„Mir wurde regelrecht schlecht“ – Warum diese Frau die Hartz-IV-Reform stoppen will

Alleinerziehenden Hartz-IV-Empfänger/innen soll Geld gestrichen werden. Die alleinerziehende Mutter Anna-Maria Petri-Satter hat das richtig wütend gemacht - und dazu bewegt eine Petition auf WeAct zu starten. Im Interview erzählt Sie, wie sie diese absurde Reform für Alleinerziehende stoppen will.

Sie leben getrennt und doch wollen sie zusammen ihr Kind erziehen. Alleinerziehenden Hartz-IV-Empfänger/innen soll dafür jetzt Geld gestrichen werden. Ihnen droht eine Kürzung für die Tage, an denen ihre Kinder mit dem anderen Elternteil zusammen sind. Die alleinerziehende Mutter Anna-Maria Petri-Satter hat das richtig wütend gemacht – und dazu bewegt eine Petition auf WeAct zu starten. Im Interview erzählt Sie, wie sie diese absurde Reform für Alleinerziehende stoppen will.

WeAct Petition keine Hartz-IV Kürzungen für Alleinerziehende

Sie haben vor einigen Tagen eine Petition auf WeAct gegen die geplanten Kürzungen für alleinerziehende Hartz-IV-Empfänger/innen gestartet. Was hat Sie dazu bewegt?

Anna-Maria Petri-Satter: Ich habe auf Facebook den Zeitungsartikel vom Tagesspiegel zu dem Thema entdeckt. Erst dachte ich, das wäre ein schlechter Scherz. Dann habe ich mir überlegt, wie das für mich gewesen wäre, da ich ja noch nicht lange aus Hartz-IV raus bin, und mir wurde regelrecht schlecht. Vor Wut auf dieses menschenfeindliche System, und der Demütigung die darin steckt. Und mir wurde klar: Die einzige Möglichkeit, daran etwas zu ändern, und nicht an dieser Wut und Ohnmacht krank zu werden, ist, selbst aktiv zu werden und meine Stimme zu erheben.

Was genau sind denn die Pläne des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und was fordern Sie von Andrea Nahles?

Das geplante Gesetz zur “Rechtsvereinfachung SGB II” soll, wie der Name schon sagt, angeblich viele Abläufe in den Jobcentern vereinfachen. Der Teufel steckt jedoch im Detail: Bisher liegt es im Ermessen der Jobcenter, ob sie Alleinerziehenden Geld für die Tage streichen, an denen sie ihren Kindern Umgang mit dem anderen Elternteil ermöglichen. Diese äußerst fragwürdige Praxis soll nun im SGB II fest verankert werden – dann wäre es keine Ermessensfrage mehr. Aus meiner Sicht geht dieser Gesetzesvorschlag allerdings an der Lebensrealität alleinerziehender Eltern völlig vorbei: Die Kosten wie etwa Miete, Einrichtung, Kleidung, Schulsachen, werden ja nicht weniger, nur weil das Kind mal nicht da ist. Die Scheibe Frühstücksbrot und die Tasse Milch weniger am Tag machen schließlich das Kraut nicht fett, sondern die ganz normalen laufenden Kosten. Deswegen ist meine Forderung: Keine Kürzungen des Hartz-IV bei Alleinerziehenden – die Kapazitäten sind dafür in den Familien einfach nicht da. Es geht mir also darum, die gängige Praxis abzuschaffen, statt sie festzuschreiben, wie Frau Nahles es will.

Sie sind selbst alleinerziehende Mutter. Was glauben Sie, wie diese Pläne Ihre Situation verändern würde?

Momentan würden sie meine persönliche Situation zwar nicht unmittelbar betreffen, da ich aktuell kein Hartz-IV beziehe. Aber Hartz-IV ist ein Damoklesschwert, das in Deutschland über jeder alleinerziehenden Mutter und jedem alleinerziehenden Vater hängt. Also mal angenommen, ich würde meinen Job verlieren – und als Alleinerziehende habe ich da wesentlich mehr Risikofaktoren als andere – dann wäre Hartz-IV sofort wieder ein Thema, und das macht mir Angst. Aus meiner Erfahrung ist schon ohne Kürzungen ständig das Geld zu knapp. Mit noch weniger auskommen zu müssen, halte ich für absolut unmöglich, ohne sich immer mehr zu verschulden und irgendwann in tiefe Verzweiflung zu stürzen.

