Eine Frau, die Grenzen überwindet

Letztes Jahr schwamm sie um ihr Leben, diesen Sommer um olympische Medaillen. Wie eine 18-jährige Syrerin Leben rettet - und jetzt ein Vorbild für uns alle sein kann.

von  6 Kommentare

Yusra Mardini (18), schwamm im Mittelmeer um ihr Leben - schwimmt jetzt im Refugee-Team, Olympiade 2016. Grafik: Campact, Foto: Michael Sohn

Mit 14 startete Yusra Mardini bereits für das syrische Schwimmteam. Doch dann zerstörte der Krieg ihren Traum von einer großen Sportkarriere. Als selbst das Schwimmbad in ihrer Heimatstadt Damaskus vor den Bomben nicht mehr verschont blieb, entschied sich Yusra mit ihrer Schwester Sarah aus Syrien zu fliehen. Letztes Jahr im August begannen sie ihre Reise über Beirut nach Istanbul. Doch dann stand die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer an.

Wenn dein Talent Leben rettet

Nach 30 Minuten verstummte der Motor des wackligen Gummiboots – irgendwo zwischen der Türkei und Griechenland. Yusra und ihre Schwester wussten, es geht um Leben und Tod von allen Passagieren. So sprangen die geübten Schwimmerinnen ins dunkle Wasser und zogen das vollbesetzte Boot mehrere Stunden Richtung Festland. Sie schafften es und retteten so ihr Leben und das von 18 weiteren Menschen. Über die beschwerliche Balkanroute ging es weiter für sie. In Ungarn wurden sie festgenommen, in Serbien versteckten sie sich in Feldern vor den Übergriffen der Polizei. Nach 25 Tagen erreichten sie Deutschland. Dann später eine Notunterkunft in Berlin.

Yusra Mardini – mehr als nur eine Sportlerin

In Berlin fragten die Mädchen, ob es in der Nähe ein Schwimmbad gäbe – schon bald trainierten sie bei den Wasserfreunden Spandau. Nun startet Yusra in Rio, bei den Olympischen Spielen 2016. Eine Geschichte wie in einem Film. Doch das Yusra überhaupt noch am Leben ist, verdankt sie ihrem Ausnahmetalent im Schwimmen. Doch die junge Frau ist weit mehr als “nur” eine Sportlerin – sie kämpft für Anerkennung und Respekt von allen Menschen:

“Ich möchte, dass die Menschen verstehen, dass wir normale Menschen sind. Wir mussten unsere Heimat verlassen und wollen ein besseres Leben. Aber was uns passiert ist, kann jedem passieren.”

Die Schutzsuchenden als Menschen wie du und ich wahrnehmen, statt sie nur auf ihre Situation als Geflüchtete zu reduzieren:

“Wir repräsentieren die Hoffnung. Wir repräsentieren 60 Millionen Menschen weltweit und wollen zeigen, dass wir etwas leisten und erreichen können – nicht nur im Sport.”

Teile Yusra’s Geschichte mit Deinen Freundinnen und Freunden:

Sichere Fluchtwege statt Olympia Gold

Die Geschichte von Yusra und Sarah zeigt: wir brauchen dringend sichere Fluchtwege. Es darf nicht sein, dass Menschen die vor Krieg und Terror fliehen keine andere Wahl haben, als in unsicheren Booten das Mittelmeer zu passieren. Ende Juli 2016 wurden innerhalb von zehn Tagen 120 Leichen an libysche Strände angespült. Jeden Tag ertrinken Menschen auf ihrem Weg nach Europa. Doch das ist mittlerweile nicht mal mehr eine Nachrichtenmeldung wert. Berlin und Brüssel scheinen sich auch eher wenig dafür zu interessieren, Hauptsache die Türkei bleibt beim Flüchtlings-Deal.

