Die Macht der Lobbyisten: Wie die Energiewende zu kippen droht

Diese Doku zeigt, wie stark die Energiewende durch massiven Lobbyeinfluss Schritt für Schritt ausgesetzt wird - und wie viel Geld die Kohleindustrie dabei wirklich kassiert.

Diese Doku zeigt, wie stark die Energiewende durch massiven Lobbyeinfluss Schritt für Schritt ausgesetzt wird – und wie viel Geld die Kohleindustrie dabei wirklich kassiert.

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Geldgeschenke an die Kohleindustrie

Die vier großen Energiekonzerne Deutschlands setzen mit ihrer mächtigen Lobby die Politik unter Druck. Das Ergebnis: Ein Deal zwischen der Regierung und der Kohleindustrie, die den alten Braunkohlekraftwerken 1,6 Milliarden Euro zufließen lässt. Diese Zahlen zeigen: der Einfluss der Kohlelobby auf die Bundesregierung ist immens. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien geht immer weiter zurück und die Kohlekraftwerke werden auf dem Rücken der Verbraucher/innen mit Milliarden gefüttert. Wie kann das sein?

Vom Klimabeitrag zum Kohlekompromiss

Zuerst sollten die Kohlekraftwerke für ihren CO2 Ausstoß einen sogenannten Klimabeitrag zahlen – also je größer die Verschmutzung ist, desto teurer sollte es für die Kraftwerke werden. Doch stattdessen streicht die Kohleindustrie durch den „Kohlekompromiss“ satte Gewinne ein. Denn dieser Kompromiss beinhaltet eine fette Abfindung oder auch „Stilllegeprämie“, welche die Kohleindustrie erhält, um im Gegenzug acht uralte Kohlekraftwerke auf Standby weiterlaufen zu lassen. Der Irrsinn hierbei: Bei einem tatsächlichen Stromengpass  können die Kraftwerke gar nicht schnell genug wieder hochgefahren werden.

Wenn diese Abfindung oder „Stilllegeprämie“ für die Kohleindustrie nicht schon genug ist, wird diese auch noch über den Strompreis auf die Verbraucher/innen umgelenkt. Das bedeutet, dass ein Viertel des Strompreises schlussendlich nur dafür da ist, die Kohleindustrie zu subventionieren, sodass aus den 1,6 Milliarden Euro vielleicht sogar ein 2-Milliarden-Euro-Geschenk wird.

Der Kohlestrom überschwemmt unsere Netze

Kohlekraftwerke produzieren rund um die Uhr Strom und verstopfen mit ihrer dreckigen Energie die Stromnetze. Gleichzeitig wird weniger Solar- und Windenergie sowie Biomasse produziert und die überflüssige Kohleenergie wird ins Ausland exportiert. Die Stromversorgung in Deutschland läuft nach dem Merit-Order-Prinzip. Dieses gibt die gesetzliche Reihenfolge der Einspeisung vor. Das bedeutet, dass erst der Strom der billigsten Kraftwerke verwendet wird, was wiederum zurzeit die billige Braunkohle ist. Da der Klimabeitrag durch die Kohlelobby verhindert wurde, können die Braunkohlekraftwerke die Stromnetze mit billigem Strom überschwemmen und verhindern so gleichzeitig eine wachsende Einspeisung der Erneuerbaren Energien.

Wir fordern: Schluss mit dem Klima-Killer Kohle! Bist du dabei?

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14 Kommentare

  • von Bernd Krause

    Ist schon auf seine ganz eigene Weise erstaunlich, wenn Menschen engagiert diskutieren und dabei erkennen lassen, auf beiderseitige, gezielte Lobbyarbeit hereingefallen zu sein.

    Der ökologische Unterschied zwischen der Stromproduktion durch großindustrielle Kohleverstromung und durch Großwindkraftanlagen ist stark vereinfacht folgender:

    Kohle ist dreckig und Wind ist sauber(er).

    So weit, so gut, aber leider nicht zu Ende gedacht.

    Das ökonomische und soziale Problem der beiden vorwiegend in überregionalen Strukturen eingesetzten ‚HOCH‘-Technologien zur weitestgehend zentralen Stromerzeugung ist jedoch, dass beide Verfahren bevorzugt von extrem ‚HOCH‘-subventionierten Großkonzernen betrieben werden.

    Die lokale, verbrauchernahe, bestenfalls noch regionale Stromerzeugung und Stromverteilung in moderner ‚GRID‘-Technologie vermeidet bei halbwegs ordentlicher Umsetzung alle drei (vier) Probleme.

    Das Ökologische, das Ökonomische und das Soziale (und die Konzerne).