Die Petition hat sich innerhalb kürzester Zeit in den Sozialen Medien verbreitet und mehr als 3.000 Unterschriften aus eigener Kraft gesammelt. Wie haben Sie das geschafft?

Ein paar Unterstützer/innen und ich haben die Petition vor allem auf Facebook geteilt und an die einschlägigen Bloggerinnen und Verbände geschickt: mutterseelenalleinerziehend, Mama arbeitet, und den Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) e.V., um nur einige zu nennen. Das Entsetzen über die geplanten Gesetzesänderungen waren schon vorher so groß, dass viele froh reagiert haben, dass es nun endlich die Möglichkeit gibt, sich dagegen stark zu machen.

Hat es von Seite der Politik schon Reaktionen auf Ihre Petition gegeben?

Ich habe auf der Facebook-Seite von Frau Nahles gelesen, dass wir ja alles nicht richtig verstanden hätten, weil das ja alles schon vorher so gehandhabt worden wäre. Dies wurde nun auch auf Reaktion unserer Kommentare auf der Facebook-Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales so wiedergegeben. Was dort suggeriert wird, stimmt aber nicht – bisher lag es im Ermessensspielraum der Kommunen. Ich persönlich wurde zum Beispiel nie danach gefragt, wie oft mein Kind bei seinem Vater wäre, und das ist die Erfahrung, die in den Foren einhellig alle Alleinerziehenden bestätigen. Hier wird also versucht abzuwiegeln, ohne dass man sich wirklich mit den Argumenten, geschweige denn der Lebenswirklichkeit Alleinerziehender und ihrer Kinder auseinandersetzen würde. Ich hoffe, dass sich das durch unsere Petition ändert!

Haben Sie schon Ideen, wie es jetzt weitergehen soll?

Ja, wir versuchen online wie offline, bis zum 30. Mai weiterhin Druck aufzubauen. Dann sollen die Unterschriften in Berlin übergeben werden. Bis dahin wollen wir natürlich noch mehr Unterschriften sammeln, und möglichst viele Menschen zu dem Thema sensibilisieren und sie dazu bewegen, Frau Nahles und den anderen Zuständigen ihre Meinung und ihre Bedenken mitzuteilen. Wir wollen uns bemerkbar machen und denen zeigen: Ihr könnt die Würde von Alleinerziehenden und ihren Kindern nicht einfach so verkaufen, ohne dass es irgendwen juckt.

Wenn Sie auf die Ereignisse der letzten Tage blicken: Was hat sich für Sie verändert, seit Sie die Petition gestartet haben?

Ich bin froh, endlich etwas gegen diese Ungerechtigkeiten zu tun. So viele Leute verstehen überhaupt nicht, mit welchen immensen Schwierigkeiten wir Alleinerziehenden jeden einzelnen Tag des Jahres zu kämpfen haben. Dieses Gefühl des „Nicht gesehen werden“ und der Ohnmacht nicht mehr länger runterzuschlucken, sondern mich nun stellvertretend für eineinhalb Millionen Menschen zur Wehr zu setzen, bedeutet mir sehr viel. Jede weitere Unterschrift motiviert mich weiterzumachen.


Alleinerziehende in Deutschland

In Deutschland leben 1,6 Millionen Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern in einem Haushalt. Das heißt jede fünfte Familie ist alleinerziehend, in 90 Prozent der Fälle sind es alleinerziehende Mütter. 70 Prozent der Alleinerziehenden sind erwerbstätig, darunter 45 Prozent in Vollzeit. Dennoch beziehen 39 Prozent aller Alleinerziehenden Hartz-IV, ein Drittel davon sind so genannte „Aufstocker“. Das heißt: Trotz Erwerbstätigkeit reicht das Geld nicht aus, um die Familie zu ernähren, so dass Transferleistungen vom Staat zur Sicherung des Existenzminimus beantragt werden müssen.

