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Es verspricht ein Jobwunder, doch tatsächlich ist es eine Falle


Wer vom Jobwunder durch TTIP träumt, könnte ein böses Erwachen haben. Zwei Studien, die dieses Wunder eigentlich versprechen zeigen bei näherem Hinsehen nämlich eines: TTIP ist in Wahrheit ein Jobkiller. 1,3 Millionen Jobs könnten verloren gehen.



Um das herauszufinden braucht es einige Detektivarbeit und man muss, statt nur die Zusammenfassung zu lesen, tief hinten in den Datentabellen nachschauen. Und man darf, wie beim Gehalt, niemals Brutto und Netto verwechseln.

Fangen wir mit einer Studie vom ifo-Institut an. Sie verspricht durch TTIP 181.000 neue Jobs allein in Deutschland. Zu dieser Zahl gibt es dreierlei zu sagen:

  • Dieser Zuwachs an Beschäftigung ist winzig, er entspricht gerade einmal 0,06 Prozent der Erwerbstätigen im Jahr 2012.
  • Ob es überhaupt zu diesem Zuwachs kommt, ist fraglich, denn die der Studie des ifo Instituts zugrunde liegenden Annahmen sind höchst unsicher.
  • Es handelt sich um Nettogewinne. Die Realität dahinter könnte sein: 1 Million Menschen verlieren ihren Job während 1,18 Millionen Menschen einen Job finden.

Dieses Rechenspiel bedeutet für die Menschen, die einen Job verlieren erst einmal nichts. Die Angestellte des Stadttheaters in Bremen hat wenig von einer neu angebotenen Stelle für Mechatroniker in Stuttgart.

In einer weiteren ökonomischen Studie, die das Centre for Economic Policy Research (CEPR) im Auftrag der EU-Kommission erstellt hat, werden die Jobverluste genauer beziffert. Selbst diese sehr einseitige und wegen methodischer Defizite heftig kritisierte Studie liefert die Erkenntnis, dass im „ambitionierten Szenario“ mindestens 1,3 Millionen Menschen durch TTIP ihren Job verlieren werden. Um dies herauszubekommen muss man die Prozentwerte, die in der CEPR-Studie auf Seite 77 unten genannt werden mit der Zahl der Beschäftigten in der EU (243,2 Millionen) multiplizieren.

Auch andere brisante Zahlen werden in der Studie nur als Prozentangaben genannt: Sieben Prozent aller Beschäftigten in der Elektro-Branche werden auf die Straße gesetzt (ebenda, S. 73,75). Ohne genau zu wissen welche Wirtschaftszweige dazugezählt wurden, lässt sich die Zahl der betroffenen Menschen leider nicht errechnen.

Die Autoren der Studie behaupten, dass die Jobverluste durch Gewinne in anderen Branchen ausgeglichen werden. Abgesehen davon, dass dies einzelnen Betroffenen im Normalfall wenig nützt, ist bei dieser Art Versprechen Misstrauen angebracht.

In den USA erinnern sich die Menschen an die Versprechen, die Ihnen im Zusammenhang mit NAFTA gegeben wurden. Statt der versprochenen Nettogewinne gibt es dank NAFTA in den USA 700.000 Jobs weniger – und zwar Netto. Uns sollte das eine Warnung sein.

9 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Das mit den 0,06% kann so nicht stimmen, außer wir haben 300 Millionen Erwerbstätige in Deutschland. Ich komme auf 0,43% (181.000 / 42.5 Millionen).

  2. Warum wird über zwei Studien geschrieben, die aber nicht – als PDF-Datei oder über einen Link zu öffnen wären – über diesen Artikel zugänglich sind?
    Wenn man sich über derart brisante Themen äußert, sollte man die Belege auch präsentieren.

  3. Allein die Tatsache wie heimlich TTIP verhandelt wird, sollte ausreichen, um hier zumindest skeptisch zu werden. Nicht mal unsere Politiker bekommen Einblick in das Vertragswerk. Das Argument: Die Unterlagen der USA sind urheberrechtlich geschützt. Hallo!?! Achtung: Wir verkaufen unsere Demokratie.

  4. Warum erwähnt ihr nicht mal wieviele Arbeitsplätze uns diese schwachsinnigen Sanktionen gegen Russland bescheren?
    Jeder sollte doch hier erkennen das alles was dort passiert nur Propaganda, der vom Westen iniziert ist darstellt!
    Schon alleine das eine Volksabstimmung illegal sein soll.
    Das sollte doch schon jedem Bürger die Augen öffnen wie hier Politik betrieben wird.
    Wenn ihr meine Unterstützung wollt dann berichtet doch auch mal bitte von solchen Ereignissen die uns vielleicht in den 3ten Weltkrieg stürzen.
    Dann bin ich auch gerne bereit 5€ zu spenden!
    Lg

    • Ich erwähne es nicht weil es mit dem Thema nichts zu tun hat.

  5. Finde es immer recht wieder interessant, was ihr hier schreibt. Unterzeichne auch fast alles euch vertrauend. Obwohl ich ja in wenigen Jahren in Rente gehe, bleibt es trotzdem interessant. Was mich interessiert, ist, wo ihr eure Infos herhabt. Findet man diese Abkommen hier komplett oder teilweise im Net und wie vertrauenswürdig sind diese. Könntet ihr nicht mal dazu ein paar Links hier veröffentlichen?

    Danke für eure Mühe und euren Einsatz.
    LG Günther

    • Ich habe die Quellen dieses Artikels im Text verlinkt. Für die Auswertung dieser Quellen hatte ich Hinweise zum Beispiel von John Hilary von War on Want und vielen anderen Experten, die nur per E-Mail vorliegen.

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