  • von Markus Estermeier

    „Bei einem tatsächlichen Stromengpass können die Kraftwerke gar nicht schnell genug wieder hochgefahren werden.“

    Richtig! Deshalb stehen sie auch nicht kalt Standby, sondern werden unter Dampf gehalten. Nicht nur um sofort Strom liefern zu können, sondern auch um mit den Schwungmassen ihrer riesigen Turbinen die Netzfrequenz zu stabilisieren. Letzteres können nämlich weder die Windräder noch die Sonnenplatten.
    Also ganz so einfach ist die Energiewende mit den volatilen Stromerzeugern dann doch nicht.

    • von Maria Lohbeck

      Lieber Markus,

      die Energiewende ist so stark, wie wir sie machen: Leider haben Kohlelobbyisten ganze Arbeit geleistet und dafür gesorgt, dass die Windenergie gedeckelt wurde. Würde die Energiewende nicht weiterhin an Ecken und Enden beschnitten und gedrosselt, könnten Erneuerbare auch schneller mehr Strom liefern.

      Und eines ist klar: Damit Deutschland seine Klimaschutzziele für 2030, 2040 und 2050 erreicht, muss etwa die Hälfte der derzeit noch zur Förderung genehmigten Braunkohlevorräte unter der Erde bleiben.

      Keiner fordert den Kohleausstieg 2016, progressive Szenarien von Organisationen wie Greenpeace oder Agora Energiewende beschreiben einen Ausstiegspfad bis 2040. Bis dahin müssen die Erneuerbaren konsequent aus- und die Kohlekraft konsequent abgebaut werden.

    • von Markus Estermeier

      Liebe Maria,

      Greenpeace oder Agora rechnen mit Jahresdurchschnittwerten. Damit kann man weder in einem Haushalt vernünftig wirtschaften, noch einen Produktionsbetrieb führen. Im privaten Haushalt gehts ja noch. Gekocht wird auf einem Holzofen, gewaschen mit einem Rubbelbrett, Fleisch und Gemüse holt man sich täglich frisch beim Bauern. Ja und gearbeitet wird nur noch nach Wetterlage.
      Wir können unsere EE-Erzeuger verzehnfachen, wenn das Wetter es will bleibt deren Leistung trotzdem bei annähernd Null. Und das auch noch des öfteren über mehrere Tage.

      Zum Klimaschutz: Welches langjährige Durchschnittswetter welcher Region wollen Sie schützen? Über Millionen Jahre haben sich ganze Klimazonen verschoben und Kalt- oder Warmzeiten zustande gebracht. Die Klimaoptimas liegen bekanntlich in Phasen der Warmzeiten.
      Es wird zu heiß? Mit derzeit etwa 14,7°C ist die errechnete Strahlungstemperatur der Erde immer noch unter den angeblich idealen natürlichen 15°C.

  • von Chris Zankl

    Wie oft soll das Märchen vom Kohlestrom, der angeblich die Netze Verstopft denn noch erzählt werden? Das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) sieht klipp und klar den Vorrang von Strom aus EEG-Quellen vor. Die Transport- und Verteilernetze sind dazu da, die Stromversorgung sicher zu stellen. Hierzu müssen gewisse TECHNISCHE Gegebenheiten erfüllt werden, die nun einmal nicht durch idiologische Vorstellungen außer Kraft gesetzt werden können! So lange durch erneuerbare Quellen eine Vollversorgung unmöglich ist ( und hierzu gehört WEIT mehr, als nur zufällig grade mal 25 Minuten lang so viel Strom einzuspeisen, wie zufällig grade gebraucht wird), benötigen wir eine solide Basis der Stromversorgung und die kann nun mal derzeit ( und das wird noch sehr lange so bleiben,wenn die Energiewende ihre aktuellen Kurs bei behält) nur aus konventionellen Kraftwerken bereit gestellt werden!

    • von Maria Lohbeck

      Lieber Chris,

      wie setzen uns für den konsequenten Ausbau der Erneuerbaren Energien ein und gegen die jahrzehntelange Weiternutzung von fossiler Energie wie Kohle. Die Erneuerbaren haben enormes Potential, allerdings, in diesem Punkt stimmen wir überein: die Energiewende wird behindert – von der einflussreichen Kohlelobby. Es gibt diverse Studien und Szenarien die einen konkreten Ausstiegspfad vorzeichnen: Ein Kohleausstieg innerhalb der nächsten 20, 30 Jahre ist also nicht nur dringend nötig, sondern möglich!

  • von Klaus Bull

    Für VW ist es strafbar, die Menschen mit Abgasen zu schädigen. Dann sollten die Kohlekraftwerksbetreiber doch auch zur Rechenschaft gezogen werden?