Insgesamt leben 2,2 Millionen Kinder in Ein-Eltern-Haushalten – Tendenz steigend. Ein-Eltern-Familien sind die einzige Familienform, die Zuwachsraten verzeichnet. Diese Kinder sind überdurchschnittlich häufig von Armut betroffen: Die Hälfte aller Minderjährigen, die Hartz-IV beziehen, lebt in Alleinerziehenden-Haushalten.

Quellen:


Alleinerziehende startet Petition gegen absurde Hartz-IV-Reform

Anna Petri-Satter ist 33 Jahre alte Musikpädagogin und unterrichtet an einer Schule sowie einer Musikschule. Sie ist selbst alleinerziehende Mutter und lebt mit ihrem achtjährigen Kind in Aachen. Alleinerziehend zu sein und ergänzend zur Arbeit auf Hartz-IV angewiesen zu sein, kennt sie aus eigener Erfahrung.

 

 

WeAct Logo

Diese Petition wurde auf WeAct, der neuen Petitionsplattform von Campact, gestartet. Es ist also keine Kampagne von Campact. Da Campact aber die Ziele der Petition unterstützt, möchten wir Dich auf die Kampagne hinweisen.

29 Kommentare

  • von Linos

    Man (und frau) stelle sich den ganzen bürokratischen Aufwand vor: allein die (Er)Klärung verschiedenster Wechselmodelle und die flexiblen Anpassungen und Korrekturen, die – je nach Ferien- oder Krankheitheitstagen oder bei Dienstreisen-Betreuung bspw. fällig wären…

    Na, das schreit doch nach einer extra-Behörde! Frau Nahles schafft Arbeit!! :-D
    …ich sehe die seitenlangen Änderungsbescheide schon vor mir, höhö!

    …wenn einem das Lachen nicht im Hals stecken bleiben würde…

    Als alleinerziehende Mutter, die ebenfalls (weil nicht genügend verdienend) Zuschuss bekommt – Gottlob!, kenne ich die ohnehin immer länger werdenden Bescheide – stets muss mehr einzeln herausgerechnet werden… sieht die Behörde noch durch!? Ich habe da meine Zweifel… 22 Seiten… Arbeit für ein „SPD“-System: S!chwerstkrank (letztlich Umverteilung nach oben), P!ervers (Opfer werden zu Tätern gemacht) und D!iskriminierend (für alle Betroffenen)!

  • von Grace Elhrar

    Hallo Frau Petri-Satter,
    Unterzeichnet und in fb geteilt.
    Kinder sind unsere Zukunft.
    Soweit reicht es bei der werten Frau Nahles offensichtlich nicht. Sehr traurig.
    Danke fuer Ihre Initiative!

  • von Henry Ellermann

    Ich habe zwar selber keine Kinder, kann aber den Aussagen von Julia Coelho nur uneingeschränkt zustimmen. Sie musste Lohnsteuer-Klasse I als Alleinerziehende erleiden, während schon gleichgeschlechtliche (Ehe?-)Paare Anspruch auf Zusammenveranlagung sprich eine günstigere Lohnsteuerklasse haben. Ich habe ja nichts gegen gleichgeschlechtliche Paare, aber wer sichert denn überhaupt unseren Fortbestand um nicht zu sagen unseren Generationenvertrag? Wo ist da die Verhältnismäßigkeit? Alleinerziehende sorgen mindestens so gut (oder schlecht) für den Fortbestand unserer Gesellschaft wie sogenannte traditionelle Familien. Sie dürfen nicht noch mehr durch die Politik benachteiligt werden, während in aller Regel kinderlose gleichgeschlechtliche eingetragene Lebenspartner noch durch ein „Ehegattensplitting“ begünstigt werden.

