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Neue Studie zum Fracking: Die Illusion ist geplatzt

Was haben die Energiekonzerne uns beim Thema Fracking nicht alles versprochen: schier unerschöpfliche neue Vorkommen an Öl und Gas sowie phantastischer Reichtum durch deren Ausbeutung. Phantastisch sind diese Aussichten aber wohl nur insofern, als dass sie in das Reich der Phantasie gehören. Dies beweist eine vorgestern veröffentlichte Studie der Energy Watch Group, einem internationalen Netzwerk von Wissenschaftler/innen und Parlamentarier/innen.

Weltweit gehen die Vorräte in den wichtigsten Lagerstätten von Erdöl und Erdgas in naher Zukunft zur Neige. Vielfach ist das Fördermaximum bereits überschritten und die Fördermenge sinkt. Die Studie weist nach, dass weltweit das kombinierte Fördermaximum aller fossilen Energieträger bereits um 2015 erwartet werden kann. Das heißt, dass ab diesem Zeitpunkt die Fördermengen sinken, während gleichzeitig der globale Energiehunger wächst.

Deshalb setzen Energiekonzerne vermehrt auf Fracking: Mithilfe von Fracking wollen sie Erdgas und Erdöl aus Schiefer-, Sandstein- oder Kohleschichten pressen, wo es in kleinsten Poren und Bruchzonen enthalten ist. In Deutschland wollen die Energiekonzerne mit dieser Methode vorallem Erdgas gewinnen. Dazu wird eine Mischung aus Millionen Litern Wasser, Sand und Chemikalien mit hohem Druck, bis zu 1.300 bar, unter die Erde gepresst. Aus den so erzeugten Rissen kann das Gas entweichen und abgesaugt werden.

Doch die Studie der Energy Watch Group zeigt jetzt, dass diese mit großen Umweltrisiken verbundene Methode bei weitem nicht die Erwartungen erfüllt, die in sie gesetzt wurden. In den USA zeigt sich beispielsweise, dass Quellen von in Gestein gebundenem Öl und in Schiefer gelagerten Gas nach der Erschließung sehr schnell wieder versiegen. Teilweise verlieren sie 85 Prozent der Fördermenge schon im ersten Jahr. Auch diese „unkonventionellen“ Förderquellen werden also schnell ihren Höhepunkt erreichen – und dann umso schneller versiegen.

Zum anderen haben erst bestimmte geologische, politische und ökonomische Voraussetzungen den Fracking-Boom in den USA überhaupt möglich gemacht. Im dicht besiedelten Europa wäre eine breite Förderung ohne Rücksicht auf die Verseuchung von Böden und Gewässern dagegen nicht möglich. Praktisch überall in Europa sind wichtige Trinkwasserreservoire in der Nähe, die durch die beim Fracking verwendeten giftigen Chemikalien verseucht zu werden drohen.

Das Fazit ist so einfach wie klar: Fracking ist nicht geeignet, unser Energieproblem zu lösen. Nicht die Umstellung auf Erneuerbare Energien ist zu teuer und eine Belastung der Wirtschaft, sondern das Festhalten an Erdöl, Erdgas und Kohle wird uns zunehmend wirtschaftlich unter Druck setzen. Unsere Energieversorgung bleibt nur sicher und bezahlbar, wenn wir zu 100 Prozent auf erneuerbar umstellen.

11 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Auf Schatzsuche nach Öl und Gas: Was bringt die Zukunft fossiler Energieträger? | 123energie Blog

  2. Denk ich an Deutschland in der Nacht…
    Es ist schon traurig, daß Ingenieurwesen in Deutschland nicht mehr gefragt ist. Politiker entscheiden über technologische Entwicklung – Kernenergie? – ist nicht mehr zu verbessern, Stromspeicher? – die werden wir schon in wenigen Jahren haben. Popen sprechen von Grund- und Spitzenlast, „Umweltpolitiker“ (was für ein Unwort!) erklären eine Technologie für sehr gefährlich, die seit ca. 50 Jahren in Deutschland hundertfach Anwendung fand (neudeutsch „Fracking“), Thermodynamik wird ignoriert, um CO2 zum bösen „Klimagas“ umzufunktionieren (CO2 (Wasserdampf, Methan kühlen die Atmosphäre – das ergibt sich aus thermodynamischen Grundsätzen).
    …es wird Nacht in Deutschland für den Ingenieur

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  4. Hm komisch – trotzdem ist der Erdgaspreis in den USA durch den Fracking-Boom seit 2008 um zwei Drittel gesunken und das Land ist auf dem besten Wege vom größten Erdöl-, bzw. Erdgasimporteur zum Energieexporteur zu werden.Was sich übringens auch bei unseren Energiepreisen bemerkbar macht.

