Wollen wir unseren Kindern ein Konzern-Internet hinterlassen?

Florian (8) erklärt in einem Video, warum die Pläne der EU-Kommission die Zukunft des freien Internets bedrohen.


Das EU-Parlament entscheidet am Donnerstag den 3. April 2014 über die Zukunft des Internets. In dem Vorschlag der EU-Kommission sind gefährliche Lücken, die Großkonzerne bevorzugen. Ein Zwei-Klassen Internet droht. Was das genau bedeutet, erklärt dieses Video.

Zum Hintergrund:

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit plant die EU-Kommission einen Anschlag auf die Meinungsfreiheit: Sie will, dass Konzerne künftig eine bevorzugte Behandlung ihrer Fotos, Videos und Texte in Datenleitungen kaufen können. Gehen die Pläne kommende Woche unverändert durch das Europaparlament dürften in Zukunft wenige Großunternehmen entscheiden, was wir Bürger/innen im Internet zu sehen und zu lesen bekommen.

Denn Wikipedia, unabhängige Medien und kleine Firmen können sich keine Internet-Maut leisten. Medienkonzerne hingegen schon. Nur ihre Inhalte würden dann noch verlässlich viele Menschen erreichen – und die anderer Anbieter, politischer Initiativen und Start-Ups verdrängen.

Doch viele Abgeordnete sind noch unschlüssig – und direkt vor der Europawahl will es sich niemand mit den Wähler/innen verscherzen. Insbesondere Liberale und Christdemokraten schwanken.

Das ist unsere Chance, den unentschlossenen Abgeordneten klarzumachen: Wir Bürger/innen dulden keine Sonderrechte für Konzerne. Wenn mindestens 75.000 Menschen unseren Appell für Netzneutralität unterzeichnen, wollen wir ihn den Wackelkandidat/innen öffentlich übergeben:

Der freie Zugang zu Informationen hängt von einem neutralen Datentransport im Internet ab. Bislang konnten kleine und große Anbieter das Internet weitgehend gleichberechtigt nutzen: Alle Informationen wurden gleich schnell durchgeleitet, egal ob nun etwa der Springer-Konzern, eine Bürgerinitiative oder eine Start-Up-Firma sie losschickte. Dank dieser so genannten „Netzneutralität“ konnten sich bis heute unzählige Nachrichtenseiten, Online-Shops, Internet-Telefonie- und Video-Dienste im Internet etablieren. Doch immer mehr Konzerne wollen Profit über Chancengleichheit und Vielfalt stellen.

Das Zwei-Klassen-Internet drohtEine Lücke in der Netzneutralitäts-Verordnung der EU-Kommissarin Neelie Kroes könnte Diskriminierung einzelner Angebote nun per Gesetz hochoffiziell zum Standard erheben: Wird diese Lücke nicht geschlossen, dürften Großunternehmen sich bald in ganz Europa eine schnellere Durchleitung ihrer Inhalte in Datenleitungen kaufen – auf Kosten aller anderen Informationsangebote.

Für viele – nicht nur jüngere – Menschen ist das Internet heute schon die Informationsquelle Nummer Eins. Bei unseren Kindern und Enkeln wird es auf jeden Fall so sein. Wenn das Internet keine von Konzernen kontrollierte Zone werden soll, müssen wir jetzt aktiv werden.


Jetzt Appell direkt online unterzeichnen!

9 Kommentare

  • von Heiko Hallmann

    Ich denke eigentlich ist die Infratstruktur eine Hoheitliche Politische Aufgabe.
    Der Staat ist in der Verantwortung für den Netzausbau, das Internet flächendeckend zur Verfügung steht etc. Solange der Ausbau nur Privatunternehmen überlassen wird werden Regionen abgehängt. Soweit ich weiss wurden damals bei der Privatisierung der Post gewisse Auflagen an die (damals) Telekom und Post gemacht das Sie diesem Auftrag nachkommen müssen. Hier könnte, müsste die Politik fordernder auftreten.
    Das man versucht, Kosten die durch den Traffic verursacht werden von den Verursachern einzufordern ist denke ich mal legitim. Aber wie bei der LKW Maut, kann man damit keine Vorrechte verbinden. Es gibt auf der Autobahn keine Regelung ich zahle bei der Maut 10 % mehr und habe dafür eine Extraspur bei Stau.
    Im Prinzip müsste man Netzanbieter klar von Inhaltsanbietern trennen, auch gegenseitige Aktien/Unternehmensbeteiligungen müssten Kartellrechtlich ausgeschlossen werden.

