Essen statt E10: Agrosprit aus dem Tank verbannen!

Wir jagen Nahrung durch den Auspuff – während Millionen Menschen hungern. Am Freitag verhandelt die EU über den Ausstieg aus dem Agrosprit, Deutschland mauert noch. Wenn wir jetzt schnell reagieren, können wir die Blockade auflösen. Unterzeichnen Sie unseren Eil-Appell! Wer an der Zapfsäule E10-Benzin oder Diesel in seinen Wagen füllt, denkt nicht unbedingt: Gerade läuft…

Wir jagen Nahrung durch den Auspuff – während Millionen Menschen hungern. Am Freitag verhandelt die EU über den Ausstieg aus dem Agrosprit, Deutschland mauert noch. Wenn wir jetzt schnell reagieren, können wir die Blockade auflösen.

Unterzeichnen Sie unseren Eil-Appell!

Wer an der Zapfsäule E10-Benzin oder Diesel in seinen Wagen füllt, denkt nicht unbedingt: Gerade läuft auch Essen in meinen Tank. Doch Weizen, Zucker, Palmöl und Raps werden als Agrosprit zwangsweise beigemischt. Dies bedeutet Hunger für Menschen weltweit, etwa in Burkina Faso, Guatemala und Indonesien. Denn umso mehr Nahrung im Tank landet, desto höher steigen die Preise für Lebensmittel. Und Familien, die schon jetzt beinahe ihr gesamtes Einkommen für Essen ausgeben, können es sich dann schlicht nicht mehr leisten.

Die EU-Kommission hat deshalb eine Initiative gestartet, damit die Hersteller unseren Kraftstoffen nicht noch mehr Agrosprit beimischen. 2020 soll mit der Förderung von Agrosprit ganz Schluss sein. Schon diesen Freitag verhandeln die EU-Botschafter den Plan – und Deutschlands Stimme ist entscheidend. Bisher wollen Umweltminister Peter Altmaier und Kanzlerin Angela Merkel dagegen stimmen – unbemerkt von der Öffentlichkeit, die gebannt die Koaltionsverhandlungen verfolgt. Das können wir durchkreuzen – wenn wir jetzt klarmachen, dass die Bürger/innen Hungersprit nicht länger dulden.

Essen statt E10 – hier klicken und Appell unterzeichnen…

Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind. Agrosprit sei deshalb ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, sagt der frühere UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler. 90 Prozent der EU-Biokraftstoffe werden aus essbaren Pflanzen hergestellt. Würde die EU auf die Beimischung verzichten, könnten mehr als 120 Millionen Menschen von der dadurch verfügbaren Nahrung satt werden.

Deutschland ist der größte Hersteller und Verbraucher von Agrosprit in der Europäischen Union. Doch statt den Agrosprit-Anteil von derzeit fünf Prozent in der EU zu senken, will die Merkel-Regierung ihn sogar erhöhen – und bis zum Jahr 2030 garantieren, zehn Jahre länger als bisher geplant. Wir sind überzeugt: Wir können das gemeinsam verhindern, wenn wir jetzt aktiv werden.

Wir haben gute Erfahrungen gemacht bei unser Kampagne gegen Nahrungsmittelspekulationen, der anderen großen Ursache für steigende Lebensmittelpreise. Mehr als 240.000 Unterschriften, Demos in Berlin und Frankfurt, ein dreihundertköpfiges Protestorchester: der öffentliche Druck veranlasste nicht nur eine Bank zum Ausstieg aus dem Hunger-Geschäft, sondern auch Finanzminister Schäuble, wichtige Teile unserer Forderungen zu übernehmen.

Hieran knüpfen wir mit der Kampagne für einen Agrosprit-Stopp an. Bitte unterstützen Sie uns dabei – und unterzeichnen Sie jetzt den Appell:

Hier klicken und online unterzeichnen…

Übrigens drängen nicht nur Entwicklungs-Organisationen und viele Wissenschaftlerinnen, dass Agrosprit von den Zapfsäulen verschwindet – sondern auch Organisationen wie Weltbank, WTO und OECD. Denn selbst sein Beitrag zum Klimaschutz ist bestenfalls gering – und bei manchen Sprit-Sorten sogar negativ, wenn alle Emissionen berücksichtigt, die durch den Anbau der Energiepflanzen entstehen.

8 Kommentare

  • Ehrlich gesagt, habe ich mir darüber noch nie solche Gedanken gemacht. Ich tanke auch E10, weil es eben billiger ist. Ich denke mal, dass ich mich mit dem Thema intensiver auseinandersetzen muss.

    Schöner Artikel!

