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Bei diesem Anblick bleibt einem das Herz stehen

Den lauten Protest ist man im Kanzleramt gewohnt. Am Freitag aber versammelten sich viele Menschen in stummer Trauer angesichts einer Katastrophe, die Worte nur unvollständig fassen können. Eine Katastrophe, die einen in stummer Wut fassungslos zurücklässt. Dieses beklemmende Bild hat den namenlosen Schrecken der Flüchtlingskatastrophe heute ganz nah ins Herz der Politik getragen. Und die Teilnehmer tief bewegt.

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Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen

Die Flucht vor Krieg und Elend endet für viele Flüchtlinge mit dem Tod im Mittelmeer – und die Politik schaut weg. Als die Vertreter von Bundesregierungen und Ländern am Freitag zusammenkommen, um über die deutsche Flüchtlingspolitik zu beraten, werden sie bereits erwartet. Vor dem Kanzleramt sind symbolisch 50 Särge aufgebahrt. Darunter auch Kindersärge, bei deren Anblick einem das Herz stehen bleibt. In Trauerkleidung gehüllt versammeln sich die Teilnehmer der Aktion. Sie legen Blumen nieder und zünden Kerzen an. Den Blick gebannt auf ein Bild, das die Brutalität dessen was sich im Mittelmeer abspielt, erahnen lässt. Man konnte die Luft fast schneiden, so viel Trauer und Mitgefühl lag in der Luft. Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen. Mit einem Mal herrscht gespenstische Stille vor dem Kanzleramt. Dieses Schweigen, diese stumme Anklage war auf seine Art unüberhörbar. 

Frontex ist nicht Seenotrettung, sondern Abschreckung

Den Teilnehmer/innen der Aktion war klar: Wenn die Politik jetzt nicht handelt und ein Programm zur Seenotrettung auflegt, das seinen Namen verdient hat, droht das Mittelmeer zum Massengrab zu werden. Doch die EU-Regierungschefs mauern und setzen weiter auf Abschreckung. Statt eines zivilen Programms zur Seenotrettung sollen Schiffe unter der Flagge der Grenzagentur Frontex in Mittelmeer patrouillieren. Das Problem: Ihre Aufgabe ist nicht zuerst die Seenotrettung, sondern die Abschreckung. Doch nach der Flüchtlings-Katastrophe im Mittelmeer wächst in Europa die Solidarität. Das EU-Parlament hat in einer Resolution ein wirksames Seenotrettungsprogramm gefordert und die Pläne der EU-Regierungschefs zur Aufrüstung der Grenzagentur Frontex verurteilt.

Auch in Deutschland engagieren sich immer mehr Menschen in lokalen Initiativen zur Flüchtlingshilfe. Die Politik darf ihre Augen und Ohren nicht länger vor der unbequemen Wahrheit verschließen: Die Grenzpolitik der EU tötet. Die Bundesregierung muss ihre alte Politik aufgeben und sich angesichts der Toten für ein Programm zur Seenotrettung im Mittelmeer einsetzen. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) steht hier in der direkten Verantwortung. Sein Ministerium ist für Fragen der Flüchtlingspolitik zuständig. Was es jetzt braucht sind sichere und legale Fluchtwege und eine echte Seenotrettung, die ihren Namen verdient hat.

Es ist eine Frage von Leben und Tod

Die Aktion heute war ein wirklich besonderer Moment. Ein Moment der wachrüttelt und klar macht, worüber die Politik hier eigentlich verhandelt: Es ist eine Frage von Leben und Tod. Die Aktion heute berührt im Herzen und macht zugleich Mut: Immer mehr Menschen in Europa sind berührt vom Schicksal der Flüchtlinge und wollen das Massensterben nicht länger hinnehmen. Gemeinsam können wir die Bundesregierung überzeugen sich zu bewegen.

Veröffentlicht von

Katharina Nocun ist studierte Ökonomin und beschäftigt sich mit den Auswirkungen der technologischen Revolution auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie engagiert sich in der digitalen Bürgerrechtsbewegung für eine lebenswerte vernetzte Welt. Sie war 2013 Politische Geschäftsführerin und Themenbeauftragte für Datenschutz der Piratenpartei Deutschland und arbeitete als Referentin und Campaignerin u.a. für den Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), Campact e.V. und Wikimedia Deutschland e.V.. Katharina Nocun ist Botschafterin für die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen und Mitglied im Beirat des Whistleblower-Netzwerks und bloggt regelmäßig unter www.kattascha.de. Folge Katharina auf Twitter: @kattascha

9 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Grenzen töten - klagox.blog

  2. p.s.:
    poseidon , Triton , mare nostrum (vielleicht etwas weniger- das liegt aber an der mentalität der italiener)
    sind instrumente einer tötungsmaschinerie!!

