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Eil-Appell: Schluss mit dem Bonus-Wahnsinn!


Diesen Mittwoch entscheidet das Europaparlament, ob endlich Konsequenzen aus der Finanzkrise gezogen und Boni für Fondsmanager auf die Höhe eines Jahresgehalts gedeckelt werden. Exorbitante Bonuszahlungen verleiten die Manager zu hoch riskanten Spekulationsgeschäften. Doch in letzter Minute scheren jetzt konservative und liberale Abgeordnete rund um den Frankfurter CDU-Abgeordneten Thomas Mann aus – und wollen die Regelung zu Fall bringen.

Viele deutsche Unions-Abgeordnete sind noch unentschieden, wie sie am Mittwoch abstimmen. Klientelpolitik für Investmentfonds – das macht sich nicht gut bei den Wählerinnen und Wählern. Jetzt wollen wir ihnen mit unserem Eil-Appell klar machen, dass wir ihre Entscheidung genau beobachten. Jede Unterschrift erhöht den Druck auf die unentschiedenen Abgeordneten.

Unterschreiben Sie den Eil-Appell!

Zunächst hatten auch konservative Abgeordnete einem Stopp der Bonus-Exzesse mittels einer Richtlinie zugestimmt. Dadurch gab es eine deutliche Mehrheit im Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europaparlaments. Doch dann kam es zu einer verhängnisvolle Absprache zwischen einzelnen deutschen und britischen Konservativen und Liberalen: Während den Briten die Begrenzung der Boni ein Dorn im Auge war, wollten die Deutschen mehr Möglichkeiten für die Fonds, mit Gebühren ihren Profit zu steigern. Schließlich machte sich der CDU-Europaabgeordnete Thomas Mann aus Frankfurt am Main zum Wortführer einer verbraucherfeindlichen Wende. Er will nun mit Änderungsanträgen beide Verbesserungen wieder kassieren.

Die Abstimmung findet im Plenum des Europaparlaments in namentlichen Abstimmungen am 3. Juli statt. Wenn Mann und seine Unterstützer sich durchsetzen, kann das Europaparlament in den bevorstehenden Verhandlungen mit dem Rat der Mitgliedsländer die Begrenzung der Boni und das Ende der Abzocke bei den Gebühren nicht mehr vertreten. Beides wäre damit gescheitert.

Diese Politik widerspricht dem, was die Partei in ihrem Wahlprogramm den Wähler/innen verspricht. Die Unions-Fraktion im Europaparlament ist gespalten, viele Abgeordnete ringen noch mit einer Entscheidung.

Die Union muss jetzt beweisen, dass ihr die Bewältigung der Finanzkrise wichtiger ist als die Interessen einer winzigen Gruppe von Top-Verdienern. Einheitliche und klare Grenzen für Boni in Europa bieten die Chance, von Europa aus auch die globalen Finanzmärkte zu stabilisieren.

Wegen der Dringlichkeit der Sache wird Campact die Unterschriften unter den Appell den Abgeordneten bis zur Abstimmung am Mittwoch stündlich zustellen. Ich habe den Parlamentariern außerdem angeboten, über Campact an alle Unterzeichner/innen zu antworten. Ich hoffe sehr, dass wenigstens einige von ihnen dieses Angebot zum Dialog nutzen!

Unterschreiben Sie unseren Appell:

7 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Nicht nur Boni-Beschränkung sondern auch Knast für kriminelle Bankster ! Zinsmanipulation usw. und kein Victory wie Bankster Ackermann vorm Richter.

  2. Der Appell spricht leider nicht das Problem der Asymmetrie bei den Perfomance Fees an, wie es hier erklärt ist:
    Das Ringen um Fonds-Gebühren
    EuroFinUse call on MEPs for equitable performance fees

    Auch bei den Manager-Boni besteht das Problem darin, dass den Boni keine entsprechenden Mali gegenüberstehen, nicht in der Relation zwischen Boni und Jahresgehalt. Solange es für die Fondmanager bei guter Performance Gehalt plus Bonus und bei schlechter Performance zwar keinen Bonus, aber auch keinen Malus, und ein immer noch gutes Gehalt gibt, ist es für sie interessant, hohe Risiken einzugehen.

    Eine gesetzlich festgelegte Relation zwischen maximalen Boni und Gehältern kann sogar noch eine Erhöhung der Gehälter bewirken und damit noch weniger Risiko für die Fondmanager.

    Grüße — elu

    • Lieber elu, Du hast recht. In einer frühen Version des Appells hatte ich die Performance Fee drin und habe sie dann wieder hinausgeworfen, weil es einfach sehr kompliziert zu erklären ist. Ich habe in den Hyperlinks zum 5 Minuten-Info auf Quellen verwiesen, die das Problem ganz anschaulich erläutern. Für Leute, die tiefer ins Thema einsteigen wollen.
      Zu Deinem zweiten Punkt: Es geht nicht primär darum, dass die Fondsmanager weniger Risiko haben. Es geht darum, zu vermeiden, dass überzogene Boni zu riskantem Anlageverhalten verführen. Deshalb wurde eine Deckelung der Boni der Bankmanager beschlossen. Und diese Deckelung muss im ganzen Finanzsektor einheitlich eingeführt werden, um Ausweichbewegungen zu vermeiden.

  3. Wo gibt es weitere Informationen zu der Richtlinie und zu den angesprochenen Änderungsanträgen (Text der Richtlinie und der Änderungsanträge)?

    Gruß
    Stefan

  4. Hallo, dann aber auch die Gehälter und sonstiges Deckeln! Gruß Hartmut

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