  • von Gerd Keller

    Vielleicht hilft auch ein Zitat aus dem Alten Testament zur Einsicht:
    „Weh denen, die unrechte Gesetze machen, um die Sache der Armen zu beugen und Gewalt zu üben am Recht der Elenden!“
    Jesaja 10,1.2

  • von Jutta Schreiter

    ich war auch alleinerziehende Mutter. Als solche hat man es allgemein schon schwer genug. Auch wenn man einen Job hat und arbeiten geht, so wie ich. Das Geld ist immer knapp bemessen und der „Unterhalt“ reicht generell nicht um ein Kind aufzuziehen. Wenn nun eine Partei, die sich auch noch sozial nennt, den Frauen Geld wegnehmen will, nur weil das Kind hin und wieder mal beim „Vater“ ist, dann ist das eine Frechheit ohnegleichen.
    Eine solch unsoziale Partei sollte für uns Frauen generell NICHT wählbar sein.

  • von Veronika V.

    Die Kürzugen stellen Verstöße gegen die UN-Kinderrechtskonvention dar, die Deutschland ratifiziert hat, besonders gegen Artikel 9, Abs. 3: „Die Vertragsstaaten achten das Recht des Kindes, das von einem oder beiden Elternteilen getrennt ist, regelmäßige persönliche Beziehungen und unmittelbare Kontakte zu beiden Elternteilen zu pflegen,…“
    Dem Kindeswohl ist nicht gedient, da es aus finanziellen Gründen seitens des Staates gezwungen wird, das getrennt lebende Elternteil weniger oder nicht zu besuchen.Die vorgeschlagenen Kürzungen greifen erheblich in das soziale Leben der Alleinerziehenden ein, da hierdurch bsp. keine freie Freizeitgestaltung, die in unserem Land in den meisten Fällen mit einem finanziellen Aufwand verbunden ist, möglich sein wird. Das verstößt gegen die Artikel 3, Abs. 1 und Artikel 18, Abs. 1 sowie Artikel 31, Abs. 1 und 2 der UN-Kinderrechtskonvention, und gegen Artikel Artikel 6, Abs. 1 des Grundgesetzes.
    Benachteiligung Alleinerziehender ist grundgesetzwidrig.

  • von L.S.

    Vielen Dank für die Petition. Ich bin in der glücklichen Situtation nicht von Hartz IV abhängig zu sein und mir einen guten Anwalt leisten zu können um Betreuungsunterhalt zu erstreiten. Hier sollte die Politik eingreifen und eine gerechte Verteilung der Mittel zwischen hauptsächlich Betreuenden und dem anderen Elternteil regeln. Am Anfang meines alleinerziehenden Weges riet mir das damalige Jugendamt sogar ab einen Unterhaltstitel von ihm zu beantragen, dies würde die Beziehung stören.
    Vom Titel musste ich in der Zwischenzeit jedoch schon Gebrauch machen. In meinem Freundeskreis sind mittlerweile auch andere Mütter, ohne Kontakt zum Vater und sie leider auch ohne Kindesunterhalt. Das Jugendamt zahlt nicht mehr, was dann?
    Es ist unglaublich!

  • von Isabel B.

    Danke an Anna! Mir fehlen die Worte – das macht ohnmächtig.
    Ganz einfach: es ist eh nichts übrig! Angeblich soll aber was übrig sein, da Hartz IV-Mütter/-bzw. Aufstockerinnen ja aufgefordert werden, anzusparen: für Anschaffungen wie Klamotten, Bücher, aber auch Zahnarzt-Zuzahlungen, für jegliche andere notwendige, aber nicht mit Hartz-IV bezahlbare Dinge, von kultureller Teilhabe ganz zu schweigen…andere Beispiele:
    Spart das Kind mal etwas -z.B. aus einem Job-, muss es den Gewinn (jährl. Zinsen) 100% ans Jobcenter abdrücken. Versäume ich etwa – aus Unwissen- den (minimalen!) Zins mitzuteilen – Geldstrafe. Reist ein Kind nach dem Abi eine Weile, muss die Mutter sich sofort eine kleinere Wohnung suchen, obwohl der Reisende ja erstmal wiederkommen wird – er hat dann kein Zuhause mehr! – So großen Dank an Anna Petri-Satter! Für das Brechen des Schweigens, fürs Erheben ihrer Stimme (fürs soziale Miteinander/Klima aller, nicht nur von Alleinerziehern) – von Herzen Danke, und viel Erfolg!

