Es ist Zeit für einen Aufstand

"Verjagen, verbrennen, vergasen" - Hasstiraden und böse Vorurteile gegen Flüchtlinge füllen die Kommentarzeilen im Netz. In diesem Tagesthemen-Kommentar spricht Anja Reschke klare Worte und fordert: Haltung zeigen!

„Verjagen, verbrennen, vergasen“ – Hasstiraden und böse Vorurteile gegen Flüchtlinge füllen die Kommentarzeilen im Netz. In diesem Tagesthemen-Kommentar spricht Anja Reschke klare Worte und fordert: Haltung zeigen!

Kommentar ansehen, verbreiten und Hassschreibern kontern, per…

Rechte Hetze gegen Flüchtlinge im Internet wird immer heftiger und aggressiver. Die Journalistin Anja Reschke (NDR) findet, Hassschreiber müssen kapieren, dass die Gesellschaft diese üblen Beschimpfungen nicht akzeptiert. Wir finden sie hat Recht!

Enthemmte Kommentare und rassistische Hetze

Auf Beiträgen zu Flüchtlingsthemen folgen Kommentare wie „das Dreckspack soll im Meer ersaufen“. Die Hassschreiber bekommen Zuspruch, Beifall – Likes. Das befeuert rassistisches Gedankengut und enthemmt die Verfasser – diese treten nicht mehr unter Pseudonym auf, sondern ganz öffentlich mit ihrem Klarnamen. Reschke leitet her: „Wenn man bis dahin also ein kleiner rassistischer Niemand war, fühlt man sich da natürlich ganz toll.“ 

Diese Kommentare einfach zu ignorieren ginge nicht. „Es sind nicht nur Worte“, so Reschke. Tatsächlich haben es diese Hasstiraden aus dem Internet schon längst raus auf die Straße geschafft. Die Zahl der rechtsextremen Gewalttaten ist gestiegen. Fast täglich gibt es Meldungen zu Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte. Zwar würde es mittlerweile auch Strafverfolgung wegen Volksverhetzung im Internet geben, doch Reschke findet, das alleine reiche nicht:

„Hassschreiber müssen kapieren, dass die Gesellschaft das nicht toleriert, wenn man also nicht der Meinung ist, dass alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten – dann sollte man das ganz deutlich kundtun, dagegen halten, Mund aufmachen, Haltung zeigen, öffentlich an den Pranger stellen. Einige sehr verdienstvolle Blogs tun das schon – aber es sind noch zu wenige. Der letzte Aufstand der Anständigen ist 15 Jahre her – ich glaube, es ist mal wieder Zeit.“ 

Mund aufmachen, Haltung zeigen!

Auch auf unserer Campact-Fanpage bei Facebook und hier im Blog ist die Flut an fremdenfeindlichen Kommentaren oft erschütternd. Mittlerweile rechnen wir bei jedem Post zu Flüchtlingsthemen mit heftigen Anfeindungen, Beleidigungen und Drohungen. Zum Glück gibt es viele die Empathie und Menschlichkeit zeigen, die uns zur Seite stehen und den Hassschreibern Konter geben. Dieses Engagement ist wichtig. Wir dürfen nicht zulassen, dass schutzsuchende Menschen Gewalt erfahren. Keinen Meter den Rassisten! Wir stehen weiter für eine gerechte Flüchtlings- und Asylpolitik ein – und lassen uns nicht einschüchtern von Hass und Volksverhetzung.

Empört euch, haltet dagegen, wenn Hassschreiber gegen Flüchtlinge hetzen!

Hier findet Ihr Argumente von ProAsyl gegen die stumpfen Vorurteile:

12 Kommentare

  • von thomas barth

    Richtig, der Kommentar spricht aus der Seele !
    Das ist subjektive Befriedigung für das Denken von uns „“Gutmenschen““ und nun ???
    Wer hat den Mut seine Wohnung mit den Geschundenen zu teilen, wer steht den traumarisierten Frauen bei, wo verbringen wir unsere Schrebergärten Abende ??
    Lass uns etwas tun, denn es gibt nichts Gutes außer man tut es eine alte Weisheit.
    Helft den Flüchtlingen den Alltag zu gestalten, schenkt ihnen „Lebenszeit“, das wertvollste worüber
    wir verfügen können, Jeder.
    Nicht der Staat solle richten, wir müssend richten, wir sind der Staat.

