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Best of UmFAIRteilen aus Berlin, Bremen, Köln & Hamburg

In rund 100 Städten gingen heute Menschen auf die Straße, um gerechtere Verteilung des Wohlstands zu fordern: der zweite bundesweite UmFAIRteilen-Aktionstag ist ein voller Erfolg! Campact war in vier Städten unterwegs – aus Köln berichtet Sandra Schuttenberg, Björn Meyer aus Bremen, Rupert Richter aus Berlin und Annette Sawatzki aus Hamburg. Ein Best Of aus anderen Städten gibt es im Live-Blog von David Hengsbach nachzulesen!

Köln

Wissen, musikalisches Polit-Theater und Protest-Camp – alle Stationen per Fuß zu erreichen. Diesen Dreiklang hatte die kölsche Fraktion von UmFAIRteilen für die Bürgerinnen und Bürger vorbereitet. Attac Köln lud ein zum Bildungstag „Wem gehört die Welt?“ mit Ulli Müller von LobbyControl und informierte über Finanzhaie, Lobbyisten und die Vernetzung der Konzerne. Vom Bürgerzentrum gings dann auf zur Torburg am Eigelstein, wo die Pappnasen Rotschwarz als Robin Hoods und Reiche verkleidet sangen: „Wir werden umfairteilen, für alle reicht das Geld! Her mit eurer Pinke, Pinke – uns gehört die Welt!“ und mit einem riesigen Dagobert auftraten, der um sein Geld kämpfte. Für das umfairteilen Protest-Camp hatten sich gleich mehrere Frauen-Gruppen aus der Region zusammen getan. Mit ihren Zelten in türkis, weiß-lila und orange zogen sie auf der Domplatte die Blicke der vorbeiziehenden Menschenmengen auf sich, forderten per Megaphon: „Internationale Solidarität!“ und sangen Lieder der Frauenbewegung.

Köln_Sheriff-von-Nottingham_Feste(e)_Umfairteilen_am_EigelsteinKöln: Der „Sheriff von Nottingham“ ließ sich am Eigelstein blicken

Berlin

Nach einer herzlichen Begrüßung durch Uwe Hiksch von den Naturfreunden fällt um 13 Uhr bei rauem Wind der Startschuss fürs umfairteilen am Potsdamer Platz. Hunderte Menschen strömen zielstrebig zum Marlene-Dietrich-Platz, auf dem vor der Spielbank Berlin große Geldsäcke und zwei riesige Euromünzen ihrer Bestimmung harren. Eine Menschenkette bildet sich, und das Geld wird vom Spielcasino vorbei am „Finanzcasino“ (Filiale der Deutschen Bank) zum Potsdamer Platz gereicht bzw. gerollt und dort umfairteilt – für Bildung, Pflege, sozialen Wohnungsbau und andere wichtige Aufgaben, symbolisiert durch große Tafeln, die dort im Kreis liegen.
Nach dieser handfesten praktischen umfairteilen-Arbeit folgt der theoretische, aber nicht minder engagierte Teil des Aktionstages in Berlin. Mit einer empörten und kraftvollen Eröffnungsansprache von Ursula Engelen-Kefer (Sozialverband Deutschland) und weiteren Reden von VertreterInnen zahlreicher anderer Organisationen und Initiativen – u.a. attac, Berliner Energietisch, Blockupy, Campact, DIDF, Diakonisches Werk, Kotti & Co, Volkssolidarität Berlin, Weed.
Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von der Berliner Combo „IG Blech“, die mit Ihren Blasinstrumenten der Menge kräftig einheizt. Aus dem Publikum schallt hingegen Widerspruch, als Vertreterinnen der Parteien zum Gespräch auf der Bühne stehen. Die beiden Frauen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen müssen heftige Kritik einstecken. Denn die Parteispitzen von SPD und Grünen haben sich in den letzten Wochen wieder die Agenda 2010 schöngeredet und dafür sogar Exkanzler Gerhard Schröder auf die Schulter geklopft – ein Schlag ins Gesicht aller HartzIV-Empfänger/innen, Leiharbeiter/innen, prekär Beschäftigten und allen, die sich mit den Betroffenen solidarisieren.
Auch an den zahlreichen Ständen diskutieren die Menschen angeregt und tauschen Infomaterial aus. Zum Abschluss gegen 16 Uhr wird von der Bühne noch einmal auf die zahlreiche Aktionen hingewiesen, die bis zur Bundestagswahl noch stattfinden und dazu aufgerufen, sich vielfältig zu engagieren, damit es in Deutschland und anderswo wieder fairer und gerechter zugeht.

CastorTV hat den Aktionstag gefilmt.

berlinBerlin: Vor der Deutschen Bank kommt Reichtum in Bewegung

Bremen

Unter dem Motto „Etwas besseres als den Tod findest du überall“ fliehen Hahn, Katze, Hund und Esel im Märchen der Brüder Grimm vor ihren Besitzern und machen sich auf die Suche nach einer besseren Welt. Die Bremer Stadtmusikanten bildeten daher den perfekten Startpunkt für die Umfairteilen-Tour. Etwa 400 Bremer/innen zogen den kurzen Weg zur Bürgerschaft, um von der Politik entschlossene Maßnahmen für mehr soziale Gerechtigkeit zu fordern. Um selbige zu finanzieren wurden symbolisch mehrere Geldsäcke im Bremer ‚Bankenviertel’ um den Domshof eingesammelt und zum Finanzamt gekarrt. Von dort steuerte der Zug dann verschiedene Institutionen an, die die Mehreinnahmen der öffentlichen Hand sinnvoll verwenden könnten: die Senatoren für Gesundheit, Soziales, Wissenschaft und Bildung sowie die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewoba. Auf dem Weg durch die Wallanlagen trugen Mitarbeiter/innen des Umweltbetriebes zudem symbolisch das öffentliche Grün zu Grabe. Abschließend wurde am Gewerkschaftshaus anhand der dort installierten Reichtumsuhr noch einmal verdeutlicht, wo das für die verschiedenen öffentlichen Aufgaben benötigte Geld vorhanden ist.

Marktplatz vor der BürgerschaftBremen: Zwischenstopp der UmFAIRteil-Tour vor der Bürgerschaft

Hamburg

Nasskaltes Schietwetter – dennoch schwärmen seit 10 Uhr Umfairteiler/innen in kleinen Teams durch die Innenstadt bis ans Millerntor. Das Ziel: möglichst viele Unterschriften unter den Umfairteilen-Aufruf sammeln. Mit vom Regen durchweichtem Papier nicht gerade einfach… Die meisten Sammler/innen lassen sich davon aber nicht erschüttern, verteilen Flugblätter und suchen geschützte Fleckchen, um mit Bürger/innen ins Gespräch zu kommen. Als um 13 Uhr die Kundgebung vor dem Rathaus losgehen soll, streikt der Lautsprecherwagen – und die Kundgebung muss auf eine Low-Fi-Kurzversion reduziert werden. In großen Buchstaben bilden die Teilnehmer/innen den Schriftzug „Umfairteilen – Reichtum besteuern“ vor den Toren des Rathauses. Währenddessen jubelt ein Häuflein „Millionäre“ bei einer „Gegenkundgebung“ unter dem Motto „Steuern sind für Arme da – wir sind reich, wie wunderbar!“ und lässt Champagnerkorken knallen. Und dann lässt der Regen doch noch nach. Das „Red Dinner“ beginnt: an langen Tafeln teilen rund 100 Menschen mitgebrachten Speis und Trank.

hamburgWetterfestes „Red Dinner“ vor dem Hamburger Rathaus