Im weißen Arztkittel gegen Glyphosat

Am Montag protestierten 15 Ärztinnen und Ärzte im Berliner Regierungsviertel für ein Glyphosat-Verbot. Genau zum richtigen Zeitpunkt: der Agrarausschuss des deutschen Bundestags führte eine hochrangig besetzte öffentliche Anhörung zu den Gesundheitsgefahren des Monsanto-Pestizids durch.

von  8 Kommentare

Am Montag protestierten 15 Ärztinnen und Ärzte im Berliner Regierungsviertel für ein Glyphosat-Verbot. Genau zum richtigen Zeitpunkt: der Agrarausschuss des deutschen Bundestags führte eine hochrangig besetzte öffentliche Anhörung zu den Gesundheitsgefahren des Monsanto-Pestizids durch.

Es war ein beeindruckendes Bild, wie die Ärztinnen und Ärzte in ihren weißen Kitteln vor Beginn der Anhörung vor der Krebsgefahr durch Glyphosat warnten. Mit dabei hatten sie den von Dr. Jan Salzmann gestarteten Ärzte-Appell, den schon mehr als 6700 Ärztinnen und Ärzte unterzeichnet haben. Der Facharzt für innere Medizin hatte den Ärzte-Appell mit Campact gestartet, weil niemand glaubwürdiger für den Schutz der Gesundheit protestieren kann als Ärztinnen und Ärzte.

Abgeordnete nehmen Ärzte-Appell entgegen

Ein halbe Stunde vor Beginn kamen mehrere für Glyphosat zuständige Bundestagsabgeordnete zu der Ärzte-Kundgebung heraus. Für die SPD nahmen Rita Hagl-Kehl, für die Linken Kirsten Tackmann und für die Grünen Harald Ebner die Ärzte-Unterschriften entgegen. Nach Ende der Anhörung überreichten wir den Ärzte-Appell auch noch an den CDU-Abgeordneten und Vorsitzenden des Agrar-Ausschusses Alois Gerig.

Expertenstreit in der Anhörung

Im Anschluss an den Ärzte-Protest nahmen mehrere Ärzt/innen noch als Zuhörer/innen an der Glyphosat-Anhörung teil. In der Anhörung wurde vor allem darum gestritten, wie es zu den unterschiedlichen Experten-Einschätzungen zu Glyphosat kommen konnte. Die anwesenden Forscher der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (IARC), Prof. Ivan Rusyn und Prof. Dr. Christopher Portier, unterstrichen in der Diskussion, dass die IARC ausschließlich öffentliche zugängliche und nicht von den Herstellern finanzierte Studien verwendet hatte. Diese Studien begründeten die Einschätzung, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ ist. Demgegenüber legte der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Prof. Dr. Andreas Hensel, die Einschätzung seines Instituts dar, dass von Glyphosat keinerlei Gefahren ausgingen. Hensel verteidigte die von vielen Rednern kritisierte Vorgehensweise, sich bei der Risikoeinschätzung weitgehend auf Hersteller-Studien zu stützen und zahlreiche unabhängige Publikationen als nicht relevant einzustufen.

Die kommenden Monate werden für die Auseinandersetzung ums Glyphosat ganz zentral werden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat angekündigt, bis November ihr Abschlussgutachten zum Glyphosat-Bericht des BfR anzufertigen. Bis Sommer 2016 möchte dann die EU über die Wiederzulassung von Glyphosat für weitere zehn Jahre entscheiden. Noch nie wurde in der Öffentlichkeit so intensiv über die Gesundheitsgefahren von Glyphosat diskutiert – doch um tatsächlich ein Verbot zu erreichen müssen wir unseren Protest noch intensivieren.

8 Kommentare

  • von Kar

    Das finde ich mal eine super Idee. Alle Produkte, die von den herstellenden Firmen als nicht gesundheitsgefährdend angegeben werden, sollten , bevor sie auf den Markt kommen, über einen längeren Zeitraum von diesen Wissenschaftlern, die diese Einschätzung teilen, am eigenen Leib getestet werden und das unter der Beobachtung derer, die diese Unbedenklichkeit nicht teilen.
    Dann wäre alles geschwätzt.

  • von GI

    Ich möchte daran, erinnern, wie unabhängig die WHO war, als es um die ach so dringende Impfung gegen die Vogelgrippe ging – Schwermetalldosis inklusive.
    Wenn also gesagt wird, dass die Studien öffentlich zugänglich und nicht von den Herstellern finanziert waren, hilft vielleicht ein Blick auf die Auftragsliste der beiden Herren, wenn es um Projekte und Vorträge geht.
    Das hat bei dem Kollegen, der für die Impfkampagne gegen Vogelgrippe zuständig war, wahre Wunder gewirkt, denn der erhielt einen guten Teil seines jährlichen Einkommens vom Hersteller des Impfpräparats für Vorträge…
    Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. ….

  • von Alex

    Glyphosate ist ein hochwirksames herbizid, NIEMAND sollte das zu sich nehmen. Darum geht es aber gar nicht sondern darum ob die Abbauprodukte krebserregend sind. Glyphosate zersetzt sich in Wasser. Selbstversuche anzuregen zeugt von totalem Unwissen worum es hier überhaupt geht. Traurig wie sich viele Leute 200 Jahre nach der Aufklärung hier aufführen. Weniger Spekulation und sinnfreies Geschreibe dafür mehr Faktenwissen würden allen das Leben bei einem wichtigen Thema einfacher machen.

  • von Roland Gößwein

    Dem Ganzen bisher genannten kann ich nur zustimmen!! Ich war in 2011 bei einem Vortrag zum Thema. Die Unterlagen dazu würde ich gerne zur Verfügung stellen. Wie kann ich die hochladen?

  • von T.Licht

    Also, wenn Glycosat zur Herstellung unsere Lebensmittel verwendet wird, sollte es ungefährlich sein, dann sollten die Befürworter dies doch bekräftigen, indem sie mal ein paar Wochen täglich einen Schluck nehmen. Wenn sie dann entgegen den Erfahrungen aus Argentinien gesund bleiben ist für mich alles OK. Wenn sie krank werden, sollten sie es ablehnen und doch bitte auch die Bestechungsgelder zurück geben ;-)

  • von Torsten Kant

    Und es kommt noch schlimmer:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Insektenspray-schaltet-Gene-ab-2823545.html
    Wer weiß, was das mit unseren Genen macht?

  • von Ingrid G. Heil-Wildner

    Wenn die Befürworter so sehr von der UNGEFÄHRLICHKEIT überzeugt sind, dürfen sie sich gerne für einen Selbstversuch zur Verfügung stellen … und dieser Selbstversuch wird dann von den Gegnern überwacht! ;-)

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