Yusra ist das Aushängeschild für das Flüchtlings-Team bei den Olympischen Spielen. Doch während ihre Geschichte international Beachtung findet, wird gerne verschwiegen: Yusra wäre beinah, wie so viele Menschen auf ihrer Flucht, ums Leben gekommen. Statt diesen Einzelfall zu glorifizieren, muss die Politik endlich handeln und Alternativen zur tödlichen Route über das Mittelmeer schaffen.

Nothilfe ist kein Schmuggel

Immer öfter werden Helfer, die im Mittelmeer Menschen retten kriminalisiert. Manuel Blanco, Enrique Rodríguez und Julio Latorre sind spanische Feuerwehrmänner. Im Dezember fuhren sie nach Griechenland, um auf der Insel Lesbos als ehrenamtliche Mitarbeiter der NGO PROEM AID (Professional Emergency Aid) Flüchtlingen zu helfen. Sie retten Menschen, die vor Krieg und Armut geflohen sind, vor dem Ertrinken. Jetzt drohen ihnen zehn Jahre Gefängnis. 

Die drei Männer haben ihr Leben riskiert, um tausende Kinder und Erwachsene zu retten. Doch die griechischen Behörden sehen darin Menschenschmuggel. Unsere Partnerorganisation WeMove hat daher einen Appell gestartet, um zu verhindern, dass ausgerechnet diejenigen bestraft werden, die Menschen Schutz und Würde bieten – und damit den Traditionen Europas folgen. Unterzeichne hier, damit Menschen weiterhin geholfen werden kann:

6 Kommentare

  • Schade! Ich hätte ihr eine Medaille gegönnt, sie macht so gute Arbeit! Respekt!

  • von Peter Pan

    Mir wird schlecht, wenn ich sowas lese. Die Mehrheit derer, die hierhier kommen, sind reine Wirtschaftsmigranten. Selbst abgelehtne “Asyl”bewerber bekommen hier weiter volle Sozialhilfe auf Bundesbürger-Niveau. Anstatt sofort dann jede Lelsitung zu stoppen (dann wären die nämlich sofort wieder weg), zahlt diese bekloppte Regierung voll weiter. Ich geh dann mal AfD wählen… :))

    • von Janine Behrens

      Lieber Peter Pan,

      woher kommt denn deine Annahme, es kämen hauptsächlich Wirtschaftsflüchtlinge? Asylsuchende sind nicht nur als Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlinge, sondern auch aus anderen Gründen schutzwürdig. Die meisten Flüchtlinge nach Zahlen von Januar bis April 2016 kommen aus Syrien (116.826), Irak (35.879) und Afghanistan (29.765) (Quelle: https://campact.org/ctoUWf). Länder, in denen Krieg und Terror herrschen. Yusra ist einer dieser Menschen. Leider hat dich ihre Geschichte nicht erreicht.

      Schade, dass du auch noch Menschen, deren Asylgesuch abgelehnt wurde, die Grundsicherung bis zu ihrer Abschiebung versagen möchtest.

      Für dich zur Info: Die Versorgung von Asylbewerbern regelt das Asylbewerberleistungsgesetz. Es gilt auch für Geduldete und andere Ausländer, die sich nur vorübergehend in der Bundesrepublik aufhalten dürfen. Wie viel Geld ein Asylbewerber erhält, hängt von seiner Unterbringung ab. Ein erwachsener Alleinstehender in einer Erstaufnahmeeinrichtung hat dort ein Dach über dem Kopf und wird mit Essen und Trinken versorgt. Zusätzlich gibt es 143 Euro – das „Taschengeld“ für den persönlichen Bedarf.

      Unzählige Krisenherde und Kriege treiben laut UN-Flüchtlingshilfswerk weltweit aktuell rund 60 Millionen Menschen zur Flucht. Das sind so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Demnach waren allein im Jahr 2014 rund 13,9 Millionen Menschen auf der Flucht – viermal so viele wie 2010. Viele flüchten laut dem Hilfswerk innerhalb ihres Landes, die meisten in ein angrenzendes Nachbarland. Angesichts dessen nimmt Deutschland einen Bruchteil an Menschen auf.

    • von Gerda K.

      Schämen Sie sich, Sie Egoist

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