  • von Helga Meyer

    Es gibt den Ausführungen meiner Vorgänger, die schon alles wesentliche angesprochen haben, nichts hinzuzufügen. Nur eines liebe Frau Nahles:
    „Sie haben keine Ahnung! Machen Sie nur so weiter, dann werden Sie und Ihre Partei die letzten Mitglieder und Wähler auch noch verlieren.“

  • von Horst Hill

    Unabhängig einmal vom abstrusen Inhalt solch einer Gesetzesvorlage ist dieses wieder ein typisch deutsches Verwaltungsdenken:
    Unabhängig vom Frustauslösepotenzial bei den Betroffenen: Wer soll denn das bitte prüfen und organisieren? Müssen wir Alles und Jedes, was man auch mit dem vernünftigen Menschenverstand regeln könnte in Gesetze packen? Mir scheint, hier soll mit dieser Gesetzesvorlage dem Steuerzahler Aktivität und Daseinsberechtigung der Gewählten vorgegaukelt werden.
    Na, das ist doch mal ein selbsterklärender Schuss, der sowas von nach hinten losgegangen ist ……

  • von Anne Jeziorski

    ALG II Leistungen vom Kinderregelbedarfssatz zu kürzen ist ungeheuerlich.
    Das Kindergeld wurde seit Einführung von ALG II zu 100% auf Kinderregelbedarfssatz angerechnet, ohne dass hier ein Aufschrei durch das Land zieht.
    Es handelt sich hierbei um steuerfinanzierte Leistungen. Wer aufstocken muss, weil das Geld zum Leben unzureichend ist und parallel Steuern zahlt, der hat Pech gehabt.
    Der soziale Unfriede wird aufgrund des UH und Anrechnung weiter forciert, zwischen den getrenntlebenden Partnern. Dieser Zustand ist für das Kindeswohl kaum förderlich. Vielleicht steht im Nahlespapier wie sie die aufkeimenden Probleme lösen kann/wird/sollte und müsste.
    Ich sehe da sehr rot bei diesen Gedanken. Eine andere Welt ist nötig – aber, nächstes Jahr sind Bundestagswahlen. Ich hoffe, die SPD scheitert nicht am Festhalten des eigenen Stils.
    Mir ist bei beim Durchlesen der Rechtsvereinbarung schlecht geworden.

    Wir brauchen ein Grundeinkommen!

    Solidarische Grüße

  • von RuhrDachs

    Bei wieviel % steht die SPD derzeit?
    Die Talfahrt wird sich zurecht fortsetzen.

    An dieser Stelle sei auf die Diskussion über das Grundeinkommen hingewiesen.

    Geld gibt es bei den Global Playern, die auf Grund der Gesetzeslage keine Steuern in Deutschland zahlen.
    Vielleicht sollte man die Gesetze mal ändern: da gibt es mehr zu holen!

  • von Marc Haine

    Der Plan der Politik: monatliche Erhebung oder Berichtspflicht, die im System erfasst werden muss, darüber wann war das Kind wo und wurde von wem betreut (was ist eigentlich, wenn das Kind morgens noch bei Mama gefrühstückt hat und nach der Schule zum Papa gegangen ist, werden dann die Stunden bzw. Minuten erfasst oder die Anzahl der Mahlzeiten?) Und in deren Folge wird dann der Auszahlungbetrag angepasst, verechnet oder nachträglich eingezogen.
    Hm? Was genau daran ist jetzt die beabsichtigte „RechtsVEREINFACHUNG im SGB II“? Da war ja ein richtiger Fuchs am Werk!
    Von dem unmöglichen inhaltlichen Unsinn mal abgesehen!

