Doch nur eingeschränktes Glyphosat-Verbot auf Tagesordnung

Wie wir erst nach Versand unseres Newsletters erfahren haben, beraten die Verbraucherminister/innen in Osnabrück doch nur, den Einsatz von Glyphosat bei Privatpersonen und verbrauchernahen Anwendungen zu verbieten. An unserer Forderung für ein EU-weites Glyphosat-Verbot ändert sich dadurch nichts.

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Wie wir erst nach Versand unseres Newsletters erfahren haben, beraten die Verbraucherminister/innen in Osnabrück doch nur, den Einsatz von Glyphosat bei Privatpersonen und verbrauchernahen Anwendungen zu verbieten.

An unserer Forderung für ein EU-weites Glyphosat-Verbot ändert sich dadurch nichts.

In unserem heutigen Newsletter-Versand haben wir geschrieben: “Trotz der WHO-Warnung setzt sich Agrarminister Christian Schmidt (CSU) in Brüssel bisher für die Interessen der Agrarlobby und die Wiederzulassung von Glyphosat ein. Zum Glück könnte sich das schon übermorgen ändern: Dann kommen die Landesminister/innen für Verbraucherschutz in Osnabrück zusammen. Der Vorsitzende der Konferenz, Christian Meyer, will dort ein Votum für ein Glyphosat-Verbot durchsetzen.”

Doch der Antrag von Niedersachsen, Hessen und NRW, den wir erst jetzt einsehen konnten, fordert lediglich, den Einsatz von Glyphosat bei Privatpersonen und verbrauchernahen Anwendungen zu verbieten. Wir entschuldigen uns für die Fehlinformation im Newsletter, die auf einen Presseartikel zurückgeht.

An der Notwendigkeit und Brisanz der in unserem Appell formulierten Forderungen nach einem umfassenden Verbot von Glyphosat -Verbot ändert sich hingegen nichts. Schließlich hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO erst kürzlich festgestellt, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ ist.

Für uns steht daher fest: Glyphosat muss EU-weit die Zulassung entzogen werden.

Mit dieser Forderung werden wir weiterhin am Donnerstag die Verbraucherschutzminister der Länder konfrontieren, die in Osnabrück zu einer Konferenz zusammenkommen. Als Reaktion auf die WHO-Warnung nun bloß den Einsatz beim Privatverbraucher/innen zu unterbinden, ist ungenügend. Der weitaus größte Teil des Glyphosats wird in der Landwirtschaft eingesetzt.

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer sollte als Vorsitzender der Verbraucherschutzministerkonferenz einen Antrag für ein konsequentes Glyphosat-Verbot einbringen. Campact-Aktive werden ihn am kommenden Donnerstag in Osnabrück daran erinnern.

8 Kommentare

  • von Rüdinger

    Sehr geehrter Herr Neubauer,
    in ihrer Diskussion zum Thema Glyphosat findet sich noch kein Hinweis darauf, dass auf Grund des schier gernzenlosen Einsatzes in den USA in rasensem Tempo herbizidresitente Superunkräuter herangezüchtet worden sind, ähnlich der Bildung multiresisenter Keime im Gesundheitswesen wegen des Antibiotikamissbrauchs. Bereits 28 Mio. Hektar sind davon befallen bzw. unbrauchbar geworden, ein Sechstel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche der USA (siehe Der Spiegel, Heft 39/2014, auch eine Fernsehsendung hierzu ist in einem Programm der Öffentlich Rechtlichen bereits ausgestrahlt worden). Hinzu kommt, dass die notwendige Aufwandsmenge stetig zunimmt, mit entsprechend steigenden Kosten für die Farmer. Dies sind im Gegensatz zum Krebsrisiko bereits klar manifestierte Konsequenzen, die im Zusammenhang mit der Glyphosatfrage nicht unberücksichtigt bleiben dürfen.

    Mit freundlichen Grüßen
    V. Rüdinger

    • von Gerald Neubauer

      Sehr geehrter Herr Rüdinger,
      da haben Sie zweifelsohne Recht. Die Heranzüchtung herbizidresistenter Unkräuter ist ein weiteres großes Problem des Glyphosat-Gebrauchs, ebenso wie z.B. auch die Auswirkungen auf die Biodiversität. Dennoch glauben wir, dass sich durch die aktuelle Warnung der Weltgesundheitsorganisation zur Krebsgefahr durch Glyphosat die besten Chancen bieten, endlich ein Glyphosat-Verbot durchzusetzen.
      Mit freundlichen Grüßen,
      Gerald Neubauer

  • von Evelyn Krien

    Zur aktuellen Verwendung und Verbreitung von Herbiziden:
    Bei einer Wanderung durch das noch grüne Münsterland fiel uns ein Feld auf, das ca. 20 cm hoch stehendes vergilbtes Getreide aufwies. Eine mitwandernde Heilpraktikerin erläuterte uns, dass die Bauern mittlerweile auf die Fruchtfolge Wintergerste – Sommerweizen o. -roggen verzichten, indem sie die Wintergerste zwar einsäen, dann aber mit HERBIZID abtöten und als GRÜNDÜNGUNG untersäen. Können Sie bestätigen, dass die Gründüngung durch Abtöten eigens ausgesäter Getreide flächendeckend existiert und handelt es sich bei dem verwendeten Herbizid um GLYPHOSAT? Mich machte auch jemand darauf aufmerksam, dass die Vielfalt der auf den WINDSCHUTZSCHEIBEN ZU TODE KOMMENDEN INSEKTEN (Vogelnahrung) sich mittlerweile auf Bruchteile reduziert hat. Kann es sein, dass sich hier Interessen von Bauern auf wenig Wildkräuter mit denen von Autoherstellern und Autolobby-Vertretern decken und deshalb blühende Feldraine systematisch unterbunden werden?

    • von Gerald Neubauer

      Zu diesem speziellen Fall haben wir leider keine Informationen.

  • von I. Wutz

    Es ist eine absolute Schande was Politik und Co. hier anstreben. Menschenfeindlich und Menschen verachtend! Unglaublich was in unseren führenden Köpfen abgeht!

  • von Clemens Ratte-Polle

    Gibt es denn nun eure Aktion bei dem Treffen?

    Monsanto in Osnabrück stoppen!
    Am Donnerstag empfängt Campact.de die deutschen Verbraucher-Minister/innen am Hotel Steigenberger Remarque in Osnabrück mit einer riesigen Pestizid-Sprühflasche.
    Ort: Vor dem Steigenberger Hotel Remarque, Natruper-Tor-Wall 1, 49076 Osnabrück
    Zeit: Donnerstag, 7. Mai, 11.30 Uhr

    Dazu eine Petition gegen ‪#‎Glyphosat‬:
    Glyphosat muss vom Tisch!
    https://www.campact.de/glyphosat/appell/teilnehmen/

    ‪#‎Demonstration‬ ‪#‎Osnabrück‬ ‪#‎Petition‬ ‪#‎Pestizide‬ ‪#‎Gentechnik‬ ‪#‎Monsanto‬ ‪#‎antigen‬ ‪#‎Krebs‬ ‪#‎Umweltschutz

    • von Gerald Neubauer

      Ja, die Aktion findet selbstverständlich statt. Unsere Forderung an die Verbraucherschutzministerkonferenz, sich für ein EU-weites Glyphosat-Verbot einzusetzen, besteht fort. Wir verlangen daher, dass der Antrag zu Glyphosat entsprechend verschärft wird.

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