    Klar ist Fracking im dicht besiedelten Europa höchst gefährlich, aber mich ärgert die ständige PR und Propaganda VON ALLEN SEITEN in der Umwelt- und Energiepolitk. Irgendwelche Studien die nichts weiter unterstützen sollen, als die jeweilige Meinung des Auftraggebers und ich meine hier explizit nicht nur die Industrielobby (was schlimm genug ist), sondern auch die Halbwahrheiten der „unabhängigen“ Umwelt-NGOs, die ebenso gern mal den ein oder anderen Aspekt für das gewünschte Studienergebnis weglassen.
    Ich weiß, so funktioniert nun mal Meinungsbildung, aber ich würde mir mehr Sachlichkeit wünschen und nicht ständig irgendwelche Über- oder Untertreibungen der verschiedenen Gruppen – bei mir hat es dazu geführt, dass ich keiner Studien mehr vorbehaltlos glaube und damit auch nicht dem Oil-Peak 2015.

    BTW: 2012 wurde in Deutschland mehr CO2 emittiert als 2011, trotz höheren Anteil der Erneuerbaren am Energiemix – tolle Energiewende! Es bleibt noch viel zu tun….

    • Lieber Serge, ich verstehe einen Blog als Teil der Diskussion um ein Thema, und deshalb darf und soll der auch eine Meinung vertreten. Dass diese Meinung auch begründet ist, meine ich aber wohl. Ausführlicher als in meinen wenigen Zeilen findest Du das in der Studie, die ich Dir wärmstens zur Lektüre empfehle.
      Darin wird auch genauer (und sehr sachlich) dargestellt, dass und warum hohe Fördermengen in der Vergangenheit eben nicht dasselbe für die Zukunft bedeuten, sondern dass nach den leicht erschließbaren Quellen die immer schlechter und schneller erschöpften folgen. Auch in den USA.
      A propos sachlich: Du stellst hier nebenbei die Unabhängigkeit von Umwelt-NGOs in Frage und dass sie unerwünschte Studienergebnisse unter den Tisch fallen ließen. Das ist schon ein starker Vorwurf, vor allem wenn er so ohne Beleg geäußert wird.

  5. Atomstrom ist ja auch billig. Die Kosten für das Müllaufkommen übernehmen wir als Steuerzahler gerne, oder. Wenn man mal alle Kosten der jeweiligen Energieart von Anfang bis Ende auf den Tisch packen würde, wird sich zeigen, dass die erneuerbaren Energien nicht teurer sind als seltsame andere Verfahren. Aber schwarze Koffer sind sehr mächtig…

  6. ALSO Fazit daraus:
    Mehr Schaden als Nutzen! –
    Während die betreffenden Wirtschaftsunternehmen satte Gewinne aus dem bisschen Energievorkommen machen (können), muss die Allgemeinheit wohl oder übel für die bei Fracking entstandenen Schäden – an Umwelt und Natur allgemein – alleine aufkommen.
    Das erinnert mich an etwas:
    Richtig, es ist wie bei der Bankenkrise oder Eurokrise …
    Und wer macht so etwas möglich?
    Unsere politisch Verantwortlichen = Marionetten, Handlanger oder Erfüllungshilfen u.
    dgl. – für die allgemeine Wirtschaft …
    In Wahrheit scheint diese das Sagen im Lande zu haben!
    Von wegen Demokratie!
    Schon lange nicht mehr …

  7. Vielen Dank für den tollen Artikel. Es gibt nur einen Haken: wer sorgt dafür, dass Entscheidungsträger, Verantwortliche und Politiker das verstehen?

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