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Massentierhaltung: Diese Düngeverordnung überflutet uns mit Gülle

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat einen Entwurf für eine Überarbeitung der Düngeverordnung vorgelegt. „Das ist alles Scheiße“, ist in diesem Fall eine sachliche Bewertung, denn der Entwurf zum Umgang mit Gülle kommt eher als Überdüngungsverordnung daher. Das bedeutet für uns: Gülle im Trinkwasser. Es Zeit für die Agrarwende.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat einen Entwurf für eine Überarbeitung der Düngeverordnung vorgelegt. „Das ist alles Scheiße“, ist in diesem Fall eine sachliche Bewertung, denn der Entwurf zum Umgang mit Gülle kommt eher als Überdüngungsverordnung daher. Das bedeutet für uns: Gülle im Trinkwasser. Es Zeit für die Agrarwende.

Aktion Agrar: Kampagnenmotiv: Gülleflut stoppen

Die Bauernhöfe aus der Werbung gibt es nicht mehr

Die industrialisierte Landwirtschaft setzt auf billiges Fleisch und ist fixiert auf Wachstum und Export. Kleine und mittelgroße Höfe können nicht mehr mithalten. Fleischriesen und Großmolkereien schwärmen vom Weltmarkt. Das Werbebild der idyllischen Höfe, das sowohl der Bauernverband als auch Handelsketten und Lebensmittelindustrie so gerne verwenden, ist Bilderbuchmaterial jenseits der Realität.

Was bei Tierfabriken hinten raus kommt, führt zur Belastung des Grundwassers

Bei Aktion Agrar arbeiten wir seit letztem Herbst zur Düngeverordnung, denn die Tierhaltung entwickelt sich besonders rasant in eine fatale Richtung. Ziel muss es sein, zu jedem Betrieb einen Tierbestand zu haben, den das umliegende Land verträgt (= flächengebundene Tierhaltung). Dafür ist es notwendig, sich mit Gülle zu beschäftigen, also dem, was bei Tierfabriken hinten raus kommt. Die Riesenmengen organischer Dünger, die ja irgendwo hin müssen, sorgen für eine bedenkliche Überversorgung der Böden mit Stickstoff, Phosphor und Antibiotikaresten. Das führt zu einer Belastung des Grundwassers, und später auch des Trinkwassers mit Nitrat.

Das Saubräu-Logo – In jedem Bier ein Schluck Gülle:

Bierdeckel Aktion von Aktion Agrar: Das Saubräu

Unsere Chance: Das Gesetz kann noch im Bundesrat blockiert werden

Jetzt haben wir zusammen mit Campact und dem BUND einen Appell an die Agrarminister/innen von Bund und Ländern gerichtet. Denn das Gesetz kann noch im Bundesrat blockiert werden. Und so wie der jetzige Entwurf aussieht, ist das dringend notwendig. Wir brauchen strenge Obergrenzen für die Ausbringung von Gülle und eine Hoftorbilanz, welche die Stickstoffmengen erfasst, die in einen Betrieb gelangen und ihn auch wieder verlassen. Sie zeigt, wie gut ein Betrieb mit seiner Fläche kompatibel ist und ermöglicht notwendige Kontrollen der Dünge-Praxis.

Es liegen spannende und ereignisreiche Wochen vor uns. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister hat bereits angekündigt, den jetzigen Entwurf nicht durchgehen zu lassen und weitere grüne Agrarminister/innen stehen unter großem Druck von beiden Seiten. Es war selten so knapp. Jetzt zählt jede Unterschrift und jede Aktion. Mit unserem Aktionspaket tragt ihr den Protest in jede Kneipe. Mit Saubäu-Bierdeckeln, Kneipenspielanleitung, Poster und Unterschriftenliste zeigt ihr, dass Brauerei und Tierfabrik gar nicht weit voneinander entfernt sind. Also: Ab in die Kneipe und auf zur Agrarwende!

PS: Es ist Zeit für Alternativen zu Gentechnik, Tierfabriken und Pestiziden. Wer Monopole bei Saatgutproduktion, im Landhandel, in der Lebensmittelverarbeitung und dem Einzelhandel satt hat, kann mitmachen.


 

Über Aktion Agrar

Aktion Agrar bringt mit kreativen Kampagnen Bewegung in die Agrarwende. Die Organisation möchte Kampagnen gegen Landgrabbing, Futtermittelimporte und Agrarlobbyismus sowie industrielle Tierhaltung mit frechen und kreativen Aktionen starten. Aktion Agrar will die Agrarwende voranbringen – soziale, ökologische und wirtschaftliche Veränderungen, in deren Zentrum die Arbeit von Bäuerinnen und Bauern und die Zukunft unserer Nahrung steht.

Die Autorinnen

Leonie Dorn, Aktion AgrarLeonie Dorn, Magistra der Internationalen Entwicklung, arbeitet neben Aktion Agrar zu Ernährungssouveränität im Rahmen der Nyeleni-Bewegung.

 

 

 

 

Karen Schewina, Aktion Agrar

Karen Schewina, Kulturanthropologin und Kampagnen-Mitarbeiterin bei Attac, stellt gerade ihre Masterarbeit zu Solidarischer Landwirtschaft fertig

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Autor*innen

Leonie Dorn

Karen Schewina

8 Kommentare

Kommentare sind geschlossen
  1. Ist ja klar, dass unsere unethische Schlaraffenland-Fresserei (unbedingt jeden Tag Fleisch auf den Teller!) lauter Probleme mit sich bringt, vom Treibhauseffekt bis hin eben zur Vergiftung unseres Grundwassers. Aber damit sich da wirklich signifikant etwas ändert, müssten wir alle unsere (Ess-)Gewohnheiten drastisch umstellen: z.B. nur noch einmal die Woche bewusst Fleisch essen, also so wie es früher der Brauch war mit dem Sonntagsbraten, wie es auch neulich wieder in dieser RTL-Selbstversuchsdoku am Ende gepredigt wurde. Nur so würden wir bei den Großbetrieben mit ihrer Massentierhaltung den Stecker ziehen, traditionelle kleine und mittelgroße Bauernhöfe hätten wieder eine faire Chance auf dem Markt, es hieße wieder Qualität statt Quantität und das liebe Vieh hätte nicht so unter dem Menschen zu leiden. Aber so lange sich z.B. Jugendliche jeden Tag Döner, Salamipizza, Koteletts und Cheeseburger reinknallen, kann das ja nichts werden.

    • Genau, und deswegen braucht es eine politische Lösung. Wenn Autofahrer/innen massenhaft auf einer Strecke zu schnell fahren und dadurch andere gefährden, appellieren wir ja auch nicht an sie, soch mal langsamer zu fahren – dann wird ein Tempolimit eingeführt und überwacht. Und genauso muss es bei der Massentierhaltung jetzt auch passieren. Natürlich brauchen wir einen Wandel im Einkaufskorb. Aber allein kann er die Welt nicht retten.

  2. Also, wie das in der Praxis aussieht, habe ich in Holland erlebt. Habe dort 7 Jahre gearbeitet. Vor meinem 3 wöchigen Sommerurlaub habe ich Wasser in meine 1 Liter Thermoskanne gefüllt und nach 3 Wochen hatte sich eine gelbgrüne anrüchige Bodensatzkruste gebildet. Echt widerlich!#

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