Realitäts-Check: 7 Tage unter Flüchtlingen

„Die kommen hier her, um im Luxus zu leben!“ ein Vorurteil gegen Flüchtlinge, das nicht erst seit der aktuellen Krise kursiert. Doch die Realität abseits solcher Stammtisch-Parolen sieht anders aus. Die NDR-Filmer Tobias Lickes und Kolja Robra haben das Experiment gewagt: Sie sind für eine Woche in ein Bremer Flüchtlingsheim eingezogen. Mit dabei: Eine Videokamera.

Die kommen hier her, um im Luxus zu leben!“ ein Vorurteil gegen Flüchtlinge, das nicht erst seit der aktuellen Krise kursiert. Doch die Realität abseits solcher Stammtisch-Parolen sieht anders aus. Die NDR-Filmer Tobias Lickes und Kolja Robra haben das Experiment gewagt: Sie sind für eine Woche in ein Bremer Flüchtlingsheim eingezogen. Mit dabei: Eine Videokamera.

Stomausfall in der Gemeinschaftsküche – ein Kennenlernen:

Das NDR-Team wird bei dem Versuch ein Abendessen zuzubereiten von einem Stromausfall überrascht. In der Gemeinschaftsküche treffen sie auf das Paar Hajir und Hoda, die aus dem Iran nach Deutschland geflohen sind. Jetzt ist das Paar hier zwar in Sicherheit, doch wegen der Arbeitsbeschränkung für Asylbewerber dürfen sie noch nicht arbeiten. Und so verbringen viele Bewohner die Zeit mit Warten – Warten auf die Bewilligung von Anträgen. Warten darauf, dass der nächste Tag etwas ändert. Warten auf das Ende des Stromausfalls in der Gemeinschaftsküche. Die NDR-Filmer und das Paar aus dem Iran kommen ins Gespräch:


7tage

NDR: „Und was hast du in Teheran gemacht?“
Hajir: „Mein Job?“
Hoda: „Er war im Gefängnis“
NDR: „Du warst im Gefängnis? Warum?
Hoda: „Er hatte einen Internet-Blog.“
NDR: „Hast du über das Regime geschrieben?“
Hoda: „Ja.“ *lacht*
NDR: „Aber ihr könnt beide noch lachen. Das ist gut… Und wie war das im Gefängnis?“
Hoda: „Es war echt schlimm. Er war vier Jahre in einer Einzelzelle.“
NDR: „Wie große war die Zelle?“
Hoda: „180 mal 180 Zentimeter.“
NDR: „So von hier bis hier? Das ist schrecklich.“
Hoda: „Ein paar Leute im Gefängnis haben ihm geholfen zu fliehen. Es war wie in diesem Film „Prism-Break“.“ *lacht* […] „Iss doch mit uns wenn Du Lust hast. Entschuldige, wir haben nur ein ganz kleines Zimmer.“

Viele nachdenkliche Geschichten aus unterschiedlichen Ländern werden in dieser Dokumentation erzählt. Die NDR-Filmer tauchen als Fremde für eine Woche in die enge Welt eines Flüchtlingsheimes ein – und gehen als Freunde. Diese Dokumentation erzählt von großen und kleinen Geschichten der Einsamkeit. Nachdenkliche Geschichten der Flucht. Aber auch von Kinderlachen und den Geschmack kulinarischer Köstlichkeiten anderer Kulturen. Eine Dokumentation die bewegt  – und dabei helfen kann Vorurteile abzubauen.

 

5 Kommentare

  • von Elfi Littmann-Kaba

    Schoene, ruhige und einfuehlsame Reportage – vielen Dank fuer diesen Einblick in das Leben von Fluechtlingen in einem solchen Heim!

  • von anna p

    liebe katarina
    ich bin sehr glücklich darüber das du/ihr so ein filmprojekt gemacht habt, ich hoffe sooo sehr das die menschen hier in deutschland verstehen das es eine völkerwanderung ist und wir nur die chance haben uns damit auseinander zu setzten und zu helfen. ich wohne in diez und hier ist vor ein paar wochen ein auffanglager entstanden und ich möchte auch etwas tun,
    es geht nur miteinander und so schaffen wir es auch vieleicht zweifler zu erreichen und ev. auch zu aktivieren etwas zutun , statt aus abstand und angst vor dem fremden >haß zu schüren.
    glg anna p

  • von Peter Post

    Es ist sicher schon erschreckend diese vielen Einzelschiksale , aber können wir so die Welt besser machen oder gar retten mit dem aktuellen Tun ? Voll ist voll und da kann man nicht einfach sagen willkommen … Weiterdenken ! Die Probleme kommen erst noch und dann ist Angie weg , im Ruhestand mit guter Pension. Die Ursachen der Flucht bekämpfen habe ich gelesen , wäre das sinnvollste. Richtig , und warum wird es dann nicht gemacht ? Was sind die Ursachen ? Krieg !
    Und wie kann es Kriege geben ? Wenn sich verschiedene Parteien uneins sind oder machtgierig oder beides … und wenn sie Waffen haben. Das sich Alle jemals einig sind ist unmöglich , aber Waffen lassen sich beseitigen , zumindest die Kriegswaffen unserer Zeit. Ein weltweites Verbot der Produktion und des Handels mit Waffen und das gröbste ist erledigt !
    Aber leider sind unsere Politiker und alle () anderen dieser Art nur Lügner und Heuchler. Geld , ja Geld und Macht wollen sie doch alle nur. Frieden ? …

  • von Sladjana Figgen

    ❤️

  • von Siegfried Zimmermann

    Ich will helfen Flüchlinge persöhnlich zu betreuen, weil ich selber ein Flüchtling aus Westpreussen war.

Kommentare sind geschlossen.

Kahtarina Nocun
Veröffentlicht von Katharina Nocun

Katharina Nocun ist studierte Ökonomin und beschäftigte sie sich mit den Auswirkungen der technologischen Revolution auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie engagiert sich in der digitalen Bürgerrechtsbewegung für eine lebenswerte vernetzte Welt. Sie war 2013 Politische Geschäftsführerin und Themenbeauftragte für Datenschutz der Piratenpartei Deutschland und arbeitete als Referentin und Campaignerin u.a. für den Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), Campact e.V. und Wikimedia Deutschland e.V.. Katharina Nocun ist Botschafterin für die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen und Mitglied im Beirat des Whistleblower-Netzwerks und bloggt regelmäßig unter http://www.kattascha.de. Folge Katharina auf Twitter: https://twitter.com/kattascha