  • Habt Ihr vergessen, dass Niederlande und Italien grossen Mangel an Strom haben? Im Gegenzug ist DE froh bei Flaute und in der Nacht zu Importieren. Differenz Imp./Exp bis zu 15GW. Das wären die nötigen Tagesspeicher. Im Winter jedoch ist es viel schlimmer, De braucht 10’000 GWh Speicherkapazität, vorhanden sind 37 GWh. Nicht zu vergessen, der grosse Bedarf von Nord nach Süd. Netzausbau ca. 100 Mrd. Pumpspeicher 500 Mrd, aber die Berge fehlen.
    P2G als Alternative ist viel zu teuer.

  • von Werner Zylka

    Geld regiert die Welt und vernichtet sie auch, leider!

  • Den impliziten Vorwurf, “schlechte Menschen” zu sein, müssen wir uns jedoch wirklich nicht zu Herzen nehmen, denn er entbehrt jeder Grundlage.

    Wer sich kritisch mit den ökologischen und ökonomischen Auswirkungen der „Energiewende“-Politik befasst und den Interessen des „ökoindustriellen Komplexes“ in die Quere kommt, sieht sich sofort dem Vorwurf ausgesetzt, „Kohlelobbyist“ oder „Atomkraftlobbyist“ zu sein.
    Schließlich bietet der Zufallsstrom aus Windkraft keinen Ersatz für grundlastfähige Energieformen, sondern sorgt vielmehr dafür, dass die effizientesten Kraftwerke aus dem Markt gedrängt werden und die Braunkohle eine Renaissance erfährt.
    Obwohl der Standardvorwurf schon im Ansatz falsch ist – durch Windkraftausbau wird keine einzige Tonne Kohle weniger gefördert oder verbrannt – lohnt es sich, die Parallelen und Unterschiede bezüglich der beiden Energieträger einmal näher zu betrachten:
    http://www.vernunftkraft.de/wie-ist-das-mit-der-kohle/

  • von Gerti Stiefel

    „Decarbonisierung“ ist einer der religiösen Leitbegriffe der schreibenden Zunft und des regierenden Gewölks. Kurz: des bildungsfernen Zeitgeistes. Ein guter Grund, den Begriff in aller gebotenen Kürze einmal näher anzuschauen.
    Carbon ist Kohlenstoff. Kohlenstoffverbindungen bilden die molekulare Grundlage allen irdischen Lebens. Eine dieser Verbindungen ist CO2, Kohlenstoffdioxid, eine Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff.
    Die Basis allen Lebens bildet die Photosynthese. Lichtenergie wird zu chemischer Energie. Ein komplizierter biochemischer Vorgang, der in mehreren Schritten in den grünen Blättern der Pflanzen abläuft und bei dem energiereiche, organische Verbindungen aufgebaut werden. Wasser wird gespalten, dabei entsteht Sauerstoff.
    Ein wesentlicher »Rohstoff« der Photosynthese ist CO2. Das CO2 Molekül wird gespalten, Glucose, also Stärke, entsteht. Ohne CO2 fehlt die Grundlage der Photosynthese-Reaktion. Ohne CO2 kein Leben.

    • von Maria Lohbeck

      Liebe Gerti,

      bei einer Sache hast Du sicherlich Recht: Das Gas CO2 ist natürlicher Bestandteil unserer Luft. Es entsteht allerdings nicht nur bei natürlichen Prozessen (welche Du beschreibst), sondern eben auch bei der Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Substanzen, wie fossilen Energieträgern.

      CO2 wird dann gefährlich, wenn zu viel davon in die Atmosphäre gelangt. Doch leider entwickelt es sich genau dorthin: Zwischen 1970 und 2004 sind die globalen CO2 Emissionen um 80% gestiegen. In dieser hohen Konzentration kommt es einer Erwärmung des Erdklimas: Die Schicht aus Treibhausgasesn reflektiert die Wärmestrahlung zurück auf die Erde. Eine dauerhafte Erderwärmung bringt das globale Klima massiv ins Ungleichgewicht.

      Diesen Effekt zurückzudrängen, dafür setzen wir uns mit verschiedenen Kampagnen ein.

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Veröffentlicht von Kristina Heider

Praktikantin - Kristina Heider, Jahrgang 1994, hat in Bremen und Paris Soziologie und Politikwissenschaften studiert und sich auf das Thema Klimamigration spezialisiert. Während ihres Studiums war sie in der Politischen Vertretung von Greenpeace Deutschland e.V. tätig. In ihrer Freizeit engagiert sie sich im Bereich der Integration von Flüchtlingen und hat mehrere Jahre mit Kindern mit Trisomie 21 zusammengearbeitet.