  • Vielen Dank für die Petition und die gute Begründung. Die Landtagsabgeordnete Marjana Schott hat gestern im hessischen Landtag daraus zitiert, als es um die Situation Alleinerziehender ging. Ich wünsche der Initiative viel Erfolg. Nach Meinung der LINKEN sollte dasjenige Elternteil, bei dem sich das Kind hauptsächlich aufhält, den vollen Regelbedarf für das Kind bekommen. Das andere Elternteil erhält einen pauschalen Mehrbedarf in Höhe des hälftigen Regelbedarfs. Für die Kosten der Unterkunft und Heizung sollte gelten, dass das Kind als Mitglied beider Haushalte betrachtet wird. Wobei DIE LINKE eine sanktionsfreie Mindestsicherung statt Hartz IV will.

  • von Romy Amuga

    Ich bin ja so dankbar, dass ich diese Seite gefunden habe. Bin selbst auch betroffen von der Kürzung. Seit über fünf Jahren profitert unsere Tochter trotz Trennung von unserer Umgangsregelung. Diese hat übrigens massiv dazu beigetragen, dass ich mich beruflich wieder sehr gut etablieren konnte. Trotz meiner Erwerbstätigkeit musste ich aufstockend Leistungen zum Lebensunterhalt beantragen. Die Mehrkosten, die durch die Fahrerei der Eltern entstehen (wir fahren abwechselnd) interessieren niemanden. Man spart definitiv nichts ein, „nur“ weil das Kind ein paar Tage im Monat beim anderen Elternteil verbringt. Es gibt eine Menge Kosten, die mit dem Regelbedarf nicht auch nur ansatzweise vereinbar sind und auch der Freibetrag bei Erwerbstätigen geht für Mehrkosten drauf, so dass unter’m Strich nichts davon übrig bleibt. Dieses bleibt jedoch komplett unberücksichtigt.

  • von Thomas Teichmann

    Macht bitte noch mehr darauf aufmerksam.
    Das ist ungeheuerlich.
    und steht in großem Kontrast zu den reinen Worthülsen, die die Regierung zu den Steuerschiebereien von sich gibt.
    Es darf überhaupt nicht sein, dass aus so pingelnichtigen Gründen einem Kind auch nur ein Cent vom Monatsbetrag abgezogen wird.

  • von Monika Spielhoff - Kalthaus

    Alleinerziehende Menschen sind eh extrem benachteiligt. Die muss verädert anstatt verstärkt werden.

  • von Andrea Krins

    Ich denke, dass ein wichtiger Faktor gar nicht so richtig zur Kenntnis genommen wurde. Es gibt sicherlich auch eine ganze Menge an Alleinerziehenden, die das geplante Gesetz nutzen würden, um ihrem ungeliebten Exmann/frau die Kinder ganz oder teilweise zu entziehen, sollte er oder sie nicht zahlen oder nicht zahlen können.

  • von Sigrid Kleiß

    Das dürfen wir nicht zulassen stoppt Frau Nales
    sie soll doch mal von Hartz IV mit Kind leben

  • von Theresa Malakos

    Kürzungen des Alleinerziehendengeldes verschlechtern erheblich die Lebenssituation der Kinder. Es ist auch zu fragen, ob dem andern Erziehungsberechtigten im Ausgleich Tagessätze zugesprochen werden, insbesondere, wenn dieser auch Hartz IV bezieht. Durch ungerechte Regelungen und weitere Geldkürzungen werden die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern behindert.

  • von Eckhard Wilhelm

    Kleinlichkeit bis zum Exzess bei den Ärmsten und Großzügigkeit bis über die Grenzen des rechtlich zulässigen hinaus für die Reichen und Mächtigen. Die SPD muss noch viel tiefer sinken in der Wählergunst, bis sich hier etwas ändert, und es wird Zeit, diese Pseudo-Sozialdemokraten à la Nahles dahin zu schicken, wo sie hingehören: aufs Abstellgleis!