  • von Agnes Seibert

    Ich bin sehr froh, dass Frau Reschke die Situation so klar und öffentlich beschreibt und Stellung bezieht. Bis jetzt bin ich mit dieser Art von Kommunikation noch nicht geübt, aber es ist auf jeden Fall ein kleine Möglichkeit, sich auch zu äußern. Und ich hoffe, dass noch mehr Menschen sich an diesem Gespräch beteiligen. In letzter Zeit habe ich mich noch einmal damit beschäftigt, auf welch subtile Art sich der Faschismus in den Köpfen damals ausgebreitet hat. Und gerade deshalb ist es wichtig, dass wir öffentlich dagegen argumentieren und zeigen, dass die Fremdenfeindlichkeit bei uns keinen Raum haben darf. Sie führt zu Abgeschlossenheit und verstärkt Angst. Stattdessen brauchen wir Offenheit und Selbstvertrauen, um ein gutes Leben zu führen. Und dazu gehört grundsätzlich Mitgefühl mit Menschen, die in menschenunwürdigen und lebensgefährlichen Situationen leben, sowie die Bereitschaft sie hier bei uns in einem der reichsten Länder der Welt aufzunehmen.

  • von Bernhard Tschürtz

    Der Kommentar ist sehr gut formuliert, Frau Behrens macht auf etwas aufmerksam dies unsere Gesellschaft nötig hat.
    Wir leben in einem Demokratischen Land wo jeder Mensch das Recht hat zu Leben.
    Herr Gabriel ist mit schuld an der Misere da Er mit Leuten wie der Pegida Leute verhandeln wollte,
    aber die Geschichte hat gezeigt das wenn man den Rechten Populisten nicht Einhalt gebietet, werden sie um so Gefährlicher.
    Das schlimme ist es ist nicht nur Germany sondern andere Europäische Staaten dies macht mir Angst.

  • von Köhler

    Frau Behrens ist eine der wenigen Ausnahmen unter den Journalisten. Seit 9/11 wurde vor allem in überregionalen deutschen Printmedien die Angst vorm Islam geschürt. Und jetzt wundern sich diese Journalisten über Pegida etc. Dort sind Leute, die den Islam nur aus den Medien kennen, keine persönlichen Kontakte in diesem Bereich haben.

  • von Thomas Weber

    Gewalt, Terror und Einschüchterung sind essentielle Bestandteile rechter Gruppen und zur Durchsetzung deren politischer Ziele! Diejenigen, die Heime zur Unterbringung von Flüchtlingen abfackeln sind terroristische Handlanger von Biedermännern, die verdeckt unter dem Mäntelchen demokratischer Parteien Streichhölzer und Brandbeschleuniger an den rechten Mann/Frau bringen. Und der rechte Rand ist nicht nur die Springerstiefel tragende Glatze, sondern reicht über NPD und AfD bis hinein in die politische etablierten Parteien im Bundestag. Und dann haben wir wieder Zustände wie in der 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Und dann Gnade uns allen Gott!

    • von Ruth Hartkopf

      Dieser Kommentar von Ihnen spricht mir aus der Seele.( diese Antwort gilt f.d.Beitrag v. Th. Weber).
      Genau das denke u.befürchte ich schon seit Jahren.
      Prozesse u. ggf. Strafen(Strafmasse) sind für mich Alibiveranstaltungen um dem (dummen) Bürger zu signalisieren: Schaut her,wir tun was dagegen.
      Wer denken kann,denkt weiter……

  • von Fred G. Schütz

    Kleine Klugscheißer-Korrektur, sorry: Das Zitat ist nicht ganz richtig wiedergegeben. Anja Reschke hat: „Die Hassschreiber müssen kapieren…“ gesagt.

    Mit kollegialem Gruß,

    Fred

    • von Janine Behrens

      Danke! Ist korrigiert ;-)

Kommentare sind geschlossen.

Veröffentlicht von Janine Behrens

Online-Redakteurin – Janine studierte Journalistik und Kunst-und Medienwissenschaft mit Fokus auf Medienpolitik und neue Technologien. Als Journalistin arbeitete sie für TV, Radio und Online-Redaktionen und engagierte sich für Reporter ohne Grenzen e.V. 2011 wechselte sie zu einer Online-Agentur und entwickelte als User-Experience Designerin nutzerfreundliche und nutzerzentrierte Web-Konzepte. Bei Campact ist sie seit 2014.