  • von Matt Kick

    Hallo, tut mir leid, aber euere Darstellung ist tendenzös und vermittelt nicht mal Halbwissen. Was passiert bei der Herstellung von Biokraftstoffen aus Getreide, Zuckerüben oder Raps? Den Saaten wir das C – der Kohlenstoff – entzogen. Zurück bleiben Stoffe/Produkte mit hohen Anteilen an Protein/Eiweiß. Aktuell werden diese in der Tierfütterung eingesetzt und ersetzen dort die Importe von Soja-Futter. Wird aus Zuckerrüben, welche auf einem Hektar wachsen, Bioethanol hergestellt, fällt eine Proteinmenge an für die Sojabohnen eine Anbaufläche von 1,3 Hektar benötigen.
    Natürlich kann man die Flächen auf denen Pflanzen wachsen, welche zur Biokraftstofferzeugung genutzt werden, hochrechnen wie viele Menschen damit ernährt werden können. Andererseits frage ich mich warum wir diese Rechnung nicht aufstellen, wenn wir die Landwirte auffordern 10 Prozent oder mehr ihrer Flächen stillzulegen. Ok hab schon gelernt, heute heißt das in der EU Agrarpolitik ökologische Vorrangflächen. Auch auf diesen Flächen kann man Nahrungsmittel erzeugen. Wenn wir dann hochrechnen wie viele Menschen damit ernährt werden könnten, wäre die Zahl wahrscheinlich noch höher. Wir haben dann eine „Blumenwiese vs. Nahrungsmittel“
    Biokraftstoffe sind nicht die Lösung unseres Energiehungers. Biokraftstoffe können aber gerade in den Entwicklungsländer dafür sorgen, dass sich regional Kreisläufe aufbauen. Triebstoffe für Maschinen (Wasserpumpen, Traktor usw.) und Eiweiß. Natürlich nicht auf allen auf Flächen, vielleicht auf 10-15 Prozent. Das ist wahrscheinlich weniger als die Zugtiere benötigen. Ich hab gelesen, dass in Deutschland um 1900 herum, über 30 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen zur Fütterung der Zugtiere verwendet wurden. Von daher ist die Energieerzeugung in der Landwirtschaft nicht neu und wenn Sie im Rahmen abläuft sicherlich aus nicht schlecht. Ich glaub nicht, dass durch ein Aufleben der EU-Exportpolitik der Hunger in der Welt nachhaltig bekämpft wird – diese Erfahrung haben wir zumindest in der Vergangenheit gemacht. Ok, dann machen wir die ökologischen Vorrangflächen.
    Das Leben könnte richtig einfach sein in meiner Welt!

    • von Will

      Danke.Ich habe schon gedacht ich bin nur noch von D****** umgeben.
      Was hier läuft treibt mir wirklich Schaum vors Maul.
      Interessant zu sehen wie die Mineralöllobby wieder mal ganze Arbeit geleistet hat.
      Ich fand campact immer ganz gut.Aber wenn ich sehe wie unkritisch hier auf den Zug gegen Biokraftstoffe aufgesprungen wird, bin ich echt nur noch sprachlos.
      Nochmals danke für Ihre Kritik und der Bemühung die Dinge ins rechte Licht zu rücken.
      Stephan Will-Rohstoffhändler

    • von Annette Sawatzki

      Als Rohstoffhändler sollten Sie eigentlich wissen, dass die großen Mineralölkonzerne seit langem zu den Groß-Investoren im Agrospritbereich gehören und kräftige Profite damit machen. Ein schon etwas älterer Überblick in Business Week hier: http://www.businessweek.com/articles/2012-05-10/big-oils-big-in-biofuels

      Ich hoffe, Sie sind des Englischen soweit mächtig, dass Sie die Substanzlosigkeit Ihres Kommentars einsehen und sich gelegentlich den Schaum vom Mund wischen. Ich habe mir vorbehalten, Ihre Beleidigungen hier nur gezielt zu ***en. Es gibt hier eine Netiquette. Wer wie Sie andere als „Dummköpfe“ beschimpft, wird ansonsten gelöscht.

  • von Peter Maierhöfer

    Hallo !
    Ich verstehe nicht, wieso Aufrufe , Aktionen zu unterstützen mit einem so drängenden „uns bleiben nur noch xx Stunden“ etc. versehen werden. Unsere Politiker haben doch nicht erst seit wenigen Stunden entschieden irgendeinen Mist durchzusetzen. Was soll das ?

    • von Steffen Kraft

      Am Freitag verhandeln die Ständigen Vertreter der EU-Staaten über den Agrosprit-Stopp. Zu diesem Zeitpunkt sind unsere Chancen, etwas zu verändern, besonders hoch. Umso wichtiger ist, dass der Protest zielgenau einsetzt.

  • von Torsten Schulze

    Wegen E10 verhungert niemand. Die einzigen die es wirklich trifft ist die Mineralölkonzerne, die 10 % des verkauften Sprits nicht mehr beherrschen und somit langsam ihre Monopolstellung verlieren. Kein Wunder das seit Einführung von E10 eine Kampagne nach der anderen gegen den Biosprit in den Medien gefahren wird. Erst waren es die Automotoren die den Sprit angeblich nicht vertragen, dann die Hungernden auf der Welt. Jetzt haben sie auch Campact als Sprachrohr gewonnen. Glückwunsch. Hoffentlich revanchieren sie sich wenigsten mit ein paar Großspenden…

    • von Will

      Danke , ich dachte es gibt hier nur noch D*******, und das bei Campact.
      Da sieht man wirklich wie gut die Mineralöllobby arbeitet.
      Campact checkt anscheinend gar nichts mehr….
      Stephan Will-Rohstoffhändler

Kommentare sind geschlossen.

Veröffentlicht von Annette Sawatzki

Annette Sawatzki, Jahrgang 1973, studierte Philosophie, Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Bonn, Berkeley und Hamburg. Sie arbeitete als Dokumentarin, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Büroleiterin von Bundestagsabgeordneten. Ihre Schwerpunkte als Campaignerin bei Campact liegen in der Sozial-, Wirtschafts- und Finanzpolitik.