze Weile in der Schublade. Man habe „mögliche Optionen im Ausland geprüft und wirtschaftlich, juristisch und technisch bewertet“, erklärte EnBW auf Anfrage der SZ. Aber die Pläne seien ja nicht umgesetzt worden.

Dafür wurden Anfang diesen Jahres Pläne des Umweltministeriums öffentlich, den Export von Atommüll zu erlauben. Der Protest war groß, so dass Umweltminister Altmaier hastig zurückruderte und eine Endlagerung im Ausland gar als „blühenden Unsinn“ bezeichnete. Der Fund der SZ belegt, dass dies in den Augen der Atomindustrie ganz und gar kein Unsinn ist.

Doch die Umweltminister Röttgen und Altmaier haben bislang auch kein glückliches Händchen für eine Endlagersuche hier in Deutschland bewiesen. Kungelrunden hinter verschlossenen Türen statt einer gesamtgesellschaftlichen Debatte über den Umgang mit Atommüll – so schafft man wieder nur ähnliche Konflikte wie in Gorleben. Wir fordern deshalb einen echten Neustart bei der Endlagersuche: mit einem breiten gesellschaftlichen Dialog und unter Ausschluss von Gorleben!

TEILEN

Autor*innen

Appelle, Aktionen und Erfolge: Darüber schreibt das Campact-Team. Alle Beiträge

4 Kommentare

Kommentare sind geschlossen
  1. Wird sich diese Notwendigkeit der Kontrolle – bei all und Jedem – irgendwann einmal ändern. Das glaube ich nicht. Wir werden immer besser aufpassen müssen.

Auch interessant

Atomkraft, Montagslächeln Montagslächeln: AKW-Abschaltung Atomkraft, Energie Aus(stieg). Das wars. Atomkraft, Poesie, Weihnachten Festlich Atomkraft, Klimakrise Meine wunderbare Woche (KW 45) Atomkraft, Corona Meine wunderbare Woche (KW 42) Atomkraft Meine wunderbare Woche (KW 41) Atomkraft, Energie, Hate Speech Meine wunderbare Woche (KW 36) Ampel, Atomkraft, Energie Warum Atomkraft uns jetzt gar nicht hilft Atomkraft, Europa, Podcast Der Taxonomie-Bluff: Grüner Anstrich für Atom und Gas – Theory of Change 20 Atomkraft, Europa ☢️ Achtung: Neuer Reaktor
Campact ist eine Bürgerbewegung, mit der über 3 Millionen Menschen für progressive Politik streiten. Wenn wichtige Entscheidungen anstehen, wenden wir uns mit Online-Appellen direkt an die Verantwortlichen in Parlamenten, Regierungen und Konzernen. Wir schmieden Bündnisse, debattieren mit Politiker*innen und tragen unseren Protest auf die Straße: mit großen Demonstrationen und lokalen Aktionen. So treiben unsere Kampagnen sozialen, ökologischen und demokratischen Fortschritt voran - für eine Welt, in der alle Menschen in Frieden leben und ihre Freiheit gleichermaßen verwirklichen können. NewsletterHilfe und FAQKontaktDatenschutzImpressumCookie Einstellungen