    Aus meiner eigenen Erfahrung mit 27 Jahren Internet Uni, danach mit 16 Kb Modem, glaube ich aber nicht unbedingt das aus der Infrastrukturellen (Netzknappheit) Inhalte nicht übermittelt werden, sondern eher aus Politischen Gründen oder „Irrelevanz“.
    Wer schaut sich bei einer Suche noch die 394 Ergebnisseite bei Google an.
    Von daher gibt es quasi eigentlich schon einen „Werbezwang“ bei Google Adwords.
    Abgesehen von den aus diesen Gründen eingeblendeten Ergebnissen, die ja meist auch noch gesondert gekennzeichnet sind, finde ich die Ergebnisse der Suchen doch noch erstaunlich objektiv. Auch beim Download/Streaming von Inhalten, würde ich bisher eher eine Überforderung der Sourcen zu bestimmten Zeiten, als eine Überforderung der Infrastruktur sehen (gefühlter Erfahrungswert).
    Tja, nun habe ich quasi einen Widerspruch aufgebaut, einerseits sollte der Staat für die Infrastruktur zuständig sein, andererseits hat die evtl. gerade zuständige Regierung ein Interesse daran bestimmte (politisch kritische) Inhalte zu blocken. (Erdogan, Putin, etc.)
    Bisher haben die Benutzer (eigentlich eher nur wenige „freaks“) Möglichkeiten gefunden diese Blockaden zu umgehen. Ich muss zugeben ich war mir bisher auch zu bequem um meine mails zu verschlüsseln über Subnetze zu surfen etc.
    Aber ich denke je nachdem wie die Politik agiert, wird es darauf ankommen, die Nutzer besser über ihre Möglichkeiten zu informieren.
    Lange Rede kurzer Sinn…
    Fazit: Es muss eine klare Trennung von Netzanbietern und Inhaltsanbietern geben.
    Eine Bezahlung der Netzanbieter darf sich nur am aufkommenden Datenvolumen orientieren.
    Wer Datenvolumen verursacht muss diese auch zahlen, eine technische Priorisierung darf es nicht geben, höchstens Rabattstaffelungen nach Datenvolumen.

  • von Stef

    Ich stimme Flo zu. Es reicht nicht zu behaupten, „eine Lücke in der Netzneutralitätsverordnung“ sorge dafür, dass Konzerne sich eine schnellere Leitung kaufen könnten. Das muss schon exakt und detailliert erklärt werden, damit ihr meine Unterschrift bekommt.
    Bitte denkt auch in Zukunft daran: Plakative Überschriften sind gut. Texte, welche die Überschriften detailliert und konkret nachweisen, sind aber auch sehr gut. ;)
    Viel Erfolg!

  • von Steffen

    Es ist doch schon eigentlich erbärmlich, dass wir jedes Mal mit diesen Petition hier zu Kreuze kriechen müssen, ob diesen Tyrannen und Schachköpfen den Hinweis zu geben, dass wir das (und vieles anderes) nicht wollen.
    Würden diese Tyrannen und Schachköpfe unsere Interessen vertreten, wodrauf die eigentlich einen Eid geleisten haben, hätten wir nicht jede Woche ein dutzend Petitionen.

  • von Tobi

    Leider kann ich die Petition nicht unterzeichnen. Die Seite ist inaktiv.

  • Ich finde das Video auch ziemlich unpassend und würde es austauschen.

  • von Flo

    Das Video erklärt quasi gar nichts und ist lächerlich. Wenn man schon so ein tiefgreifendes Thema bringen will, das anscheinend (ja, sicher) so wichtig ist, dann finde ich es plump, einen nichtmal einminütigen Clip auf Youtube als „Erklärung“ hinzuschmeißen. Da wars dann wohl die Erklärung selbst nicht wert und wer schon von Zweiklassengesellschaft redet, der möchte bitte gleich auch weiterdenken und Leute ohne Möglichkeit auf Youtube in ländlichen Gegenden mit Infos in Textform und harten Fakten versorgen. Und dann solls ja noch Leute geben, die taub oder anderes sind, aber die sind wohl auch nicht so wichtig. Da ist ja der Text länger, der hier Infos zur „Autorin“ darstellt. Also noch alberner gehts mit Verlaub ja wohl kaum noch. Nicht einmal für weiterführende Links hats gereicht, wenn man schon selber keine Lust zum Schreiben hat, oder sie verstecken sich irgendwo hinter dem JS-Gedöns, welches auch nicht gerade für sich spricht. Und dann kommt man mit so hochtrabenden und appelierenden Titeln an? Wirklich nicht…

    • von Sandra Schuttenberg

      Wir werden gleich mal die Erklärung aus dem Blogbeitrag von gestern drunter packen und auch schon oben im Text zur 5-Min-Info verlinken. Danke für den Hinweis, Flo.

    • von TL

      So wahr!

Kommentare sind geschlossen.

Kahtarina Nocun
Veröffentlicht von Katharina Nocun

Katharina Nocun ist studierte Ökonomin und beschäftigte sie sich mit den Auswirkungen der technologischen Revolution auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie engagiert sich in der digitalen Bürgerrechtsbewegung für eine lebenswerte vernetzte Welt. Sie war 2013 Politische Geschäftsführerin und Themenbeauftragte für Datenschutz der Piratenpartei Deutschland und arbeitete als Referentin und Campaignerin u.a. für den Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), Campact e.V. und Wikimedia Deutschland e.V.. Katharina Nocun ist Botschafterin für die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen und Mitglied im Beirat des Whistleblower-Netzwerks und bloggt regelmäßig unter http://www.kattascha.de. Folge Katharina auf Twitter: https://twitter.com/kattascha