    Rettung ist was anderes.

  3. hallo,

    diese aktion war gut!
    Es ist aber „ewig“ bekannt, daß frontex die flüchtlingsströme als „gefährliches treibgut“ tituliert, und somit der UNO- seerechtskonvention diametral entgegensteht.M.E. spielt frontex die rolle eines „obersturmführers“- völlig paramillitärisch.
    Dafür bedarf es einer anklage vor dem internationalen strafgerichtshof (ist dieser eigentlich ..“eu“??.;-(( )
    Aktion freiheitstattangst.org hat dafür unzählige belege. Ergebnis dessen wurden mehrere filme auf dem
    „black international cinema“ in berlin (d.J. H-uni)- z. b. „europe or dead“-> kofi asamoah. Dierser ist u. a. beim Heiligen Stuhl in Rom.
    Auf gute synergie-effekte..;-))
    &
    best regards
    kld nerdsingetorix

  4. Stimme Ess Haa voll zu. Wir behandeln hier das Symptom, aber nicht die Ursache.

    Die Lebensbedingungen der Menschen müssen verbessert werden, so dass sie nicht flüchten müssen. Dies wird in dieser Kampagne leider nicht erwähnt, gehört aber, als Grundlage zur dauerhaften Verbesserung, unbedingt auf den Tisch.

  5. Pingback: Bei diesem Anblick bleibt einem das Herz stehen | OnlinePlenum

  6. Ist es VIELLEICHT so, dass LEBEN und auch WÜRDE für nicht wenige politische Entscheidungsträger NICHTS zählen?!

    W A R U M SONST
    lassen sie es nämlich zu,
    dass Menschen auf dem FL U C H T W E G über das Mittelmeer sterben müssen,
    weil
    ihnen die Aufrüstung der südlichen europäischen Grenzen näher an IHREM H E R Z E N liegt – als die Rettung der in Seenot geratenen Flüchtlinge!

    DIESE sind doch auch unsere M I T M E N S C H E N wie sie alle, ich oder JEDER Einzelne von uns auf dieser Welt –
    ODER N I C H T!

    EHRFURCHT vor dem Leben, so –
    sagte einmal Albert Schweitzer …

    Respekt vor jedermann, DAS wünsche ich wahrhaft von ganzem Herzen.

    Und auch Nächstenliebe in einem doch überwiegend christlich geprägten Europa, SOLLTE
    man DIESE nicht G E R A D E von CHRISTENmenschen (!) erwarten dürfen, das –
    frage ich SIE …

    MfG

  7. Eine gute Sache, da muss doch jeder wach werden. Hoffentlich gehen genug auf die Straße. Macht weiter so.

    • Zitat:
      „Dieses beklemmende Bild hat den namenlosen Schrecken der Flüchtlingskatastrophe heute ganz nah ins Herz der Politik getragen.“

      Das würde Voraussetzen das „die Politik“ ein Herz besitzt, was im eigentlichen Sinne unmöglich und im übertragenen Sinn schon fast sarkastisch wirkt. Unsere Politik (mit Herz), welche durch Lobbyarbeit der Wirtschaftsmächte inszeniert wird ist die Ursache dafür dass es überhaupt Menschen gibt die Flüchten müssen. Wenn ganze Völker und Länder ausgebeutet werden um unsere, ach so moderne, Gesellschaft und Kultur zu ermöglichen, (andere würden es vlt eher als Erhaltung der Gewinnmaximierung bezeichnen. was aber mittlerweile auf das selbe herauskommt)
      dann mag man sich doch bitte nicht darüber echauffieren und erwarten das irgendjemand „hier“ sich dazu bequemt zu helfen oder gar zu investieren.
      Jeder der sich in dieser (wenn auch wirklich schrecklichen „Sache“) entrüstet sieht muss schon in einer äußerst rosafarbenen Seifenblase leben.

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