  • von Dorothea Vienken

    Alleinerziehende brauchen Unterstützung und nicht noch mehr Hindernisse. Wer bewerkstelligt denn die tägliche Volkszählung in den Privathaushalten der Alleinerziehenden, wenn die Oma kommt und das Kind hütet und eine Scheibe Käse mit ißt; wer zählt die Milchportionen, die die Spielkameraden verputzen, wer die Tage, an denen das Kind bei der Nachbarin klingeln darf und dort ein paar Reibekuchen mitessen darf? Gehts noch? Frau Nahles sollte sich schämen, wenn sie überwiegend Frauen in den Rücken fällt. Erziehungsleistungen sollten endlich gesellschaftich angemessen gewürdigt werden und nicht auch noch in ihrer Privatsphäre herum geschnüffelt werden. Familienarbeit gehört unterstützt, auch wenn die Familie getrennt lebt!

  • von Silvia Nordmann

    Ich bin wieder mal erschüttert; ich habe zwei Kindern alleine „durchgebracht“, mein Sohn lebt noch bei mir.Ich erhalte null Unterhalt vom KV(Kindsvater),der rechnet sich arm. Mein erstes Kind ist von einem anderen Mann, der brav seinen Unterhalt gezahlt hat , deswegen habe ich aber keine Unterstützung vom Ämtern bekommen, da……der Unterhalt meines 1sten Kindes als Familieneinkommen mitgerechnet wurde. Ausserdem zahlt das Jugendamt auch nur für 7 Jahre Unterhaltsvorschuss, das ist immer noch so.
    Ich musste lernen, das ein Kind nach 7 Jahren Vorschuss,kein Geld mehr verbraucht, da es nicht mehr wächst, nicht mehr isst, nicht mehr zur Schule geht usw….Naja, das spart doch auch wenn ein Kind mal ein paar Tage nicht zu Hause ist??? Es geht doch noch immer schlimmer!
    Ich hoffe Ihr findet viele Menschen,die Euch unterstützen.
    Ich mach das gerne.
    lg Silvia

  • von Julia Coelho

    Ich war vor 30 Jahren auch alleinerziehende Mutter. Meine (gottseidank) gut geratenen Kinder arbeiten heute fuer unsere Renten. Und was hatte ich davon? Steuerklasse 1 ! – waehrend gleichgeschlechtliche Partner ohne Kinder vom Ehegattensplitting profitieren… Um es gleich vorwegzunehmen, ich hatte nie etwas gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen, aber die Relationen stimmen nicht mehr in Deutschland. Waehrend ich meine Kinder auf meine Kosten zu ihrem Vater in Urlaub nach Mexiko schickte, fiel dem nichts anderes ein, als in der Zeit keinen Unterhalt zu zahlen, weil sie ja jetzt bei ihm essen… Wie schon erwaehnt, hatte sich weder die Miete noch anderes dadurch reduziert, dass die Kinder nicht da waren. Mit solchen Massnahmen erreicht man doch nur, dass das eh schon angespannte Verhaeltnis der EXpartner sich weiter verschlechtert – zum Nachteil der Kinder. Und dann schreit man, dass es in D zu wenig Kinder gibt und dass unsere Renten nur durch Zuzug gesichert werden koennen !?

  • von Tekin Turan

    Sozialkürzungen in der heutigen Zeit, sind nicht faire und menschlich, sind sind einfach nicht in der menschlichen Ebene bedacht worden.
    Ich fordere mehr Entscheidungen für den Menschen und nicht für das System immer.

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Veröffentlicht von Simone Katter

Simone Katter, Jahrgang 1979, hat Soziologie mit dem Schwerpunkt Entwicklungspolitik studiert und ist ausgebildete Journalistin. Sie hat für das Deutsche Institut für Menschenrechte, Oxfam und zuletzt als Referentin für Online-Kommunikation beim INKOTA-netzwerk gearbeitet. Nach Stationen in Mexiko und Nicaragua lebt die gebürtige Ruhrgebietlerin heute in Berlin. Ob bei der Antifa, Anti-Atombewegung oder attac – gemeinsam mit anderen für Gerechtigkeit zu streiten, das treibt sie an. Bei Campact betreut sie die Petitionsplattform WeAct.